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10. März 2014

Das dicke Ende kommt erst noch.

10. März 2014|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Das dicke Ende kommt erst noch.

Mancher mag sich wundern, warum DAX & Co. nach einem kurzen Aufflackern zu Beginn des Jahres arg ins Straucheln gekommen und in dieser Woche sogar vor die Jahresendstandswerte 2013 zurückgefallen sind. Nun, der Grund dafür ist der gleiche, warum z.B. der DAX in den letzten zwei Jahren mehr als 55% zugelegt hat: Billionen billiger Dollars, Euros, Pfund Sterlings und Yens, die speziell von den Banken dankbar aufgenommen und auf dem Umweg über Schattenbanken, Hedgefonds und Derivate kreativster Art in den Markt gepumpt wurden. Die ebenfalls in billigem Geld schwelgenden Großkonzerne nutzten die Gunst der Stunde, um vermehrt eigene Aktien zurückzukaufen, und selbst private Investoren engagierten sich kreditfinanziert an den Wertpapiermärkten wie nie zuvor. Nun aber schlägt die ‚Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)‘, die Zentralbank der Notenbanken, Alarm, denn die Geldpolitik der westlichen Notenbanken habe (laut einer Studie vom Februar 2014) zu einer gigantischen Verschuldung der Schwellenländer geführt; 9,1 Billionen Dollar, fast das Doppelte des Kreditvolumens vor 2008 (Ausbruch der Finanzkrise), stünden, so die BIZ, auf wackligen Beinen, wobei vor allem die europäischen Banken mit Forderungen gegenüber den Schwellenländern von fast 3,4 Billionen ganz vorne in der Schlange stehen. Addiert man hierzu noch die offenen Bestände der Finanzzentren von Singapur, Hongkong, Panama und anderen exotischen Finanzparadiesen, summieren sich die Forderungen der europäischen Kreditinstitute auf über 4,1 Billionen Dollar.
So großzügig in den vergangenen fünf Jahren die Ströme billigen Geldes flossen, so ängstlich ziehen nun Private wie Institutionelle ihre Gelder aus den Schwellenländern ab, seit die US-Notenbank ein Ende des Tapering signalisiert. So flossen allein in den ersten sechs Wochen 2014 mehr als 20 Milliarden Dollar aus den Aktienmärkten der Schwellenländer ab – 35% mehr als im gesamten Jahr 2013. Brasilien und Rußland sagten Auktionen von Staatsanleihen über insgesamt 42 Milliarden Dollar ab, und nun rätseln die führenden europäischen Geldhäuser, ob sich die Krise eher auf den Anleihen- oder den Aktienmärkten auswirken wird, wobei die Situation besonders für Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei angespannt ist, da diese Länder aufgrund ihrer hohen Leistungsbilanz-Defizite auf verläßliche Zuflüsse von Investoren und Kreditgebern angewiesen sind.
Hinzu kommt für das Bankensystem der Euro-Zone noch die Notlage der Peripherie- Länder – Portugal, Spanien und (immer noch) Griechenland –, wobei insbesondere Portugal und Spanien aufgrund ihrer traditionell starken Kreditengagements in Südamerika mit einem Volumen von fast 500 Milliarden Dollar betroffen sind.

Während die US-Banken die letzten vier Jahre vor allem zum Aufbau ihrer Eigenkapitalquote verwendet haben, engagierten sich Europas Banken mit Verve und Optimismus in den Schwellenländern, nachgerade in (süd-)osteuropäischen Ländern, wohl in der Hoffnung, daß diese möglichst zeitnah in den Schoß der Euro-Zone fallen und deren Kredite damit als gesichert gelten könnten.
Mit insgesamt 66 Billionen US-Dollar ist die kumulierte Bilanzsumme der europäischen Banken fast exakt viermal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Euro-Zone, wobei nur fünf Jahre nach der Finanzkrise die Gier schon wieder größer zu sein scheint, als der Schmerz der Erfahrung.
Noch dramatischer stellt sich die Situation dar, wenn man die Engagements der Schattenbanken hinzurechnet – außerhalb der Bilanzen agierende Bank-Töchter, Beteiligungsfirmen und Hedge-Fonds; dort schlummern weitere 21 Billionen US-Dollar kreditierter Forderungen. Alleine die HSBC, Europas größte Bank, benötigt gemäß einer Studie des unabhängigen Research-Hauses ‚Forensic Asia‘ über 110 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital, weil sie die Vermögenswerte ihrer Engagements in der Bilanz zu hoch angesetzt hat.
Neckisches Aperçu: Vor kurzem beschränkte die HSBC Barabhebungen ihrer Kunden – vorgeblich, um ihre Kunden vor der Verführung durch Finanzbetrüger zu schützen!
Selten so gelacht.

H.-W. Graf

15. November 2013

MAI, TWP und jetzt TAFTA und TTIP

15. November 2013|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für MAI, TWP und jetzt TAFTA und TTIP

Was Le Monde diplomatique (sh. Artikel vom 8.11.2013: „TAFTA – die große Unterwerfung“) zur geplanten “Wirtschafts-NATO” zu sagen hat, macht zarte Leser gruseln.
Noch absurder jedoch ist, daß eben diese Entwicklung bereits vor 15 Jahren absehbar war (sh. unsere Berichte von 1998 und 1999 im ‘zeitreport‘ des DBSFS, dem Vorläufer des heutigen ‘PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.‘ und des ‘zeitreport online‘), nur wollte das damals keiner wissen; im Gegenteil: Wir wurden damals des ‚Defätismus‘ und der Panikmache geziehen. Tempora mutantur!

Es lohnt sich wirklich (vor allem für jüngere Querdenker), diese infame Entwicklung über die zeitreport-Artikel sowie den untenstehenden Artikel noch einmal nachzuvollziehen.

H.-W. Graf


Die ‘Transatlantische Freihandelszone’

Daß alles ‚im Fluß‘ ist, wußte schon der griechische Philosoph Herakleitos von Ephesos („panta rhei“) vor 2.500 Jahren. Vom gleichen Philosophen stammt der (zumeist völlig mißverstandene) Ausspruch: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“, womit er allerdings die konstante Bipolarität meinte (‚dunkel/hell‘, ‚frei/unfrei‘, ‚Tag/Nacht‘, etc.), inmitten derer sich der Mensch wiederfindet und der er sich entweder passiv ergibt oder innerhalb derer er aktiv nach Verständnis und Anpassung strebt.

Bedingt durch die rasante Zunahme an Informationen (und die Geschwindigkeit, mit der diese global verbreitet werden) steigen die Anforderungen an uns Menschen, uns in einer immer komplexer werdenden Welt (und deren Bipolarität) zurechtzufinden.
Genau damit aber sind viele Menschen überfordert; sie ergeben sich zunehmend in ihr „Schicksal“ („daran kann man sowieso nichts ändern“) und werden damit zu passiven Mitläufern der um sie herum tobenden Geschehnisse.
Wer sich jedoch die Mühe macht, hinter die Kulissen zu blicken, erlebt eine immer interessanter werdende Welt, und mit dem wachsenden Verständnis um Zusammenhänge schwindet auch die Angst vor dem, was auf uns zukommt, was uns erwartet und worauf wir uns einstellen können und sollten.
Da aber gerade diejenigen, die unser Leben in hohem Maße bestimmen und regeln – Parteien, Politiker und ihre Suborganisationen sowie Wirtschafts“experten“, die wider besseres Wissen behaupten, Wissenschaftler zu sein –, zumeist heillos überfordert sind (zum einen exekutieren sie nur höhere Weisungen, zum anderen reduziert die Sicherheit, in der sie sich erleben, ihre Bereitschaft, tiefergehend über Zusammenhänge und Folgen ihres Tuns und Handelns nachzudenken), steigt das Maß der Unverständlichkeit (und damit die Ängste, das Leben in seinen verschiedenen Phasen zu meistern) in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung.

So ist hierzulande noch nicht endgültig geklärt, wer den 18. Deutschen Bundestag dominieren wird. Rot/Dunkelrot/Grün wäre tatsächlich eine (wenngleich unwahrscheinliche) Option, da sich die FDP selbst disqualifiziert hat und es der AfD nicht gelungen ist, die 5%-Hürde zu überwinden. Andererseits hätte dies eine tiefe (und auf Dauer nicht tragfähige) Spaltung der gesamten Gesellschaft zur Folge, da die Unionsparteien rund 42% der Bevölkerung repräsentieren (die Nicht-Wähler mal außen vor gelassen).
Eine zweite, sehr wahrscheinliche Option bestünde in einer große Koalition (mit der SPD) oder einer kleinen Koalition (mit den GrünInnen). In beiden Fällen liefe dies jedoch auf recht ‚madige‘ Kompromisse hinaus, deren Tragfähigkeit wohl nur sehr bedingt sein dürfte, auch wenn die SPD-Basis wohl zustimmen wird. Eine dritte Option wären Neuwahlen – wohl ein Damoklesschwert für GrünInnen und SPD, hingegen durchaus eine Chance für die post-SED/PDS („die Linken“) und vor allem die AfD, die sich eines wachsenden Zuspruchs erfreut und mit der A. Merkel wohl deutlich besser zurande käme als mit Rot oder Grün, nicht zuletzt aufgrund des ökonomischen Sachverstands, den man der AfD getrost unterstellen darf.

Erweitern wir den Horizont: Innerhalb der EU ist vieles ‚im Fluß‘: Die ‚Lachnummer‘ in Italien ist dank des resigniert eingeknickten Berlusconi noch einmal vermieden worden (es wäre zur 62. Regierung seit dem 2. Weltkrieg gekommen), aber dem Land geht es finanz- und wirtschaftspolitisch immer schlechter. Frankreich (insbesondere seinem ökonomisch völlig überforderten Vorturner Hollande) geht es nicht besser. Zwar ist man in Gallien (ebenso wie in Italien) heilfroh darüber, die ehemalige eigene Währung losgeworden zu sein, aber die finanz- und wirtschaftspolitisch erdrückende Macht des östlichen (bzw. nördlichen) „PartnersDeutschland macht beiden Ländern das Leben nicht leichter; ihre Rollen auf der internationalen Wirtschaftsbühne verblassen immer mehr, und beide Länder drücken demographische Lasten sowie vor allem die impliziten Schulden (Versorgungsversprechungen an einen völlig überfressenen öffentlichen Dienst). Zudem belastet beide Länder die Überfremdung aus Nordafrika und (süd-)osteuropäischen Einwanderern.
Weder Spanien und Portugal, noch Griechenland und die (süd-)osteuropäischen Mitglieder der EU kommen wirtschafts- und finanzpolitisch auf die Beine; zumeist sind die von Brüssel geforderten „Reform“-Diktate entweder in der Bevölkerung nicht durchzusetzen, oder sie werden von den jeweiligen Verfassungsorganen gar als verfassungswidrig aberkannt.
Natürlich würde das Ausscheren von Mitgliedern der EU aus der Euro-Zone erheblich Geld kosten und einen Verfall der auf diese Länder gehaltenen Anleihen mit sich bringen. Zudem würden zwar deren Exporte billiger (und damit konkurrenzfähiger), aber Importe eben teurer (was jedoch dem Wiederaufbau eigener Produktionsstätten à la longue dienlich wäre), aber die eigentliche Gegenfrage muß lauten: „Wie viel teurer würde es (für alle Beteiligten), wenn man den heute herrschenden ‚Status quo‘ beibehielte und – nach dem Motto: „Weiter so!– das derzeitige Desaster in vielen Ländern der Euro-Zone einfach weiter“blühen“ ließe?
Genau dies geschieht jedoch im Moment: Höchst naive Politiker glauben, den bodenlosen Brunnen (die EU) mit immer noch mehr Wasser (Geld) füllen zu müssen – in der irr(ig)en Hoffnung, das Versiegen des Brunnens damit überkompensieren zu können.
[Im alten Rom des 3./4. Jahrhunderts u.Z. versuchte man, den Vasallenstaaten noch mehr Güter und Waren, Rohstoffe und Edelmetalle, Steuern und Abgaben abpressen zu können, um damit das längst nicht mehr finanzierbare römische Weltreich (und vor allem den Lebensstandard im hedonistisch verfetteten Rom) am Leben erhalten zu können. Was aus diesem ‚römischen Weltreich‘ wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden.]

Was aber steckt nun hinter diesem aberwitzig-verzweifelten Versuch der Parteien und Politiker, diesen babylonischen Irrsinn um jeden Preis am Leben erhalten zu wollen?
Nun, längst (in Washington) beschlossene Sache ist es, den aufstrebenden Schwellenländern (China, Indien, Brasilien, Indonesien) sowie den Ländern, die, vom Joch des Sozialismus/Kommunismus befreit, in den Kreis der Schwellenländer oder gar der Industrienationen aufgenommen werden wollen, ein geschlossenes Bündnis entgegen zu stellen, um damit den Zugriff auf Rohstoffe (Edelmetalle, strategische- und Industrie-Metalle, Öl-/ Gasvorkommen) und die Macht über Handels-, Transport- und Absatzwege zu wahren.
Genau hierzu wurde 1948 das GATT-Abkommen (‚General Agreement on Tariffs and Trade‘; allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) gegründet, das 1995 durch die WTO (‚World Trade Organization‘; ‚Welthandels-Organisation‘) ersetzt wurde. Zwar hat die WTO ihren Sitz in Genf, doch die Entscheidungen werden ausschließlich in Washington D.C. gefällt. 1997 erfolgte die Gründung des PNAC (‚Project for the New American Century‘; ‚Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert‘), die im gleichen Gebäude wie das AEI (‚American Enterprise Institute‘; ‚Amerikanisches Institut für Unternehmen‘) in Washington D.C. gelegen ist, und 2009 wurde daraus, als Nachfolgeorganisation, die FPI (‚Foreign Policy Initiative‘; ‚Initiative für Auslandspolitik‘). Dazu schrieb Thierry Meyssan 2009: „Die Schaffung eines transatlantischen Marktes ist lediglich eine Komponente eines größeren Projekts, einschließlich der Schaffung einer tatsächlich supra-institutionellen Regierung mit einem transatlantischen Wirtschaftsrat, einem transatlantischen politischen Rat und einem transatlantischen Parlament.

Hierum geht es also in Wahrheit. Aus dem ehemaligen Militärbündnis NATO, dessen eigentlicher Gründungszweck sich inzwischen ziemlich überholt hat, soll nun [nachzulesen in den inzwischen freigegebenen „geheimen Klauseln“ des Marshall-Plans (Grundlage der NATO, 1946)] ein transatlantisches Handels-, Produktions- und Investitions-Bündnis der USA (nebst Kanada) und Europas – nach Osten so weit wie möglich erweitert – werden.
Hierin liegt die gedankliche Grundlage dessen, was uns Parteien und Politiker (auf Geheiß der dahinterstehenden Organisationen) als ‚Europäische Union‘ – inkl. einer gemeinsamen Währung, transnationaler Rechtsvorschriften und Handelsmaximen –, als segensreiche freie Handelszone verkaufen wollen – natürlich zu unser aller Wohl und Gedeih.
Daß dies das Gros der Bevölkerung natürlich nicht in dieser Klarheit erfahren soll, liegt auf der Hand. Daß dies aber auch die überwältigende Mehrheit der europäischen Politiker weder weiß, noch zu begreifen vermag, ist hingegen geradezu erschütternd.

Daß hierüber in den Medien kaum oder nur unzusammenhängend berichtet wird, liegt an zweierlei: Zum einen liegen sämtliche schreibenden und sendenden Medien der „westlichen“ Welt in den Händen etwa eines Dutzends an Großkonzernen; die wenigen noch unabhängigen Medien leiden allsamt unter Finanznot, da sie auch kaum werblich gestützt und politisch geschaßt werden, und die Zahl der unabhängigen Redakteure und Journalisten, die derartiges Material veröffentlichen wollen, sinkt nahezu täglich. Zum anderen fördert das Desinteresse der breiten Bevölkerung an denkintensivem Erkennen von Zusammenhängen die klandestinen Strukturen, hinter denen sich die Machtmonopole auf unserem Planeten wunderbar verstecken können; mit anderen Worten: Der hedonistische Zeitgeist blockiert bei den meisten Menschen die Einsicht, daß man sich schon tiefer mit Hintergründen befassen muß, um sie zu verstehen und sich dann entsprechend wappnen zu können. Das Gros will lieber leicht und seicht unterhalten werden, statt in eigener Verantwortung die Inhalte und komplexen Größen, die unser Leben bestimmen, verstehen zu lernen.
Und genau darauf bauen die “Architekten” der ‘Neuen globalen Wirtschaftsordnung‘ als Herzstück der ‘New World Order‘(NWO), der ‘Neuen Weltordnung‘, selbstverständlich unter der absoluten Ägide der USA.

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:

Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe, 8.11.13 TAFTA – die große Unterwerfung
Zeitreport Juni 1998 _ MAI Die Weltwirtschaft wird verteilt
Zeitreport Juni 1999 _ Das MAI ist tot_es lebe die TWP

5. November 2013

„Viel Lärm um nichts“ …

5. November 2013|Außenpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für „Viel Lärm um nichts“ …

… geißelte William Shakespeare („Much ado about nothing“) bereits vor fast 400 Jahren in einer seiner schönsten Komödien einerseits die Tendenz der Bevölkerung, sich über nichtssagende Geschehnisse zu echauffieren, andererseits, um die arrogante Abgehobenheit der herrschenden Adelsklasse zu demaskieren.

Viel Laerm um nichts1Nun, heutzutage empört sich der politische Adel medienbefeuert über die Unverfrorenheit, mit der die US-amerikanische NSA – einer von 39 (!) Geheimdiensten der vorgeblich letzten ‚Weltmacht‘ USA – schamfrei den (sicherlich besonders wichtigen) SMS-Verkehr von Angela I. und ihren KollegInnen aus Frankreich, Venezuela, Brasilien und der Türkei belauscht – das Abhören der übrigen Staatsoberhäupter ist einfach noch nicht entdeckt worden. Und Aufreger Nr. 2 ist ein größenwahnsinniger Bischof, der allzu offensichtlich dem seit 1.100 Jahren üblichen Pomp der religiösen Weltmacht ‚Katholizismus‘ frönte, und den sein Chef in Rom klugerweise erst `mal aus der Schußlinie genommen und in Demuts-Vakanz geschickt hat.

Derweil schwelgen die Aktienmärkte und deren Indizes in lustvoller Euphorie, schielen nach täglich neuen Rekordständen. Öffentlich-rechtliche Prognostiker sehen die USA, die Eurozone und sogar Japan im ökonomischen Aufwind, wohingegen unabhängige Experten vor der zunehmenden Verwahrlosung etlicher Volkswirtschaften – insbesondere im EU[ro(zonen)]-Raum – warnen und bereits für 2014 das Schreckgespenst eines Fiaskos an die Wand malen.
Begleitet wird dieses Szenario vom wachsenden Aufbegehren rechtsverorteter Parteien in Frankreich, Finnland, der Slowakei und Slowenien, Italien, den Niederlanden, Österreich und Deutschland sowie Großbritannien, die den transnationalen Übergriffen Luxemburgs und Brüssels nicht länger tatenlos zusehen und die nationale Souveränität ihrer Länder nicht länger aufs Spiel gesetzt sehen wollen. Hinzu kommt das Schachern um Posten und Pöstchen in neu zu formierenden Regierungsteams in der Bundesrepublik und Italien.

All dies wird medienwirksam aufgepäppelt und dem verwirrten Volk in großteils unverdaulichen Happen um die Ohren gehauen und aufs Auge gedrückt. Kein Wunder, daß sich Otto und Lieschen Normalverbraucher lieber mit seichter Medienkost und fröhlichem Alltagstand beschäftigen als mit Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit waren die Möglichkeiten, sich nahezu in Lichtgeschwindigkeit mit allen Informationen zu versorgen, die wirklich relevant sind, größer als heutzutage. Doch geklickt und verlinkt wird zumeist Nebensächliches und Banales, was Neurobiologen und Psychologen schon als ‚pathologische Neurosklerose‘ diagnostizieren, wofür man unter dem modernen Begriff des ‚financial behaviorism‘ aber bereits zum zweiten Mal den Nobelpreis verliehen hat.

Lassen Sie sich vom medialen Getöse nicht beeindrucken: Wir alle sind viel zu wichtig für Politiker und die Wirtschaft – als Wähler und Konsumenten –, als daß wir realiter Angst vor der Zukunft haben müßten.

H.-W. Graf

1. November 2013

Die (supra-)nationale Souveränität ist ein Phantom!

1. November 2013|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Die (supra-)nationale Souveränität ist ein Phantom!

Aus seiner (berufsbedingt höchst eingeschränkten) Sicht hat Keith Alexander absolut Recht; angesichts der physisch, aber auch informationell längst unkontrollierbaren Mobilität der Bürger bleibt Regierungen in ihrem Wahn, alles unter Kontrolle halten zu wollen/müssen, gar nichts anderes übrig, als sich mit allen technisch verfügbaren Mitteln auf eben diese Unkontrollierbarkeit seiner (nicht mehr so stringent zu lenkenden Bürger) einzustellen. Und dazu bedarf es Millionen staatstreuer, ideologisch eingenordeter Heloten.
Darüber entsetzt, schockiert und empört reagieren können eigentlich nur scheinheilige Politiker (und völlig zeitfremde Menschen), die nicht wahrhaben wollen, daß es finanz-, steuer-, rechts- und wirtschaftspolitisch nationale Souveränitäten längst nicht mehr gibt, da sich die Nutznießer heutiger Interglobalität – als Reisende, Investoren, Produzenten, Spezialisten, Händler, Studenten, Immobilienbesitzer und Kulturbeflissene, aber auch als religiöse oder ideologische Spinner und Terroristen – längst interglobalisiert und jenseits staatlicher Kontrollierbarkeit vernetzt und aufgestellt haben.
Für etatistische (bestens bezahlte) Frömmler wie Keith Alexander (und davon gibt es in allen Staaten Millionen) kann eine derartige geistige und physische Interglobalität nur eine höchst bedrohliche Gefährdung darstellen, und deshalb nutzen sie jede technische Möglichkeit, potentielle Feinde – und das sind in ihrer paranoiden Vorstellung ALLE (außer sie selbst!) – zu überwachen, zu kontrollieren und unter Generalverdacht zu stellen. Das schließt Politiker (auch die eigenen) selbstverständlich ein.
Die hypokritische Empörung bundesdeutscher, französischer, spanischer, italienischer, brasilianischer … Politiker und Medien ist lächerlich (und nur für sehr naive Zeitgenossen relevant), kennt man diese Art geheimdienstlicher Aktivitäten doch seit Menschengedenken. Nur die Methoden haben sich seit Johannes Gutenberg, der uns vor 560 Jahren den Buchdruck schenkte, eben dramatisch verändert – insbesondere in den letzten 10 Jahren).
Daß ein noch so akribisches Sammeln von Daten, Fakten, Bewegungsprofilen und technischen Interaktionen weder ein Unternehmen noch einen Staat oder eine Ideologie/Religion vor dem inneren Verfall bewahren kann, beweisen die Bankrotte und Kollapse von Konzernen und sakralen wie säkularen Weltreichen in jüngster und ferner Geschichte.

Die Sorgen und Ängste derer, die um ihren Bestand, ihr Überleben kämpfen, ist sicherlich allemal größer als das derer, die von ihnen belästigt, ausgespäht und verdächtigt werden. Viel mehr dauern mich diejenigen, die diesen Wahnsinn finanzieren müssen – wir Bürger!

H.-W. Graf

PS: Eine Kopie dieses Artikels geht neben unseren Politikern und Medien auch (aus Kostenersparnisgründen und mit freundlichen Grüßen) an die NSA, deren schiere Existenz das Bundesinnenministerium strikt in Abrede stellte, als wir Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts darüber im ‘zeitreport‘ berichteten. Als wir daraufhin ein Photo des NSA-Hauptquartiers nebst Adresse ans BMI schickten, erhielten wir keine weitere Antwort (sic!).

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:
Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 29.10.13
„Wir sind die Helden“: NSA-Chef Alexander weist Europäer in die Schranken

29. Oktober 2013

Alles in Butter…

29. Oktober 2013|Außenpolitik, Gesellschaft, Politik|Kommentare deaktiviert für Alles in Butter…

… gilt als geflügeltes Sprichwort, das besagen soll: Alles in Ordnung!
In Wahrheit ummantelte man in früheren (Seefahrer- und Kutschen-)Zeiten wertvolle oder leicht verderbliche Fracht mit Butter, um sie vor Beschädigung oder Verderb zu schützen. Auf die beim Transport verranzende Butter konnte man leicht verzichten; sie gab es im Überfluß.

Die Butter von einst ist das verschwenderische Produkt der Notenbanken von heute – Geld, daß scheinbar im Überfluß vorhanden ist und in dessen „Verpackung“ Wohlstand und volkswirtschaftliche „Wertsteigerungen“ verborgen sein sollen.
alles-in_butter1Die Regierungen kurbeln ihre Notenpressen in immer unbedenklicherer Weise an und „verpacken“ imaginären Wohlstand (durch steigende Bruttoinlandsprodukte) in damit immer wertloser werdendem Schuldgeld, ohne sich über die Langzeitfolgen dieser Hybris – dem Abbau dieser gigantischen Schuldberge durch spätere Generationen – auch nur im mindesten Gedanken zu machen; die darüber bestimmenden Politiker sind dann längst im bestens gepolsterten Ruhestand und können ob ihres verantwortungslosen Verhaltens auch niemals juristisch belangt werden.

China, Japan, die USA und unsere heimliche Regierung in Brüssel pumpen derzeit täglich rund 10 Milliarden US-Dollar in ihre Volkswirtschaften und suggerieren damit ihren Bevölkerungen, es gehe ‚aufwärts‘. Sie manipulieren Währungen und Arbeitsmarktdaten, schütten mit Milliarden Subventionen defizitäre Aggregate ihrer heimischen Wirtschaft zu und verlautbaren statistisch nur, was ihrem Machterhalt dient, das Wahlvolk beruhigt und mögliche Unruhen in der Bevölkerung verhindert. Notfalls werden Minderheiten mit zusätzlichen Steuern belegt oder mit Einfuhrzöllen und Exportverboten hantiert, um ‚Aufschwung‘ und ‚Wachstum‘ vorzugaukeln – die ‚Goldenen Kälber‘ unserer Zeit.

Die Zahl der Senioren wächst in allen Industrienationen, da die Gesundheitsindustrie blüht und die Lebenserwartung immer noch um etwa 1,5 Jahre pro Dekade wächst. Andererseits sinken die Geburtenziffern. Kein Wunder also, daß sich darauf auch die Politiker einrichten und immer unbedenklicher diejenigen fördern, auf deren Wählerstimmen sie reflektieren.
Und noch immer gilt das volkswirtschaftliche Dogma, daß nur ‚Wachstum‘ unseren Wohlstand sichern und neue Arbeitsplätze schaffen könne.

Auf den Widerspruch, daß weniger Kinder für den zukünftigen Arbeitsmarkt auch weniger Bedarf bedeuten, das Gros der Industrieländer zunehmend unter Überernährung leidet und sämtliche Industrienationen händeringend nach Spezialisten aus den Schwellenländern buhlen, um fehlende Arbeitsplätze (für höherwertige Tätigkeiten) zu besetzen, weist kein Politiker oder Wirtschaftswissenschaftler die Bevölkerung hin, der diese Zusammenhänge zumeist völlig unbekannt sind.
Da außerdem die (von Politikern gelenkten) nationalen Fiskalwirtschaften und die in globalen Dimensionen denkenden Konzerne längst völlig unterschiedliche Interessen und Ziele verfolgen, wächst in sämtlichen Industrienationen die Zahl derer, die in ihrem angestammten Beruf (so sie überhaupt einen haben) keinen Arbeitsplatz mit einem auskömmlichen Einkommen finden, während sich die Spezialisten (in der Hoffnung, daß ihr Beruf sie zumindest durch das eigene Arbeitsleben trägt) international orientieren und als „heimatlose Wanderarbeiter“ ihre Chancen suchen.

Ob die Berliner Zweckehe zwischen ‚Schwarz‘ und ‚Rot‘ nun vollzogen wird und sich Kongress und Senat in den USA auf eine erneute Anhebung der Schuldenobergrenze noch in diesem Jahr einigen (sonst droht uns im Februar 2014 das gleiche Drama), kann zur Stunde niemand vorhersagen.

Wir sehen es pragmatisch: „Das einzig Verläßliche ist der ständige Wandel!

H.-W. Graf

16. Oktober 2013

Zwischen Baum und Borke …

16. Oktober 2013|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Zwischen Baum und Borke …

… stehen derzeit sowohl die maßgebenden Volkswirtschaften als auch die politischen Verhältnisse.
Zur Euro-Zone: In Italien hat der Bunga-Popanz Berlusconi die Zeichen der Zeit erkannt und seinen Einspruch gegen die Regierung Letta zurückgezogen. Gleichwohl wird das Bruttoinlandsprodukt auf dem „Stiefel“ das Jahr mit einem Minus von mehr als 5% abschließen; die Bevölkerung ist empört, sieht sich bezüglich der illegalen Einwanderer von Europa enttäuscht, und der Druck auf die Regierung wächst zusehends. Erstmals seit Juni letzten Jahres sind die ‚Anti-Europäer‘ wieder auf dem Vormarsch.
Frankreich sieht sich in einer ähnlichen Position, setzt lieber auf außenpolitische Themen und dürfte spätestens bei der Weihnachtsgratifikation (bis zu 2,5 Bruttozusatzgehälter!) für die öffentlich Bediensteten erneut innenpolitisch in Schwierigkeiten geraten, da die impliziten Schulden unaufhaltsam steigen, gleichzeitig aber die erhofften Steuer(mehr)einnahmen zum einen hinter der Erwartung zurückgeblieben sind, andererseits die Produktivität und der Außenhandel zum dritten Mal in diesem Jahr nach unten korrigiert werden müssen. In Spanien, Portugal, Griechenland, Slowenien sowie auf Zypern und Malta protestiert die Bevölkerung gegen Sparmaßnahmen, die sie nicht länger bereit sind, hinzunehmen.
Im Vereinigten Königreich grassiert (neben der allgemeinen Wirtschaftsflaute) das Problem Schottland, wo der Plan des regierenden Ministers, sich aus dem Commonwealth herauszulösen und ein unabhängiger Staat zu werden, wachsenden Zulauf erhält. [Sollte dies Realität werden, wird es – aus grundsätzlichen Gründen (EU-Basisverträge), nicht aufgrund des wirtschaftlichen Gewichts Schottlands – richtig spannend.]
In Deutschland werden sich Merkel und Gabriel wohl doch einig; Steuererhöhungen sind derzeit dem Volk nicht vermittelbar. Aber wenn der bayerische Kronprinz Horst I. seine PKW-Maut-Pläne wieder begräbt, steht einer lieblosen Zweck-Koalition Schwarz/Rot nicht mehr viel im Wege. Beide Vertragspartner fürchten nichts mehr als Neuwahlen, bei denen beide – zugunsten der AfD – verlieren würden. Und für Medienwind, der die eigentlichen Probleme hierzulande übertönt, sorgen der Limburger Prunk-Bischof und der Büroleiter der Grünen, der soeben als Päderast entlarvt wurde.

Der Haushaltsstreit in den USA sorgt für immer mehr Protest und Rage im Volk (interessant wird`s, wenn tatsächlich am Wochenende landesweit 400.000 Trucker ihren Protest auf die Straße tragen), denn 800.000 der 3,4 Millionen öffentlich Bediensteten sitzen unbezahlt zu Hause und leisten zwangsweisen Konsumverzicht, was die USA bis Ende des Jahres etwa 0,3% an Bruttoinlandsprodukt kosten würde. In Utah, was als erster Bundesstaat wieder Gold als Zahlungsmittel eingeführt hat, freuen sich die Pfandleiher auf ein einkömmliches Jahresendgeschäft, und mit der Ernennung von Janet Yellen als Nachfolgerin des FED-Chefs (‚Helikopter‘) Bernanke werden die USA auch weiterhin ein sehr lockeres Verhältnis zum weiteren Aufbau ihres Schuldenturms bekommen.

Aber die Märkte reagieren äußerst gelassen, und dies hat einen Grund: Artikel 4 des 14. Verfassungszusatzes (‚Amendment‘) der USA verbietet eine Staatspleite und bestimmt, daß ‚unabhängig von jedem Votum des Kongresses‘ die USA ihre Schulden bezahlen müssen. Zudem schaden sich die Republikaner mit ihrer Bockigkeit, die Schuldenobergrenze anzuheben selbst, denn im November stehen Kongreßwahlen an, und parlamentarische Erpressung kommt beim Wähler traditionell nicht gut an. Nicht zuletzt steht hinter Obama die US-Finanzindustrie, der nichts wichtiger ist als Ruhe und Berechenbarkeit auf dem Börsenparkett.
Aber wie Dutzende Male zuvor werden sich Dems und Reps kurz vor “Torschluß” (heute, um 24°°) auf eine ‘Übergangslösung’ einigen und dann bis Januar 2014 weiter streiten.

Auch in Japan druckt man munter weiter Geld, als gäbe es kein Morgen, wobei der Yen seine Talfahrt gegenüber den übrigen Weltwährungen zumindest spürbar bremsen konnte. Dennoch ist der „Aufschwung“ auf Sand gebaut. In China suchen immer mehr Mittelständler und Großkonzerne nach neuen Produktionsstätten in Südostasien (Malaysia, Vietnam, Kambodscha, Laos, etc.) oder Schwarzafrika, da dort inzwischen billiger zu produzieren ist als sogar im Westen Chinas. Die Zahl der Wanderarbeiter hat gegenüber dem Vorjahr um mehr als 3% zugenommen – kein Mut machendes Zeichen für den laufenden Fünf-Jahres-Plan der postkommunistischen Einheitspartei Chinas.

Generell darf konstatiert werden, daß sich die Mitte des Jahres noch gefeierte Euphorie an den Märkten allmählich verdüstert; so unerwartet stark sich der September gezeigt hat, so kalt, naß und (börsentechnisch) häßlich könnten sich der Oktober und der nahende Winter zeigen.

H.-W. Graf

15. Oktober 2013

Spiel mit dem Feuer

15. Oktober 2013|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Spiel mit dem Feuer

Auf flüchtigen Augenschein hin und sofern man die sendenden und druckenden Medien gläubig rezipiert, scheint „alles in Butter“ zu sein; die USA veranstalten wieder ihr Budget-Kasperletheater – zum 78. Mal in 50 Jahren!; der postsenile Berlusconi bequemt sich nun, angesichts der Tatsache, daß ihm sogar enge Verbündete inzwischen von der Fahne gehen, den italienischen Ministerpräsidenten in der Vertrauensfrage doch zu unterstützen (statt die drittgrößte Volkswirtschaft Continental-Europas rachsüchtig in Geiselhaft zu nehmen); die Euro-Zone wird 2013 mit einem Haushaltsüberschuß von etwa 2% glänzen [hauptsächlich vom deutschen Überschuß (ca.6%) getragen]; der Euro steigt – zumindest im Verhältnis zum US-Dollar, und Mario Draghi beläßt es gütigerweise beim Rekord- Zinstief für die EZB. Wer will da noch von Krise reden?
Nun, das Ganze ähnelt dem elf Monate lang in verwöhnter Glückseligkeit schwelgenden Truthahn, der sich dann, im November, unversehens im Bratrohr verschwinden sieht – extrem dumm gelaufen!
Die Wahrheit sieht etwas anders aus: Die US-Amerikaner haben ihre Importe um durchschnittlich 8% zurückgefahren (wodurch die Außenhandelsbilanz automatisch besser erscheint) und ihre Sparquote von 6% (2010) auf inzwischen wieder unter 4% reduziert;
Spiel mit dem Feuer_1die deutschen und europaweiten Groß- und Weltkonzerne streichen Stellen (vor allem im Inland), wo sie nur können (darüber darf auch die Anstellung von 70.000 Mitarbeitern bei Amazon nicht hinwegtäuschen; hier geht es, wie jedes Jahr, ausschließlich um Zeitverträge für das Weihnachtsgeschäft). In 14 EU-Ländern gehen sowohl die Exporte als auch die Industrieproduktion zurück (in den Problemländern sogar zweistellig), und nur die Reduktion der Importe hübscht auch hier das Bild etwas auf. Unter diesen Ländern sind erstmals nun auch die Niederlande und Belgien.

Derweil hat China seine Goldbestände seit 2001 von 700 auf über 6.000 Tonnen erhöht und trennt sich auf diese Weise (sowie durch rege Beteiligungskäufe in den USA, Canada und Europa) ganz leise von seinen US-Dollar-Beständen.
Interessant: Noch 2005 wurden 45% des chinesischen Welthandels in US-Dollar abgewickelt, hingegen nur 25% in Renminbi (der internationalen Version des Yuan). Heute laufen gerade noch 15% des chinesischen Außenhandels über den US-Dollar, hingegen 70% bereits in Renminbi bzw. Konsortial-Währungen (ähnlich dem früher geltenden ECU in Europa); China, Indonesien, Brasilien, Rußland und Südafrika stricken nämlich an einem Währungsverbund, mithilfe dessen sie US-Dollar-unabhängig werden wollen; man traut der US-Währung immer weniger.
Wenn nun das US-$/EURO-Verhältnis seit Wochen um die Marke von 1,35 pendelt, verheißt dies für die beiden führenden Welt-Währungen (in denen immer noch fast 75% des Welthandels denominiert werden) nicht wirklich Gutes.
Die wohl ehrlichste Antwort auf meine Frage an den Europa-Manager einer der größten Kapitalanlagegesellschaften weltweit, wie sein Haus die Zukunft des Euro sehe, lautete (begleitet von einem breiten Grinsen): „Die auf höheres Geheiß(!) handelnden Politiker werden den Euro rücksichtslos und um jeden Preis verteidigen, egal, was es kostet und egal, wie lange es dauern mag. Einige Wenige wissen genau, was vorgeht, kümmern sich aber nicht um die Folgen, da kein Mensch sie jemals zur Verantwortung ziehen wird. Die meisten – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa – haben jedoch nicht den Hauch einer Ahnung von wirtschafts- und währungspolitischen Zusammenhängen; sie stimmen meinungslos, aber unterwürfig ab, wie ihnen dies die Parteidoktrin vorgibt. Die Märkte sind davon längst unabhängig; nationale Politiken beantworten sie schnell und flexibel.

Nun, irgendwann wird uns – dies sei ohne Häme oder Panikmache gesagt – die „Rechnung“ präsentiert werden, und es wird ein bunter Mix aus Leistungskürzungen, höheren Inflationsraten, Renditeeinbußen bei Geldwerten (lang laufenden Anleihen- und Rentenwerten, Festgeldern und Lebensversicherungen) und höheren Verbrauchs- und Mehrwertsteuersätzen sowie punktuellen steuerlichen Eingriffen sein (die Japaner erhöhten jüngst ihren Mehrwertsteuersatz um glatte 100% – von 5% auf 10%!).
Spiel mit dem Feuer_2Das Tauziehen um die Macht in Berlin könnte sich bis ins Jahr 2014 hineinziehen – Belgien, das immerhin 14 Monate ohne real-existente Regierung auskommen durfte, läßt grüßen –, und, wer weiß, vielleicht werden wir bereits im Winter 2013/2014 erneut zur Urne gerufen.

Lassen Sie sich den (hoffentlich) ‚Goldenen Oktober‘ nicht vermiesen; wir Bundesdeutsche jammern auf wesentlich höherem Niveau als Griechen und Italiener, Portugiesen und Spanier, Zyprioten und Iren, Franzosen und Slowaken.

H.-W. Graf

7. Oktober 2013

Die Würfel sind gefallen – alea iacta est!

7. Oktober 2013|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Die Würfel sind gefallen – alea iacta est!

Es dürfte spannend werden, wen sich die vor zwölf Tagen noch euphorisch beglückwünschte Kanzlerin für die nächsten vier Jahre ins „Boot“ holt; eine ramponierte SPD, die in einer großen Koalition schon einmal recht böse Erfahrungen machte, marginalisiert und vier Jahre später mit dem schlechtesten Wahlergebnis „bestraft“ wurde, oder ob Angela sich mit den völlig enthaupteten Grünen/Grüninnen zum politischen Tête-à-tête verbandelt.
Die Wuerfel sind gefallen_1In jedem Falle könnte es Wochen dauern – die SPD will ihre Mitglieder befragen und im November darüber beraten; die Grün(inn)en suchen gerade per Internet nach neuen Häuptlingen –, bis das 18. Bundeskabinett steht. Jedem muß klar sein, daß die künftige „Tafelrunde“ unter der ausschließlichen Führung von Frau Merkel stehen wird; notfalls wird sie Präsident Gauck (ein Novum in der Geschichte Deutschlands) beauftragen. Aber schon drei Tage nach der Bundestagswahl buhlen die „Christlichen“ um rote/grüne Gunst – mit dem Lockruf, man schlösse auch Steuererhöhungen nicht gänzlich aus.

So wenig die internationalen Märkte sich für nationale Politik interessieren, der historische Absturz der pseudo-liberalen FDP – hätte sie sich für die IHK-/HWK-Kammerfreiheit eingesetzt, wäre sie im erlauchten Plenum verblieben! – sorgte sowohl an den europäischen Börsen wie auch an den Währungsmärkten für Irritationen und nachgebende Kurse, denn nun taucht erneut das Schreckgespenst einer sich wieder zuspitzenden Euro-Krise am Horizont auf.
Dies nur dem Wahlergebnis zuzuschreiben, wäre naiv. Viel bedeutsamer ist die negative Entwicklung der Problemstaaten in Südeuropa (inkl. Frankreich und Italien), die allen euphorischen Vorhersagen zum Trotz wieder schwächere Entwicklungen zeitigen; Frankreichs Verschuldung steigt für 2014 auf über 95% des BIP (Maastricht schreibt maximal 60% vor!).

Auch das Abschmelzen der Target-Salden (575 Milliarden nach zuvor 751 Milliarden) ist nun zum Stillstand gekommen; die zuvor aus den Südländern nach Norden (insbesondere Deutschland) verschobenen Gelder wurden wieder in die Heimatländer verbracht, aber deren Wirtschaften verspüren wenig Aufwind; die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet und das Heer der Arbeitslosen wächst.
Da einerseits die Schröder‘sche Politik den Abschied von der Gültigkeit der Maastricht-Kriterien einleitete, andererseits die SPD unter Steinbrück, Steinmeier und Gabriel einen genau gegensätzlichen Kurs fährt (pro Euro-Bond und Bankenunion), wissen die Märkte nun kaum noch, womit sie in Europa zu rechnen haben werden.
Sicher ist, daß insbesondere Deutschland die Illusion eines finanz- und währungspolitisch vereinten Europas – die Belange der Sozialpolitik werden von den EUphorikern völlig ausgeblendet – weitaus teurer bezahlt, als dies bislang zugegeben wird. Das Ganze erinnert an die Serienpleiten in Spanien im 16. und 17. Jahrhundert (1557, 1575, 1596, 1607, 1627 und 1647). Damals glaubte Philipp II., der als Sohn des Pleitiers Karl V. unbedingt Kaiser eines gesamteuropäischen Weltreichs werden wollte, sich für 100.000 geliehene Gulden den Thron kaufen zu können. Nun, die Fugger und Medicis präsentierten bereits Karl V. 1519 die Rechnung – neunmal höher als gedacht. Unter Philipp II. und seinem Sohn Philipp III. wuchs Spaniens Debet bei den Bankiers auf bis zu 250% der Staatseinnahmen. Davon erholte sich Spanien auch in den folgenden 300 Jahren nicht mehr, und Ende des 19. Jahrhunderts verlor es auch seine letzten Kolonien in Kuba, Mexiko, den Philippinen und Puerto Rico sowie in Afrika, Südamerika und Südostasien.

H.-W. Graf

1. Oktober 2013

Mit Volldampf nach Europa?

1. Oktober 2013|Außenpolitik, Innenpolitik, Politik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Mit Volldampf nach Europa?

Das Handelsblatt will herausgefunden haben, daß die alte und neue Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Wahltag bedeutsame Änderungen in der Europapolitik plant: „Nach Recherchen im Umfeld der Regierungschefin“ soll sie die Kompetenzverlagerungen auf die EU-Kommission und andere Gemeinschaftseinrichtungen beenden und dem Nationalstaat wieder mehr Gewicht beimessen. Der Weg nach Europa führe nicht länger über Brüssel, sondern über Paris, Rom und Berlin!
Auch wenn es sich bei dieser Meldung um eine dem Wahlkampf geschuldete bzw. geschickt lancierte ‚Ente‘ handeln sollte, ist es in der Tat eine der interessantesten Fragen, in welche Richtung sich der Flottenverbund Europa weiter entwickeln wird. Werden die einzelnen Schiffe zu einem einzigen großen Supertanker verschmolzen, oder aber werden die Bande zwischen den einzelnen Flottenbestandteilen neu geordnet, gelöst oder sogar teilweise durchschnitten? Vor allem aber: Wer bestimmt und dominiert diesen Prozeß? Etliche politische Kräfte aus den Nachbarländern melden bereits – über eine Banken- und Haftungsunion hinaus – weitere ‚Vereinigungswünsche‘ an. So will der französische Finanzminister Pierre Moscovici beispielsweise eine ‘Gemeinsame europäische Arbeitslosenversicherung’, in die Einzahlungen aus der gesamten Eurozone erfolgen sollen. Er sprach sich dabei für die Einrichtung eines ‚’starken supranationalen Haushalts‘ aus, woraus Teile dieser Arbeitslosenunterstützung finanziert werden sollen, frei nach dem Motto: Die Grande Nation war gestern, morgen kommt die Supranation; irgendwer muß ja die Arbeitslosen zahlen (z.Zt. 12,1% in Frankreich). Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Südländer, bzw. deren politische Klasse nach dem 22.09. nun fordern werden. Und bei den jetzt zu erwartenden Auseinandersetzungen werden die aufgelaufenen Rechnungen erneut und massenhaft auf den Tisch flattern. Der “Profiteur” des Euro – Deutschland – soll endlich seinen gerechten Anteil zahlen. Aber eines ändert sich auch nach der gelaufenen Bundestagswahl bestimmt nicht: der Anstieg der Schuldenpegel – laut Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Investmentgesellschaft Allianz-Global-Investors, „das drängendste Wirtschaftsproblem unserer Zeit“.

Nachfolgende Graphik illustriert noch einmal eindrücklich die Zunahme der Schulden einiger Euroländer (nicht in absoluten Zahlen, sondern deren prozentuale Zunahme seit 2000).

Mit Volldampf nach Europa_1

 

Derweil hat die amerikanische Notenbank, für die meisten „Experten“ ziemlich überraschend, angekündigt, ihre Gelddruckmaschinen auch zukünftig (mindestens bis 2015) auf vollen Touren laufen zu lassen. Für 85 Mrd. US-$ monatlich wird sie weiter US-Staatsanleihen aufkaufen, die sonst offenbar nicht an den Mann zu bringen wären. Die Aktienmärkte feierten diese Entscheidung zunächst (wieder) einmal, ist doch das billige Geld nach wie vor eines der Hauptschmiermittel für die Finanzmärkte.

Frank Amann

16. September 2013

Der 22. September wirft seine Schatten

16. September 2013|Außenpolitik, Innenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Der 22. September wirft seine Schatten

Sofern Sie sich in braver Bürgerpflicht den Tort antun, den Märchenstunden der Parteispitzen zu lauschen (Ihr Hausarzt mag Ihnen derartiges als probates Schlafmittel empfohlen haben), werden Sie wohl mehr emotional als intellektuell bereichert (erste Schmerzensgeldansprüche gegen die singende Andrea Nahles dürften beim Generalbundesanwalt inzwischen vorliegen) und werden bemerkt haben: Der spannungsarme Bogen wird mühsam gehalten; die wichtigen Probleme bleiben ausgeklammert. Nur die Wahlprognostiker bequemen sich langsam dazu, die bislang zweckdienlich unterbewertete AfD zumindest gleichauf mit der FDP einzugestehen (unsere Prognosen kennen Sie ja bereits).
Zum Trost: In einer Woche haben wir es hinter uns, und ob es zu einer ‚großen Koalition‘, einer schwarz-gelben Koalition (die FDP wird heftig beatmet, Herr Brüderle mit Rebensaft-Infusionen versorgt) oder einer schwarz-blauen (AfD statt FDP) oder einer Dreier-Koalition CDU/CSU/AfD/FDP (das könnte eine lebhafte, aber recht kurze Legislaturperiode werden) kommt, ist letztlich egal. Sollte Grün-Rot obsiegen, wird die Zwangsentmündigung eben einfach schneller fortschreiten. Wir werden sehen. In jedem Falle werden nach dem 22. September auch i.S. Euro(Zonen)-Krise die Karten offen zu legen sein und das wahre Ausmaß des fortschreitenden Niedergangs nicht nur der „klassischen“ Problemländer, sondern auch Italiens und Frankreichs thematisiert werden.

Derweil baut sich in Syrien eine gefährliche politische Wetterfront auf, deren Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten völlig unabsehbar sind. 10% der etwa 23 Millionen Syrer sind derzeit auf der Flucht; das nach Israel und dem Libanon dichtest besiedelte Land im Nahen Osten hat seine Bevölkerung in den letzten 100 Jahren verfünfzehnfacht, wobei nur etwa die Hälfte des Landes überhaupt bewohnbar ist, und beheimatet neben allen drei monotheistischen Religionen etwa 100 religiöse und ethnische Splittergruppen, die sich in ihrer Verzweiflung geradezu unberechenbar diversifiziert und abhängig zeigen.
Ähnlich wie in Libyen nach dem Sturz Gaddafis bricht nun das gesamte „nationale“ Gefüge völlig auseinander – nicht zuletzt durch die exogenen Einflüsse sowohl Rußlands als auch der Vereinigten Staaten.
Wer wen mit Giftgas bekämpft, weiß – allen Vermutungen und Behauptungen zum Trotz – niemand mit Sicherheit, und da viele Familien sich niemals an die von Briten, Franzosen und Amerikanern gezogenen Grenzen gehalten haben, ist der Syrien-Konflikt längst zu einem multinationalen Krisenherd verschwommen.

H.-W. Graf