Politik

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21. Februar 2017

Trump – Narzißmus made (nicht nur) in USA!

21. Februar 2017|Politik, Psychologie, Querdenker-Blog, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Trump – Narzißmus made (nicht nur) in USA!

Es mutet (nachgerade uns Europäer) bizarr an, was uns an politischen Nachrichten aus den USA erreicht. Und in der Tat erscheint uns der 45. Präsident über mittlerweile 355 Millionen Menschen als eine Mischung aus lustigem Clown, größenwahnsinnigem Drittwelt-Potentaten und jovial-symphatischem Entertainer. Psychologisch betrachtet handelt es sich bei Donald Trump um ein phänomenologisch typisches, auch bzw. speziell in der Politik gar nicht so seltenes Exemplar von Narziß. Aber gemach; Narzisse, die auf dem politischen Spielfeld ihr Unwesen treiben, gab/gibt es zuhauf, in vielen Ländern, allen politischen Varianten und zu allen Zeiten – als Fürsten, Könige und Zaren, hochrangige Militärs und Diktatoren, Religions- und Sektenführer.
Der Begriff leitet sich her aus dem Mythos um den schönen, aber unehelichen Sohn des Flußgottes Kephissos mit seiner Geliebten Leiriope, einer Nymphe, die er kurzerhand entehrte und schwanger zurückließ. Bei all seiner Schönheit ließ Narziß dieser „Makel“ nie los, und trotz aller Umwerbung seiner Umwelt, die der Jüngling wunderbar zu manipulieren verstand, erwuchs ihm daraus nie ein wirklich gesundes Selbstwertgefühl, und er ertrank, wie ihm Teiresias, ein göttlicher Wahrsager, prophezeite, als er starr vor Selbstverliebtheit versuchte, seinem betörend schönen Ebenbild in einem See nahezukommen.

Nun, so selten sind derart selbstverliebte Zeitgenossen beileibe nicht, und schon gar nicht beschränkt sich diese Spezies auf das Territorium der USA. Sie tummeln sich auch nicht nur in Parteien und in der Politik; wir finden sie als Konzernchefs und Wissenschaftler, Rechtsanwälte und Chefärzte, „Philosophen“ und Lehrer, Banker und Berater aller Couleur, im Militär- und Polizeidienst – generell überall, wo sie ihre Minderwertigkeitskomplexe und Versagensängste durch funktionale Macht(anmaßung), in relevanten Bereichen und an Schalthebeln der Macht kompensieren zu können glaubhoffen. Sehr zu empfehlen ist hierzu folgender Artikel: Narzisstische Persönlichkeitsstörung: mangelndes Selbstwertgefühl, fehlende Empathie und empfindliche Angst vor Kritik“
Nun ist beileibe nicht jeder Narziß eine potentielle Bedrohung für sein Umfeld; solange er als Künstler oder Sportler, Fernsehkoch oder Modezar seinen Narzißmus auslebt, soll und kann das Jedem egal sein. Schon dramatisch bis tragisch jedoch wird es, wenn ein Narziß seine Persönlichkeitsstörung in der Politik, als Banker, Offizier, Vermögensverwalter oder Leiter einer Pensionskasse, Arzt oder Rechtsanwalt auslebt, kurz: eine wichtige Funktion zum Spielfeld seiner Pathologie macht. Dann ist der Schritt zur Veruntreuung, verheerenden Fehlentscheidungen oder gar dem Anzettelns eines Krieges/Konflikts – auf (inter) nationaler Ebene, aber auch im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz, in der Familie, einer Firma oder unter Partnern – nicht sehr weit.
Wenn ein Trump Schauermärchen aus Schweden erfindet, sonstige Phantasien auslebt und sich selbst feiert, muß das nicht verwundern, Narzißten leben in ihren eigenen Realitäten, kreieren mitunter bizarre Fiktionen und verkaufen auch dem Papst ein Doppelbett – soll er sich doch quer legen! Und wird ein Narziß bei Intrigen oder Lügen ertappt, handelt es sich natürlich um Mißverständnisse oder Irrtümer. Reue oder Scham sind dem Narziß fremd.
Durch sein zumeist überaus gewinnendes Wesen vereinnahmt der Narziß dabei oftmals seine Umwelt, feiert gerne auf jeder Partie mit und wirkt äußerst sympathisch. Zwar wird der Narziß nicht müde, seine Fähigkeiten und Leistungen immer aufs neue ins Rampenlicht zu stellen, sein Interesse an Anderen hingegen dient stets seinem Vorteil und beschränkt sich – von keinerlei wirklicher Empathie getragen – ausschließlich auf deren Nutzbarmachung für seine Ziele und Wünsche, und dafür sucht er sie rücksichtslos zu nutzen. Sein Sprachstil, seine Gestik und Mimik wirken sehr häufig gehetzt und nicht wirklich authentisch. Sein Schreibstil ist aufgesetzt, blumig und ausschweifend; er übertreibt und nimmt es weder mit der Grammatik noch mit der Interpunktion allzu genau, was unser Narziß dann gerne mit ‚Zeitmangel‘ oder ‚legasthenischer Schreibschwäche‘ erklärt. Sein Vertrauen zu Anderen ist ebenso gering wie zu sich selbst. Er ist sprunghaft, oberflächlich und egozentrisch, aber auch durchaus großügig und hilfsbereit – so bindet man nutzbare Menschen…
Sehr genau jedoch nimmt er es mit der wachsamen Kontrolle seines Umfeldes. Er trachtet danach, über alles informiert zu sein, kennt Alles und Jeden, schert sich aber kein bißchen um achtungsvolle Distanz. Solange er aus der Beziehung zu einem Anderen Vorteile ziehen zu können hofft, gibt er sich freundlich bis kumpelhaft, leutselig und anekdotenreich. Melden sie hingegen eigenes DenkFühlen, gar Ziele und Wünsche an oder begegnen Sie ihm gar mit Kritik, zweifeln an seiner Kompetenz oder verweigern sich seiner Selbstherrlichkeit, zieht sich unser Narziß blitzschnell beleidigt und ohne Vorwarnung zurück. Glänzte er bereits vorher nicht durch Zuverlässigkeit, kooperatives Teamwork und Ehrlichkeit, so stellt er nun jegliche Kommunikation ein, igelt sich vollends ein, intrigiert hemmungslos und verweigert sich komplett. Von einer allseits dienlichen Bereitschaft zur Findung vernünftiger Lösungen ist er meilenweit entfernt. Er nimmt sogar das Ausufern eines Problems in eine Katastrophe sehenden Auges in Kauf.

Ein Narziß hat keinerlei Überzeugungen (im Sinne aus gewissenhaftem Nachdenken resultierender Meinungsbilder). Vielmehr paßt er sich blitzschnell (er nennt es ‚flexibel‘) situativ an; das macht ihn für sein Umfeld so unberechenbar und stiftet oftmals Chaos. Seine Flexibilität beschränkt sich jedoch auf instinktiv erfaßte Notwendigkeiten und rücksichtslos genutzte Gelegenheiten zur eigenen Vorteilsnahme, oder um sich selbst in Szene zu setzen. Ansonsten ist unser Narziß völlig beratungsresistent. Er spürt jedoch genau, was sein Umfeld – Wähler, ‚follower‘, Claqueure und Bewunderer – von ihm erwartet und hören will. Wirkliche Freunde und tiefe Beziehungen haben Narzißten ganz selten – sie haben regelrecht Angst davor.

Erkennen Sie hier personelle Muster aus Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld? Dann seien Sie gewarnt: Dieser Typus ist zumeist nicht bereit, sich selbst zu hinterfragen und kritisieren zu lassen. Nur im äußersten Notfall geht er Kompromisse ein, wobei er sich selbst schuldig ist, bei nächster sich bietender Gelegenheit „Revanche“ zu nehmen.
Sofern sie sich seinem Machtgebaren und Führungsanspruch bereit sind zu beugen, mögen sie mit einem Narzißten zwar für eine Weile gut fahren, nicht jedoch auf Dauer, und er ist es, der das Ende der Zusammenarbeit bestimmen möchte, wobei die Schuld für das Ende dieser Beziehung selbstredend bei Ihnen, nicht bei ihm liegt.
Suchen Sie jedoch ein kooperatives Miteinander, machen Sie auf dem Absatz kehrt (sobald sie hinter seine Maske blicken) und suchen Sie sich bessere, i.e.: empathischere, verläßlichere, ehrlichere und emotional gesündere Partner – beruflich wie privat!

Wir werden es vor allem in der Politik immer wieder mit (männlichen wie „weiblichen“) Narzißten zu tun haben – ob Trump und Schulz, Fischer oder Schröder, Kohl oder Merkel, v.d. Leyen oder Roth, Nahles oder Trittin, Guttenberg oder Schäuble sowie Legionen weiterer „Eliten“ in Berlin und Luxemburg, Paris und London, Washington, Moskau, Pyongyang und überall auf der Welt, wo krankhafter Ehrgeiz, Machthunger, Minderwertigkeitskomplexe, Versagens- und/oder Verlustängste sowie (daraus resultierende) Geldgier als funktionale Vehikel für pathologische Zweibeiner dienen können. An dieser Stelle sei, pars pro toto, auf folgende wichtige Dokumentation verwiesen: Die US-Präsidenten und der Krieg (WDR 2016).

Wie lange wir es jetzt mit einem Narziß Trump (oder hierzulande ab September vielleicht mit Herrn Schulz) zu tun haben werden, weiß zur Stunde noch keiner. Sicher bin ich mir aber, daß eine H.Clinton noch bedeutend gefährlicher gewesen wäre.
Und ich wage die Vorhersage, daß Trump nicht eine volle Amtszeit „residiert“; entweder wirft er sein „Spielzeug“ ‚Presidency‘ ganz plötzlich gelangweilt hin – das tun Narzißten bedenkenlos –, oder sein biophysisches System bricht abrupt zusammen (Narzißten neigen z.B. zu Schlaganfällen), oder irgendeinem seiner Landsleute gehen die Nerven durch. Bis dahin wird er stetig und vergnüglich für Unterhaltung sorgen, bisweilen wohl für Kopfschütteln, Erstaunen und bitteres Lachen.
 
Hans-Wolff Graf

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3. Dezember 2016

Demokratie – Volksherrschaft oder Volksbeherrschung?

3. Dezember 2016|Politik, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Demokratie – Volksherrschaft oder Volksbeherrschung?

Demokratie oder Parteiend(a)emokratur

Ein äußerst lesenswerter Artikel, der zwar älteren Datums ist, jedoch nichts an Aktualität eingebüßt hat – ganz im Gegenteil; denn die Verhältnisse in den letzten 16 Jahren sind noch gravierender geworden.
Anläßlich der Bundestagswahl im nächsten Jahr und der im Wahlk(r)ampf (ent)stehenden Parteien und Ideen, dient dieser Artikel zur Aufklärung über das, was auf der „Politik-Bühne“ wirklich geschieht, bzw. wir mit uns machen lassen.

Demokratie – Volksherrschaft oder Volksbeherrschung?

Bedenklich stimmt (bisweilen auch erschreckend ist), wie unbedenklich und unbedacht mit dem Begriff Demokratie hantiert wird. Als sei dies der letzte Beweis für die Redlichkeit ihrer Argumente, halten uns Politiker und Parteien, Gewerkschaftsfunktionäre und andere Protagonisten der Öffentlichkeit diese Vokabel vor die Nase – Möhren gleich, mit denen man den Esel locken möchte.

Daß wir heute wohl weiter vom Ideal der Demokratie entfernt sind als zur Zeit eines Solon, Perikles, Herakleitos, Plato und Aristoteles, mag viele brüskieren, erstaunen und verwundern, gleichwohl entspricht es – leider – der Realität.

Sprachlich und dem originären Inhalt nach bedeutet Demokratie – ursprünglich aus dem Ionischen –: Herrschaft der Gemeinschaft, des Dorfes, der regionalen, kleinen Gemeinde. Den Begriff ‚Volk‘ im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht. Dahinter verbirgt sich die Idee, daß eine Gruppe von Menschen in gemein­samer Beschlußfassung bezüglich derjenigen Belange, die alle gemeinsam angehen, entscheiden, statt sich dem Spruch einer herrschenden Klasse oder gar eines Monarchen (Allein-Herrschers) zu unter­werfen.

Insofern ist die Uridee der Demokratie vor mehr als 2.500 Jahren geradezu als revolutionär anzusehen, da sie dem Einzelnen Rechte gewährt, die bis dahin ausschließlich der Führungskaste vorbehalten waren.

Dabei ging es den Urvätern des Gedankens der Demokratie beileibe nicht darum, eine führungslose Gesellschaft zu installieren, vielmehr sollte derjenige im Zuge eines freien Wahlrechts gekürt werden, der nach Meinung der überwiegenden Mehrzahl einer Volksgruppe dafür bestmöglich geeignet erschien.

Nun war bereits den ersten Verfechtern dieser neuen Idee völlig klar, daß aus verschiedenen Gründen nicht wirklich jeder wahlberechtigt sein konnte; so maß man Kindern und Jugendlichen, Sklaven und Gästen, aber auch Behinderten und Rechtsbrechern kein Wahlrecht zu. Auch waren bestimmte „niedere Stände“ und Frauen (!) von der Wahl ausgeschlossen. Teilweise mußte man sich als Wähler qualifizieren – indem man den Besitz von Land nachwies, genügend lange in der jeweiligen Wahl­gemeinde wohnte, sich bereits um die Gemeinde/das Volk verdient gemacht hatte oder berechtigte Interessen nachwies, die darauf schließen ließen, daß hinter der Wahlstimme auch ein Wissen um die Zusammenhänge und ein dementsprechendes Engagement stand, gefällte Entschlüsse dann auch in die Praxis umzusetzen.

Denn eines war den Urvätern der Demokratie schon damals klar: Mit dem Wahlrecht alleine würde sich der Gedanke der Demokratie nicht umsetzen lassen. Wohl deshalb galt das Wahlrecht als Auszeichnung und eine Ehre, die zu verlieren man tunlichst vermied.

Weder in Athen noch in Rom ging es den dort zur Wahl Antretenden um Gehälter und Apanagen      – diese wurden zum Teil erst im Nachhinein oder fallweise beschlossen, waren in der Höhe wandelbar und vom Votum der Wahlherren abhängig. Und Renten wurden zumeist erst nach dem Ausscheiden aus dem Amt (z.B. vom Nachfolger) festgelegt! –, vielmehr galt als Ehre, in ein Spitzenamt gewählt zu werden.

Natürlich ging es auch damals bereits um Einfluß und Macht, Prestige und die mit einem Amt verbun­dene Anerkennung (nicht nur des Gewählten, sondern auch dessen ganzer Familie), das heutige Pfründe- und Besitzstandsdenken war jedoch bei den demokratisch gewählten Herrschern deutlich geringer ausgeprägt als heute, wobei entschuldigend angemerkt werden muß, daß die Möglichkeiten für Privilegien und Vergünstigungen damals ungleich weniger zahlreich waren als heute. Zwar hat auch ein Gajus Julius Cäsar nach Erringung der Macht (erstmals sogar durch einen Staatsstreich) kräftig abgesahnt, womit er vielen Politikern der Neuzeit (inkl. Ministern und Bundeskanzlern) in nichts nachsteht, aber die Position eines überregionalen Herrschers war zur damaligen Zeit mit einem hehren Begriff von Verantwortung verbunden, der heutigen Politikern seit langem abhanden gekom­men zu sein scheint.

Und noch etwas sei angemerkt: Einen Vertrauensverlust büßte ein damaliger Herrscher deutlich eher und direkter, als dies heutzutage der Fall ist. Er verlor nicht nur das Amt, Wahl- und Bürgerrecht, sondern mitunter sein gesamtes Hab und Gut, wurde ins Exil geschickt oder gar zum Tode verurteilt.

Informationen flossen damals zwar spärlicher und langsamer (speziell über größere Entfernungen), dafür aber wesentlich direkter und mit unmittelbareren Folgen als heutzutage. Die Möglichkeiten, Informationen zu verschleiern, dichte Netze informationeller Undurchdringlichkeit zu schaffen und sich hinter Posten und Paragraphen, Gesetzen und Verordnungen zu verschanzen, exklusiv zu tagen, Immunität vorzuschützen und in geheimen Zirkeln zu kungeln, gab es damals bedeutend weniger Gelegenheiten als heute. Zu schnell machte die Runde, wenn sich ein Gewählter zu dreist bereicherte, seine Macht ausnutzte oder gar dem Kollektiv schadete, zu dessen Schutz und genuinem Vorteil er gewählt worden war.

Weniger Hierarchien, eine höhere Transparenz – und damit verbunden auch die Möglichkeit, Verant­wortlichkeiten kontrollierbar und besser einforderbar zu gestalten – wie auch die Tatsache, daß sich diejenigen, die als Wähler zugelassen waren, für ihre Wahl gegenüber denjenigen zu verantworten hatten, die nicht wählen durften, verhalfen der Idee der Demokratie sehr schnell zu Freunden und großem Zulauf – sogar unter denjenigen, die als Wähler (noch) nicht zugelassen waren.

Nahezu unmöglich wäre es damals gewesen, daß jemand als Kandidat benannt worden wäre, der sich zuvor in keiner Weise als besonders fähig erwiesen oder in irgendeiner Weise als zur Führung geeig­net bewiesen hätte.

Lang, lang ist’s her: Wer das 18. Lebensjahr vollendet hat, erwirbt damit grundsätzlich das Recht, als Wähler mitzubestimmen. Ob er wählt oder nicht, ob er sich bezüglich der zur Wahl anstehenden Personen und Inhalte in Kenntnis setzt oder nicht, all dies ist völlig nebensächlich. Die Demokratie der Neuzeit ist zu einer Beliebigkeitsveranstaltung verkommen, der nachzukommen sich die Bürger mehr schlecht als recht entledigen, sofern das Wetter nicht zu gut (dann fährt man lieber ins Grüne) oder zu schlecht (dann bleibt man lieber zu Hause) ist. Wer „demokratisch“ wählt, weiß sehr gut, daß er nicht Personen ob ihrer Qualifikation wählt, sondern aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser oder jener Partei. Wer letztendlich von den Parteien auf die Listen gesetzt und nach dem Parteienvotum dann auf irgendeinen der zahllosen zu vergebenden Posten gesetzt wird, entzieht sich der Zustimmungsmög­lichkeit des „demokratischen“ Wählers.

Die Demokratie ist längst zu ihrer eigenen Farce mutiert, und nicht zuletzt daraus resultiert die Resig­nation des Wahlvolks – soweit es sein demokratisches Recht überhaupt noch wahrzunehmen bereit ist. Die Demokratie wird beileibe nicht als Ausdruck selbstbestimmter Wahrnehmung eines Bürgerrechts verstanden, vielmehr entledigt man sich einer Pflicht oder übt Wahlverzicht – stummer Protest empfundener Wut und Enttäuschung oder völligen Desinteresses. Die Parteien und ihre ausgekungel­ten „Gewählten“ hingegen maßen sich unter Berufung auf derartig „demokratische“ Wahlen an, nach völlig undemokratischem Gutdünken Posten und Pfründen unter sich aufzuteilen, sich – angesichts zuallermeist fehlender Qualifikationen – unbotmäßige Einkommen und Pensionen zu gestatten [von denen sie in einem zivilen Beruf entsprechend ihrer (fehlenden) Qualifikation nur träumen könnten] und dann im Parlament der verordneten Parteiendoktrin entsprechend aufzutreten.

Sind schon Wahlen an sich heutzutage insofern eine Farce, als die tatsächlich im Parlament dann agie­renden „Volksvertreter“ in Wahrheit nur noch Parteienvertreter sind, so gleicht der Bundestag inzwi­schen einem Haufen Schizophrener; von der Forderung des Artikel 38, derzufolge die Abgeordneten des Deutschen Bundestages „Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“ sind, ist buchstäblich nichts mehr übrig geblieben. Insofern ist sämtlichen heute im Bundestag (und ebenso in den Landtagen) vertretenen Parteien ein Bruch des Grundgesetzes vorzuwerfen, da der Fraktionszwang längst jegliches Demokratie-Verständnis ersetzt hat und zum politischen Alltag gehört.

Die Parlamente wie auch die politischen Führungs- und Verantwortungsfelder sind zum Selbstbedienungsladen eines Klüngels verkommen, dem größtenteils nicht nur jegliche Befähigung zu den dann ausgeübten Ämtern, sondern vor allem jede demokratische Legitimation fehlt.

Nun jedoch alle Schuld ausschließlich den öffentlichen Schmarotzern (Pardon: Abgeordneten) zuzu­weisen, wäre zu kurz gesprungen. Der Selbstbedienungs-Parlamentarismus ist überhaupt nur möglich geworden, weil (und in dem Maße, in dem) die Masse der Wähler nie gelernt hat, politisch zu denken und zu agieren – wo auch? In der Familie? In der Schule? –, also neben die Einforderung von Rechten auch die entsprechenden Pflichten zu setzen. Die Demokratie schafft – theoretisch – für den Einzelnen den Freiraum zur Entwicklung einer eigenen Individualität, nicht jedoch ausschließlich ein Recht für eine anonyme, bewußtseins- und identitätslose Masse, sich über eine Minderheit hinwegzusetzen. Insofern ist das Ziel der Demokratie nicht vornehmlich ein Recht der Mitbestimmung, sondern vor allem eine Pflicht zur Selbstbestimmung. Die Qualität einer Demokratie zeigt sich also nachgerade in der Demokratiebefähigung des Einzelnen. In dem Maße, in dem wir uns aber exogen von Parteien, Politikern und Gewerkschaften, der Wirt­schaft (und ihrem Dogma vom Shareholder value – alles zum Wohle der gierigen Aktionäre), den Medien und (belustigenderweise) von den Kirchen dominieren, gängeln, manipulieren und korrumpie­ren lassen, entfähigen wir uns auch, autark, autonom und authentisch – also demokratisch – zu leben. Wir, die Wähler, opfern auf dem Altar billiger Käuflichkeit – des bequemen Zugewinns ohne eigenen Einsatz, verantwortungs- und risikolos – unsere demokratische Selbständigkeit. Die „Fahneder Demokratie – der Rattenfänger von Hameln benutzte ehedem noch eine Flöte – flattert lustig und bunt-knatternd im Wind, während wir (die Medien sind live dabei) hinter den Lautsprecherwagen der poli­tischen Führungskaste einhertrotten. Vivat democratia!

Demokratie-Reife zeigt sich vor allem darin, inwieweit der Einzelne die eigene Ethik zum Maßstab eigenen Handelns macht, statt der öffentlichen Moral zu folgen. Das wäre jedoch mit der Unbequem­lichkeit verbunden, die eigene Dialektik, Selbstbestimmung und -bestimmtheit kritisch zu hinterfra­gen, freiwillige Selbstbeschränkung zu üben, statt hemmungsloser Selbstentgrenzung zu frönen und dummdreisten Wahlversprechungen auf den Leim zu gehen (um sich nach der Wahl darüber zu ent­rüsten, daß die vorherigen Wahlversprechen wieder einmal – wie üblich – nicht eingehalten wurden), eine Majorität nicht – scheinbar demokratisch legitimiert – auszunutzen, sondern sogar als Schutzfunk­tion für die Minorität zu begreifen, das Recht auf Mitbestimmung nicht mit der Pflicht zur Selbst­bestimmung zu verwechseln, auf Manipulation und Korruption gegenüber anderen zu verzichten, das Maß und Niveau der eigenen Informationsbefähigung zu fördern, statt den Manipulateuren der öffent­lichen Meinung Vertrauensbruch vorzuwerfen, und auf beanspruchbare Rechte zu verzichten, statt unbedingt jeden Happen zu schnappen, mit dem uns die Parteien an die Urnen locken.

Unsere vorgebliche Demokratie – Sie erinnern sich: Herrschaft der Gemeinschaft – ist längst zur Demokratur, d.h. zu einer Beherrschung des Volkes durch die Parteien und personell aufs engste mit ihnen ver­flochtenen Institutionen verkommen. In den öffentlich-rechtlichen Medien und staatlich dominierten Firmen (Landesbanken, Rundfunkanstalten, Fernsehsendern, Behörden und sogar den obersten Gerichten) sitzen beileibe nicht die professionell geeignetsten, sondern Figuren, die das gerade opportune Parteibuch in der Tasche haben. Staatsbetriebe und pseudo-privatisierte Konzerne, selbst Lotterieverwaltungen und Spielkasinos – alles wird von der Parteien-Demokratur unter Kuratel gehal­ten.

In diesem „Spiel“ pseudo-demokratischer Vergewaltigung spielen auch die Kirchen und die Bildungs­stätten (Schulen und Universitäten), das Gesundheitswesen und faktisch jeder Bereich des öffentlichen Lebens einander gegenseitig die Bälle zu. So gilt der Datenschutz pro forma als hehres Gut, während sich der Parteien-durchwobene Klüngel keinen Deut um jedwede Datensicherheit schert. Ämter und Behörden tauschen munter Daten untereinander aus und geben diese sogar an pseudo-demokratische Einrichtungen wie Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, die Kirchen und sogar die Gewerkschaften weiter – unter bewußter Verletzung demokratischer Grundrechte.

Welcher Minister auf welchem Wege ein Zubrot von Seiten großer Konzerne, Bau- und Rüstungs­firmen [denken Sie dabei nicht nur an Herrn Leisler-Kiep, sondern auch an die Lockheed-Affäre und Herrn Strauß sowie ganze Hundertschaften parteipolitischer Kostgänger (aus allen Parteien und öffentlich-rechtlichen Institutionen)] erhält, welcher Parlamentarier sechsstellige „Übergangsbeihil­fen“ vereinnahmt oder sich noch während seiner Amtszeit (Guten Tag, Herr Bangemann) rechtzeitig die entsprechende „Altersversorgung“ bei einem der Multis sichert, welcher abgehalfterte Politiker nach Brüssel und Straßburg abgeschoben wird, um dann mit fünfstelligen Renten (pro Monat!) in Pension zu gehen, all dies hängt beileibe nicht von Qualifikationen, sondern von der richtigen Partei­zugehörigkeit und der nötigen Chuzpe ab.

Das Klagelied unserer Pseudo-Demokratie hätte noch viele Strophen, nur nützt es gar nichts, diese ein ums andere Mal herunterzubeten.

So lange sich die Demos, die regionale Gemeinschaft, die Kommune, nicht dazu entschließt, die (ihr grundgesetzlich zustehenden) demokratischen Rechte und Pflichten gleichermaßen zu sehen, zu nutzen, zu bewahren und zu verteidigen, wird das Heer der Schmarotzer und Parasiten munter weiter anschwellen. Diese „demokratisch legitimierten“ Zeitgenos­sen plündern den öffentlich-rechtlichen Aerar hemmungs- und bedenkenlos, und wir lassen zu, daß sie von unserer Arbeit leben, unsere Steuern und Sozialabgaben in ihr Eigentum überführen und skrupel­los die Zukunft der kommenden Generationen verfrühstücken.

So lange wir unserer eigenen demokratischen Verantwortung nicht gerecht werden, dürfen wir uns über die Verantwortungslosigkeit unserer „demokratisch gewählten“ Parlamentarier nicht mokieren.

Wege zur Demokratiereife

Demokratie-Befähigung fußt auf dem Unterschied von Information und Wissen. Erst verarbeitetes Wissen kann zu Bildung führen. Information und Wissen setzen jedoch Interesse und persönlichen Einsatz voraus. Wer glaubt oder hofft, sich der Mühe entsagen zu können, eigene Demokratie-Befähi­gung zu erwerben, verliert damit eigentlich auch jedes Recht, Demokratie einzufordern.

Manipulation, die Schiene jedweder Korruption in körperlicher, geistiger oder emotionaler Weise, beginnt bei der Desinformation – also einem informationellen Energie-Transfer, der keinen Zugewinn an wertvollem Wissen oder der Verbesserung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Absicht hat, sondern einzig den Zweck verfolgt, den Rezipienten der Botschaft dem Absender gegenüber positiv zu stimmen, als Werkzeug gefügig zu machen und in eine bestimmte Richtung zu lenken (die nicht dem Empfänger sondern nur dem Absender dient). Manipulation ist aber nur möglich, wenn und so lange sich der Manipulierte nicht wehren kann oder will.

Jede k(örperliche), g(eistige) oder e(motionale) Desinformation bedarf einer Absicht des Absenders oder sie beruht auf einer mangelhaften Reflexion; d.h. fehlinformierte Eltern geben die ihrerseits empfangene Desinformation als solche weiter, wenn sie – mangels eigenen Nachdenkens (Überlegens) – zum „Transmissionsriemen“ (z.B. für ihre Kinder) werden, auch wenn dies weder in ihrer Absicht liegt, noch sie sich dessen wirklich bewußt sind. Insofern – und das ist das eigentlich tragische dabei – sind gerade diejenigen Menschen, denen Kinder am bereitwilligsten glauben und vertrauen, die ersten und gefährlichsten Übermittler von Fehlinformationen, die sie selber erhalten haben.

Damit ist der Grundstock für Desinformationen als Muster gelegt, welches mitunter sogar ein Leben lang anhalten kann und dann seinerseits wiederum an die nächste Generation weitergegeben wird.

Denken Sie dabei an Vorurteile, die gedanken- und bedenkenlos im Volk verteilt werden und gerade bei Kindern auf geistig-seelisches Brachland fallen – der ideale Nährboden für (mitunter) lebenslang gehortete Überzeugungen. So erfahren z.B. rassistische „Überzeugungen“, religiöse Glaubenssätze und faschistoide Einstellungen von Eltern eine Manifestation im Verstandes- und Gefühlsbereich von Kindern, die diese dann vertrauensvoll – wer wagt als Kind schon in Zweifel zu ziehen, was ihm die Eltern beibringen?! – gelebt werden.

Nur, welche Eltern haben denn – die Biologie einmal außer acht gelassen – jemals eine Elternschule durchlaufen, also gelernt, verantwortungsbewußt sowie psychologisch und pädagogisch wertvoll zu erziehen? Und zur Erziehung gehört zweifellos auch, Kindern beizubringen, zwischen Informationen und Desinformationen zu unterscheiden.

In Deutschland erscheinen derzeit rund 400 lokale und regionale Abo-Zeitungen, Wochenzeitungen, überregionale, Straßenverkaufs- und Sonntagszeitungen – mit einer Gesamtauflage von mehr als 31 Millionen Exemplaren. Damit halten die Deutschen übrigens einen Weltrekord als Zeitungsleser.

Neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten können in Deutschland bis zu 30 deutschsprachige Fernseh- und mehr als 5.000 Hörfunksender empfangen werden. Auch wenn sich die meisten dieser Sender (vor allem die privaten) vornehmlich auf recht seichtem Niveau bewegen
(U-Musik und leicht verdauliche Unterhaltungssendungen), stellt auch dies eine nicht zu unterschät­zende Gefahr der Manipulation und Desinformation dar, suggeriert es doch, daß sich der Mensch eigentlich um recht wenig (oder gar nichts) kümmern muß. Selbst wenn also derart kurzlebige Infor­matiönchen und Sensatiönchen für sich genommen keinen tiefergehenden Einfluß zu haben scheinen, verlieren die (vor allem jugendlichen) Rezipienten sukzessive das Bewußtsein, sich mit der realen Welt intensiv und verantwortungsbewußt auseinanderzusetzen.

Zwar halten nach Umfragen nur 41% der Bevölkerung die Tageszeitungen für „glaubwürdig* und 31% das öffentlich-rechtliche Fernsehen, bzw. nur 11% den öffentlich-rechtlichen Hörfunk – weit abgeschlagen folgt das private Fernsehen (7%), der private Hörfunk (2%) und Internet-/Online-Dienste (1%) –, eine tiefere Reflexion der von diesen Medien jeweils aufgenommenen Informationen unterbleibt jedoch größtenteils. Immerhin 6% aller Befragten glaubten keinem der genannten Medien überhaupt.

Gerade aber die eigentlich notwendige Reflexion gehörter/gelesener (also wahr-genommener Infor­mationen) wäre jedoch die beste Möglichkeit, um dann die informationelle Spreu vom Weizen trennen und das eigene Denkgebäude, eigene Empfindungsmuster und Überzeugungen hinterfragen und ent­wickeln zu können. Nur selten wird jedoch in den Familien und den Schulen gelehrt, wie mit Informa­tionen umzugehen ist, wie diese zu hinterfragen und weiter aufzubereiten sind. Das Alltagsgeschehen einerseits und der subjektive Drang, möglichst viel an Informationen aufzunehmen (man möchte ja mitreden können), reduziert die Qualität der Informationabilität in genau dem Maße, in dem wir von immer mehr Informationen zugeschüttet werden. Mit anderen Worten: So ungeheuer viel größer die theoretischen Chancen des heutigen Menschen sind, sich zu informieren und daraus Wissen (und weitergehend Bildung) zu entwickeln, in der Praxis sinkt der informationelle Nährwert ganz offen­sichtlich – Folge einer nie vermittelten Fähigkeit, Informationen zu sortieren, zu Wissen zu verarbeiten und damit eine Immunität gegen Desinformationen, Manipulation und Pseudo-Wissen zu entwickeln.

Das informationelle Mehr wird realiter zu immer mehr Weniger. Im gleichen Maße steigt jedoch auch der Zweifel, die Verwirrung und – siehe das Schaubild der Korruptionspyramide** – die Hilflosigkeit, mit der sich die Menschen konfrontiert sehen und die sie empfinden. Dies wiederum führt – gefähr­liches Zeichen innerer Abkehr und Resignation – zu einem Unlust- und Verweigerungsmuster. Man beschränkt sich – was das eigene Selbst wie auch die privaten und beruflichen Belange betrifft – auf das Notwendigste. Ansonsten zieht man sich auf die Position des Unbeteiligten, des (scheinbar) neutral-Wahrnehmenden zurück. Man läßt sich unterhalten – stundenlang bei flacher bis dümmlichster Fernsehkost, Glieder-schüttelnder Weise in Discos (sinnfremd Tanzen genannt) – und überläßt es Dritten, für Spannung und Auf­regung (Sportveranstaltungen, Horror-Movies, Boxkämpfe oder Gameshows) zu sorgen. Eigene Teil­nahme, eigenes Handeln, die aktive Gestaltung des eigenen Lebens wird gegen eine Zuschauerrolle eingetauscht, mittels derer wir miterleben, wie andere unser Leben (quasi) für uns leben. Dies kommt (siehe Schaubild Korruptionspyramide**) der Endstufe der Desinformation zunehmend gefährlich nahe: Der Resignation!

Wir müssen uns nicht im mindesten darüber wundern, daß die heutige Jugend bedeutend weniger politifizierbar, d.h. für öffentliche Belange und eine aktive Teilhabe daran, motivierbar ist. Sie reagiert damit nur mit Abwehrmechanismen gegen das, was ihnen vorgelebt wird, was sie mißtrauisch macht und ihr weder teilnehmenswert noch freudvoll-nachahmenswert erscheint. Praktisch die gesamte Unterhaltungsbranche (Einschaltquoten, Absatz, Umsatz, Gewinn – nur das zählt) lebt in dieser Des­informations-(Schein-)Welt und von ihr. Müssen wir denn erst wirklich amerikanische Verhältnisse erleben – in den USA ist die Desinformation/Korruption der Masse bereits perfektioniert –, bevor wir aufwachen? Tötende Kinder und amoklaufende (V)erwachsene, die jede natürliche Hemmschwelle überspringen, sind ein Spiegel der auf Desinformation und Korruption beruhenden Gesellschaft.

Genau damit ist auch die zunehmende Abkehr der Menschen (nicht nur der Jugend) von Parteien und Gewerkschaften, Religionen und anderen Formen der Vermassung erklärbar; der zunehmend verun­sicherte Bürger mißtraut dem, was er wahrnimmt. Er reduziert die eigene Aktivität beruflich auf das Notwendigste (Karriere und Leistungsbereitschaft sind out und gelten beinahe als verdächtig) und privat auf eine überschaubare Bequemlichkeit, aus der er sich kaum noch herauslocken läßt.

Genau dies ist jedoch der gefährliche Nährboden für einseitig ausgerichtete Gruppen (organisierte Kriminalität) und die destruktiven Überzeugungsmuster, mit denen wir in zunehmendem Maße über­häuft und regelrecht zugeschüttet werden.

Einige Beispiele hierzu:

  1. Shareholder-Value

Das Shareholder-value-Denken zerstört sowohl den Wettbewerb (behauptet wird das Gegenteil!) als auch das notwendige Innovationsdenken. Wirtschaftliche Innovationen verlangen nämlich Risikofreude, den Mut, Neues auszuprobieren und sogar Anfangsverluste in Kauf zu nehmen sowie umfassende Research-Arbeit – alles Faktoren, die dem maximierten Höchstertrag, also optimiertem Gewinnstreben (optimized shareholder-value) entgegenstehen.

  1. Globalisierung

Eine verschwindend kleine Minderheit – etwa fünf Dutzend superreiche Familien, denen das Gros der Weltkonzerne in (aktienrechtlich) bestimmendem Maße gehört – verknechtet in zunehmendem Maße sieben Milliarden Erdenbürger, wobei sie sich um Ethik und Moral, ethnische oder sonstige Minderheiten oder andere, ihren Einfluß und ihr Machtstreben störende Belange in keinster Weise kümmern. Politiker setzen sie als willfährige Marionetten und gutbezahlte Handlanger ein (Korruption und Bestechung), den Rest erledigen die von ihnen dominierten Banken.

  1. Das wissenschaftliche Paradoxon

Einerseits sollen Wissenschaftler Wissen schaffen, andererseits werden Gedanken und Thesen heftig attackiert, sofern sie nicht auf bestehender Wissensbasis genauestens (gen 100 %) beweis­bar sind. Wohl 99,9 % der (angeblich) Wissen-Schaffenden begnügen sich deshalb mit der Verwaltung und Verteidigung bestehenden Wissens – aus Feigheit, Faulheit oder Mangel an Kreativität und Verantwortungsbewußtsein, oftmals aber auch, weil ihnen der Wissenschaffenwollende Impetus, der einen Blick über den Tellerrand hinaus verlangt, völlig fehlt.

Wissenschaft gerinnt damit zum jüngsten Stand des Irrtums.

  1. Die Gleichschaltung der Medien

Eine gezielt gesteuerte Informationspolitik, die in etwa zwei Dutzend bestens kontrollierten Nach­richtenagenturen (Associated Press, Agence France, Deutsche Presseagentur, Reuters etc.) ihre Verknotung erfährt, versorgt in den 20 meist-gesprochenen (und -gelesenen) Sprachen der Welt die jeweilige Bevölkerung. Unter enormem Zeitdruck stehende Redakteure und Journalisten schreiben ab (und texten allenfalls geringfügig um), was ihnen „offiziell“ geliefert wird. Freie, unabhängige, fachlich versierte Journalisten, die tatsächlich noch selbst recherchieren, sich gar den Luxus erlauben, zu sagen, was sie denken, sind eine seltene (und aussterbende) Spezies    – die wenigsten können sich dies finanziell leisten, und den meisten fehlt dazu der Mut und das wirkliche Interesse. Wer setzt sich schon der Gefahr aus, mühsam Recherchen zu sammeln, deren Ergebnisse dann keine Zeitung den Mut hat zu drucken? Wer will sich schon ins Abseits stellen, als Querulant dastehen oder sich gar persönlicher Gefährdung aussetzen?

Journalisten melden, was entweder offiziell-genehmigter Duktus ist (je sensationeller, desto schneller muß es ’raus) und was gehört/gelesen/gesehen werden will. Je „windschlüpfriger“ sich also Journalisten beruflich geben, desto größer sind ihre Chancen, in der Hierarchie der Medien emporzuklettern, um irgendwann Chefredakteur zu werden. Der eigentlichen Verantwortung eines Journalisten werden sie damit natürlich in keiner Weise gerecht, aber wen kümmert dies schon? Die anderen tun es ja auch nicht!

In gleicher Weise geht das Gros von Schriftstellern vor, deren Bücher nur unter den selben Prämissen überhaupt einen Verlag finden. Welcher Autor kann sich schon leisten, zu schreiben, was ihm wirklich wichtig ist? Selbst wenn er dann sein Buch auf eigene Rechnung verlegt, fehlt ihm die wichtige Verteilerschiene, die fest in den Händen der Verlage liegt.

  1. Die Notenbanken

Auch die Erzeuger- und Verteilerbranche der Währungen – allen voran die amerikanische FED – liegt letztlich im Klammergriff der Illuminaten, der o.g. Gruppe jener superreichen Familien, auch wenn sie deren operationale Funktion in die Hände der Politiker bzw. ihnen geeigneter Figuren legen. Weder der Chef der FED noch der EZB und der wichtigen asiatischen Staaten sind tatsächlich unabhängig und autark. Nehmen wir das Beispiel Wim Duisenberg, des früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Duisenberg wurde der EU als Wächter über den EURO und die Europäische Wirtschaftsund Währungsunion von den Illuminaten buchstäblich aufs Auge gedrückt. Seine vornehmliche „Qualifikation“ besteht darin, daß er am niederlän­dischen Hof und als Schüler von Hermann Josef Abs (ehem. Chef der Deutschen Bank, Finanz­berater Adolf Hitlers und direkter Handlanger der Illuminaten seit Ende des Zweiten Weltkriegs) ausgebildet, mit den Zielen und Wünschen der Big Players bestens vertraut ist.

Die wahren Entscheidungen über den Lauf der Wirtschaftsgeschichte werden in geheimen Zirkeln und Konferenzen festgelegt, über die die Öffentlichkeit nur knapp und inhaltslos (wenn über­haupt) informiert wird. So treffen die Mächtigen dieser Welt bei „Familientreffen“ wie z.B. der Bilderberger-Konferenz ihre Entscheidungen. Deren Vorsitzender ist übrigens Prinz Bernhard der Niederlande, dessen Frau über den angeblich reichsten Mann der Welt, Bill Gates, wohl im stillen Kämmerlein nur mitleidig schmunzelt. Ihr gehören heute noch ganze Straßenzüge in New York. Diese heutige Finanz- und Wirtschaftsmetropole der westlichen Welt wurde Ende des    16. Jahrhunderts unter dem Namen Neu-Amsterdam von den Holländern gegründet, und die Niederländisch-Westindische Kompanie erwarb die Insel Manhattan damals für den heutigen Gegenwert von weniger als 10.000 Dollar von den Indianern. Hauptaktionär dieser Kompanie war der niederländische Königshof. Bei diesen Bilderberger-Konferenzen wird die reale Politik gemacht. Hier treffen sich die De Beers, Rockefellers und Rothschilds, die Erben der Warburg-Vermögen und der Duponts, die (Mehrheits-)Besitzer der Öl- und Pharmakonzerne, der Stahl-, Lebensmittel-, Chemie- und Handelsunternehmen. Als Auszeichnung empfinden es dann Politiker und Staats­männer, wenn sie zu derartigen Konferenzen eingeladen werden. In Wahrheit werden sie damit als Heloten ob ihrer Willfährigkeit, als Lakaien und Büttel der Illuminaten „geehrt“.

Diese Beispiele wären beinahe beliebig ergänzbar; dem Dreieck, bestehend aus Den Haag, London und der Ostküste der USA, verdankt auch die Gruppe der Trilateralen ihren Namen. Sie beherrscht den Sport und die Medien, die Pharma-, Waffen- und Chemieindustrie, das Banken- und Versicherungs­wesen, den größten Teil der weltweit führenden Forschungs- und Entwicklungszentren, den Lebensmittel- und Rohstoffmarkt, die Schwerindustrie und das Transportwesen (mit den entsprechenden Handelswegen und -rechten) sowie die Medien. Und genau ihnen verdanken wir auch die gigantische Farce der Demokratie; unter diesem Begriff wird den Bevölkerungen der westlichen Länder suggeriert, sie hätten demokratische Rechte, könnten also in freier Selbstbestimmung darüber befinden, wer in ihren Ländern politisch tätig und verantwortlich ist. Bei genauem Hinsehen offenbart sich jedoch das gesamte Ausmaß dieses pseudo-demokratischen Blendwerks. Auf die Spitze getrieben: Die Behaup­tung, es handele sich bei den Ländern Europas und dem Gros der Länder Asiens, Südamerikas und teilweise auch Afrikas um Demokratien, ist wohl die übelste Korruption aller Zeiten, und alle vorgeb­lichen Versuche, die noch fehlenden Länder der Welt endlich zu „demokratisieren“, entsprechen letzt­lich nur dem klaren Ziel der Illuminati, auch diese Staaten unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Wer all dies versteht, dem wird auch verständlich, warum die Illuminaten es zuließen, es ihnen sogar perfekt in den Kram paßte, daß seit dem (offiziellen) Ende der Kolonialzeit – damals wurden die Pflöcke eingeschlagen, um sich die Minen und Rohstofflager in diesen Ländern zu sichern – immer wieder Diktaturen errichtet wurden, Strömungen wie der Faschismus, der Nationalsozialismus und der Kommunismus ihr Unwesen trieben, Militärputsche für Unruhen und Millionen Tote und Religions­kriege weltweit für Tod und Zerstörung sorgten. Alle diese Strömungen verunsicherten und bedrohten die Menschen in den betroffenen Ländern, beraubten sie ihrer Existenz, zerrissen Familien und verbreiteten Angst und Schrecken. Davon abgesehen, daß mit dem Verkauf von Waffen (an jeweils beide kriegführende Parteien) enorm Geld zu verdienen war, konnte man sich nach dem Ende der Kampfhandlungen dann auch als der große Befreier und Helfer beim Wiederaufbau profilieren – die jeweils unterlegene Partei wurde dann auf internationalen Konferenzen zu Regreßzahlungen und Wiedergutmachungen in Milli­ardenhöhe verurteilt („The winner takes it all“). Im übrigen war es den „Befreiern“ am ehesten möglich, ihnen genehme und willfährige politische Strukturen und die Kontrolle über Industrie und Handel, das Bank- und Finanzwesen, die Medien und das Bildungs­system zu gewinnen, wenn diese Länder hoffnungslos zerstört und bis dahin bestehende Strukturen zerschlagen waren.

Insofern kommt den wirklich Mächtigen dieser Erde – sie denken in Generationen und können deshalb in Ruhe abwarten – außerordentlich zupaß, wenn derzeit zwei Dutzend Länder Afrikas und das größte Land der Erde (Rußland) vor nationalen Katastrophen stehen. Ein in Schutt und Asche liegendes Territorium mit einer in seiner Verzweiflung zu allem bereiten Bevölkerung empfindet dann geradezu als Segnung, was ihnen von den Illuminaten gnädigerweise als Alternative gewiesen wird.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, liebe(r) LeserIn, daß Sie das gerade Gelesene Mühe haben zu verdauen. Viele von Ihnen mögen sich – ein verständlicher Akt seelischer Notwehr – lieber ab- und einer freudvolleren Lektüre zuwenden.

Doch Vorsicht: Gerade der Umstand, daß wir Unangenehmes und Erschreckendes lieber verdrängen und nicht wahrhaben wollen, macht uns zu willfährigen Opfern für Heilsversprecher, Besänftiger und Tröster. Um den Schmerz negativer Erkenntnisse und Erfahrungen ein wenig zu mildern, lassen wir uns nur allzu gerne von Schönem, Buntem und Angenehmem trösten. Die Seele verlangt nach Süßig­keiten – buchstäblich: Der Verzehr von Schokolade, Kuchen und sonstigem Zuckerwerk ist bei den­jenigen am höchsten, die Ängste und Schmerzen nicht aufarbeiten, sondern zu verdrängen suchen. Der unnötig konsumierte Zucker wird dann in Fett umgewandelt, das sich wie eine Dämmschicht um die ramponierten Nerven legt. Das Problem wird damit aber in keiner Weise gelöst, sondern nur (weich) verlagert. Warum führen die Amerikaner weltweit die Hitliste der Fettleibigkeit an – speziell im Mickey-Mouse-Bundesstaat „golden California“?!?

Wer die uns vorgegaukelte Pseudo-Demokratie wirklich demaskieren möchte, dem sei das Buch Korruption – Die Entschlüsselung eines universel­len Phänomens wärmstens empfohlen.[1]

Wer darüber hinaus nicht nur in sich selbst Klarheit schaffen möchte, sondern auch sein Umfeld      – privat wie beruflich – zur korruptionsfreien „Zone“ umgestalten möchte, kann dieses Buch (wie auch diesen Artikel) gerne weiterempfehlen und verteilen.

Diejenigen, die von der ins Volk gestreuten Schimäre „Demokratie“ am meisten profitieren – dazu gehören auch unsere politischen und gewerkschaftlichen Schreihälse –, werden sich eher die Zunge abbeißen, als der manipulierten Wählerschaft reinen Wein einzuschenken. Hinter die Geheimnisse der Schein-Demokratie zu gelangen, bedarf schon der Mühen derjenigen, denen es um ehrliche Demokra­tie und eine selbstbestimmte Lebensführung zu tun ist. Daß unter wirklich demokratischen politischen Verhältnissen all die Witzfiguren, die uns heute – pseudo-demokratisch „legitimiert“ – im Bundestag, in den Länderparlamenten, in Gremien aller Art starrsinnig behaupten, zu vertreten, unter wirklich demokratischen Verhältnissen keinerlei Zukunftsperspektiven hätten, wissen diese Zeitgenossen am allerbesten. Insoweit wäre Grundvoraussetzung einer wirklichen Demokratie ein Personenwahlrecht. Demzufolge müßten Parteien wieder auf den Rang politischer Vereine zurückgestuft, die staatliche Parteienfinanzierung sofort abgeschafft und pseudo-demokratisch „legitimierte“ Gremien mit Zwangs­charakter – Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, kassenärztliche Vereinigungen, steuerbegünstigte politische Stiftungen u.v.m. – radikal abgeschafft und ihres Monopolcharakters enthoben werden. Wer sich – keine Kritik ohne Alternative! – weiters informieren möchte und Interesse an „Alternativen politischen Konzepten“ hat, dem sei die Website des PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. empfohlen: www.d-perspektive.de.

Doch Grundvoraussetzung dafür wäre wiederum ein Demokratie-Verständnis und eine Demokratie-Befähigung, die dem Gros der Bevölkerung bislang völlig fehlt und die wir von denjenigen, die darüber heute selbstgefällig und vor allem ihre eigenen Interessen schützend zu beschließen hätten, ganz sicher nicht erwarten können. Es wäre naiv zu glauben, daß diese Schmarotzer, denen wir sogar noch die Erlaubnis zur Selbstbedienung in die Hand drückten, sich selbst ihrer Privilegien berauben würden.

Demokratie ist die wohl schwierigste und anstrengendste Staatsform, die es gibt. Sie kann nicht poli­tisch verordnet werden, vielmehr verlangt sie ein Bewußtsein und eine Erarbeitung im Denkfühlen jedes Einzelnen, zu dem die meisten Menschen bisher weder bereit noch dazu jemals hingeführt worden sind.

Die Demokratie beschränkt sich auch nicht auf politische Angelegenheiten, vielmehr setzt Demokratie ein Selbstverständnis und eine autarke Selbstbestimmtheit voraus, in der kein Platz dafür ist, Verant­wortlichkeiten und Verantwortungen durch Delegation abzuwälzen.

Demokratie beginnt in den Köpfen derer, die sich auf sie berufen wollen.

Hans-Wolff Graf

* Quelle: Forsa-Institut (1998)
** siehe die Graphik „Korruptionspyramide“ am Ende des Artikels
[1] Das Buch kann über info@private-akademie.com für 18€ erworben werden.

15. März 2015

Für Sie gelesen: Wir sind das Kapital

15. März 2015|Finanzen / Wirtschaft, Gesellschaftssystem, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Wir sind das Kapital

Erkenne den Entrepreneur in Dir – Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie

In „Wir sind das Kapital“ geht Faltin der Frage nach, welchen Beitrag wir alle und nicht nur wenige Spezialisten zum Thema innovatives Entrepreneurship leisten können, und wie wir Potentiale erkennen und nutzen.

Autor: Günter Faltin
Verlag: Murmann Publishers, Hamburg
Preis: € 22,00
Umfang: 288 Seiten
ISBN: 978-3-86774-419-5

„Wenn wir uns darauf einlassen, Entrepreneure zu sein, steht uns die Welt offen. (…) Wir brauchen Entrepreneure, um die Problemberge, die vor uns liegen, anzugehen. Die althergebrachten Denkweisen und Institutionen haben die Probleme verursacht. Wir sollten nicht darauf vertrauen, daß die Verursacher der Probleme nun die geeigneten Lösungswege finden werden.“

Günter Faltin, überzeugter Gründer und Wegbegleiter von Start-Ups sowie Autor des Bestsellers „Kopf schlägt Kapital“ legt mit „Wir sind das Kapital – Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie“ sein zweites Buch vor und entwickelt darin seine Gründungslehre entscheidend weiter.

Als Unternehmer und Initiator der Teekampagne gilt Faltin als Wegweiser, Vordenker und Vernetzer einer neuen Bewegung von Entrepreneuren, die sich eine bessere Welt und eine intelligentere Ökonomie auf die Fahnen geschrieben haben.

In „Wir sind das Kapital“ geht Faltin der Frage nach, welchen Beitrag wir alle und nicht nur wenige Spezialisten zum Thema innovatives Entrepreneurship leisten können, und wie wir Potentiale erkennen und nutzen. Er fächert minutiös eine höchst systematische Methode zur Unternehmensgründung auf und stellt dabei die Wichtigkeit eines tragfähigen Unternehmenskonzepts für erfolgreiches Entrepreneurship heraus.

Faltins Forderung an die Unternehmer: Unsere Gesellschaft benötigt einen modernen Typus des Entrepreneurs, der auf innovative Produkte setzt, die unsere Ressourcen schonen und zivilgesellschaftliches Engagement einer aggressiven, alle Bereiche unseres Lebens vereinnahmenden Ökonomie entgegensetzt. Denn die wachsenden Probleme unserer Zeit sind mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu lösen. „Wir müssen selbst aktiv werden. Als Entrepreneure, Künstler, als genügsame, aber zukunftsfähige Handelnde. Bescheidener, was den Verbrauch an Ressourcen angeht, anspruchsvoller, wenn es um geglücktes Leben geht.“

Über den Autor:
Günter Faltin baute den Arbeitsbereich Entrepreneurship an der FU Berlin auf. Vor 30 Jahren gründete er die Teekampagne – eine einzigartige Erfolgsgeschichte – und begleitet heute als Business Angel zahlreiche Unternehmen. Sein letztes Buch „Kopf schlägt Kapital“ war ein Bestseller, der in acht Sprachen übersetzt wurde. Er lebt und arbeitet in Berlin und Chiang Mai.

20. Februar 2015

Die Lösung der Euro-Krise – eine völlig neue Sichtweise

20. Februar 2015|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Die Lösung der Euro-Krise – eine völlig neue Sichtweise

Das auslaufende „Ultimatum“ für die neue griechische Regierung wird, kein Wunder, ausgehen wie das ‚Hornberger Schießen‘ – ohne Verlierer und Gewinner; Tsipras, Varoufakis & Co dürfen ihr Gesicht nicht verlieren und wissen zudem, daß sie niemand gewaltsam aus der EU werfen kann; Junker, Schäuble & Co sitzen zwar am Geldhahn, haben aber längst verlautbart, daß sie den EURO retten würden, koste es, was es wolle.
Dabei ist jedem politisch unabhängigen Wirtschafts- und Währungsexperten seit Jahren klar, daß der EURO irreparable Geburtsfehler in sich trägt – ein böses Erbe der Kohl-Mitterand-Ära -, schlicht mit Gewalt (und jenseits aller Demokratie!) „vereint“ werden sollte, was unter sozial-, fiskal-, steuer-, kultur- und rechtspolitischen Aspekten noch bei weitem nicht zusammenpaßte – woran sich bis heute wenig, teilweise sogar überhaupt nichts geändert hat.

Nein, der EURO (und damit die Eurozone) ist mit noch so viel Geld, blinder Wut, Verbissenheit, noch mehr Kandidaten, Märchen und leeren Versprechungen zu retten. Vielmehr bedarf es einer völlig neuen Sichtweise – jenseits aller politischer Grabenkämpfe und parteilicher Profilierungsversuche; einzig getragen von der ehrlichen Absicht, Europa zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Kraft zu formen, ohne nationale Identitäten zu zerstören.

Mit besten Grüßen

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu:

Die Lösung der EURO-Krise
Die EURO-Finanz-, Banken-, Wirtschafts- und Sozialkrise kann nur gesamtheitlich gelöst werden
www.d-perspektive.de/konzepte/loesung-der-euro-krise

19. Dezember 2014

Rußland – hier bahnt sich ein ernsthaftes Problem an

19. Dezember 2014|Außenpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Rußland – hier bahnt sich ein ernsthaftes Problem an

Das größte Land der Welt (13 Zeitzonen von Kamtschatka bis Kaliningrad) steht unter Schock; innerhalb von sechs Monaten verlor der russische Rubel gegenüber Euro, US-Dollar, britischem Pfund und Schweizer Franken zwischen 45% und 60% seines Wertes. Dies betrifft vor allem den ärmsten Teil der Bevölkerung, betagte Rentner, die zum Teil von Altersrenten von monatlich 150 € und weniger (über)leben sollen, sowie Klein(st)gewerbetreibende – nachgerade, wenn sie auf den Import von Waren aus dem Westen (Polen, die baltischen Länder, Skandinavien, Deutschland, Holland, die Türkei und Griechenland) angewiesen sind. Letzteres betrifft vor allem die russische Exklave Kaliningrad (das frühere Königsberg, Ostpreußen), das zwischen Litauen und Polen (beides EU-Länder) eingezwängt an der Ostsee liegt und deshalb in hohem Maße von Importen (insbesondere Lebensmittel) aus dem „Westen“ abhängig ist.

Da Rußland zu über 70% seines Staatshaushaltes aus Förderung, Handel und Export von Erdgas und -öl angewiesen ist, schlägt der vom Westen bewußt niedrig gehaltene Öl- und Gaspreis fatal auf den russischen Staatshaushalt durch. Da auch die verbleibenden Exportgüter – Buntmetalle, strategische Metalle und Edelmetalle sowie, in geringen Mengen, Primärenergieträger (Kohle und Holz) – ebenfalls seit nun fast zwei Jahren erhebliche Preisrückgänge verzeichnen, fehlen im russischen Haushalt für 2014 etwa 40 Milliarden US-Dollar, für 2015 wird sogar mit einem Minus von 100 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Hierbei arbeitet die OPEC auf Geheiß und in Übereinstimmung mit den USA, deren Shale-Oil- Fracking auch längst unter die Rentabilitätsgrenzen gerutscht ist, in engem Schulterschluß zusammen. Offiziell will man damit Rußland für seine Rolle in der Ukraine-Krise abstrafen und in die Knie zwingen.
Bei Licht betrachtet handelt es sich hierbei um ein einerseits verlogenes, andererseits reichlich dummes und gefährliches ‚Spiel mit dem Feuer‘; verlogen insofern, als das beständige Ausweiten der NATO nach Osten – seit 1989 (Mauerfall) um 14 Länder (demnächst 17) den russischen „Bären“ nunmehr geradezu logischerweise zum Handeln zwang. Diese strategische Einkreisung Rußlands führt auch innenpolitisch – auf wirtschaftlicher, vor allem aber auf militärischer Ebene – zu einem rasant wachsenden Druck auf Wladimir Putin.
Hinzu kommt, daß Putin auf der Krim nicht nur vertraglich vereinbarte territoriale Pachtverhältnisse verteidigt, sondern auch Leben und Existenz von Hunderttausenden von Russen (und russischen Tataren), die dort zum Teil seit Generationen leben.
Man überlege nur, was geschähe, wenn sich die mexikanische Regierung entschlösse, Bündnisverträge mit Rußland oder China einzugehen; binnen 24 Stunden würde wohl eine halbe Million US-Soldaten im Süden Kaliforniens und an der texanischen Grenze zusammengezogen, um das Leben und die Interessen von Millionen US-Bürgern zu schützen, die im südlichen Nachbarland der USA leben und wirtschaftlich tätig sind.
Rußland schiebt man die Schuld für die Ukraine-Krise in die Schuhe, daß aber private US-Truppen (‚Blackwater‘) und ‚Berater‘ bereits seit 2005 im Westen der Ukraine stationiert und tätig sind, habe ich zumindest noch in keinem westlichen Medium gelesen oder gehört.

Dumm ist das belligeristische Verhalten des Westens insofern, als sich die „Strategen“ der NATO (nicht nur, aber vor allem Washington) entweder überhaupt nicht realisieren, welche Gefahr für den Weltfrieden sie hierdurch heraufbeschwören oder sie diese Gefahren bewußt eingehen – hierbei könnte man von geradezu krimineller Dummheit sprechen.
Putin ist nämlich derzeit wohl der einzige Russe, der in der Lage ist, das eurasische Riesenreich zusammenzuhalten – nicht zuletzt durch sein intrinsisches Informationsnetz (als ehemaliger FSB- Chef) und klare Abmachungen, die er sowohl mit den Oligarchen als auch mit den Militärs getroffen hat. Eben diese klaren Regeln, die Putin auch unnachgiebig durchsetzt, verhindern bislang, daß die Rivalitäten und eifersüchtigen Intrigen, die sowohl unter den Militärs als auch unter den Oligarchen herrschen, zu einer völligen Zersplitterung des Sozial- und Wirtschaftsgefüges Rußlands führten.
Wird nun die Position Putins aufgrund der wachsenden Probleme in seinem Herrschaftsbereich, ausgelöst durch die o.g. Verlogenheit und Dummheit des Westens, nachhaltig geschwächt, und Putin unter Umständen sogar zu einem Rücktritt gezwungen, würde dieses höchst fragile System wohl binnen kürzester Zeit implodieren und zersplittern – mit unabsehbaren Folgen nicht nur in Rußland selbst, sondern auch in den angrenzenden Ländern sowie auf den internationalen Finanzmärkten, denn Rußlands Auslandsguthaben liegen bei etwa 400 Milliarden US-Dollar und westliche Banken sind mit etwa 200 Milliarden US-Dollar in Rußland und seiner Wirtschaft involviert.

In Rußland selbst spielen sich gespenstische Szenen ab: Ganze Sortimentreihen sind schlagartig aus den Kaufhäusern verschwunden; vor Billigketten und Ramschläden bilden sich lange Schlangen; der Kurs für den Euro schwankt – von Bank zu Bank verschieden – zwischen 120 : 1 und 80 : 1, wobei der Wechselkurs buchstäblich minütlich Veränderungen erfährt. Die Hälfte der Klein(st)betriebe hat erst mal den Betrieb eingestellt; man wartet wohl ab, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Tagen entwickeln werden. Hunderte haben bereits ganz aufgegeben; sogar die Selbstmordraten steigen bereits. Offizielle Stellen, Behörden und Ämter erhielten Eildepeschen mit klaren Anweisungen, vor einem striktem Auskunftsverbot zu allem, was die politische Lage anbelangt; alle mit der inneren Sicherheit des Landes befaßten Dienste und Behörden wurden in Alarmbereitschaft versetzt, und ein besonderes Augenmerk gilt den wenigen noch verbliebenen (teil)unabhängigen Medien.

Leider geht man in der Öffentlichkeit und den Medien NATO-Europas und den USA zu ignorant und mit völlig einseitiger Schuldzuweisung gegenüber Rußland bezüglich der sich zuspitzenden Krise in der Ukraine um. Als ‚Putin-Versteher‘ wird jeder diffamiert, der sich um eine ausgewogene, beider Seiten Interesse und Situationen berücksichtigenden Weise bemüht. Wohl mangelndem Intellekt geschuldet setzt man dabei Putin-‚Versteher‘ mit Putin-‚Anhänger‘ synonym, wobei letztere dann natürlich automatisch Gegner und Feinde des Westens, Europas und der USA sind. Es geht eben nichts über ein einfaches Weltbild!

Schon im alten Rom galt der juristische Grundsatz ‚audiator et altera pars‘ 1, aber davon wollen westliche Ignoranz, Agnoranz und Arroganz – nachgerade in den offiziell gesteuerten, beileibe nicht meinungsfreien Medien – natürlich nichts wissen.
Dieser offensichtliche Mangel an Bereitschaft, in bemühtem Verständnis um Zusammenhänge und Hintergründe aufeinander zuzugehen, stellt keine sonderlich Mut machende Basis für das gerade so feierlich-beschworene Jahresend-Fest (vulgo: ‚Weihnachten‘) dar.
Vielleicht sollten wir unsere Politiker sowie alle die „Heilsbotschaft“ so innig kündenden Journalisten mal nachhaltig darauf hinweisen, daß die Bevölkerung mehr von ihren Politikern und Medien erwartet als laue Weihnachtsansprachen einer Pfarrerstochter und eines ausrangierten evangelischen „Geist“lichen.

Ich wünsche allen Zeitgenossen in West und Ost, Nord und Süd ein paar Minuten ruhigen Nachdenkens in den vor uns liegenden letzten Tagen dieses Jahres und ein möglichst friedliches nächstes Jahr – getragen von der Bereitschaft, sich den Standpunkten des jeweils Anderen mit Interesse und Neugier zu nähern; Grundlage dessen, was wir Verständnis und Vertrauen nennen.

Hans-Wolff Graf

1 Lat.: Auch die andere Seite muß gehört werden.

14. November 2014

Herbstzeit

14. November 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Herbstzeit

Mit süffisantem Lächeln und der reichlich überheblichen Bemerkung, „das hätte sich noch vor drei Jahren niemand vorstellen können“, eröffnete uns Reichsverweser Schäuble am Mittwoch in Berlin, daß das ‚Bankgeheimnis‘ ab 2017 faktisch Geschichte sei. 51 Staaten hätten schon unterzeichnet, und weitere 86 seien „quasi mit an Bord“, weil sie dem uneingeschränkten Informationsaustausch bereits zugestimmt hätten.
Nicht teilnehmen an diesem Informationskarussell werden übrigens die USA, die zwar von allen anderen Ländern Unterwerfung unter internationales Recht verlangen, sich selbst aber regelmäßig Nichteinmischung und Sonderrechte ausbedingen. Nun, für uns Normalsterbliche galt das „Bankgeheimnis“ bereits seit Jahren nicht mehr; PINs und TANs, GPS und WLan-traffic, online-banking sowie das ungezügelte aktive und passive Informationsbedürfnis hunderter Millionen rund um den Globus haben uns längst zu völlig gläsernen Bürgern werden lassen.
Nun ging es vielmehr darum, Firmen künftig zu verunmöglichen, durch Verlagerungen ihrer Zentralen, bzw. Auslagerungen gewinnträchtiger Teilbereiche in steuergünstige Drittländer Steuern zu umgehen. 37 Milliarden Euro verspricht sich allein der deutsche Fiskus, weltweit rechnen Steuerexperten mit mehr als 2,1 Billionen US-$ Mehreinnahmen – pro Jahr! Bezahlen werden diesen ‚Coup‘ wiederum die Bürger – entweder durch entsprechend höhere Preise oder durch steigende Arbeitslosenzahlen, wenn sich nämlich (durch Austrocknung der Steueroasen) viele Produktionsströme nicht mehr rechnen.

Nun droht zudem (wohl bereits im ersten Halbjahr 2015) ein sanfter, aber spürbarer Anstieg der Zinsen, da sich die neue FED-Chefin Yellen zuversichtlich zeigt, angesichts der robusten Konjunktur in den USA die seit sechs Jahren andauernde „Subventions“politik der US-Notenbank nach und nach vollends einstellen zu können.
Abgesehen davon, daß wir den Optimismus der FED-Professorin nicht teilen, könnte ein derartiges Bremsen des Schuldenrades Europa härter treffen als die USA; zum einen würde der Niedergang des Euro, der sich auf den Schuldenstand der EU-Länder positiv auswirkt, dadurch umgekehrt – was speziell die schwächeren Kandidaten (incl. Spanien, Italien und Frankreich) vor wachsende Probleme stellen dürfte –, zum anderen träfe es die (noch) starken Volkswirtschaften (D, NL, SF und A), da die Euroländer – anders als die 50 Bundesstaaten der USA – füreinander haften.
In summa: Es bleibt spannend, denn in einem Punkt laufen EU und USA stramm in die gleiche Richtung: Der Auf- und Ausbau des öffentlich-(un)rechtlichen Sektors schreitet munter voran; immer mehr Teile der Bevölkerung arbeiten völlig unproduktiv und leistungslos auf Kosten der realen Leistungserbringer ihrer Volkswirtschaften. Früher erweiterten Fürsten permanent ihren Hofstaat und versorgten ihre Klientel mit extra geschaffenen (oftmals völlig unsinnigen) Pöstchen, um Abhängigkeiten zu schaffen, die eigene Glorie sichtbar zu mehren sowie aus einem steigenden Kontrollbedürfnis – gerade in schwierigeren Zeiten. Heute tun dies Ministerien, Behörden und Ämter – aus gleichen Motiven und ebenso sinn- wie rücksichtslos. Es gilt, den Bürger immer stärker unter Kuratel zu zwingen, da man ihm mißtraut und ihn als „natürlichen“ Gefährder des staatlichen Systems ansieht.

Die Märkte scheinen noch weiter „Luft“ abzulassen (sh. die letzten Freitags-Newsletter); die politischen Unwägbarkeiten sind momentan schwer einzuschätzen und reichen von Ebola, Ukraine-Krise und zwei „ungeklärten“ Flugunfällen bis zur unsäglichen Mautdiskussion und dem europaweiten Banken-Streßtest. Insgesamt bleiben wir aber verhalten optimistisch. Ob wir an den Wertpapiermärkten einen ‚Goldenen Herbst‘ erleben oder einen frühen kalten Wintereinbruch, vermag zur Stunde niemand zu sagen. Aber da geht es uns nicht besser als den „Wetterfröschen“; auch die können sich nur auf langfristige Erfahrungswerte verlassen und kurzfristige Prognosen abgeben – womit sie oft genug danebenliegen.

Lassen Sie sich weder die Laune oder den Appetit auf Lebkuchen und Glühwein nehmen, noch von der Herbstgrippe erwischen.
Eins ist sicher: Nichts ist sicher; und nicht mal das ist sicher!

H.-W. Graf

6. Oktober 2014

Eurokrise 2.0

6. Oktober 2014|Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Eurokrise 2.0

Einmal mehr war es Axel Weber, heute Präsident der UBS, früher Chef der Bundesbank, der die Situation trefflich umschrieb: „Die EZB entwickelt sich immer mehr zur ‚eierlegenden Wollmilchsau‘, die all die Probleme lösen soll, die Brüssel nicht lösen kann“, – und, so möchte man hinzufügen, nationale Politiker nicht lösen wollen, obwohl sie ursächlich dafür verantwortlich sind.

Während die kriegerische Wortakrobatik, mit der wir, die grundsätzlich für alles haftenden BürgerInnen, noch vor einem halben Jahr medial laufend zugeschüttet wurden, allmählich abebbt, brodelt und gärt im Untergrund weiter, was von einer Lösung meilenweit entfernt ist – die Eurokrise.
Während nämlich vor allem Irland, aber auch Spanien und Griechenland inzwischen wieder die ‚Nase über Wasser‘ haben, laufen die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens weiterhin ins Minus; beider Länder Politiker sehen sich nicht in der Lage, den wirklichen Gründen für den desolaten Zustand ihrer Volkswirtschaften – zu hohe Löhne, viel zu viel Bürokratie- und Verwaltungskosten, 35-Stunden-Woche (Frankreich) – mit harten Reformen konsequent zu begegnen. Kein Wunder, welchen Italiener interessiert schon, was in Rom ausgekungelt wird, und die Franzosen strafen ihre politischen Glühwürmchen geradezu hobbymäßig ab.

Nach wie vor können sich die 18 Mitgliedsstaaten nicht darüber einigen, welche (aus Sicht der Deutschen Bundesbank einzige) Lösung sie präferieren – entweder eine „Fiskalunion“, also eine Vereinheitlichung der gesamten Steuerpolitik aller beteiligten Länder, unter der Führung Brüssels, oder eine „Maastricht 2.0“-Variante, derzufolge die einzelnen Mitgliedsländer strikt die von Brüssel vorgegebenen und strafbewehrten Regeln einzuhalten haben. An letzterem darf man als wirklich probater Lösung insofern zweifeln, als bereits Maastricht I nach und nach immer mehr aufgeweicht und von immer mehr Mitgliedsländern immer unbedenklicher verletzt wurde, schlußendlich nicht mehr das Papier wert war, auf dem es verewigt wurde.

Die (unserer Meinung nach einzig vernünftige) dritte Lösung, die Rückkehr zu konkurrierenden Währungen, steht weder für Brüssel noch für die Politiker aller involvierten Länder oder deren Notenbankenchefs überhaupt zur Debatte. Einzig die ‚AfD‘ in Deutschland und Nigel Farage, der Chef der ‚UK Independence Party‘, scheinen den Schuß gehört zu haben und den wahren Kern des Problems zu verstehen. Sie werden dafür prompt als ‚rechts‘ verteufelt und gefemt.
Dabei lernt jeder Volkswirt im ersten Semester, daß die Hauptfunktion unterschiedlicher Währungen darin liegt, als Bindeglied oder Gelenk zwischen unterschiedlich strukturierten Volkswirtschaften und deren Leistungsfähigkeiten zu agieren.
[Wer sich dafür interessiert: s.o.; so sähe unser Lösungsvorschlag aus:
Die Lösung der Euro-Krise, H.-W. Graf, Sept. 2013.pdf ]

Eine größere Kluft zwischen politischer Welt (und deren „elitären“ Bewohnern – Politiker und Parteien) und den soziologischen Strukturen, die man früher als Völker und Nationen bezeichnete, bestand wohl noch nie; den etwa drei Dutzend Unabhängigkeits-bestrebungen, die wir alleine im Raum der Eurozone haben, stehen die Verfechter einer Vereinheitlichung von allem – Löhne, Gehälter, soziale Verhältnisse, Renten- und Sozialversicherung, Arbeitszeiten und -umfelder, und all dies bei gleichen Bildungsvoraussetzungen, identischen (Lebens-)arbeitszeiten, Produktabilität und Lebensstilen – gegenüber.

Ich warte nur darauf, daß nach der Vereinheitlichung der Durchlaufgeschwindigkeit von Duschköpfen irgendwann auch die Vereinheitlichung von Reproduktionsquoten für alle Frauen innerhalb der Eurozone gesetzlich manifestiert wird.

Wer die Eurokrise bereits für beendet und als historisches ‚fait accompli‘ ansieht, sollte sich auf ein böses Erwachen einrichten. Wer sich jedoch wachhält, auch vor einigen Jahren rezessiver wirtschaftlicher Entwicklung und den berühmten „japanischen Verhältnissen“ keine Angst hat, wird auch diese Krise unfähiger und unwilliger Finanz- und Wirtschaftspolitiker problemarm überstehen.

H.-W. Graf

29. September 2014

AfD – Ausgrenzung, Feindbild, Schreckgespenst!

29. September 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für AfD – Ausgrenzung, Feindbild, Schreckgespenst!

Den größten Schock erlebten am vergangenen Wochenende sicherlich die Grünen. Da marschierte doch eine ganze „Horde“ politischer Renegaten an ihnen vorbei, eroberten doppelt so viele Stimmen wie sie und besetzten sowohl in Thüringen als auch in Brandenburg den vermeintlich angestammten vierten Platz in der Wählergunst. In Thüringen hätte nicht viel gefehlt und die AfD wäre sogar noch an der SPD vorbeigezogen, und die Grünen hätten beinahe den Einzug ins Parlament verpaßt.

Ein Schreckgespenst geht um in Deutschland, dem sämtliche anderen Parteien so gerne das braune Mäntelchen überstülpen würden. Da erfrechen sich diese politischen Hasardeure doch, an der Deutungshoheit der Etablierten zu rütteln. Immerhin steht – das weiß doch wohl jeder – die CDU für konservativ, die SPD für Soziales, die Linken fürs Sozialistische und die Grünen fürs Brave und Gute. Und noch aus der Urne erhebt die FDP den Anspruch, für Liberalität und Freiheitlichkeit stehen zu dürfen.
Da erstaunte es schon, daß in Brandenburg fast 110.000 Stammwähler der fünf bisherigen Parteien und in Thüringen fast 85.000 ihre Stimme der AfD gaben. Und das sollen alles rechtsradikale Irrlichter gewesen sein?

Anstatt sich selbstkritisch und ehrlich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, daß die BürgerInnen augenfällig aufzuwachen beginnen und sich nicht länger gängeln und bevormunden lassen wollen, die berühmte „Schnauze“ voll haben von der selbstgefälligen Bereicherung und der pfauenhaften Eitelkeit der politischen „Elite“ und nach neuen Wegen in eine andere Zukunft lugen, eint die Hofschranzen des politischen Systems die Angst vor dem Katalog von Forderungen, mit dem die AfD nach der Wahl in Sachsen nun auch in Thüringen und Brandenburg um Wählers Stimme buhlte.
Fröhlich und leichtfüßig stellen sie die Besitzansprüche der etablierten Parteien nicht nur in Frage, vielmehr entlarven sie mit kaum wiederlegbarer Logik die schwarzen (dunkel)roten und grünen Märchenerzähler. Die wiederum flüchten sich, bar besserer Argumente, in politische Drohgesänge und beschwören empört ultra-nationalistische Politgespenster. Dabei gibt es in den Reihen der CDU/CSU mehr als genügend dunkelbraune Gestalten, in der SPD und insbesondere unter den Linken kommunistische Rotkäppchen, und unter den Grünen leben beileibe nicht nur friedliche Körnchen-Fetischisten, sondern mindestens so viele Asoziale, Leistungsverweigerer und Päderasten wie in allen anderen Parteien auch.

Nur so ein Gedanke: Wenn sich CDU/CSU ihrer Worthülse „konservativ“ beraubt sehen und (Dunkel)Rote wie Grüne um ihr verbales Privileg des Sozial(istisch)en fürchten, wie wär`s denn dann mit den noch jungfräulichen Begriffen wie verantwortungsbereit, pluralistisch, tolerant, modern und zukunftsfähig? Tatsächlich ist mit der AfD eine wirkliche Alternative in die düsteren Gemäuer der deutschen Politik eingebrochen, und jeder Versuch, hieraus einen großväterlich-intellektuellen Spuk zu konstruieren oder ein dunkelbraunes Gespenst an die Wand zu malen, scheitert an der Wut, dem Frust und der Intelligenz der Bürger, die überhaupt noch bereit sind, zur Wahl zu gehen. Aber gerade durch ihre Angst- und Haßtiraden gegenüber der AfD zeigen die etablierten Parteien, wie abgehoben und realitätsfremd sie sind, wie fatal sie den gesunden Menschenverstand ihrer Wähler unterschätzen.

Das Phänomen der deutschen AfD spiegelt sich in rund drei Dutzend Bewegungen innerhalb der EU(rozone) und Ländern, die entweder in die EU(rozone) aufgenommen werden oder sie verlassen wollen; die nach Unabhängigkeit von ihren derzeitigen Hauptstädten streben und eigenständige nationale Entitäten zu errichten trachten – u.a. Belgien (gleich mehrfach) und (Nord-)Italien bzw. Südtirol, Spanien (Katalonien und das Baskenland) und Großbritannien (Schottland), Makedonien und Serbien, Slowenien und Zypern, die Ukraine, Ungarn und Slowakei. Und hinter all dem steht das Aufbegehren einer nicht mehr einseitig durch Medien desinformierten, sondern sich unabhängiger Medien im Internet bedienender Menschen, die sich auch nicht mehr durch staatliche Gewalt und politischen Zwang, übermäßige Bürokratie und monopolistische Konzentration auf politische Wasserköpfe und egozentrische Parteistrukturen in ihren Freiheitsrechten einschränken lassen wollen. Sie haben es satt, den Parteifeudalismus finanziell auszuhalten, der nichts Besseres zu tun hat, als sie in ihrer privaten und beruflichen Sphäre unablässig zu kujonieren und mit ständig neuen Gesetzen zuzuschütten.

Man mag hoffen, daß wir vor dem Beginn einer völlig neuen politischen Kultur in Europa stehen, und genau damit sollten wir auch Osteuropa beliefern, nicht mit Waffen und verlogenen Heilsgesängen.

Zwang und Gewalt wendet derjenige an, dessen Argumentation, Überzeugungskraft, natürliche Autorität und Vorbild als Macht nicht ausreichen.

J.-L. Earl

Trotz der ultimativen Senkung des Leitzinses verdüstern sich die Wolken über dem Euro und der EU, wozu nicht zuletzt das oben beschriebene politische Wechselszenario beiträgt. Sämtliche 18 Mitgliedsländer mußten ihre hoffnungsvollen Prognosen über die Entwicklung des Jahres 2014 inzwischen revidieren. Selbst „Musterknabe“ Deutschland wird seine angestrebten 1,5% Wachstum des BIP wohl kaum erreichen, und die Volkswirtschaften Nr. 2 (Frankreich) und 3 (Italien) taumeln gar einem Minus entgegen. Das weitere Abbröckeln des Euro gegenüber dem US-Dollar und allen maßgebenden Währungen der Welt mag zwar den Export befördern, Importe werden jedoch entsprechend teurer. Und wer glaubt, die enorme Schuldenlast der Euro-Zone könnte durch einen weiterhin schwächelnden Euro nachhaltig saniert werden, dem darf ins Gedächtnis gerufen werden, daß in früheren Zeiten weder die dauerhaft schwache Lira, noch der stets kränkelnde Franc den grundsätzlichen Schwächen beider Volkswirtschaften Abhilfe leisten konnten. Die bewußt gesteuerte Abwertung einer Währung kann mangelnde Leistungsfähigkeit weder kompensieren noch kaschieren. Wenn nun in absehbarer Zeit auch noch die Zinsen wieder ansteigen, könnte es für Zehntausende von Kommunen und Städte, aber auch einige Länder der Euro-Zone sehr eng werden; und mutmaßlich auch für den Euro.

Die derzeitige Seitwärtsbewegung an nahezu allen Börsen ist der real- und finanzpolitischen Gemengelage (beinahe rund um den Globus) geschuldet. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis sich nicht nur die finanzpolitischen, sondern auch die realpolitischen und realwirtschaftlichen Fronten klären und verläßliche Tendenzen zeitigen werden. Der „Verfall“ des Euro kommt unserem Währungsdepot sehr zupaß, ansonsten warten wir unaufgeregt ab.

H.-W. Graf

18. September 2014

Rekordtief des Leitzinses

18. September 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Rekordtief des Leitzinses

Nun haben wir also auch hierzulande „japanische Verhältnisse“; die EZB senkte den Leitzins auf 0,05%. Egal, welchen Alters: Das hat in Deutschland noch niemand erlebt, und wer sich noch an die 70er und 80er Jahre mit zweistelligen Hypothekenzinsen erinnern kann, hätte sich das auch wohl nie träumen lassen.

Damals hatten wir aber auch hierzulande noch Steigerungen des Bruttoinlandsprodukts von 4 und 5% sowie Preissteigerungsraten von 7 bis 8%.
Wenn man den Realzins, also den Nominalzins abzüglich der Preissteigerungsrate, als Maßstab und Faustformel nimmt, lagen wir damals auf dem gleichen Niveau wie heute, denn dieser Realzins liegt heute bei etwa 0,7%. Insofern ist des Einen Freud (niedrige Inflationsraten) des Anderen Feind (praktisch keine Rendite für kurzfristig angelegte Festgelder). Und selbst für 10-jährige Bundesanleihen liegt die Rendite inzwischen bei nur noch knapp 0,65%.

Auch wenn den EZB-Granden eine Preissteigerungsrate von 2% als ideal erscheint, so können die Konsumenten mit Preissteigerungsraten nahe der Null-Grenze hervorragend leben. Schwer tun sich nur diejenigen, die bei ihrer Geldanlage absolut jedes Risiko meiden, dennoch aber Renditen erzielen möchten. Daß dies rein logisch praktisch nicht möglich ist, zeigt sich in der Tatsache, daß die Zinsen, Renditen und Erträge des Anlegers von den Kreditnehmern und Konsumenten auf der anderen Seite bestritten werden müssen, so wie von Gewerkschaften durchgeboxte Lohnerhöhungen notwendigerweise zu Preissteigerungen der Anbieter von Waren und Dienstleistungen führen müssen.

Aber all das gehört zu dem immer wieder kolportierten Märchen, ‚nur Wachstum schafft Arbeitsplätze und Wohlstand‘, was insbesondere von Politikern in die Welt posaunt wird, die sich vor Wahlen beliebt machen und sich als ‚sozial‘ und (dennoch) ökonomisch kompetent beweisen wollen.

Die langfristigen Zinsen sind tatsächlich nur den Zinssenkungen der EZB gefolgt, und der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen in Höhe von rund 1% entspricht durchaus dem historischen Mittelwert.
Wir könnten also mit dem derzeitigen Szenario durchaus auch längere Zeit bequem leben – Japan macht es uns seit mehr als 10 Jahren vor.

Irrational ist eigentlich nur der Anleger, der zwar im Supermarkt jedem Schnäppchen hinterher jagt, jedoch Sachwertanlagen [Aktien(fonds), Edelmetalle und andere Sachwerte] erst dann (wieder) kauft, wenn deren Preise schon wieder in luftige Höhen gestiegen sind, anstatt dann zuzugreifen, wenn sie „im Sonderangebot“, nämlich billig, zu haben sind.

Am besten geht es im derzeitigen Szenario denjenigen, die mit Sparplänen, die mit monatlich gleichbleibenden Beträgen bestückt werden, langfristig denken und handeln. Sie erwerben derzeit – ein kluges Management der Vermögensverwalter vorausgesetzt – erheblich mehr Anteile als in Phasen steigender Kurse. Dies wird sich aber gerade dann, wenn sich – und das ist auch historisch absehbar – Aktien- wie Rentenwerte wieder nach oben entwickeln werden, als sinnvoll erweisen. Denn wann die Zinsen wieder steigen, ist sekundär, daß sie es irgendwann tun werden, ist sicher.
Rekordtief des Leitzinses1
Lassen Sie sich nicht vom Geschehen an den Börsen irritieren. Viel beunruhigender ist unserer Meinung nach das (wesentlich) irrationalere Verhalten der Politiker, ob in Syrien und dem Irak, im Gazastreifen und auf den Golanhöhen, in der Türkei und Afghanistan oder im Konflikt zwischen West- und Ost-Ukraine.
Applaudierende Profiteure dieses Szenarios sind nur die Waffenschmieden. Aber auch die bieten amtsmüden oder abgehalfterten Politikern post officium lukrative Jobs!

Wirtschaft und Finanzen, Börsenkurse und Indizes müssen Sie nicht erschrecken, egal ob Sie als Konsument oder Anleger unterwegs sind (s.o.).

H.-W. Graf

12. September 2014

Ukraine – die Krise spitzt sich zu!

12. September 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Ukraine – die Krise spitzt sich zu!

In der ganzen Welt ist jeder Politiker sehr für Revolution, für Vernunft und Niederlegung der Waffen – aber nur beim Feind, ja nicht bei sich selbst.

Hermann Hesse, 1877-1962
(Schriftsteller, Dichter, Maler)

Längst hat die Ukraine-Krise das Format eines üblichen Ost-West-Geplänkels auf der politischen Bühne verlassen; dies haben auch die Märkte bereits vor Wochen antizipiert und spiegeln dies in den entsprechenden Teilmärkten (Agrar, Futtermittel, Waffen, Versorgung und Energie) wider.
Wenn man aber wie wir (durch unsere humanitäre Tätigkeit in Kaliningrad/Königsberg) beide Seiten kennt und berücksichtigt, fällt auf, wie völlig einseitig westliche Medien diese Angelegenheit apostrophieren und ihren Lesern/Zuschauern/Hörern darstellen (oder sollte man sagen: politisch korrekt verkaufen?). Das Rußland Putins büßt heute in vielerlei Hinsicht für die Fehler der Sowjetunion aus den fast 50 Jahren der Herrschaft Moskaus über die „Bruder“staaten des Warschauer Paktes. Dies gilt in besonderem Maße für Polen, das sich historisch und kulturell immer mit dem Westen verbunden sah, politisch aber nach dem 2. Weltkrieg vom Westen aufgegeben und dem Osten überlassen wurde, sowie die drei baltischen Länder, die vorgeblich befürchten, von Moskau annektiert zu werden. Wer jedoch die Situation sowie die wirtschaftlichen und persönlichen Verflechtungen der russisch stämmigen Bevölkerungen in den baltischen Staaten kennt, weiß recht genau, daß ein Angriff Moskaus auf das Baltikum nur politischer Propaganda entspricht, beileibe jedoch nicht der Realität. Da sind die Probleme, die Litauen mit Polen hat, schon wesentlich ernsterer Natur; die werden in den Medien aber lieber ausgeklammert. Polen übernahm durch seine Annäherung an die EU und die Nato vom wiedervereinigten Deutschland die Rolle des östlichen Grenzpostens der westlichen Bündniswelt, und eben diese Rolle möchte Polen nur allzu bereitwillig nun lieber an die Ukraine weitergeben. Dieser nach 1945 rekonstruierte Kunststaat sieht sich aber in einem argen Dilemma: Wirtschaftlich und finanziell völlig am Boden, bevölkerungsmäßig höchst heterogen (im Westen bzw. Osten des ukrainischen Territoriums), energiepolitisch in desolater Abhängigkeit vom östlichen Nachbarn Rußland (die eigene Kohleförderung ist energetisch weniger effizient und zudem teurer als russisches Erdgas, und ohne russisches Know-How sind auch die Kernkraftwerke nicht zu betreiben), stellt die Ukraine eine Art Vielvölkerstaat dar, der nun – ähnlich wie ehedem Jugoslawien – in seine Einzelteile zu zerfallen droht. Bevölkerungsmäßig würden nämlich Teile des Südwestens an Rumänien, des Nordwestens an Polen und des Ostens an Rußland fallen. Aber es geht hier nicht um die Bevölkerung sowie deren Sprache und Kultur, sondern ausschließlich um politisches Imponiergehabe auf beiden Seiten. Dabei sollte man schon die Frage aufwerfen, ob man es für gerechtfertigter hält, daß Moskau die Interessen seiner Landsleute im Osten der Ukraine (etwa 60% in den beiden östlichsten Gebieten) zu schützen versucht, oder ob man für Washington votiert, was seine „Legitimität“ in die Begriffe NATO, Frieden, Freiheit und Europäische Union hüllt, seine militär- und wirtschaftsstrategische Basis immer weiter nach Osten auszudehnen versucht.

Hilfreich hierbei wären vielleicht folgende Fragen: Wie viele russische Militärstützpunkte unterhält Moskau eigentlich in anderen Ländern? Und wie viele, im Vergleich dazu, die USA? Wie viele Länder hat Moskau in den letzten 100 Jahren unter Vortäuschung falscher Tatsachen und gegen jegliches Völkerrecht verstoßend überfallen? Und wie viele die US-Amerikaner?

Das „Spiel“ mit dem Feuer, das Zündeln an der Lunte unter dem Hintern des russischen Bären ist für Washington relativ ungefährlich; weder militärisch noch wirtschaftlich droht hier auch nur der geringste Schaden für die USA (das Leben und die Gesundheit US-amerikanischer Soldaten zählten für die Politiker in Washington noch nie!), wohingegen sich in Europa von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ein zunehmendes Gefahrenpotential mit unkontrollierbaren Auswirkungen auf Millionen Menschen aufzublähen beginnt.

Wie lange wollen wir eigentlich den politischen Hochseilakten egomaner Spinner in Washington, London, Paris, Berlin, Prag, Warschau, Kiew und Moskau noch zusehen? Geht es hier eigentlich nur noch um territoriale Ansprüche, wirtschaftliche Interessen und militärische Sandkastenspiele oder tatsächlich um Menschen und deren Leben, Gesundheit und Zukunft?

Audiatur et altera pars[1] war ein eherner Grundsatz römischen Rechtverständnisses. Unsere Medien aber machen sich zu hirn- und skrupellosen Vasallen von Politikern, die ihrerseits nur Handlanger ausschließlich wirtschaftliche Interessen verfolgender Figuren sind.

Der Wertverlust des Euro gegenüber dem US-Dollar sowie den meisten übrigen wichtigen Währungen, der den Anstieg des DAX in der letzten Woche deutlich relativiert, ist wohl auch von den zunehmend drohenden Gefahren an der europäischen Grenze zwischen ‚Ost‘ und ‚West‘ geprägt. Dies verdeutlicht der Anstieg am Mittwoch um fast 300 Punkte innerhalb von wenigen Minuten, nachdem die (falsche) Meldung erfolgte, Putin und Poroschenko hätten sich auf einen Waffenstillstand geeinigt. Unklar ist auch, was die erneute Leitzinssenkung der EZB auf nunmehr 0,05% bewirken soll, während gleichzeitig die FED darüber spekuliert, ob sie ein Ende des Tapering zum Ende diesen Jahres und eine erste zaghafte Zinserhöhung im Frühling 2015 verkünden oder dies um ein halbes Jahr verschieben soll.

H.-W. Graf
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[1] Auch die andere Seite muß gehört (und respektiert) werden.