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16. Januar 2013

Für Sie gelesen: Die Freiheit ist ein Kind der Liebe – Die Liebe ist ein Kind der Freiheit

16. Januar 2013|Forschung und Wissenschaft, Philosophie|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Die Freiheit ist ein Kind der Liebe – Die Liebe ist ein Kind der Freiheit

Autoren: Prof. Dr. Gerald Hüther, Dr. Maik Hosang
Verlag: Kreuz Verlag, Freiburg
Preis: € 16,99
Umfang: 180 Seiten
ISBN: 978-3-451-61144-5

Dieses Buch ist in mehrfacher Hinsicht anders als jedes Buch, welches Sie bisher gelesen haben, denn der Göttinger Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther und der Dresdner Zukunftsforscher, Sozialökologe und Philosoph Dr. Maik Hosang schreiben sich in diesem Buch buchstäblich zueinander – einer beginnt vorne, der Andere hinten –, um sich in der Mitte textlich wie inhaltlich zu treffen und zu verschränken. Doch eben diese thematische Verschränkung birgt den Zauber dieses Büchleins:
Prof. Gerald Hüther startet seinen Blick auf die Liebe quasi im embryonalen Zustand und beschreibt die Entwicklung der Liebe, der Liebesfähigkeit eines Menschen und den sich immer wieder öffnenden Antagonismus zwischen Freiheitsdrang und Suche nach Verbundenheit aus biologischer, physiologischer und biosozialer Sicht, während Dr. Maik Hosang aus anthropologisch-historischer Sicht die Entwicklung des Menschen zu einem freiheitlich-universellen Lebewesen beschreibt, das jedoch ohne soziale Verbundenheit keine Freiheitlichkeit leben und finden könnte.

Beider Autoren Herangehensweise ist trotz der thematischen Tiefe erfrischend einfach und spannend geschrieben; nur selten wird der Leser bestimmte Begriffe googeln oder nachschlagen müssen.
Gleichwohl lohnt es, sich für die einzelnen Passagen Ruhe und Zeit zu gönnen, um den beiden Autoren bei ihrer Suche nach dem roten Faden, hin zu einer gemeinsamen Auflösung des scheinbaren Widerspruchs – Wer ist wessen Kind – zu folgen.

Wer bislang die Liebe und Freiheit als getrennte Entitäten sich gegenseitig ausschließende Größen im Leben eines Menschen vermutet haben mag, wird deren symbiotische Verbindung, auf die sich beide Autoren in wirklich genialer Weise einigen, mit innerer Freude feiern.
Als Geschenk für jeden, der Ihnen wichtig ist, bestens geeignet!

H.-W. Graf
9. Februar 2010

Freiheit und Reichtum

9. Februar 2010|Gesellschaft, Philosophie|Kommentare deaktiviert für Freiheit und Reichtum

Wer sich mit diesen beiden Begriffen inhaltlich auseinandersetzt, stößt in kürzester Zeit an emotionale und intellektuelle Grenzen.
Nur wenige Worte dürften – und dies über Jahrhunderte hinweg – so kontrovers diskutiert und mannigfach interpretiert worden sein. Wohlan, wagen wir uns in die diskutative „Höhle des Löwen“.
Von beiden Begriffen geht eine zeitlose Faszination aus; wer wäre nicht gerne reich und frei? Wir beneiden oder bewundern Menschen, die wir für das eine oder das andere halten – nicht ohne dann sofort, beinahe im Sinne einer reflexartigen Verteidigung, uns selbst erklären zu wollen, warum die es sind, wir jedoch nicht.
Oftmals stellen wir (beinahe erleichtert) fest, daß dieser oder jener Zeitgenosse vielleicht reich, aber eigentlich nicht frei (im Sinne von glücklich) sei, und jeder kennt das Klischee vom genügsamen Bergbauern, dem Schäfer oder dem Eingeborenen in Haiti, den wir zwar als frei wähnen, ganz sicher jedoch nicht als reich.

Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Freiheit und Reichtum?

Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie reich ich mich als siebenjähriger Knirps fühlte, als ich zum ersten Mal genügend Münzen gesammelt hatte, um diese in einen Fünf-Mark-Schein umtauschen zu können. Ich war stolz darauf, denn immerhin hatte ich dafür stundenlang Obstkisten beim jüdischen Kramer um die Ecke aufeinander geschichtet – 25 Pfennig pro Stunde, am Samstag gab es 50 Pfennig.
Später nützte ich jede Möglichkeit, um nach der Schule, mitunter auch statt derselben, Botendienste zu verrichten, Zeitungen auszutragen, als Sänger aufzutreten, auf dem Frühlingsfest zu helfen, Werbezettel zu verteilen, Schülerlotse zu spielen, diverse Jobs bei der Post und im Paketpostamt zu ergattern, als Bademeister meine Ferienaufenthalte zu finanzieren, Gitarren- oder Nachhilfestunden zu geben u.v.m.
Hinter all diesen Aktivitäten stand der Wunsch, mir auf finanziellem Wege Reichtum, Freiheit und Unabhängigkeit zu verschaffen.
Und dennoch wuchs hinter jedem erreichten und verwirklichten Ziel sofort ein neuer Wunsch, den ich verwirklichen und befriedigen wollte. Sehr früh stieß ich dabei auf eine Erkenntnis: Geschenke empfand ich nie als wirkliche Befriedigung, denn dahinter stand keine eigene Leistung, kein eigenes Bemühen – sicherlich eine Folge der wirtschaftlich recht engen Verhältnisse, in denen ich aufwuchs. Geschenken wohnte auch nie der Zauber erworbener Freiheit inne, den ich regelmäßig nur dann empfand, wenn ich mir durch eigene Leistung einen (finanziellen) Zugewinn erarbeitet hatte. Und so sehr ich unter den wirtschaftlichen Einschränkungen meiner Kindheit und Jugend oftmals litt, neidisch auf meine Spiel- und Klassenkameraden schielte und mit meinem Schicksal haderte, so dankbar bin ich heute für die daraus gewonnene Einsicht, daß letztlich weder Reichtum mit Geld gleichzusetzen, noch Freiheit irgendetwas mit der Höhe des Einkommens oder des vorhandenen Vermögens zu tun hat.

Wer sich mit den letzten 2.500 Jahren Geistesgeschichte und Philosophie auseinandersetzt, den mag erstaunen, in welch hohem Maße gerade diese beiden Begriffe durch die Zeiten geister(t)en, ohne daß auch nur einem der größten Dichter und Denker letztlich eine allgemeingültige Definition gelungen wäre, die zweifels- und widerspruchslos zu akzeptieren wäre.
Dies mag wohl vor allem daran liegen, daß beide Begriffe sich weder jeglicher politisch-ideologischen Systemik oder gerade gültigen Moral zuordnen, noch qualitativ oder quantitativ – und damit letztlich „erfüllbar“ – messen lassen.

Wenn wir – ganz klassisch – die Freiheit als Abwesenheit von Zwängen definieren, dann stellt sich umgekehrt die Frage, was der Einzelne als Zwang empfindet, wohinter der Andere nicht die Spur eines Zwanges sieht. Daraus läßt sich vermuten und ableiten, daß Freiheit weder verordnet, noch gewährt werden kann, mögen uns dies auch noch so gerne Politiker, Religionen oder die Werbung versprechen und anbieten.
Nein, Freiheit basiert auf einem höchst individuellen DenkFühlen, welches dann in entsprechendem Handeln mündet. Und auch die Zwänge, unter die wir uns gestellt sehen, beschränken unsere Freiheit erst dann und in dem Maße, wie wir ihnen gestatten, unser DenkFühlen zu beeinflussen und zu beherrschen. Kein Mensch käme ja auf die Idee, sich deshalb als unfrei und unter Zwängen stehend zu sehen, weil er tagtäglich dazu „gezwungen“ ist, zu atmen und zu schlafen, zu essen und zu trinken.

Gestatten Sie mir, Ihnen meine ganz persönliche Definition von Freiheit anzubieten – quasi als derzeitigen Stand meiner eigenen Erkenntnis:
Frei ist der, der sich in seinem DenkFühlHandeln durch nichts und niemanden von seiner ethischen Grundhaltung abbringen läßt; er ist unabhängig, nicht korrumpierbar und authentisch.

Aber was hat all dies mit Reichtum zu tun?
Nun, Reichtum ist keine Frage der Höhe des Einkommens oder des Vermögens – egal, in welcher Form.
Auch hierzu möchte ich Ihnen (m)eine (ganz persönliche) Definition anbieten:

Reich ist derjenige, der sich körperlich, geistig und seelisch ein Höchstmaß an Lebensfreude, Interesse und Neugier leisten und damit seine Lebenszeit zu füllen vermag.
Mit anderen Worten: Je größer die Vielzahl der Interessen ist, desto intensiver können wir – unter vollem Einsatz unseres Intellekts, natürlicher Emotionalität und unserer physischen Möglichkeiten die uns geschenkten Jahr(zehnt)e nutzen, leben und erleben.

Und hier schließt sich der Kreis: Je freier ich mich von exogenen Zwängen mache – nicht zuletzt durch eigene Leistung und ohne mich – sei`s auch noch so bequem – beschenken und „kaufen“ zu lassen, desto unbeschwerter und freier kann ich meine individuelle Lebenszeit mit der Vielfalt dessen, was unser Leben zu bieten vermag, füllen und genießen.

Freiheit und Reichtum – in der oben stehenden Weise definiert – bedingen und verschränken sich also. Beide bedürfen weder eines ordnungspolitischen Rahmens noch einer gesellschaftlichen Übereinkunft, vielmehr stellen sie das qualitative und quantitative Ergebnis eigener Entwicklung und eingeübter Lebensgestaltung dar. Wer also darauf wartet, sich ab einer gewissen Einkommenshöhe oder eines nachweislich vorhandenen Vermögens als reich zu empfinden, oder wer darauf wartet, welches politische System und welche dieses repräsentierende Figur ihm Freiheit gewährt, hat nicht begriffen, daß wir selbst – und ausschließlich wir selbst – die Verantwortung zur Entwicklung der Fähigkeit zu übernehmen haben, ein Leben in Reichtum und Freiheit zu genießen.

Ein Artikel kann immer nur eine beschränkte Anzahl von Gedankensplittern beinhalten. Er kann und soll – kürzer und prägnanter als ein Buch – eine Essenz individueller Auseinandersetzung sein.
Was dies bei Ihnen an Gedanken und Ideen, Widerspruch und Kritik und möglichem Interesse auszulösen vermag, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich wäre jedoch interessiert daran und neugierig darauf, zu erfahren, wie Sie zu diesen Gedanken stehen.

H.-W. Graf

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Lesen Sie hierzu auch “Freiheit – Illusion oder Utopie”
im Online-Magazin ‘zeitreport online’

23. August 2007

Freiheit – Illusion oder Utopie?

23. August 2007|Philosophie|0 Comments

Freiheit – Illusion oder Utopie?

Unterstellen wir wort- und sinntreu ‘Utopie’ als etwas ‘nicht-Reales’ aber durchaus – zumindest von Einigen – Vorstellbares und (zumindest theoretisch) Mögliches, hingegen ‘Illusion’ als etwas vorgeblich Reales, tatsächlich jedoch ‘nicht-Existentes’ – denken Sie an den Magier, der unsere Sinne perfekt zu täuschen vermag –, so könnten wir die Frage in der Überschrift nach kurzer Überlegung etwa folgendermaßen beantworten: "Freiheit ist per se eine Illusion, und diejenigen Politiker, die uns diesen Begriff tagtäglich als real lebbar und wertvolles Gut (ihrer Politik) verkaufen, sind die Zauberer, auf deren Taschenspielertricks wir ebenso tagtäglich hereinfallen; ihnen glauben, was sie uns als so edles Ziel und bedeutsames Resultat ihrer Arbeit und Mühen – selbstredend nur im Dienste am und für das Volk – vorgaukeln."

Doch dagegen spräche die Logik und (spätestens seit Aristoteles) das Denkresultat aller Philosophie; beschränkte sich nämlich ‘Freiheit’ darauf, nur Handwerkszeug selbsternannter (oder auch real-gewählter) Führer zu sein, hätte zum einen der Nymbus des Begriffes ‘Freiheit’ nicht schon Jahrtausende überdauert, ohne als billiger Trick entlarvt zu werden, zum anderen hätte er nicht ebenso lange schon Legionen von Denkern und Philosophen beschäftigt, denen es per se nicht um die Manipulation der Massen gehen konnte, da sie weder deren Sprache benutzten, noch es ihnen um deren Wählerstimmen gehen konnte/mußte. Und noch eines verbietet eine derart schnelle Antwort auf die Titelfrage: Von ‘Freiheit’ schwadronieren ja nicht nur weltliche Politiker, sondern auch die Steigbügelhalter des Jenseits, die Chefideologen sämtlicher Religionen – nennen wir sie ‘Sakralpolitiker’ ; auch ihnen geht es darum, ihre spezifische Religion(spolitik) als die einzig wahre und heilversprechende unters Volk zu bringen – friedlich, solange sich die Gegenwehr in Grenzen hält und keine Konkurrenz interveniert, belligeristisch und brutal, wenn sie sich infragegestellt oder bedroht fühlt. [Von Philosophen kann in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden, denn eo ipso ist jede Religion, wort- und sinntreu verstanden, Ideologie, derer sich der wahre Philosoph per se enthält.]

Versuchen wir zusammenzufassen, was uns etwa zweieinhalb Jahrtausende der Beschäftigung mit dem Begriff ‘Freiheit’ als Resultat geliefert haben, so ist das Ergebnis recht ernüchternd: ‘Freiheit’ gilt (neben den Basisrechten auf Leben und Eigentum) als Grundrecht aller Menschen, gleich welcher Rasse, Hautfarbe, Geschlecht und Abstammung; sie gilt es zu schützen und zu verteidigen. Darin scheinen sich Herakleitosvon Ephesos und Demokrit, Kant und Hegel, aber auch Popper und Galbraith [1] völlig einig zu sein. [Zumindest von diesen Philosophen ist nicht bekannt, daß sie Nicht-Kaukasier oder Frauen als ‘Menschen zweiter Klasse’ ansahen.]

Verwunderlich ist dabei nur, daß wir nach wie vor Heere unterhalten, Kriege führen, Verbrechen – auch und nachgerade staats- und religionspolitisch motiviert – begehen, Menschen ob ihrer Andersartigkeit verfolgt, vertrieben, enteignet und getötet werden, säkulare und sakrale Führer vor keiner Lüge und Schandtat zurückschrecken, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen, gegeneinander aufzuhetzen, uns zu verunfreien und zu entmündigen, wo immer ihnen dies möglich ist, bzw. es ihren Zwecken und Zielen dient.

Ist ‘Freiheit’ demnach doch nur etwas wie der heilige Gral der Sage? Etwas theoretisch Mögliches – quasi das Endziel menschlicher Entwicklung, zu dem uns bislang zwar der evolutionäre Reifegrad fehlt, das wir jedoch emotional und rational in seiner ‘utopischen Machbarkeit’ wachhalten müssen, um es irgendwann tatsächlich zu realisieren?

Damit könnte ich durchaus leben – irgendwann wird uns die Wissenschaft ja auch vieles erklären können, was heute noch im Dunkel des Nichtwissens, des Nichtverstehens liegt. Nur spricht dagegen, daß sich der Umgang der Menschen mit- und untereinander während dieser zweieinhalb Jahrtausende hehren Ringens um die Bedeutsamkeit (und immer wieder vorgebliche Realisation) des gelebten Begriffes der ‘Freiheit’ nur insofern geändert hat, als sich die Feuerkraft der heutzutage verwendeten Waffen, die Brutalität, mit der wir die Freiheit des Anderen einengen und zu verunmöglichen suchen, um viele Potenzen erhöht hat. Standen gegnerischen Heeren des Altertums noch Spieße und Speere, Pfeil und Bogen, Schleudern und eherne Rüstungen zur Verfügung, so kämpfen heutige "Freiheitshelden" mit Bomben und Raketen sowie chemischen und biologischen Waffen. Der Kampf ‘Mann gegen Mann’ wurde durch ferngelenkte Trägerwaffen ersetzt – der Krieg, das Töten und Morden von Menschen und Völkern, das Verheeren ganzer Landstriche wurde anonymisiert. An die Stelle von Herolden und Cundatores, die weise Beschlüsse und Dekrete von Fürsten und Königen, Bischöfen und Päpsten dem gemeinen Volk kundtaten (und bei Mißachtung mit Ächtung, Exil und Enteignung, Strang oder Scheiterhaufen drohten), sind im Zeitalter hochauflösender TV-Geräte, Computer und des GPS intelligente Methoden der Korruption, desinformative Medienkampagnen und Heere hochtechnisierter Spionagetrupps getreten. Die Korruption (nicht vornehmlich die monetäre, sondern die geistige und emotionale) beherrscht buchstäblich alle Bereiche unseres Lebens [2].

Und nach wie vor, ja mehr denn je verkünden uns Politiker und Parteien, Gewerkschaften und die Vertreter aller Religionen, sie hätten bei all ihrem Tun und Handeln unser aller ‘Freiheit’ im Auge; nur darum gehe es ihnen – selbstredend im klaren Gegensatz zu ‘den Anderen’, vor denen sie uns deshalb schützen müßten (weil wir dazu selbst nicht im Stande sind und deshalb ihrer benevolenten Hilfe bedürfen – gegen entsprechende Vergütung und unter unvermeidbarer Einschränkung der Rechte des Einzelnen, versteht sich!).

Und genau hier liegt des Übels Wurzel, der wahre Grund dafür, daß wir aller geistiger Mühen ganzer Heerscharen von Denkern und Philosophen zum Trotze wirklicher ‘Freiheit’ bis heute nicht wesentlich nähergekommen sind als die Menschen in grauer Vorzeit: Wir überlassen es Anderen, selbsternannten Stellvertretern, für unsere Freiheit zu kämpfen. Wir glauben in unendlicher Stupenz und grenzenloser Naivität, Politikern und Parteien, Gewerkschaften und den Bossen aller Religionen gehe es tatsächlich um uns und unsere Freiheit!

Und jetzt können wir die Eingangsfrage völlig neu beantworten: “Freiheit bleibt solange eine Utopie, wie wir es Politikern und Parteien, Gewerkschaften und öffentlich-(un)rechtlichen Organen, den Vertretern aller Sekten und Religionen, den Medien und der Werbeindustrie überlassen, unsere Freiheit zu definieren, in selbst angemaßter Arroganz festzulegen, was bzgl. unserer Freiheit rechtens und notwendig ist, bzw. zu sein hat, und wir uns – bequem zurückgelehnt, der eigenen Verantwortung enthoben und wie Zuschauer bei einem Sportfest – nicht einmal entblöden, denen auch noch frenetisch zu applaudieren, die uns am geschicktesten manipulieren, korrumpieren und hinters Licht führen.”

Nach der ersten Verblüffung ob dieser einfachen Überlegung erhebt sich die Frage: Warum handeln wir so grenzenlos dumm und naiv? Sind wir, geistig seit dem Schluß der Hirnbrücke vor etwa 10.000 Jahren doch so erheblich gereift, realiter nicht viel weiter als die Babylonier, Ägypter und Phöniker der Antike?

Nun, erkenntnistheoretisch, naturwissenschaftlich und technisch haben wir es erstaunlich weit gebracht; die Vordenker des Altertums und der Zeitenwende, des Mittelalters und der Aufklärung, ja selbst noch unsere Ururgroßeltern kämen aus dem Staunen nicht heraus (und würden mutmaßlich spontan den Verstand verlieren). Aber wir alle tragen ein höchst sensibles Erbe der Natur mit und in uns herum: Ökonomie ist das Zauberwort – griech.: Oeco-nomie = Lehre vom Haushalten! [3]

Mit zu den intelligentesten (und ältesten) Mustern der Natur gehört es, mit dem geringsten Einsatz an Energie ein Maximum an Ertrag/Erfolg zu generieren. Dieses Phänomen können wir bei allen Spezies der belebten (und unbelebten!) Natur, Flora und Fauna beobachten. Kein Tier würde mehr an Kraft und Energie einsetzen als unbedingt nötig ist, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Und nicht anders handelt der Mensch. Das Problem ist nur, daß wir zwar – bedingt durch den schon erwähnten Schluß des Corpus Calossum, der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften – geistig allen anderen Lebewesen überlegen sind (und diese Überlegenheit noch ständig wächst – leider vielfach zum Fluche der belebten Umwelt!), gleichzeitig aber im Zuge der überdimensionierten intellektuellen Kapazitäten (und deren Bedeutung) unsere natürliche emotionale Erlebniswelt immer mehr in den Hintergrund getreten ist, an Bedeutung und Wertschätzung immer mehr verloren hat – "zugunsten" einer ‘designed reality’, die wir als Mode und Ausprägungen des ‘Zeitgeistes’ (inzwischen als deutsches Lehnwort in allen Weltsprachen verwendet!). Wir betonen zwar in regelmäßigen Abständen, wie wichtig uns ‘menschliche Werte’ sind, aber in Wahrheit sind uns ein gefülltes Bankkonto, hochkarätige Jobs, Titel und Posten wichtiger als unsere ‘Innenwelt’ [4] und die liebevolle Wertschätzung durch unsere Mitmenschen. Oft realisieren wir erst in fortgeschrittenem Alter (wenn überhaupt), welche Lebenswerte wir in unserer Hatz nach Gewinn, monetärer "Sicherheit", Pöstchen und gesellschaftlichen Rangabzeichen – eitel, selbstgefällig und gewissenlos – geopfert haben.

Und noch weit höher als bzgl. unserer emotionalen Natürlichkeit sind unsere Verluste im Bereich der natürlichen Instinkte – des ältesten Teils unseres Gehirns (Neurobiologen sprechen vom ‘Hirnstamm’). Für eine intellektuelle "Prämie", einen in Aussicht gestellten finanziellen oder "sozialen" Vorteil verdrängen und vernachlässigen wir alle Warnsignale unserer Instinkte und opfern unsere natürliche Emotionalität bis zur totalen Selbstverfremdung – wir nennen das dann euphemistisch ‘Risikobereitschaft’ oder ‘Anpassungsfähigkeit’. Wir verraten unsere Authentizität und Souveränität [5] gewissen- und bedenkenlos. Dummer Egoismus siegt über natürliche ‘Egologie’. [Deshalb werden auch beim Sport, wo wir uns für Pokale und Trophäen körperlich bis zum Maximum – also fernab jeder natürlichen Ökonomie – einsetzen, alle Anti-Doping-Gesetze nichts nützen und wirklich verändern.]

Um einen Menschen zielsicher zu manipulieren und zu korrumpieren, gleichermaßen einzuschüchtern und in Sicherheit zu wiegen, gilt es, ihm einen emotionalen und intellektuellen Handlungskatalog überzustülpen, der genau dieser oben beschriebenen Phänomenologie entspricht, uns einerseits Bedeutsamkeit, ein hohes Potential an Lebensfühl und -freude in größtmöglicher Bequemlichkeit verheißt, andererseits aber – denken Sie an das Grundmotiv des ‘Dr. Faust’–, den Verkauf der eigenen Seele für die Gegenleistung irdischen Glücks abverlangt, dem wir Authentizität und Selbstbestimmtheit opfern.

Zu diesem Zwecke ist den Re’gier’enden so wichtig, möglichst viele Bereiche und Teilinhalte des Lebens der Masse [6] unter Kontrolle zu bekommen und diese Kontrollfunktion immer stringenter und "wasserdichter" als hoheitliche – vulgo: öffentlich-(un)rechtliche – Belange zu verfestigen. Das beginnt bei der Definition von Familie und den "Grundrechten" (an die sich alle außer den selbsternannten "Eliten" zu halten haben), setzt sich bei der (staatlichen) Schulpflicht und der Gestaltung der gesamten Lehr- und Ausbildungszeit fort, durchdringt das gesamte Berufs- und Arbeitsleben (incl. der Festlegung von Wochenarbeits- und Ladenöffnungs-/schlußzeiten), umklammert die gesamte Daseinsvorsorge – euphemistisch "Sozial"versicherung tituliert –, kurz: alles wird zum öffentlich-(un)rechtlich- staatlichen Hoheitsbereich erklärt, um damit ein Höchstmaß an Kontrollierbarkeit aufzubauen und die Entmündigung immer nachhaltiger zu vervollkommnen. Unter dem Mäntelchen der (parlamentarischen) Demokratie [7] werden wir immer mehr zu Äffchen in der Manege, die freudig applaudieren, wenn der Wärter mit Bananen winkt und neidisch in den Nachbarkäfig lugen, in dem eine Schaukel wippt, die im eigenen Gehege fehlt, auf der man aber auch so gerne säße.

Jenseits jeglicher Wort- und Sinntreue [8] kontrollieren Staat und Religion – von einer (grundgesetzlich implizierten) "Trennung von Staat und Kirche" kann nicht im mindesten die Rede sein [9]. Der bundesdeutsche Kammer- und öffentlich-(un)rechtliche Verbändestaat begleitet, kontrolliert und kujoniert Alles und Jeden, ängstlich darauf bedacht, das System am Leben zu halten – buchstäblich um jeden (längst nicht mehr finanzierbaren) Preis und zulasten der natürlichen Kreativität und generativen Kraft der heutigen Bürger und der geistigen, emotionalen und wirtschaftlichen Zukunft künftiger Generationen.

„Freiheit wird nicht durch Sicherheit bestimmt, sondern durch die Fähigkeit der Bürger, ohne den Eingriff des Staates zu leben.“

Ron Paul

Trefflich zupaß kommen dieser "Elite" moderner (Volksver-)"Führer" und ‘Parasiten falsch-verstandener Sozialität’ die zielsicher geschürten fiktiven Ängste (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ansehensverlust, Vereinsamung, Armut, Terror und Tod sowie – speziell im Zuständigkeitsbereich der Religionen liegend – die drängende Frage nach dem "Danach"; schaffen wir es in den erlauchten Kreis der Seeligen und Heiligen?)

Zwar folgen Kinder (teilweise auch noch Jugendliche) natürlichen Instinkten, indem sie alles zu (er)leben trachten, neugierige Fragen stellen, probieren und erforschen, was es mit dieser Welt so auf sich hat, sie werden jedoch – man nennt dies euphemistisch ‘Erziehung’ – recht schnell gesellschaftskonform zurechtgebogen und sozial-verträglich angepaßt – notfalls mit Medikamenten (ADHS), einem umfassenden Strafenkatalog (u.a. durch die Ächtung vonseiten des Umfeldes), schlechten Noten, Liebesentzug und einer öffentlichen Vorwurfshaltung.

Dabei wirkt insbesonders das "Vorbild" der Eltern – sie sind die ersten und wichtigsten ‘Maßstäbe, an denen sich Kinder natürlicherweise zu Beginn ihres Lebens (schon im pränatalen Zustand!) orientieren. In welch entscheidendem Maße diese Prägungen durch die Eltern erfolgen und lebenslang wirken, ist den meisten Eltern nicht im mindesten bewußt; sie wurden ja auch nie zu Eltern ausgebildet! Je perfekter diese "Vorbilder" sozialisiert und – wiederum zuvorderst durch ihre Eltern, später durch Staat, Religion und Gesellschaft – konformisiert wurden, desto unreflektierter geben sie diese Sozialisationsmuster an ihre Kinder weiter und leben ihnen vor, wie ‘man’ zu "funktionieren" hat. Da wir als Kinder überhaupt noch keine Chance haben, das Verhalten und die Lebensweisen unserer Eltern intellektuell zu hinterfragen, und wir uns auch emotional noch völlig arglos in diese unglaublich spannende Welt hineintasten, übernehmen wir die Überzeugungen und Handlungsmuster derjenigen, die uns (mehr oder weniger viel) Liebe, Schutz und Futter bieten, ohne daß wir dessen gewahr werden. Zudem schützt unsere Eltern das "Vierte Gebot" – gar nicht erstaunlich: Alle Religionen fordern nach dem obersten Befehl, ‘Ihn’ als einzig wahren Gott als solchen anzuerkennen, als nächstes den unabdingbaren Gehorsam gegenüber den Eltern ein. Sie haben wir zu lieben und zu achten – egal, was sie (uns an-)tun und wie ethisch sauber ihre Lebensführung ist. Zwar spüren wir sehr wohl diesbezüglich bisweilen Unbehagen und einen inneren Widerstand, angesichts des Mängelkatalogs, den uns die Eltern servieren, aber dem hilft das Allerweltsargument ‘wir sind allzumal Sünder’ und ‘jeder Mensch hat nun mal Fehler’ gleich wieder ab. Notfalls zieht der Satz „wer unter Euch ohne Sünde sei, der werfe den ersten Stein“. Alles wieder o.k., könnte man meinen. Aber dem ist nicht so; wir fühlen uns regelrecht schuldig und schlecht, wenn es uns am nötigen Respekt und der göttlich eingeforderten Liebe zu Eltern, Staat und Kirche gebricht. Da hilft auch wenig, wenn wir im trauten Gespräch mit Anderen erfahren, daß sie in einem ähnlichen Dilemma stecken.

„Jeder von uns trägt seinen Teil von ‚Gesellschaft’ auf seinen Schultern; niemand ist von seinem Anteil an Verantwortlichkeit von Anderen freizusprechen. Und keiner kann für sich ein ‚Schlupfloch’ finden, wenn die Gesellschaft auf dem besten Weg ist, sich zu zerstören. Deshalb muß sich, schon in seinem eigenen Interesse, jeder mutig in dieses intellektuelle Gefecht stürzen. Keiner von uns kann unbeteiligt an der Seite stehen; die Interessen aller sind vom Resultat abhängig. Ob wir es wollen oder nicht, jeder von uns ist in diesen großen historischen Kampf eingeschlossen, die entscheidende Schlacht, in die uns unsere Epoche geworfen hat.“

Ludwig von Mises, 1927, aus seinem Werk „Sozialismus“

Entlarvend: Zu den Rechten der Kinder findet sich im gesamten Grundgesetz gerade ein Satz (und der betrifft die finanzielle Gleichstellung adoptierter Kinder), wohingegen ‘die Familie’ als kleinste Zelle des Staatswesens wiederum einen staats-hoheitlichen Schutz genießt; kein Wunder, die Eltern sollen im Konnex mit dem ebenfalls hoheitlichen Zwangs-Schulsystem Kinder und Jugendliche zu ‘guten Bürgern’ und angepaßten ‘Mitgliedern der Gesellschaft’ – ganz im Sinne des modernen Politadels – formen.

Hier schließt sich der Kreis: Pädagogisch schlecht bis überhaupt nicht geschulte Eltern leisten geistig-emotional sowie in funktionaler Hinsicht "perfekte" Schützenhilfe dabei, ihre Kinder zu "sozial"-staatlich genehmen Mitläufern zu erziehen, die sich dann mehr oder weniger geschickt durchs Leben wursteln und im Chor ihrer Eltern und der übrigen Volksgemeinschaft die gleichen Lieder von ‘Freiheit’ und ‘Demokratie’ singen.

Daß die ‘Freiheit des Einzelnen’ (wie auch der Menschen insgesamt) nach wie vor mehr ein philosophisches und allenfalls noch unter Juristen und speziell Staatsrechtlern diskutiertes Abstraktum statt eine von allen Menschen freudvoll gelebte Realität ist, liegt nicht in der Illusionarität des Begriffes an sich, sondern daran, daß wir sie nicht als Aktivposten und erstrebenswerte Größe unserer eigenen Lebensführung betrachten, uns nicht selbst tagtäglich und mit aller Kraft um ihre Realisation bemühen, vielmehr es falschen Propheten und selbsternannten Führern“ unseres Lebens, säkularen und sakralen Vorbetern überlassen, in unserem Namen (gesetzlich angemaßt und vorgeblich) für unsere Freiheit einzutreten, zu kämpfen und diese an unserer Stelle zu verteidigen und zu sichern.

Aus allem Vorgenannten ergibt sich nun ein gewichtiger Unterschied, den die wenigsten, wenn es um das Thema ‚Freiheit’ geht, berücksichtigen: Die klare Unterscheidung zwischen ‚äußerer Freiheit’ und ‚innerer Freiheit’. Während uns die äußere als vermeintliche Aufgabe des Staates suggeriert wird – Schutz vor feindlichen Übergriffen anderer Völker und Nationen, freier Waren- und Handelsverkehr, Reisefreiheit, Medien- und Meinungsfreiheit, etc. –, was unsere politischen „Eliten“ regelmäßig dazu nützen, das System immer hermetischer abzuriegeln und den öffentlich-(un)rechtlichen Verwaltungs- und Überwachungsstaat immer nachhaltiger zu zementieren, geht es bei der ‚inneren Freiheit’ um die individuelle emotionale und intellektuelle Freiheit, die Lösung von exogenen Sicherheitsangeboten (oder –zwängen).

„Freiheit muß für den Bürger wieder wichtiger werden als Sicherheit und materieller Komfort.“

Ron Paul

Gerade diese ‚innere Freiheit’ ist es, die wir schon als Kinder und fortfolgend als heranwachsende Jugendliche immer mehr der vermeintlichen kollektiven Sicherheit – manifestiert durch die von Politikern beschworene und in allen Verfassungen als höchstes Gut ausgelobte staatlich und gesetzlich „garantierte“ ‚äußere Freiheit’ – opfern. Es ist die „political correctness“, der wir uns beugen sollen, um im Kollektiv angepaßt zu funktionieren. Gerade mit Verstößen gegen diese political correctness machen wir uns – als Quer- und Anders-Denkende – verdächtig. Naheliegend, weil bequemer: Mehr und mehr beugen wir uns den systemischen Zwängen und werden dann vom System mit öffentlicher Anerkennung bis hin zu Orden und Verdienstkreuzen belohnt; wir genießen den „Schutz“ des Systems, übersehen dabei aber nur allzu leicht, daß wir genau durch diese Anpassung unsere ‚innere Freiheit’ mehr und mehr auf dem Altar öffentlicher Anerkennung opfern.

Doch genau in dieser systemisch suggerierten „Freiheitlichkeit“ werden Ideologien und Glaubenssätze geboren, die dann in Rassismus und Fanatismus, fundamentalistisch-faschististischen Bewegungen und einer völlig unnatürlichen Abgrenzung gegenüber anderen ethnischen Gruppen, Völkern und Nationen ihre Ausprägung finden – oftmals hinter vorgeblich hehren Zielen versteckt, aber vor keiner Brutalität zurückschreckend. Das verleiht ihnen dann ihre ‚Herrschaft des Schreckens’, denn es sind die fiktiven Ängste, die eingeübten Bannbotschaften unserer Sozialität, die einerseits deren kollektiven Zusammenhalt verdichten und zementieren, gleichzeitig aber dem Individuum seine innere Freiheit rauben, es verängstigen und so schnell zusammenzucken lassen.

„Es gibt keine Grenzen – nicht für die Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen.“

Ingmar Bergmann

Und genau mit diesem Verlust an innerer Freiheit geht dem Individuum mehr und mehr natürliche Lebensfreude, kreative Energie, Neugier auf ‚das Leben’ und das Interesse daran, das eigene Leben kraftvoll zu gestalten (um es zu er-leben) verloren.

„Freiheit ist die Quelle aller kreativer Energie.“

Ron Paul

Zu dieser individuellen Freiheit gehört natürlich auch, den Verlockungen emotionaler und intellektueller Art zu widerstehen, sich quasi gegen die „Versprechungen“ des Systems zu auto-immunisieren, die uns tagtäglich um die Ohren fliegen, mit denen wir per euphemistischer Worthülsen in Bild und Ton zugemüllt werden – ich spreche von inhaltsleeren, nur auf den Konsum abstellenden Botschaften der Werbeindustrie, aber auch von den Schallmeienklängen der Sekten und Religionen, der Politiker und Gewerkschaftler, die ja allsamt nur „unser Bestes“ wollen und uns die „Bequemlichkeiten“ und „Errungenschaften“ eines modernen Staatswesens, einer das persönliche Image fördernden Technik, eines unfall- und sorgenfreien Lebens in materiellem Reichtum und Wohlstand zu suggerieren suchen. Wer auf all diese ‚Lockrufe bequemer Lebensführung’ unreflektiert (aber bestens angepaßt) hereinfällt, darf und muß sich nicht darüber wundern, wenn uns eben diese Hingabe der eigenen inneren Freiheit teuer zu stehen kommt. Wir zahlen exorbitante Preise für im Grunde sinnlose „Bereicherungen“ unseres Lebens; wir zahlen freiwillig Kirchensteuern und Abgaben an Verbände und Organisationen, die unserer inneren Freiheit nicht im mindesten dienlich sind; letztlich unterhalten wir mit unseren Steuern und steuerähnlichen Dauerbelastungen Millionen von Menschen, deren einzige Aufgabe darin besteht, die eingehenden Gelder zum eigenen Lebensunterhalt zu verwenden oder – nach system-manifestierenden Gesichtspunkten – wieder unters Volk zu streuen, den alles kontrollierenden Umverteilungs-„Wohlfahrts“-Staat.

In der Tat: Der Staat und sein Heer von Heloten und Parasiten ist der größte Feind der inneren – und einzig wahren – Freiheit seiner BürgerInnen. Aber der enorme Einfluß von Eltern auf das DenkFühlHandeln ihrer Kinder wird immer noch völlig unterschätzt. Verschanzt hinter dem „göttlichen“ Befehl und flankiert von dem moralischen Impetus der Gesellschaft, die ‚Eltern zu achten und zu ehren’ (egal, wie sie handeln!), untergräbt bereits im Kindesalter unser mutiges und kreatives Vertrauen in uns selbst – mit dem Ergebnis, daß wir spätestens nach Abschluß der Schulausbildung und Lehre mehr oder weniger ängstlich nach unserem Platz im System lugen, statt uns der inneren Freiheit zu bedienen und zu denkfühlen, wie wir die nächsten Jahrzehnte unseres Lebens sinn- und freudvoll gestalten könnten.

Nie als Pädagogen ausgebildete Eltern sind auch regelmäßig damit überfordert, ein natürliches DenkFühlHandeln zu vermitteln. Stattdessen sehen sie ihre elterlichen Pflichten darin, ihren Kindern einen möglichst angepaßten Weg ins System zu vermitteln. Welch (bisweilen) irreparable Schäden sie damit an der ‚Seelen- und Gedankenwelt’ anrichten, ist/wird den meisten Eltern nie bewußt – allenfalls dann, wenn ihre Kinder eben ob dieser Verzwängungen irgendwann klinisch auffällig (also krank) werden oder aus den Normungen der Sozialität ausbrechen, also zu „Aussteigern“ werden oder Amok laufen.

Die (fiktive) Angst des Menschen vor der eigenen inneren Freiheit beruht vor allem darauf, daß wir keine Gewißheit dafür haben (oder von dritter Seite erhalten), was daraus erwächst, wenn wir – aus wirklicher innerer Freiheit – das tun, was wir eigentlich gerne täten. Mit anderen Worten: Die von derartigen fiktiven Ängsten geschürte Scheu vor den nicht absehbaren Folgen unseres Handelns hemmt unser DenkFühlHandeln und läßt uns bisweilen regelrecht erschaudern, wenn sich in uns Gedanken und Gefühle regen, von denen wir „gelernt“ haben, daß sie ‚böse’, ‚unnormal’ oder ‚anders’ sind. Und genau aus diesem Grunde fallen wir – quasi aus einem Gefühl ‚innerer Notwehr’ – so leicht auf Ideologien (Sekten oder Religionen), falsche politische Propheten und heilverkündende Rattenfänger herein.

Fazit generalis:

Solange wir ‘Freiheit’ nicht als höchstpersönliche Angelegenheit begreifen, die wir – auf geistiger, emotionaler und funktionaler Ebene – auch nur selbst erarbeiten und wahren können, um diese Fähigkeit dann auch pädagogisch wertvoll an unsere Nachkommen sowie unsere Umwelt weiterzugeben, solange werden wir auch als angepaßte Opfer staatlicher und religiöser Korruption und Willkür in einer illusionären (Schein-)Freiheit gehalten, unter freiheitlichen Defiziten leiden und im Banne der dies begründenden (fiktiven) Ängste leben.

Erst wenn wir (wieder) lernen, daß wir selbst es in der Hand haben und uns auch das Recht zusteht, unsere eigene innere Freiheit emotional, geistig und auch physisch zu entwickeln und auszuleben, finden wir auch auf den Pfad eigener innerer Freiheit’ zurück. Dieser Weg ist weder bequem, noch bietet uns irgendjemand Garantien dafür, daß wir immer gleich und sofort ans Ziel unserer Wünsche, Gedanken und Überlegungen kommen. Aber in dem Maße, wie wir unsere innere Freiheit zur obersten Richtschnur unseres DenkFühlHandelns machen, finden wir zu originärer Authentizität und Souveränität zurück und haben auch keine Angst davor – ähnlich einem Kind, das solange angstfrei immer und immer wieder ausprobiert, bis es mit dem erzielten Ergebnis selbst zufrieden und glücklich ist. Nicht „die Anderen“ sollten wir bestimmen lassen, was wir gut und richtig bewerkstelligen, vielmehr sollten wir uns selbst wieder zum Gewährer und Richter unseres eigenen Denkens, Fühlens und Handelns ernennen.

Wir selbst sind die Verantworter unserer eigenen inneren Freiheit, und kein Mensch hat das Recht, sich anzumaßen, diese unsere ureigene Aufgabe zu übernehmen und uns unserer eigener ‚inneren Freiheit’ zu berauben.

„Das wahre Gegenmittel gegen Rassismus ist Freiheit.“

Ron Paul
H.-W. Graf

[1] John Galbraith, “Anatomie der Macht”

[2] H.-W. Graf, “Korruption – die Entschlüsselung eines universalen Phänomens”, München

[3] Ludwig von Mises, “Nationalökonomie” (engl. Original: “Human Action”)

[4] PfI – Partnerschaft für Innenweltschutz n.e.V. – gegründet am 1.1. 2000

[5] H.-W. Graf, „Souveränität als Lebensmaxime“, München

[6] LeBon, “Psychologie der Masse”

[7] zu tatsächlicher Demokratie: http://www.d-perspektive.de/konzepte/demokratie-und-rechtskonzept/

[8] H.-W. Graf, “Macht der Information”, München

[9] H.-W. Graf, “Wider die Religion, für humanistische Emanzipation und gegen seelisch-geistige Korruption”, München

9. Mai 2007

Gesetzlich verordnete Lebensführung

9. Mai 2007|Philosophie|0 Comments

Gesetzlich verordnete Lebensführung

 

Da säuft sich ein pubertierender 16-Jähriger mit angeblich 52 Gläsern im Rahmen einer ‘Flat-rate’-Saufparty ins Koma, und sofort schreien sich für Volkes Gesundheit zuständig fühlende Politiker reflexartig nach einem ‘Jugendverbot für Alkohol’.

Und ebenso eilfertig nehmen sich Medien, insbesondere Talkshows, dieses Themas  und der dahinter lauernden Phänomenologie der Entartung unserer Gesellschaft an.

Statuiert werden darf, daß der Genuß von Alkohol bundesweit – und insbesondere bei Jugendlichen(!) – erfreulicherweise abgenommen hat. Dies ist umso bemerkenswerter, als gerade Sportsendungen bevorzugt  von Bier- und Wodkaherstellern gesponsort werden. Dieser ohne erzwingende Gesetze(!) erfolgte Lerneffekt wird völlig vernachlässigt, allenfalls als ergänzendes Apercu in die Diskussion geworfen. Auf die wirklichen Hintergründe und Ursachen dafür, daß eine ganz bestimmte Gruppe Jugendlicher exzessives Saufen als (kurzfristige) Flucht aus ihrer zunehmend öden, inhalts- und perspektivelosen Welt, als cooles Gruppenerlebnis und potentielle Anerkennung generierendes Verhalten erachtet, geht die Legislative ohnehin nicht ein. Dem Gesetzgeber wäre es zum einen zu mühsam, sich in (eigentlich notwendige) komplexe psychologische Erörterungen zu vertiefen, zum anderen verprellten sie damit mutmaßlich gerade die immer größer werdende Wählerschar, deren Versagen sich in den Verhaltensweisen o.g. Jugendlicher niederschlägt – deren Eltern und unmittelbare Beziehungskreise.

Das eigene Bewußtsein teilweise oder gänzlich mit Rauschmitteln (Alkohol oder Drogen) vorsätzlich auszublenden, basiert auf wenigen, gleichwohl starken Motiven:

Neugier (dem stärksten, natürlichsten und an sich harmlosesten): Nahezu alle unsere Erfahrungen fußen darauf, daß wir etwas (zumindest einmal) tatsächlich selbst ausprobieren, um dessen (Aus)Wirkung(en) zu erfahren, um intellektuell zu verstehen und haptisch wie emotional zu begreifen, worum es dabei geht – mit dem Ergebnis, daß wir es dann oftmals als ‘erlebt, aber relativ reizlos’ zu den Akten legen.

Diese natürliche und den eigenen Horizont erweiternde Lebenserfahrung ist grundsätzlich zu bejahen. Optimal ist sicherlich, wenn das Kind/der Jugendliche derartige Erfahrungen mit seinen Eltern offen und ehrlich besprechen (vielleicht sogar mit diesen zusammen machen) kann. Ob es sich dabei um den ersten Genuß von Alkohol handelt (Neujahrssekt, Wein zum Abendessen oder ein gemütliches Bierchen am Abend) oder auch das erste Hasch-Pfeifchen, die ersten sexuellen Kontakte mit dem anderen Geschlecht, etc. – je vertrauensvoller das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist, desto offener und unaufgeregter kann (und wird) der sich ständig erweiternde Lebenshorizont auch jeweils kommuniziert und dann besprochen. Verheimlicht wird jeweils nur, was in irgendeiner Weise mit ‘falsch’, ‘nicht erlaubt’, ‘böse’ oder ‘verboten’ assoziiert wird – Folge eines angeknacksten Vertrauensverhältnisses zwischen Kind/Jugendlichem und Eltern. Höchst problematisch – und dann gerinnt die gesunde Neugier zur potentiell strafbewehrten Handlung – ist für das Kind, wenn moralinsauere, in Bigotterie verhaftete, ultimativ angepaßte Eltern sich mehr als ‘Ordner der Gesellschaft’ denn als ‘Begleiter und Lebensertüchtiger ihrer Kinder’ verstehen und verhalten.

Ebensowenig als wertvolle Begleiter geeignet sind diejenigen Eltern, deren Horizont nur vom Fernseher bis zum Kühlschrank reicht; daß deren Kinder sich – beinahe natürlicherweise – andere Orientierungen suchen (und dabei nur allzuoft an die Falschen geraten, die vorgaukeln, ihnen genau das zu geben, was sie im Elternhaus nicht bekommen), liegt auf der Hand.

Damit sind wir bei den negativen Motiven, die Kinder/Jugendliche zu Alkohol und Drogen greifen und sogar ins kriminelle Milieu abgleiten lassen:

Frustration, Hilf- und Perspektivelosigkeit, die vergebliche Suche nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Lob, Liebe, Antworten auf Fragen, Achtung, Verständnis, gemeinsame Erlebnisfelder und Vorbilder (lieber negative als gar keine!).

In dem Maße, in dem sie in anderen Gruppen genau das finden, was sie (völlig natürlicherweise) suchen, aber eben zuhause nicht erfahren, werden sie [unter Hintanstellung emotionaler Bedenken und Gewissensbisse – ihr Ethos macht sich bemerkbar, aber sie verdrängen es "erfolgreich" mit Alkohol und Drogen] – immer mehr zum Opfer derartiger Ersatze für das von ihnen abgelehnte Elternhaus. Von da aus ist der Weg zur Ablehnung  der nächsthöheren Stufe der Sozialität – der Gesellschaft insgesamt – und damit der Weg in die Asozialität nicht mehr weit.

Hierin liegt auch der Schlüssel für den Zuwachs von Jugendbanden, stetig zunehmende Gewalt in immer jüngeren Altersgruppen, (scheinbar unerklärliche) Amokläufe von Schülern (und nie erwachsen gewordenen Älteren), die zunehmende Flucht von jungen Menschen zu Kirchen und Sekten, Satanskulten und sonstigen Verirrungen, bis hin zu (kollektivem) Terrorismus [ob auf weltlicher (RAF, NPD,etc.) oder religiöser (Kreationisten, Islamisten,etc.) Ebene] – allsamt hilflose Schreie, eine von Aussichtslosigkeit gejagte Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Lob, Liebe, Ermunterung zu eigenem Handeln, Antworten auf Fragen, Achtung, Verständnis, Gemeinsamkeit,  kurz:  ein inhaltsreiches, grundsätzlich positivistisch fundiertes Erleben in seiner Gesamtheit!

Fazit: Mit einem ‘Verbot von Alkohol für Jugendliche’ schlägt der Gesetzgeber – einmal mehr – den "Sack", obwohl er den "Esel" meint. Nicht ‘die Kinder/ Jugendlichen’ sind die Schuldigen, ja nicht einmal der Alkohol/die Drogen und sonstige gesellschaftlichen Feindbilder. Es ist die Familie, der primäre Erlebnishorizont im Elternhaus,  der darüber entscheidet, ob sich ein Kind/Jugendlicher freudvoll und neugierig-interessiert seinem Leben stellt und seinen eigenen Lebensplan entwickelt. Neugier führt zu Informationsbedürfnis und Fragen, die nach Antworten lechzen, um zu Erfahrung und Wissen zu gerinnen. Die Breite erworbenen Wissens in verschiedenen Bereichen und Feldern führt letztlich zu Bildung und – Folge erlebter/gelebter Bildung im Alter – zu Weisheit.

Wo aber nun bereits Neugier als störend empfunden und gemaßregelt wird ("Sei nicht so neugierig" heißt übersetzt: "Ich weiß es selbst nicht, bin aber zu bequem, mich schlau zu machen; Du zeigst mir durch Deine Fragen unverschämt auf, wie blöde ich selbst bin. Das untersage ich Dir"), Fragen weder Interesse wecken noch Antworten bieten, der Bildungsstand der Eltern nahe dem Gefrierpunkt ist, Liebe, Vertrauen und Herzensbildung Mangelware sind, ändert doch ein Gesetz – aufwachen, ihr selbstverliebten, etatistischen Liebesdiener des Populismus’! – nicht das mindeste! Leistungsverweigerung, kultureller  Starre und antisozialer Bockigkeit  ist doch nicht mit Gesetzen beizukommen! Das müßten doch sogar Politiker kapieren.

Über all dem Wust an (aus ähnlichen Motiven staatsverliebter Politiker verabschiedeten, zum größten Teil aber völlig widersinnigen) Gesetzen verroht und verblödet unsere Gesellschaft – national wie globalisiert! – immer mehr. Dabei wird sowohl die Unfähigkeit der eigentlich Verantwortlichen wie auch die Mitschuld der dies nicht wahrhaben wollenden Politiker immer dichter verbrämt und verkleistert  – natürlich mit hochwohllöblichen, "christlich"-"sozialen"-"humanistischen" Schleifchen versehen.

Nicht Ganztagesschulen und eine gesetzliche Kindergartenpflicht, Rauchverbot, Richtgeschwindigkeit und Mindestlöhne (für indiskutabel geringe Leistung oder wenig Qualifizierte), Tarifverträge und Zwangsmitgliedschaften, Heere von Verwaltungsbütteln und Hunderttausende von Gesetzen für praktisch jede Handbewegung lösen unsere Probleme; der Schlüssel liegt im Erziehungs- und Bildungswesen, insbesondere deren erste Ausprägung – im Elternhaus.

Dementsprechend gelte es, potentiellen Eltern Hilfe dabei anzubieten, wie man bei hilflos auf ein l(i)ebenswertes Zuhause angewiesenen kleinen Menschen die Grundlage für ein liebens- und lebenswertes, interessantes und erfolgreiches Leben zu legen lernt. Nein, nein – das sollt nicht Ihr Politiker tun. Dazu fehlt Euch nun wahrlich jegliche Kompetenz!

Dazu wären ‘Elternschulen’ geeignet – sicherlich vernünftiger für Volkshochschulen, als Bonsai-Kurse anzubieten.

Diese Erfahrung – interessierte Eltern und Jugendliche – erleben wir gerade in Rußland, wo wir mit dem ‘Anthropos e.V. – für die Kinder dieser Welt’ die erste Elternschule aufbauen. Warum nicht hier in Deutschland – ohne ein neues Gesetz!?

H.-W. Graf
24. Februar 2006

Religionen – tödlicher „Heizstoff” und Verhinderer des Weltfriedens

24. Februar 2006|Philosophie|Kommentare deaktiviert für Religionen – tödlicher „Heizstoff” und Verhinderer des Weltfriedens

Eigentlich ist die Frage, wer für die Schöpfung und Existenz des Kosmos das „Patent“ hält, völlig irrelevant und damit allenfalls von philosophisch-akademischem Interesse. Denn spätestens bei der unendlich wiederholbaren Frage, wer denn dann für die Kreation der kreativen Kraft (oder eben des Kreators) verantwortlich sei, gewinnt die Diskussion allenfalls noch in Hobbyzirkeln Relevanz.

Wenn dieser Disput aber jeglicher realer Zweckdienlichkeit entbehrt, erhebt sich die Frage: „Cui bono“ –  wem nützt das Ganze? Wozu und worüber wird hier eigentlich gestritten?

Und diese Frage ist insofern sehr real-relevant, als dahinter die wohl übelste Kriminalgeschichte des ‘homo sapiens sapiens’ verborgen schlummert, die Abermillionen von Toten, unsägliches Leid und die Verarmung oder gar Ausrottung von Hunderten von Kulturen und Völkern innerhalb der letzten 10.000 Jahre betrifft.

Im Klartext: Unter Verzicht auf jegliche (auch nur theoretische) Beweisbarkeit, vor allem aber in krassem Gegensatz zu jeglicher natürlicher Ethik – keine Tierart käme jemals auf die Idee, Genozide oder Artenmorde zu verüben – schlachte(te)n sich Menschen gegenseitig ab, weil sich Schwächere weigern, den abstrakten Glauben Stärkerer für sich als verbindlich zu übernehmen. Einen „besseren“ Beweis zurückgebliebener Intelligenz und (noch) sehr mangelhafter Nutzung(sbereitschaft) natürlicher cerebraler Befähigung kann es wohl kaum geben. Noch bedenklicher ist dabei, daß sich selbst führende Köpfe in Wissenschaft und Forschung, Politik und Wirtschaft, Philosophie und Anthroposophie nicht entblöde(te)n, sich zu Bütteln, bisweilen gar Fahnenträgern derartiger ideologischer Auseinandersetzungen stilisieren zu lassen oder gar selbst zu küren. So wären Kriege – und nahezu alle hatten einen jedwie gearteten Glaubensinhalt – schlechterdings gar nicht zu führen, wenn sich nicht gerade unter den o.g. sozialen „Alphahühnern“ Protagonisten fänden, die dem gemeinen Mitbürger dann das ideologische Pferd sattelten, ihm „klarmachten“, für welches Ziel und zu wessen Herrlichkeit er Pfeil und Bogen, Steinschleuder und Schwert, Panzer und Flugzeug, A-, B- oder C-Waffen einzusetzen habe. Otto Normal wäre nie auf die Idee gekommen – Klein(st)kinder belegen dies bis heute –, seinen Nachbarn zu massakrieren, weil dieser andere Ziele, Hobbies oder Glaubensgrundsätze vertritt.

Nein, die wirklichen Hintergründe sämtlicher Glaubenskriege und -fehden sind gänzlich anderer Art, nur wird das nicht artikuliert, sondern schamhaft verschwiegen; wüßten nämlich die Menschen, wozu sie mithilfe der ideologischen Dogmatik verführt, verdummt und mißbraucht werden, wäre der Spuk, die Schreckensherrschaft sämtlicher Religionen, sehr schnell vorbei.

Dieser Gedanke gewinnt gerade heute an Gewicht, wo Zehntausende ideologisierter Fanatiker den moslemischen Glauben glauben verteidigen zu müssen – posthumen Ruhm, eine Platz im Himmel und jede Menge Jungfrauen vor Augen (wo wirklichen Genießern erfahrene Frauen viel lieber sind!).

“Die Religion wird von den einfachen Menschen als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschenden als nützlich angesehen.”

Lucius Annaeus Seneca, der Jüngere

(4 v. u. Z. – 65 n. u. Z)

Hinter allen Religionen – scharf zu unterscheiden von Weltanschauungen (Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus, etc.) – stehen knallharte Egoismen von „Eliten“, also einer soziologischen Parasitengemeinschaft, die sich davon materielle Vorteile, Ruhm und Ehre, posthume Meriten, Landgewinn, Absatzmärkte, den Zugriff auf Rohstoffe oder sonstige kommerzielle Vorteile verspricht. Genau unter diesen Aspekten mutieren nämlich ‚Philosophien’ zu ‚Ideologien’ und Weltanschauungen zu Religionen. Daß wir genau dort an der Bruchlinie zwischen ‚Kooperation’ und ‚Korruption’ stehen, verschließt sich den meisten Menschen – weil es eben längeren Darübernachdenkens bedürfte, also unökonomisch und unbequem ist. Hinzu kommt, speziell wenn es um Glaubensfragen geht, daß sämtliche Religionen nicht müde werden, ihre grundsätzlich friedlichen und lauteren Absichten zu versuchen deutlich zu machen – anderenfalls fänden sie gar nicht genügend Anhänger –, also an völlig natürliche (sogar ethische) Sinninhalte menschlicher Existenz zu appellieren, nicht jedoch ohne gleichzeitig auch einzufordern, daß diese benevolenten Ziele eben kraftvoll (notfalls auch mit Gewalt) erstritten werden müßten. Es ist deshalb völlig unsinnig, irgendeine Religion als ‚grundsätzlich friedlich’ zu charakterisieren.  Friedlich, human(istisch) und tolerant können nur Weltanschauungen sein, ‚religere/religare’ impliziert bereits sprachlich, i.e. per se Abgrenzung und damit Intoleranz, autoimmanente Alleingültigkeitsanmaßung und Überlegenheitsanspruch. Damit einher geht eine rechtsunbedenkliche Anspruchshaltung – zumeist auf dem Rücken gutgläubiger Spender,  weltlichen Besitzes entsagender Missionare und hochmotivierter Soldaten – ein schier unerschöpfliches Reservoir für Psychologen und Psychiater, Hirnforscher und Anthropologen, aber eben auch ein mitunter gefährliches Potential  manipulierter Zweibeiner, die tatsächlich gar nicht „wissen, was sie tun“.

Selbstredend bedient sich auch die Politik dieser ‚religiösen’ Komponente. Ob sich frühere Potentaten als ‚gottgesandt’ ins Amt hieven ließen, um dann unter gleicher Berechtigung jenseits irdischen Rechts nach Belieben zu schalten und zu walten – vornehmlich zu eigenem Nutzen und Frommen (s.o.) –, oder heutige Machtinhaber ihren Amtseid unter Berufung auf den jeweiligen Gott ablegen, dementsprechend sie dann zu handeln vorgeben, spielt keine Rolle. Wir schmunzeln etwas verständnislos über das ägyptische Gottkönigtum (‚Pharao’ wörtlich), tolerieren aber moderne „Pharaonen“ vom Schlage eines Bush, Kohl, Schröder oder Hussein und deren Hofschranzen und Heere von gefügigen Beamten und Schleppenträgern, von denen wir uns hinters Licht führen, aussaugen, belügen und in den Krieg schicken lassen, ohne groß darüber nachzudenken, mit welcher Berechtigung all dies geschieht.

 “Noch nie hat eine Religion, weder mittelbar, noch unmittelbar; weder als Dogma, noch als Gleichnis, eine Wahrheit enthalten.”

Friedrich Nietzsche

Die Frage, wer/was nun letztendlich den Grundstein für unser aller Existenz gelegt hat, ist seit dem Schluß des Corpus Callossums[1] des menschlichen Gehirns nicht Grund oder Ursache, sehr wohl aber Anlaß und Ausgangspunkt allen Unheils und der Diametrik von ‚Ethik’ und ‚Moral’ – schon insofern sind Begriffe wie ‚Religionsethik’ und ‚Religionsphilosophie’ ein Fußtritt für jede menschliche Intelligenz. Ein real-humanogenes Miteinander, ein korruptionsfreier Umgang des Menschen mit sich selbst und seiner Umwelt wird solange eine ‚Fata Morgana’ und „frommes“ Wunschdenken bleiben, wie wir es verabsäumen, jeglicher Religiösität den Schleier brutaler Intoleranz, unbarmherzigen Egoismus’ und unduldsamer Korruptabilität vom Gesicht zu reißen.

Dies schließt thematisch den Kreis: „Darwinisten“ tolerieren schmerzlos die Existenz tausender von Religionen und Gottesbilder – suum suique; wer will, darf auch an einen Eichhörnchenschöpfer denken. Selbst Urvater Darwin verschloß sich durchaus nicht der Möglichkeit einer über aller Evolution stehenden Entität. Nur können ernsthafte Hinterfrager – und das sind Wissenschaftler mitunter –  mit ideologischem Firlefanz und der vorsätzlichen Negierung objektiver Gegebenheiten nichts anfangen. Deshalb stehen sie aber auch der Vehemenz, mit der Kreationisten die „Evolutionstheorie“ anfeinden, so hilflos gegenüber; kein Wunder, Religionen pochen ja auch auf Glauben statt auf Wissen.

H.-W. Graf

[1] Hirnbrücke zwischen linker und rechter Hemisphere.

15. Dezember 2005

Wer gehört zum „alten Eisen”? Schluß mit der verkehrten Alterslegende – wer keinen Lebenssinn mehr kennt, muß früher sterben…

15. Dezember 2005|Philosophie, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Wer gehört zum „alten Eisen”? Schluß mit der verkehrten Alterslegende – wer keinen Lebenssinn mehr kennt, muß früher sterben…

Wenn der lineare Verlauf der Zeit wertneutral ist und es genügend Zeit gibt und immer schon gegeben hat, was unbestritten ist, dann ist die Furcht vor dem Alter eine negative Zukunftserwartung. Das ist eine pessimistisch gefärbte mentale Entscheidung, die im Kopf passiert und nirgendwo anders. Ich darf sehr zuverlässig davon ausgehen, daß mein Körpersystem im physischen Zwangsvollzug diesem „höheren Befehl“ folgen wird.

Hilfreich ist eine berühmte Fangfrage, die der griechische Philosoph Eubolides von Megara im 4. Jahrhundert vor Christus gestellt hat: „Wieviele Körner ergeben einen Haufen? Ein Korn macht noch keinen Haufen, zwei auch nicht … beim wievielten Korn beginnt der Haufen?“ Wieviel Jährchen muß man aufsummen, um „alt“ zu sein, um zu jenem wachsenden Haufen von Alten zu gehören?

Diese listige Frage ist wahrhaft zeitlos und schicksalsbestimmend. Denn anders betrachtet: Nach dem siebenten Lebenstag hat man ja schon ein Häuflein Zeit von 168 Stunden zusammen, und da beginnt das Alter oder das „Altern“. Letzteres veranschaulicht noch besser die fortlaufende Progression, die dann ab dem 18. Lebensjahr in den Umkehrprozeß der Regression geht, wenn der Zellverfall im Körper einsetzt. Streng genommen ist dieser ja ein perpetuum mobile unter dem Zeitaspekt der Verlangsamung oder Beschleunigung, ein langsamer Abstieg nach furiosem Aufstieg im Zenit des „Gerade-Erwachsenseins“, den ich beliebig durch meine Lebensart und –form beschleunigen kann.

Leben hat immer nur den Sinn, den wir ihm geben – lebenslang! Wenn Alter, Schwäche, Rückzug, Vergeßlichkeit, Ausruhen, Retirieren, Einkehr, Rückschau und Arbeitslosigkeit bedeutet – das ist der Teufelskreis einer verkehrten Synapsenschaltung, die von unserer dümmlich-fehlorientierten Gesellschaft zu einem Nymbus hochstilisiert wird. Bedenkliches Programm! Denn klammheimlich wird auch unser Immunsystem destabilisiert und ebenso bewegungsfaul wie der geistige und physische Körper.

„Ich gehe in Rente“! Welch Abschlußzäsur eines vergangenen Lebens ohne Neukonzept für das weitere Leben! Genüßlich ausgesprochen wie „Ich hab`s geschafft“ – „nach mir die Sintflut“, „jetzt hab ich endlich Ruhe …“, „jetzt kann ich endlich machen, was ich will …“ – „Nun habe ich Zeit zum Sterben!“

Wer der Statistik glauben möchte, im dritten Jahr nach der Pensionierung sterben die meisten Menschen! Interessant, nicht wahr? Warum wohl? Sie sind plötzlich herausgerissen aus einem jahrzehntelangen Rhythmus des Erwerbslebens mit einer Aufgabe, die sie ausgefüllt hat. Plötzlich sind sie nichts mehr wert, niemand braucht sie mehr. Ihr ganzes Wissen, ihre ganze Erfahrung und Lebensweisheit vermodert auf dem Misthaufen der Zerstreuungspolitik des Rentnerlebens, das äußeren Fun und Beschäftigungs-Krümelkäse sucht, aber keine Herausforderung mehr.

Der Fernseher, der eine virtuelle Scheinwelt mit niederen Instinkten in die Stube zaubert, schafft dann noch den Rest der einsetzenden Verdummung. Und das zu einem Zeitpunkt noch verhältnismäßiger körperlicher Rüstigkeit und finanzieller Mobilität, in der man sich die Welt realiter aus eigenem Augenschein draußen noch ansehen könnte und sollte, vorausgesetzt, daß man noch so viel Kraft hat, seinen dicker werdenden Hintern aus dem bequemen Sessel zuhause zu lüften … Ein rasanter Abstieg hat begonnen!

Alter ist nichts anderes als eine mentale Phobie. Dahinter steht ein übernommenes, völlig ungültiges Postulat, das wir nur geistig nachplappern. Unabsichtlich und beständig erhebt unser Geistkörper die Forderung, der zunehmenden Ungelenkigkeit unseres Knochgerüsts sklavisch zu folgen und zu entsprechen. Und das klappt! Unser Geist klappt zu und klappert schwerfällig vor sich hin und knarrt in allen Fugen wie die Gelenke in den trocken gewordenen Scharnieren.

Einer künstlerischen Befähigung Raum zu geben, zu malen, zu musizieren, zu dichten, zu schreiben, zu bildhauern, zu singen oder zu basteln, harmonisiert auf eine geheimnisvolle Weise unser inneres System. Der Umgang mit Musen beflügelt unsere Körpermetabolik und ist ein Gesundbrunnen. Der Arzt und Dichter Gottfried Benn unterstellt einer musischen Beschäftigung „engste Beziehungen zu unserem Organsystem“ und er zitiert einige Beispiele von Künstlern wie Johann Wolfgang von Goethe (82), Knut Hamsun (92), Gerhard Hauptmann (83), Leo Tolstoi (82), Theodor Fontane (78), Victor Hugo (83), Andre Gide (81), was unter dem Zeitaspekt dieser genannten Lebensphasen aus der seinerzeitig geringeren Lebenserwartung noch einmal aktuell hochzurechnen wäre …

Die Funktionalität und das komplexe Zusammenspiel der Organsysteme und deren Kommunikationsfähigkeit untereinander, verbessert sich ganz wesentlich durch eine künstlerische Betätigung, sagt die psychosomatische Forschung; mittlerweile ist das auch schon eine Binsenweisheit in der Onkologie.

Schwärmen und Schwelgen, das Idealisieren der Vergangenheit aus einem nacherlebten Affettuoso der eigenen Gefühle und der spontanen Wiederbelebung wirken in höchstem Maße jungerhaltend und verlebendigend. Nicht der abgeklärt nüchterne Realismus ist die Erhaltungsdroge im Alter oder der kontrollierte Hormonspiegel, wie es die Anti-Aging-Päpste vorgeben, sondern das plötzliche Extempore einer Verzücktheit oder Versponnenheit, einer spontanen, tiefen, wiedererinnernden Impression, einer irregulären Dummheit mit augenzwinkernder Absichtlichkeit erhält den alterslosen Charme des Hin- und Zulächelns, das auch jungen hübschen Mädchen die besondere Huld des anerkennenden Alters signalisiert.

Der berühmte französische Champagnerhersteller Claude Taittinger (75) offenbarte sein Rezept für lebenslange Offenheit, Aufgeschlossenheit und innere Flexibilität: „Man erreicht dies leicht, indem man sich mit jungen Leuten umgibt!“ Umgang färbt ab und nirgendwann versteht man auch die Jugend besser als in der Re-Infantilisierung des Greisenalters, weil man hier wieder Stufengleichheit und absolute Gefühls-Unverstelltheit zu dem albernen Getue der Jugend anbieten kann.

Wer als älterer Mensch nicht mehr in lebendigem Umgang und hoher Kommunikationsdichte und hohem Interesse den aktuellen „Zeitgeist“ ablesen, nachempfinden, verdiskutieren und leben kann, verliert den Anschluß und vertrocknet in der Hirse seiner alten, körnigen Erfahrung, die niemand anderen mehr interessiert, selbst auf die Gefahr hin, daß dies der immer wieder runderneuerte Gesprächsstoff älterer Menschen ist.

Warum ist nun bei den meisten die Vergangenheit das einzige Reservoir der Erinnerung und der Gesprächsinhalte? Nur dann, wenn die immense gelebte Zeitstrecke und die Kürze der noch zu erwartenden nach statistischer Globalvorstellung (auch ein Phantom) oder der inneren Erwartung, keine konkreten Zielvorstellungen oder Lebensträume mehr kennt, bleibt einfach keine Zukunftsperspektive mehr, die motiviert, Anreize setzt oder Bemühung provoziert.

Anforderungen, noch besser Herausforderungen gerade noch verträglicher Art und ein sozialer Dienst im Kontext der Großfamilie oder karitativer Einrichtungen halten uns einfach fit. Singles beißen eher ins Gras, wissen wir heute zuverlässig. Müßiggang ist aller Laster Anfang. Mir scheint, daß der liebe Gott mit dem Evolutionsauftrag, in den er uns Menschen eingesponnen und hineinverpflichtet hat, auch jedem Menschen selbst im hohen Alter noch einen kleinen Dienstleistungsauftrag zumutet oder andient und der Aspekt der Gemeinnützigkeit eine ganz andere, moralisch-ethische Wertbedeutung im Leben verdient, als unsere schnöden Versorgungsansprüche es signalisieren.

Gut versorgt zu sein im Alter ist ein fataler und materiell-eitler Trugschluß. Immer noch ein bißchen um das Leben und seine Chancen im „struggling-life“ kämpfen zu können, zu wollen und zu müssen, hält womöglich fitter und wendiger, gesünder und jünger und selbständiger. Früher hat man viele Kinder in die Welt gesetzt, um im Alter gut versorgt zu sein. Heute setzt man überhaupt keine Kinder mehr in die Welt, um nicht ein Leben lang für sie „blechen“ zu müssen. Aber dafür vereinsamt man, um hoffnungsloser früher sterben zu dürfen. Na dann, Prost Mahlzeit, fader Lebensschmaus und trockener Hals!!!

Die gespenstischste Grausamkeit unserer so fortschrittlichen Gesellschaft ist die inzwischen wieder ökonomisch begrabene Idee des Frührentnertums und der vorzeitigen Ausgliederung des wirklichen menschlichen Erfahrungspotentials aus Industrie, Verwaltung und Wirtschaft, die offizielle Abwrackung und Entsorgung der Altersweisheit, die in allen Kulturnationen unserer geschichtlichen Vergangenheit in hohem Ansehen und einer unantastbaren Würde stand.

Einen einsamen Vogel schoß hierbei die Oberärztin und Olympiasiegerin Heidi Schüller in ihrem Buch „Die Alterslüge“ ab. Sie plädiert dafür, der Generation ab 70 Jahren das Wahlrecht abzusprechen: „Es sind keine komplizierten Zusammenhänge mehr, die das Greisenhirn beschäftigen, sondern schlichte, einfache Gefühle und Stimmungen – affektlabil und unberechenbar!“ Als Konrad Adenauer 1949 zum Bundeskanzler gewählt wurde, befand er sich nach dieser Definition schon drei Jahre im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit. Marion Gräfin Dönhoff wirkte trotz Eintritt ins Greisenalter noch 23 Jahre als Herausgeberin der ‚ZEIT’. Und ein noch hinter den Ohren grüner SPD-Jungpolitiker verstieg sich kürzlich sogar zu dem ungeheuerlichen Vorschlag, Patienten ab 70 keine Hüftoperationen mehr zu bezahlen, weil sie ja ohnehin schon auf der Aussterbeliste ständen.

Die Interpretation des Alters als eine vorwiegend negative und problematische Lebensphase entspricht nicht mehr der Wirklichkeit. Wir haben aufgrund der immens gestiegenen Lebenserwartung, die sich noch weiter nach oben entwickelt (mit jedem vollendeten Jahr um weitere zwei Monate) eine Verdoppelung unseres Alters und damit eine neue geschenkte Lebensspanne hinzugewonnen. Hierdurch ist Altern zu einem lebenslangen Prozeß geworden und hat sich damit jeder Dramatik entkleidet. Altern ist keine Punkt- oder Sofortkatastrophe mehr: Ein unabweisbares Schicksal, das sich entschleunigt und spontan verlangsamt hat und durch vernünftige Lebensführung und sparsame Ernährung ohne Völlerei noch respektabel hinausgezögert werden kann. Und dies bei voller geistiger und körperlicher Frische, wenn die geistige Selbstbeerdigung mit minutiöser gedanklicher Bestattungsvorbereitung und der mentale Erwartungstod rechtzeitig ausgeklammert wurden und sich die Seele des Menschen unsterblich autonomisiert hat. Albert Schweitzer hat das auf den Punkt gebracht: „Niemand wird alt, weil er eine bestimmte Anzahl von Jahren gelebt hat. Menschen werden alt, wenn sie ihre Ideale verraten!“

Und noch eines ist wichtig: Wir müssen rechtzeitig leben: Im Hier und Jetzt, im Augenblick und nicht im Gestern und Morgen. Immer soll die Zukunft noch bringen, was uns die Gegenwart vorenthalten hat, weil wir zu kleingeistig, zu geizig und zu ängstlich gedacht haben. Otto von Bismarck war da ein knallharter Pragmatiker: „Leben ist wie Zähneziehen. Man wartet darauf, daß es endlich losgeht, und dann ist es schon vorbei!“

Günther Feyler
24. Januar 2003

Wider die Religion, für humanistische Emanzipation und gegen seelisch-geistige Korruption

24. Januar 2003|Philosophie, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Wider die Religion, für humanistische Emanzipation und gegen seelisch-geistige Korruption

– der Versuch eines Blicks hinter die Kulissen religiöser Verblendung –

Mag sein, daß die folgenden Gedanken das Gros der rund 2,7 Milliarden Menschen, die heute noch den monotheistischen mosaischen Religionen[1] angehören, empört aufschreien, friedlichstenfalls vielleicht den Kopf schütteln lassen. Mutmaßlich gibt aber vielleicht ein Teil der sich angesprochen Fühlenden der Toleranz oder zumindest dem Interesse die gebotene Chance.

Sollte das Folgende aber zu differenziertem Nachdenken anregen oder gar zu Umdenken gereichen, könnten sich Verfassen und Lesen gleichermaßen gelohnt haben, vor allem aber ergäben sich Chancen für eine friedlichere Zukunft im Zusammenleben einer Gattung, die sich homo sapiens sapiens[2] nennt, bislang jedoch erschreckend insapienter [3] mit sich und ihren Artgenossen umgeht.

Im folgenden will und werde ich niemanden mit ausschweifenden Diskursen durch Bibel, Talmud oder Koran, einen Streifzug durch die Genesis oder einzelne Evangelien, belehrungsheischende Quellenzitate oder Exegese-Diskussionen quälen. Vielmehr will ich – nicht mehr und nicht weniger – aufzeigen, daß diese unsere Welt sich erst dann aus der Klammer unmenschlicher (und menschenunwürdiger) seelischer, geistiger und physischer Vergewaltigung – regelmäßig in Manipulation, Korruption, Krieg und Verelendung mündend – befreien wird, wenn wir den psychologischen und dialektischen Hintergrund buchstäblich aller Religionen, insbesondere der monotheistischen (als der heute materiell/funktional mächtigsten und brutalsten), schonungslos offenlegen. Das mag Manchen vielleicht schmerzen, Andere empören. Ich halte dieses Vorgehen aber für die einzige Möglichkeit, wirklich einen Weg zu Frieden und Freiheit, Autonomie und Authentizität im menschlichen Miteinander zu finden, statt davon in 10.000 Jahren bewußter Menschheitsgeschichte und 3.000 Jahren Philosophie nur zu träumen.

Das Menetekel des ‚Vertrages von Amiens’ (1802) [4] und der darin enthaltenen düsteren Prophezeiungen wird erst dann seine diabolische Kraft verlieren, wenn ein genügend großer Teil der Menschen bereit ist, aufzuwachen, mitzudenken, mitzuentscheiden und mitzuhandeln.

Religionen – worum geht es dabei überhaupt?

Wer sich mit Religionen und Religiösität diskutativ befaßt, hat traditionell schlechte Karten. Er läuft von vornherein Gefahr, in (unvermeidliche) Verallgemeinerungen zu verfallen, mißverstanden und fehlinterpretiert zu werden. Vor allem aber berührt die Thematik einen höchst individuellen Gefühlsbereich, der sich eo ipso nur ungern der Auseinandersetzung öffnet, als sehr privat betrachtet sehen will und zumeist mit persönlichen Überzeugungen vertreten wird, die per se nicht diskutabel sind. Religion ist merkwürdigerweise ein allgegenwärtiges, höchst öffentlich gepflegtes Tabu.

In kaum einem Haushalt fehlt – je nach dem – eine Ausgabe des Talmud, der Bibel oder des Koran, gelesen wird darin aber recht selten.

In allen drei Religionen leiten klare Regeln, Gebote und Vorschriften den Menschen zu einer gottgefälligen und jenseitiges Heil versprechenden Lebensweise an, aber nur Wenige halten sich an das überlieferte ‚heilige Wort’. Da dies wie selbstverständlich vorausgesetzt wird, bietet die Schrift praktischerweise auch gleich die entsprechende Vorgehensweise zu Buße und Rehabilitation, Errettung vom Übel und drohender Verdammnis, Rückführung auf den Pfad des Lichts, der Versöhnung mit dem Allmächtigen und die Abkehr von, wie dies verständnisvollerweise betont wird, nur allzu menschlicher Sünde. Als Belohnung winkt ewiges Seelenheil. Der Strafenkatalog der denen droht, die sich ‚göttlichem Geheiß’ versagen, ist hingegen furchteinflößend drakonisch.

Die geradezu dogmatisch vorausgesetzte ‚Sündhaftigkeit’ erfüllt, psychologisch betrachtet, natürlich ihren Sinn; sie hält das Menschlein in einer, quasi seiner Unvollständigkeit zuzuschreibenden Abhängigkeit – womit wir unmittelbar beim Wortstamm, der etymologischen Wurzel des Begriffes ‚Religion’[5] ankommen. Religion will also binden und verpflichten. Aber wen und warum? Wer bestimmt, wer sich wem und wie zu welcher Lebensweise verpflichtet zu fühlen hat? Wer legt(e) die Regeln fest, wer wacht über deren Einhaltung und welches Endziel verfolgt das Ganze eigentlich?

Ursprung und Sinn aller Religiösität

Der ‚ursprüngliche’, aus der Evolution eines heute von der Wissenschaft auf etwa 3,5 Milliarden Jahre geschätzten Entwicklungsprozesses des organischen Lebens entstandene ‚homo erectus[6] kannte noch keinen Gott, Götter und Göttinnen. Er kämpfte nach guter Väter Sitte und natürlicher Gegebenheit um sein Überleben, zeugte und gebar seine Nachkommenschaft, kämpfte auch um deren Überleben und lehrte diese, selbst für das eigene Fortkommen zu sorgen – nicht anders, als uns dies alle Tiere bis heute vorexerzieren.

Erst mit der – mutmaßlich den Menschen vom Tier unterscheidenden – ‚Entwicklung des Bewußtseins’ trat eine entscheidende Veränderung ein: Der Mensch begann, im Verlauf von (geschätzt) etwa 1 bis 1,2 Millionen Jahren, sich seiner Umwelt bewußt zu werden, diese gedanklich zu erfassen, zu sortieren und nach bestimmten Kriterien zu ordnen. Der Instinkt erhielt einen rasch stärker werdenden Mitstreiter – den Verstand. Mit dessen Entwicklung, vor allem dem Schluß der Hirnbrücke, die rechte und linke Hirnhälfte miteinander verbindet, ging eine Einzigartigkeit einher, die uns von allen anderen Lebensformen und Spezies unterscheidet: Wir lernten zu abstrahieren, Gegenwart von Vergangenheit einerseits und Zukunft andererseits zu unterscheiden. Aus gutturalen Lauten, Balz- und Warnrufen entstand eine differenzierte Sprache, die den uns umgebenden Entitäten Namen gab, Begrifflichkeiten zu Gegenständen werden ließen, uns untereinander beschreibend zu kommunizieren ermöglichte und uns gestattete, Gedanken und Gefühle zu verbalisieren, auch wenn diese nicht in konkreter Form, haptisch und unmittelbar sinnlich (er)faßbar vorlagen.

Damit einher ging aber auch, neben vielem anderen, daß die Vergleichbarkeit und das (Be)Werten, Einzug in unser Leben hielt und unser interaktives tägliches Erleben mehr und mehr zu dominieren begann. Damit verbunden war aber auch zunehmend die Abgrenzung von abstrakten Wertbegriffen und -vorstellungen, was dann Grundlage der (aktiven und passiven) Beurteilung, Grundlage eines Verständnisses von ‚gut(besser)’ oder ‚schlecht(er), mehr oder weniger wertvoll – im Vergleich mit dem Stammesnächsten – wurde. Und letztlich liegt hierin auch die Ursache für das, was dem Menschen bis heute so arges Kopfzerbrechen bereitet: Er/Sie entdeckte die ‚Frage nach dem Sinn’, der Zweckmäßigkeit!

Die Entwicklung einer ‚abstrakten Neugier’, die den Menschen – losgelöst von unmittelbar Erlebtem – nach dem Grund, der Ursache und übergeordneten Zusammenhängen fragen ließ, beschleunigte einerseits den Vorsprung des Menschen gegenüber der gesamten übrigen belebten Natur, andererseits schuf diese Fähigkeit des Denkens und Hinterfragens erst das Problem, mit dem sich der Mensch – anders als der Rest des irdischen Lebens – in immer gravierenderem Maße seither herumschlägt: Auf jeden Zugewinn an Verständnis um Zusammenhänge, jede Entdeckung und Entschlüsselung eines Phänomens folgte unmittelbar ein praller Sack neuer Fragen, auf die der wißbegierige Mensch nun wiederum nach Antworten suchte, um die Dinge in den Griff, unter Kontrolle zu bekommen, sie sich dienstbar zu machen und dies, wenn möglich, noch vor dem Nachbarn, da das dann einen Vorsprung, einen persönlichen Vorteil im Wettbewerb mit der Umwelt sicherte.

Nun gab es vor allem zu Beginn dieses Prozesses noch jede Menge Phänomene und Entitäten, die sich dem Verständnis des archaischen Menschen völlig entzogen; Blitze und Donner, die Gezeiten und der Wechsel von Tag und Nacht, Regen, Hagel, Schnee und Nebel, die Wandlung von Wasser zu Eis, das Wachsen, Gedeihen und Sterben von Tier und Pflanze, generell die Phänomene von Leben und Tod, waren dem Menschen in grauer Vorzeit unbegreiflich. Einerseits weil Unbekanntes nicht nur Neugier, sondern auch Angst und Unsicherheit generiert, andererseits aus dem intellektuellen Drang, nicht Erklärbares wenigstens halbwegs zu erfassen, zu benamen und in seiner Unerklärbarkeit verstehbar zu machen, griff bereits der Mensch des Altertums zu einem „genialen“ Trick: Er erfand das Wesen einer für Unerklärbarkeiten zuständigen Institution – GOTT -, wobei der noch etwas simpler gestrickte antike Mensch jeder Unerklärbarkeit eine eigene Gotteszuständigkeit unterjubelte, das Kaleidoskop der Phänomene ‚sinnvoll’ gruppierte und als dessen ‚Ursache’ dann Gottheiten benamte, die ihrerseits – höchst menschenähnlich – in Gruppen lebten, Stärken und Schwächen, friedliche oder eben mehr kriegerische Naturen hatten und alle menschlichen Tugenden und Eigenschaften widerspiegelten, bis auf eine: Sie waren unsterblich, lebten also mit den ihnen zugeschriebenen Phänomenen ewig und seit jeher.

Zum festen ‚Inventar’ der unterschiedlichen Stämme und Völker gehörten also neben unterschiedlichen Sprachen und sich allmählich herausbildenden Kulturen, Riten und Gesängen vor allem unterschiedliche Götter, die geschützt und verteidigt wurden, mit denen man sich gütlich zu stellen versuchte, die man ehrte, ihnen Opfer darbrachte und die man (mehr oder minder vorsichtig) darzustellen versuchte. Man schrieb ihnen auch gerne – weniger aus intellektuellen Motiven, sondern wohl eher als positive Erklärung für das eigene Nichtverstehen – übermenschliche Kräfte und Fähigkeiten zu und stattete sie häufig mit in der Natur beobachteten Attributen – flugtauglich, bärenstark, gazellenflink, wild und mächtig – aus. Vermittler zu diesen Göttern waren jeweils ganz spezielle (Gruppen von) Personen, denen ein spiritueller Sonderstatus zuerkannt wurde, was diese aber mitunter nicht davor schützen konnte, dem jeweiligen Gott geopfert zu werden – schönen Dank auch!

Diesen Göttern wurden Geschenke aller Art gereicht, Feldfrüchte und Opfergaben, wertvolle Metalle und Edles aller Art (mitunter auch Menschen, z.B. Feinde) – kleine Geschenke erhielten schon immer die Freundschaft.

Außerdem galt es, auch darin unterscheidet sich der heutige vom früheren Menschen kaum, schon mal vorab um Nachsicht für eigene Fehler und Unzulänglichkeiten zu bitten, also für künftige Versäumnisse bittstellerisch Vorsorge zu treffen. Dies galt (und gilt bis heute) vor allem für anstehende Kriege, bei denen es sich als sehr zweckdienlich erwies, einerseits den Gegner durch den Diebstahl und die Zerstörung dessen Gottheiten zu demoralisieren und ihn am Lebensnerv zu treffen, andererseits natürlich sicherzustellen, daß man selbst die wehrhafteren Götter an seiner Seite wußte und sich auf diese auch verlassen konnte. Nun, die Epen vergangener Zeiten künden reichlich und blutig von heroischen Schlachten um Ländereien, Frauen und Vieh, Macht, Ruhm und Ehre, wobei den Helden dann jeweils mehr oder minder pfiffige Götter zur Seite standen oder den Daumen senkten, sich mitten ins Getümmel warfen oder, etwas feige abseits stehend, Intrigen spannen oder taktische Anweisungen gaben. Mitunter verloren sie aber auch mit dem unterlegenen Trupp ihre Göttlichkeit und verschwanden entweder ganz oder wurden ins Göttergefüge der siegreichen Truppen integriert. Manche fristeten auch eine Art geistigen Exils – in der Erinnerung der Mythen und Sagen der Geschichte und der sporadischen oder periodischen Reminiszenz ihrer Verehrer, die sich, wiederum ein genialer Trick des Menschen, ihre Götter eben einfach unsterblich machten.

Solange man in die Göttergeschichtlichkeit menschlicher Kreativität zurückblickt, stechen zwei Phänomene dabei besonders hervor: Zum einen die Angst – verständlich aus der Tatsache, daß es sich ja hierbei um vermenschlichte ‚Geistwesen’ handelte, die bei allen guten Beziehungen immer etwas furchtgebietend und ominös blieben -, zum anderen den vorausgesetzten ‚Anspruch auf Vertrauen’ – auch kein Wunder; was nur nebulös beschrieben und (v)erklärt werden kann, kommt ohne Vertrauen (= den bewußten Verzicht auf Beweisbarkeit) nicht aus. In beidem liegen aber die mitunter grenzenlose Macht und psychologische Unangreifbarkeit, derer sich diese Geistwesen bedienen durften und sicher wähnen konnten, solange sich nicht die Götter der Gegenseite als die besseren, stärkeren und gewitzteren entpuppten.

Diese Zusammenhänge erkannten natürlich auch recht schnell die jeweiligen Heerführer. Um nun ihre Truppen noch heißer auf den Kampf, mutiger, unbedenklicher, opferbereiter und brutaler zu machen, stellten sie zum einen ihre Regentschaft unter den Schutz gerade opportuner Götter, achteten sorgsam auf eine gelebte Religiösität in ihrem Volk und suggerierten den Kämpfern, ihnen winke im Fall des Sieges nicht nur fette Beute und weltlicher Ruhm, sondern für den Fall des vorzeitigen Ablebens auch reichliche Ehre im Jenseits und gar manche überirdische Labsal. Na, wenn das keine Motivation ist; vor allem für diejenigen, die im irdischen Hier und Heute mit Armut, Not und Elend reichlich zu kämpfen haben. Dieserhalb ist einfach zu verstehen, warum wir als geschichtliche Zaungäste bisweilen fassungslos vor der Tatsache stehen, daß sich Menschen – jener Zeit wie auch heute – so naiv und hemmungs- wie bedenkenlos vor den Karren von Präsidenten und Königen, Pharaonen und Fürsten, Kaisern und Päpsten, Kardinälen und Rabbis, weltlichen „Leuchttürmen“ und Irrlichtern spannen lassen. Für die Unsterblichkeit und reichlich Jungfrauen kann man schon mal sein Leben opfern.

Um diesen, jeder Intelligenz spottenden Wahnsinn mitzutragen, galt (und gilt) es natürlich, jedes Hinterfragen und Untersuchen, Infragestellen oder Bezweifeln mit dem Hinweis auf das alles bemäntelnde Glaubensdogma zu verhindern, notfalls unter strengste Strafe zu stellen. Um das einzuüben, quasi schon mit der Muttermilch einzuflößen, bemächtigte sich der Clan der göttlichen Vermittler – zumeist mit Duldung des weltlichen Führers (wenn dieser nicht praktischerweise auch gleichzeitig der göttlicherseits berufene Chef war), da ihm dies ja nur nützlich sein konnte (außer wenn die Priesterkaste zu gierig wurde und fleißig Intrigen spann) – sinnvollerweise des spirituellen Wesens des jeweiligen Volkes: Hierzu galt es, im Jahresablauf bestimmte Rituale so manifest zu verankern, daß dem Volk immer wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, zu welcher Götterwelt es, bitte schön, zu gehören habe. Höchst natürliche Geschehnisse im periodischen Jahresablauf gehörten hierzu ebenso, wie ganz spezifische, die jeweilige Religion (in Abgrenzung zu „feindlichen“) betreffende Rituale, zu denen das Volk jeweils aufgerufen, versammelt und darauf eingeschworen wurde. Unterlag ein Volk, kostete das zwar mitunter auch ihre Götter die künftige Verehrung, sinnstiftende Riten wurden aber von den Siegern gerne miterobert und dem eigenen Ritus beigemischt. So nimmt es kaum Wunder, daß z.B. kein einziges Symbol, kein Ritual und kein Feiertag der christlichen Kirchen originär ist; ob Jungfrauengeburt oder Himmelfahrt, die dubiose Übergabe der Zehn Gebote, der Heldentod (incl. Auferstehung) des Jesus und vieler seiner Jünger, der Propheten und Märtyrer, Ostern und Weihnacht, Taufe und Abendmahl – tut mir leid, Ihr Gläubigen, hatten wir alles schon mal. Das gilt sogar für die diversen Wunder und göttlich niederträchtigen Gottesstrafgerichte. Bevor nun orthodoxe Juden zustimmend nicken: Guckt mal in die Veden und die Baghavadgita!

Glaube – als (mitunter strafbewehrtes) Verdikt für hinterfragendes Denken – ist seit jeher eine scharfe Waffe. Kein Wunder, daß zu allen Zeiten das ‚Wissensmonopol’ (Stichwort: Herrschaftswissen) eifersüchtig bewacht wurde (und bis heute wird). Wissen eröffnet Chancen der Lebensgestaltung, geistiger (und real-gelebter) Freiheit, i.e. Unabhängigkeit, aber auch weniger Möglichkeit der Manipulierbarkeit, und genau das lag zu keiner Zeit im Sinne und Interesse der weltlichen und religiösen Führerschaften. So war es Jahrtausende lang nur den Führerkasten bzw. von ihnen abhängigen Spezialisten vorbehalten, Schriftgut einzusehen, zu horten und zu fertigen. Wer lesen und schreiben lernen, sich fortbilden oder studieren wollte, mußte sich dazu staatlicher/religiöser Einrichtungen bedienen. Privates Bildungsstreben galt vordem als verdächtig, nicht selten gar als Teufelswerk und wurde zeit- und ortsweise sogar mit der Todesstrafe belegt.

Alles, was die wichtigsten Vehikel der Macht anbelangt(e) wurde/wird unter das Verfügungsdiktum der weltlichen/religiösen Oligarchie gestellt, stand/steht ihnen allein zu Gebote, und allenfalls Unbedenklichen wurde – unter argwöhnischer Observation und nur portionsweise – Einblick in die Sphären höherer Bildung gewährt. Das staatliche Bildungsmonopol kennen wir in weltlich orientierten Staaten bis heute – von fundamental religiös gesteuerten Staaten ganz zu schweigen. Je enger die Allianz von Religion und Staatsmacht war/ist, desto stringenter waren/sind die Individuen, das Volk in summa, zu lenken, zu leiten und unter Kuratel zu halten. Wer diesem Monopol zuwiderhandeln, es in Frage zu stellen wagt(e), muß(te) den („heiligen“) Zorn der Monopolisten fürchten.

Die monotheistischen Religionen

Legten sich frühere Herrscher bei ihren Kriegszügen bisweilen noch mit ganzen Geschlechtern von Göttern an – und jedes Volk, das etwas auf sich hielt, bot seine eigene Kollektion an -, so kam es erstmals beim Judentum zu einer Verballung der Göttervielfalt auf eine zentrale Gottgestalt, dem nur hilfreicherweise einige Nebenfiguren, quasi als Emissäre und Interpreten göttlichen Willens, zur Seite gestellt wurden – auch dies nichts sensationell Neues.

Mit dem Judentum, das sich bis heute auf Urvater Moses beruft [7], hatte die Vielgötterei ein Ende. Er, Jahwe, war nun eindeutig als alleiniger Schöpfer, keinerlei Beschränkung unterstellter Chef und Richter, maßgebender Wegweiser, segnende und strafende Instanz und sogar Herr über hiesiges Leben, den Tod und die postmortale Perspektive „identifiziert“ und festgeschrieben. Widerstand zwecklos.

Die Gebote, zehn an der Zahl (wir werfen gleich mal einen Blick darauf), galten/gelten als irdischer ‚Ariadnefaden’ und alleingültige Richtschnur, wobei von vornherein deren Interpretation durch den ach so fehlbaren Menschen insofern Tür und Tor geöffnet wurde (und bis dato wird), als der ursprüngliche Text – in Ton geritzt, also relativ transportfreundlich, andererseits nicht ganz bruchsicher – nicht mehr ganz vollständig verfügbar ist, andererseits in ignoranter Verkennung seiner Bedeutung heute an vier verschiedenen Stellen sorgsam unter Verschluß gehalten wird. So ganz einig scheinen sich auch die Juden nebst ihren erlauchten Generalinterpreten nicht immer zu sein, was zum einen die Unsicherheit der Gefolgschaften – Zweck der Übung – schürt, zum anderen, daraus resultierend, deren unselbständige Abhängigkeit. Erklärbar ist das ganze Tohuwabohu auch noch ganz schlicht mit dem von menschlicher Beschränktheit nie zur Gänze erfaßbaren Mysterium des nunmehr solistisch herrschenden Alleingottes. Gelehrt wird dieses Gotteswort in unterschiedlicher Dichte und nach unterschiedlichen Schulmeinungen. Zudem kann und darf der fleißige Adept über jede Menge völlig kontroverser Aussagen und Vorgaben brüten, da nicht nur die allem voranstehenden fünf Bücher des Moses sowohl zu barmherziger Milde als auch zu unbeugsamer Unnachgiebigkeit (gegenüber Verneinern seiner Lehre, laut geäußertem Zweifel und gewahrter Unbelehrbarkeit) aufrufen. Der Talmud [8] schraubt die Verwirrung und die Kunst der zielgerichteten Kontradiktion in geradezu schwindelerregende Höhen, wobei zwei psychologisch interessante Phänomene (mit leider gefährlichen Auswirkungen) sofort auffallen (und, Jahwe sei Dank, die Zahl intelligenter Abweichler zusehends wachsen läßt): Die in der Thora, dem jüdischen „Katechismus“ postulierte Intoleranz allen Andersdenkenden gegenüber und die unverhohlene Überheblichkeit des eigenen Standpunktes, der festen Überzeugung dahingehend, daß sich, nur wenig vereinfacht, nur der strenggläubige Jude als Mitglied der „besseren“, der „auserwählten Rasse“ wähnen darf. Nimmt man diese (nur fragmentarisch veröffentlichten) Texte der Thora wörtlich, so könnte man von einem geradezu fanatischen – im ursächlichen Wortsinn sogar faschistischen[9] – Anspruch sprechen.

Ich stelle hierbei gar nicht auf die klaren Anleitungen ab, wie Ungläubige oder auch „Falschgläubige“ (damit sind die Anhänger der beiden anderen mosaischen Religionen gemeint) zu behandeln, zu überzeugen, notfalls auch zu zwingen und zu bedrohen erlaubt bzw. geboten ist [10], sondern auf die jede aufgeklärte, intelligente und humanistische Haltung mit Füßen tretende, apodiktische Aussage, nur ein Angehöriger des streng-orthodoxen jüdischen Glaubens könne sich dem „auserwählten Volk“ zurechnen.

Nun entschuldigt dies keines der unzähligen Pogrome, denen sich die Juden während der letzten 2500 Jahre immer wieder ausgesetzt sahen, zumal davon die lautstärksten Protagonisten dieser aberwitzigen „Lehre“ so gut wie nie betroffen waren, aber es erklärt, warum geistige Irrlichter mit anti-jüdischen Parolen so oft, so leicht und derart radikal die dumpfen Massen zu verblenden und zu irrwitzigem Hass aufzustacheln vermochten, was dann wiederum der – von bestimmten Personen/Organisationen trefflich genutzten – Schaffung einer geschichtlich einmaligen Märtyrerrolle des Judentums sehr zupass kam.

Nun hat der hier gegeißelte egozentrische (und reichlich alberne) Alleingültigkeitsanspruch durchaus Methode, denn Jahwe scheint, pardon, werte/r Leser/in, ein hochgradig pathologischer Fall eines von Minderwertigkeitskomplexen gebeutelten Zeitgenossen älteren Baujahrs zu sein. Denn das Wichtigste scheint ihm der Anspruch zu sein, der ‚einzige und wahre Gott’ zu sein, der seinesgleichen nicht neben sich duldet. Nun, dagegen kann man, mit entsprechender Therapie heute schon wahrhaft wunderbare Erfolge erzielen – Einsicht und Therapiefähigkeit vorausgesetzt.

Doch bevor sich jetzt Angehörige der beiden christlichen Kirchen süffisant zu mokieren beginnen: Wie lautet denn, mit Verlaub, das erste Gebot? Stimmt, da finden wir den gleichen, nicht weniger pathologischen Ansatz, und mit dessen Fortsetzung, dem 2. Gebot, setzt sich dieser arrogante Anspruch nahtlos fort, und den Muslimen geht es mit ihrem Allah auch nicht besser.

Weil wir gerade dabei sind: Sämtliche Gebote sind zum einen eigentlich Verbote, zum anderen fordern sie entweder zwanghafte Unterwerfung ein oder erschöpfen sich in Banalitäten; Diebstahl, Mord etc. galten bereits in vormosaischer Zeit, seit Jahrtausenden und in bis zu 1500 Jahren älteren Schriften, als Frevel und todeswürdige Verbrechen. Warum man seine Eltern lieben ’muß’, egal was sie ihren Kindern Gutes oder Schlechtes tun, wie sie leben (und ob sie ihrerseits gläubig sind oder nicht!), vermag irgendwie nicht so ganz einzuleuchten.

Die Dogmatik, mit der vom Taufbecken bis zum Urnengang alles ‚von oben’ geregelt und eingefordert wird, gleichwohl jeglicher Sinngehalt nebulös verbrämt oder schlicht verweigert wird, kann – jegliche Bereitschaft zum fruchttragenden Disput vorausgesetzt – allenfalls als überheblich, sicherlich aber nicht als sonderlich erwachsen bezeichnet werden.

Nein, Scherz beiseite, sämtliche mosaischen Religionen haben zwar – ein wahrer Beweis intelligenten Fortschrittes und in der Konsequenz einer zunehmend wissenschaftlich erforschten Welt, in der eben das Gros der uns umgebenden Phänomene geklärt wurde – die Summe aller restverbliebenen Göttlichkeiten gebündelt und in einer Generalgottheit vereint, aber damit hat es sich auch schon. Ansonsten geht es, recht schmählich archaisch, inhuman und krankhaft egozentrisch, ausschließlich um Macht, einen höchst korruptiven Herrschaftsanspruch, der sich am wenigsten und zu allerletzt um das vorgebliche „Subjekt“ bemüht zeigt, den Menschen.

Mag sein, daß sich Juden-/Christentum abfällig überheblich und angewidert über den Islam als die rückständigste und primitivste der mosaischen Religionen äußern zu dürfen glauben, uns als von Renaissance und Aufklärung geprägte Westeuropäer/Nordamerikaner/Kaukasier das fundamental-islamische Erlöser-/Märtyrertum, das religiös-fanatische Opferbewußtsein geradezu lächerlich und infantil anmutet. Aber dann sollten wir nur wenige Jahrhunderte zurückblättern. Die Greueltaten von mehr als 250 Päpsten und der unter ihrer Regie, zumindest aber mit ihrem Segen geführten Kriege mit Millionen von Toten (das holt der Islam in 1000 Jahren nicht auf), die Not und das Elend betrachten, das mit gesegneten Waffen und den flammenden Aufrufen Tausender von Gottfrieds [11] über die Menschheit incl. der hilflos neben uns existierenden Fauna und Flora von Christen gebracht wurde, sollte uns ganz schnell verstummen lassen.

„Ihr Christen habt in Eurer Obhut ein Dokument mit genügend Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen oder stattdessen dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen.“

Mahatma Gandhi
Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung (1869 – 1948)

Unser Kommentar: Ähnlich wie Jesus stieß auch Gandhi zumeist mit seinen Mahnungen und Warnungen auf taube Ohren. Beider Philosophen Worte wurden von korrupten Ideologen zur Rechtfertigung eigener Machtgier und unmenschlichster Brutalität mißbraucht, ihre grundsätzlich friedliche Lehre verraten.

Und wenn wir mit dem Zurückblättern fertig sind, können wir uns schamhaft der nicht minder brutalen und korrupten Religionsgeschichte der Gegenwart widmen – mit einem rasch steigenden Ekel- und Abscheugefühl.[12]

Religionen haben per se korruptiven Charakter

Man mag es drehen und wenden, wie man will, gar mahnend auf liebevolle, höchst hilfsbereite Zeitgenossen verweisen, die als Angehörige einer Religion ein hohes Ethos im Umgang mit ihren Mitmenschen aufweisen; um die geht es überhaupt nicht, denn sie würden mutmaßlich auch ohne diese Vereinsmitgliedschaft Großartiges leisten. Nein, es geht um die Institutionen und die Tatsache, in welch niederträchtiger Weise sie das Denken, Fühlen und Handeln ihrer Umwelt, unserer Zeit (und Vergangenheit) brutal und machtversessen beherrscht und ausgenutzt haben, wobei sie dabei höchst intolerant und egoistisch ausschließlich eigene Ziele verfolg(t)en und völlig skrupellos mit der Unwissenheit ihrer Mitmenschen, den Ängsten und Unsicherheiten der in ihrem Machtbereich lebenden Menschen ihr perfides „Spiel“ treiben/trieben. Gerade diese Ängste sind den Religionen – zugegeben, nicht nur den monotheistischen mosaischen, aber vornehmlich diesen, die gleichzeitig und besonders nachhaltig über die technischen und finanziellen Mittel des Machtausbaus und -erhaltes verfügen – ausschließlich Mittel zum Zweck. Dabei war/ist ihnen kein (eigentlich ihren fundamentalen Forderungskatalogen diametral widersprechendes) Mittel zu nieder, kein Verbrechen zu infam und inhuman, als daß sie es nicht zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetz(t)en. Dies zu hinterblicken müßte eigentlich schon jedem halbwegs intelligenten Menschen Grund genug sein, diesen korruptiven Vereinen ohne Zögern und sofort den Rücken zu kehren.

Was hält nun selbst ethisch hochstehende, höchst ehrenwerte Menschen in diesen Zwängen?

So interessiert der Mensch, insbesondere der junge, an Neuem ist, so sehr ängstigt ihn das Nicht-Verstehbare, insbesondere dann, wenn es existenzielle Bereiche betrifft – die Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Ursprung der Welt und ganz besonders die Frage nach dem ‚Danach’, verbunden mit der „liebevoll“ geschürten Todesangst. Wer thematisch dieses Feld besetzt, hierfür Antworten bietet und gleichzeitig ins ideologische Abseits stellt, was sich diesen „Antworten“ widersetzt, hat eine gute Chance, das Gros der Menschen hinter sich zu versammeln. Zumindest kann er es beeindrucken, zweifeln (und hoffen) lassen, in jedem Falle aber übt derartiges „Wissen“ per se eine Faszination besonderer Art aus, und kaum jemand käme auf die Idee, oder besser: hätte den Mut, dahinter infames Kalkül, bösartigen Machtanspruch und brutalste Form von Zwang zu vermuten.

„Mich beunruhigen gerade diejenigen Bibelstellen, die ich verstehe.“

Mark Twain
Schriftsteller (1835 – 1910)

Unser Kommentar: Drohungen und Tröstliches, Banalitäten und Verquer-Philosophisches – das ist der Stoff, aus dem geistig-seelische Fesseln geflochten werden, mit Hilfe derer die Menschen dienstbar gemacht und so trefflich eingeschüchtert werden können, Motivation und Manipulation wahlweise eingesetzt werden und die Menschen in Spannung zu halten sind.

Religionen, und beileibe nicht nur die monotheistischen, bieten also ‚bequeme’ Lösungen für unangenehme Fragen, die realiter keine entsprechenden ‚logischen’ Schlußfolgerungen zulassen. Sie verzichten auf rationale Beweisführung und sie personifizieren das nicht-Denkbare, das Unverstehbare. Gerade in dieser ‚Personifikation’ liegt das höchst Sympathische, das dann, mit den nötigen Wiedererkennungseffekten ausgestattet, Vertrauen, Ruhe, Geborgenheit und Frieden suggeriert. Man kann sich in den Schoß dieses Gottes, seiner Allmacht flüchten, wie wir dies ebenso in frühen Kindertagen bei der Mutter konnten. Das patriarchalische Element hingegen darf nicht fehlen. Voilà, das finden wir im zürnenden, strafenden, unbedingten Gehorsam einfordernden Gott. Fertig ist das Schutz, Liebe und Sicherheit gewährende, uns der eigenen Wahl, Zuständigkeit und Verantwortlichkeit enthebende und damit gleichzeitig entmündigende Gerüst jeder Religion. Wir werden genau in der kindlichen Abhängigkeit gehalten, die uns in der Familie – quasi der ‚göttlichen Trainingsstube’ – so hilflos und abhängig, leicht manipulierbar und letztlich auch berechenbar sein läßt. So wie die wenigsten Eltern ihre Kinder (rechtzeitig) los- und mündig werden lassen, da sie damit einen erheblichen, oftmals geradezu existenziellen Sinnverlust gewärtigten, so wenig kann den Protagonisten (und Parasiten) der Religion daran gelegen sein, ihre (wahlweise) ‚Kinder’, ‚Schäfchen’ (der gute ‚Hirte’!), den ‚schwachen Sünder’ tatsächlich eigenverantwortlich, reif und erwachsen (im Sinne von selbständig) werden zu lassen; sie gerieten außer Kontrolle, wären nicht mehr leit-, lenk-, form- und manipulierbar. Man stelle sich nur vor, daß die Imame, Rabbis, Priester und sonstige Amtsbefugte der besonderen Kategorie für ihr Aus- und Einkommen selbst sorgen müßten, Päpste und andere Religionsführer keine (höchst weltlichen) Machtbefugnisse mehr hätten, demzufolge keine Kriege führen, Reichtümer anhäufen und Millionen von Menschen ihrem Geheiß unterstellen könnten.

Bei Licht betrachtet ging es den religiösen Institutionen niemals darum, Menschen – in ihrer impersonellen Gesamtheit – zu helfen, sie zu retten, ihnen Wege zu persönlichem Glück und einer starken, sinnstiftenden Lebensweise zu bieten (von ‚schenken’ kann ohnehin nicht die Rede sein). Es ging schlicht darum, in intellektuell immer ausgefeilterer Form das Phänomen ‚Mensch’ in den Griff zu bekommen. Hieraus wird übrigens verständlich, warum den etablierten Religionen die Bildung von neuen Strömungen (vulgo: Sekten, Freikirchen usw.) so schrecklich gegen den Strich geht. Diese ‚Abtrünnigen’ bedienen sich zumeist einer moderneren Denkweise, benutzen intelligentere Formen der Beeinflußung, bieten attraktivere „Lösungen“ und verzichten auf die konventionellen, oftmals geradezu lächerlich anmutenden Ritualitäten.

Hier fürchten die religiösen ‚Platzhirsche’ um ihre Pfründe, gewohnte Etabliertheiten, Macht und Einkünfte. Das gleiche finden wir aber auch bei den weltlichen ‚Religionen’, den Parteien (und Gewerkschaften). Auch diese stellen sich jeder Neugründung vehement in den Weg, und zum gegenseitigen „Schutz“ gehen sie dafür sogar Zweckbündnisse ein (Fünf-Prozent-Klausel, Fraktions-Mindestgröße, etc).

Zurück zu den Religionen. Der Mensch ist ein sinnliches Wesen, also gilt es, seine Sinne anzusprechen, diese attraktiv zu motivieren und hinterhältig zu manipulieren. Hierzu dient den Religionen ein üppiges Gepränge (Kleidung der „Vorturner“, wertvolle Ausgestaltung der Bauten, die natürlich auch beeindruckend hoch oder voluminös sein müssen). Je höher Dome, Kathedralen und Minarette sind, desto näher ist man Gott (und desto besser wird das Gehöft gesehen). Auch der Geschmacks- und der Geruchssinn wollen berührt werden; Weihrauch und Wein, Myrrhe und die „leckere“ Oblate, die immer so unangenehm am Gaumen klebt, helfen dem Halt und Glaubensstärke heischenden Menschen in die rituellen Schuhe.

Die protestantischen Kirchen verkehren dieses Moment der Katholiken und Orthodoxen ins genaue Gegenteil; sie beeindrucken mit demonstrativer Schlichtheit. Kein Wunder: Als sie sich – von England (Heinrich VIII) ausgehend und im 16./17. Jahrhundert in Europa – als Gegenbewegung zu Rom etablierten, verfügten sie über wenig Mittel. Sie machten also aus der Not (Armut, geringe Einkünfte) eine Tugend (entsprechend dem ‚Ruf zu gottgefälliger Bescheidenheit’), was ja auch gut ankam. Aber man sieht, wohin es führt, wenn man den Menschen zuviel Freiraum läßt: Aus dem Protestantismus entwickelten sich bis heute fast 100.000 Freikirchen und verschiedene Sekten. Da haben die katholische und die orthodoxen Kirche(n) – na gut, von letzteren gibt es auch immerhin 12 national unterschiedliche – ihre Truppen schon noch besser im Griff. Andererseits: Gerade die Sekten und Freikirchen gewinnen zunehmend an Einfluß – nicht zuletzt durch die Suche vieler Menschen nach moderneren Alternativen. Zwar haben die Orden und ‚Geheimbünde’ (incl. des Geheimdienstes) speziell der katholischen Kirche auch enge Bande zu Wirtschaftsunternehmen und –zirkeln, aber die Sekten und Freikirchen laufen ihnen zunehmend den Rang ab[13].

Feste Riten schaffen für den verunsicherten Menschen die Berechenbarkeit, die ihm Ruhe, Ordnung und damit Sicherheit vermitteln. Den als unangenehm empfundenen Zwangscharakter nimmt man eben billigend in Kauf. Insoweit ging es sämtlichen Religionen, so benevolent sie dies auch jeweils beteuern, auch nie um wirklichen Frieden und weltlichen Wohlstand für die Menschen; Kriege, Armut, Hunger und Not treiben die schutzsuchenden Massen den Religionen in die Arme. Reichtum hingegen macht die Menschen zumeist träge und fett, vor allem aber abhängig[14]. Sie müssen aber von Zeit zu Zeit daran erinnert werden, wem sie was zu verdanken haben – ein gewichtiges Argument für das Verständnis der Entstehung so vieler Religionskriege und der willfährigen Beteiligung der Religionen an sämtlichen weltlichen Kriegen. In diesem ‚Denken’ verbirgt sich aber auch der (psychologische) Ansatz für die Entstehung der Geheimbünde, Orden und klandestiner Organisationen (bis hin zu Geheimdiensten) vor allem der katholischen Kirche, die – teils einander höchst feindlich gesinnt, teils in enger Kooperation – „die wahre Lehre“ zu verteidigen vorgaben, irdische Herrschaft zu kontrollieren trachteten, vor allem aber die eigene Macht zu wahren, den eigenen Reichtum zu mehren suchten. Eben diese Geheimbünde, Orden, etc., denen anzugehören Potentaten aller ‚Gewichtsklassen’ und Herkunft, Prominenten und billigen Selbstdarstellern (quasi den Bohlens, Friedmanns und Schröders aller Zeiten), ja selbst Dichtern, Denkern und Kunstschaffenden jeweils zur Ehre gereichte, Die klerikalen Geheimdienste mischten an Höfen und in Kanzleien mit, notfalls verbandelten sie sich mit der weltlichen Herrscherkaste, stellten sich mit den irdischen Regenten gut, um sich bestimmte Rechte und Privilegien zu sichern. Um die ihnen zu Füßen knieenden „Schäfchen“ ging/geht es ihnen nie. So verdient die russisch-orthodoxe Kirche heute am (steuerfreien) Verkauf von Alkoholika und Tabakwaren, so wie sie früher die Allmacht besaß, an der kein potentieller Thronaspirant vorbeikam. Die beiden ‚christlichen’ Kirchen Deutschlands verfügen (als einzige!) sogar über eine eigene Sozialgesetzgebung, waren seit jeher vielfach steuerbegünstigt und lassen ihre (gesetzliche!) Kirchensteuer (Stichwort: Konkordat) vom Staat eintreiben (gegen ein bescheidenes Verwaltungskostendisagio, versteht sich). Diese Kirchensteuer wird sogar – verfassungsrechtlich mehr als bedenklich – generell von Arbeitslosen erhoben, auch wenn diese überhaupt keiner Kirche (mehr) angehören, und auch bei Betrieblichen Altersversorgungen wird Kirchensteuer verlangt, auch wenn weder Arbeitgeber noch -nehmer in der Kirche sind. Die beiden ‚christlichen’ Konfessionen sind auch von der Grund(erwerb)steuer sowie der Grundveräußerungsteuer befreit – ein bis heute unangetastetes „Geschenk“ Adolf Hitlers an Papst Pius XI aus den Zeiten des Konkordats zwischen beiden ‚Partnern’. Pfarrer/Priester und Bischöfe ordern deshalb eigenen Grunderwerb einfach über ihre ‚Arbeitgeber’, et voilà!

Angst – der „Nährstoff“ der Religionen

Mögen die christlichen Religionen in den meisten europäischen Staaten nach außen nur noch wenig reale Macht verkörpern, im Denken und emotionalen Erleben der meisten Menschen, im täglichen Leben, den maßgebenden Gesetzen, vor allem aber in Kunst und Kulturen der ‚abendländischen’ Welt sind ‚christliche Werte’ noch fest verankert und höchst lebendig. Taufe und Ehe, rituelle Versammlungsorgien (die zumeist viel älterer Bauart sind) und Feiertage, Verfassungs(mein)eide und juristische Formalien – gar überall mischt der Klerus mit – manchmal unauffällig, häufig pompös, aber omnipräsent.

Gerade in unsicheren Zeiten – im Krieg, bei Seuchen, Elementarschäden und Hungersnöten –, bei drohender Gefahr (und vor Prüfungen), spätestens aber im Angesichts des Todes flüchten sich die ansonsten so ‚souveränen’ Erdlinge zahlreich und flugs in die schützenden Arme überirdischer Macht und deren terrestrischem Bodenpersonal. Von permanenter ‚Gläubigkeit’ sind vor allem die armen und ärmsten Länder der Welt betroffen – auch dies kein Phänomen nur unserer Zeit. Die Ängste des Menschen sind vor allem vom Grade seiner Bildung, seinem erworbenen Wissen und dem Zugang zu Informationen und Lehrinhalten bestimmt. Genau deshalb werden (und wurden) bestimmte Informationen von weltlichen und geistlichen Managern der Macht – von Führern hierbei zu sprechen wäre sicherlich falsch, eher von Verführern – so hermetisch unter Verschluß gehalten. Genau deshalb wurde über Jahrhunderte in der katholischen Kirche lateinisch gesprochen und gelehrt. Bestimmtes Wissen ist bis heute der Masse vorenthalten. Auf diesem Boden gediehen Geheimgesellschaften, Orden und Bünde aller Art. ‚Kabbalismus’ wurde zum Synonym für nicht Jedermann zugängliche Informationen, und deren Verrat wurde (und wird) nicht selten mit dem Tode bestraft. Wer als Außenstehender hierüber spekuliert, wird als Häretiker beschimpft, der Teufelsanbetung geziehen oder als ‚Weltverschwörer’ verlächerlicht. Dabei können sich die ‚Gralshüter der Macht’ der weitgehenden Zustimmung der Masse durchaus sicher sein, denn nichts fürchtet die Masse mehr, nichts lehnt sie bereitwilliger ab, als die Unbequemheit ‚Neuen Denkens’, da dies regelmäßig mit dem schmerzlichen Eingeständnis eines bisher gepflegten Irrtums verbunden ist – wie peinlich! Lieber verharrt man in ‚Altem Denken’, traditionellen Überzeugungen und weiß sich dabei im schützenden Konsens mit der Mehrheit. Innere Zweifel werden dann im Kreis der Verwandtschaft, Gleichgesinnten, notfalls dem örtlichen Himmelsvertreter verdrängt und weggewischt.

Dabei fußt die Macht der mit speziellem Wissen ausgestatteten Zeitgenossen zu allermeist auf der Unwissenheit der Massen. Moses, ein schlauer Druide, verblüffte (und erschreckte) die armen Israeliten noch mit seiner Fähigkeit, einen Stab zur Schlange werden zu lassen. Dabei weiß heute jeder halbwegs Gebildete, daß es sich hierbei um eine in der Nachtkälte erstarrte (völlig ungiftige) Sandnatter handelte, die durch Moses’ „magische“ Handwärme flugs zu neuer Beweglichkeit fand.

Nun, solche Scharlatane können es auch heute noch weit bringen – in den Religionen wie auch in der Politik (nur heißen sie dann eben Bush, Blair oder SchrödFischer). Wichtig für diese System-schmarotzer ist nur ein entsprechendes Maß an Angepaßtheit, bedenkenloser Machthunger und – bitte schön – keinerlei Skrupel.

Zwar räumen in den reichen Industrieländern nur noch zunehmend wenige Menschen der Religion eine große Bedeutung ein, aber unterschwellig bestimmen gerade die mosaischen Religionen weit mehr unser alltägliches Leben, als wir dessen zumeist gewahr werden.

In einer Untersuchung des „The PEW Global Attitudes Project“ wurde u.a. die ‚Gläubigkeit’ der Menschen in 44 Ländern untersucht. Dabei ergab sich ein klares Verhältnis der Religiösität zur wirtschaftlichen Situation; je ärmer und sozialpolitisch unterentwickelter ein Volk ist, umso dominanter ist i.d.R. der Einfluß der jeweiligen Religion(en). So ergab die Umfrage z.B. für Indonesien (95%), Indien (92%), Bangladesh und die Philippinen (je 88%) und alle 10 untersuchten afrikanischen Länder (insbes. Senegal, Nigeria und Elfenbeinküste) jeweils Zustimmungswerte von über 80%. Auch in Guatemala (80%), Brasilien (77%) und Mexiko (57%) bzw. Argentinien (39%) beweist sich o.g. These. In UK (33%), Kanada (30%) und selbst dem katholischen Mutter-/Vaterland Italien (27%), Deutschland (21%) und Frankreich (11%) spielen Religionen – angeblich – nur eine geringe Rolle, und auch in Osteuropa (Polen 36%, Ukraine 35%, Rußland 14%, Bulgarien 12%, Tschechei 11%) und dem entwickelten Asien (Südkorea 24% und Japan 12%) bestätigt sich der „Hang“ zur Säkularisierung.

Erstaunliche Ausnahme: Die USA! 59% der US-Amerikaner messen der Religion eine hohe Bedeutung bei. Hier dürften die historische Entwicklung und ethnische Hintergründe, vor allem aber die enorme Durchsetzung der gesellschaftlichen Schlüsselfunktionen (Medien, Finanzen, Kommunikation, etc.) maßgebend sein. Nirgendwo spielen das Judentum, der Katholizismus und 130.000 (!) protestantische Splitterreligionen und Sekten (bis hin zur Heilsarmee) eine derart große Rolle. So leben z.B. 90% aller weltweiten „Kreationisten[15] und rund 85% aller Mormonen im gottgefälligen Amerika.

God bless it and them“.

Die Mesalliance[16] von Religion und Staat

Weltliche wie geistliche Machthaber suchen verständlicherweise nach Mitteln und Wegen, die in ihrem Einflußbereich Stehenden in (für sie selbst) bequemster und nachhaltigster Weise unter Kontrolle zu halten, um die Systemik ihrer Macht nicht gefährdet zu sehen. Hierbei wenden sie, wen mag es wundern, bestimmte Mechanismen an, die sie im Laufe der Jahrtausende zunehmend perfektionierten. Alle haben aber eines gemeinsam: Sie bedienen sich des gesprochenen Wortes und der Körpersprache (nonverbale Sprache). Auf letztere fallen wir herein, wenn wir auf martialische Gesten und Beteuerungen bzw. Interesse oder Bedenken signalisierende Mimik unserer Politiker und Gewerkschaftler hereinfallen. Vor allem aber hallen gesprochene Schlüsselworte, die sich mit dem Geist der Zeit wandeln, in unseren Köpfen nach, die den Auftrag haben, sich in unserem Bewußtsein einzunisten, uns von der Lauterkeit des Absenders zu überzeugen, ihm zu vertrauen. Hier befleißigen sich weltliche und religiöse Machtgierlinge verblüffend ähnlicher Vorgehensweisen, womit wir beim Ursprung der geistig/seelischen Korruption sind, deren Werkzeug die Manipulation ist[17].

Bereits in den Urzeiten menschlicher Rudelbildung formierte sich die Bipolarität der hiesigen, funktionalen wie auch der spirituellen Welt, die nach dem nicht greifbaren ‚Davor’ und ‚Danach’ frug. In diese Klammer zwischen ‚Hiesigem’ und ‚Jenseitigem’ galt/gilt es also, den Stamm, das Volk, die zu beherrschende Masse möglichst frühzeitig und dauerhaft einzubinden. Dem dienen die ‚Handbücher der Macht’[18], mit denen wir von Kindesbeinen an nach und nach zu leben lernen. Vieles dort Enthaltene hat zwar ganz zweifellos seine Berechtigung, das meiste spiegelt aber Banalitäten grundsätzlicher Regularität, ohne die ein Zusammenleben mehrerer Menschen schlicht unmöglich wäre, was hingegen keiner schriftlichen Erwähnung bedürfte, da sich auch des Lesens nicht mächtige Wirbeltiere höherer Ordnung bereits seit Jahrmillionen danach richten.

Da sich aber nun dies- und jenseitige Inhalte gegenseitig bedürfen, vielfach gemeinsame Interessens- und Handlungsfelder haben, spielt(e) sich der Kampf um die Macht jeweils vornehmlich zwischen den Vorturnern der Religion (beginnend bei den Medizinmännern und Druiden grauer Vorzeit, heute den Päpsten und Patriarchen, Rabbis und Ayathollas, Imamen und sonstigen Religionsführern) einerseits und der weltlichen Staatsmacht (früher Häuptlinge, später der Adel, heute Parteien) andererseits ab. Dauerhaft erfolgreich waren Reiche, die eine gute Verbindung beider Pole (und ihrer Seilschaften) zuwege brachten, oder sogar beide „Positionen“ in einer Person vereinten[19]. So tasten heutige Vertreter der beiden ‚christlichen’ Konfessionen tunlichst das Grundgesetz nicht an und Vertreter der politischen Parteien (manche führen gar im Parteinamen an, was sie in praxi nicht leben) geloben eilfertige Treue („so wahr mir Gott helfe“)[20].

Die frühzeitige Einübung in die zweckdienliche Religions- und Staatstreue erfolgt im Elternhaus und in der Familie[21], wo dazu meist nur wenig ausgebildete, aber bereits sattsam ins System eingebundene (V)Erwachsene Religion und Staat den systemfreundlichen Nachwuchs sichern und sukzessive zuführen sollen. Auch bei Kindergärten/-horten und Schulen arbeiten Religion und Staat (bisweilen auch mal zähneknirschend) Hand in Hand. Unis und Krankenhäuser, Forschungsstätten und Bibliotheken, Medien und Wohlfahrtsorganisationen – die o.g. konkordialen[22] Bündnispartner stützen sich in vereinender Machtgier trefflich und einigen sich bei etwaigen Mißverständnissen zumeist recht schnell. Noch viel gravierender und offensichtlicher als in den ‚christlich’ dominierten tritt dieses Phänomen in den Ländern der ‚Dritten Welt’, insbesondere den nord- und schwarzafrikanischen sowie den moslemischen Ländern Asiens und des Nahen Ostens zutage. So hält in Saudi-Arabien das dortige Herrscherhaus, ein Clan von etwa 30.000 Familienangehörigen der Nachfahren von Ibn Saud [(ca. o,12% der Bevölkerung, denen ca 95% des gesamten Reichtums des Landes gehören – mit geheimdienstlicher, finanzieller und militärischer Unterstützung der USA] ein ganzes Volk (noch) in Schach. Der König ist gleichzeitig Oberhaupt der Wahhabiten, die sich als die wahren Interpreten Mohammeds verstehen. Dort verzichtet man natürlich gleich ganz auf Parteien. Gottkönig Fahd Ibn Abdel-Aziz al Sa’ud hat seit 1982 als Staats-/Regierungs- und Religionschef (noch!) alles unter Kontrolle. Immerhin ist er ja auch „Beschützer“ der ‚heiligen’ Pilgerzentren Medina und Mekka. Nirgendwo weltweit herrscht ein vergleichbar rigides, in archaischer Enge erstarrtes System. Doch dürfte es bereits in naher Zukunft in Riad zum Umsturz kommen – was auch die USA sehr wohl befürchten. Auch unter diesem Aspekt – Saudi-Arabien und der Irak halten die beiden größten (bekannten) Erdölvorräte! – muß der gerade zu Ende gehende zweite Golfkrieg gesehen werden.

Kurz und zurück zum Thema: Es hat sich als sehr probat herausgestellt, die Macht im Lande auf zwei Säulen zu errichten. Beide – politische Parteien[23] [wenn’s geht nur zwei oder max. drei (um das Märchen von der ‚Demokratie’ aufrechtzuerhalten)] mit ihren subversiven Unterorganisationen und dem feingesponnenen wirtschaftlichen Netzwerk einerseits und die Jenseitsverwalter mit ihren himmlischen Strukturvertrieben andererseits – beäugen sich argwöhnisch, damit keiner sich erdreistet, in ‚Nachbars Garten’ zu wildern. Solange man (gemeinsam) das Volk unter Kontrolle hat, läuft’s für beide Seiten und ihre Heloten prächtig.

Die wirtschaftlich und sozialpolitsch katastrophale Lage der arabischen und der schwarz-afrikanischen, der lateinamerikanischen und asiatischen Entwicklungsländer ist eine direkte Folge der korrupten und brutalen Mesalliance der weltlichen und religiösen Machthaber der reichen Länder mit denen der armen. Von den Geldern der Weltbank und der „Entwicklungshilfe“ der Reichen fließt nahezu alles in die Taschen der Machthaber der Entwicklungsländer – und das wissen UNO, UNICEF, IWF und Weltbank nur zu gut.

Aber die Staats-/Religionsführer der sog. ‚Dritten Welt’, wo immer noch Abermillionen Hunger leiden, keinen Zugang zu sauberem Wasser und kaum Bildungsmöglichkeiten haben, arrangieren sich mit den Religions- und Staatsvertretern der reichen Welt vortrefflich. Sie bieten Bodenschätze, Erdöl und strategische (Militär-)Basen, sichern andererseits ihre eigene Macht durch Korruption und den Verrat an ihren Bevölkerungen. Ob es sich dabei um „gewählte“ Staatsoberhäupter oder Diktatoren handelt, ist dem Westen und den Religionen gleichermaßen völlig egal. Hauptsache ist die Erschließung neuer Absatzmärkte für Waffen und die Sicherung eigener Vorteile. Dabei mischen die Religionen aller Couleur völlig bedenkenlos mit[24]. Wer einmal mit einer wirklich humanitären Nicht-Regierungsorganisation (NGO) über längere Zeit (und mit tieferem Einblick) in Entwicklungsländern gearbeitet hat, wird mir sicherlich beipflichten, wenn ich behaupte, daß die übelste und wohl menschenverachtendste Form materieller, geistiger und emotionaler/spiritueller/seelischer Korruption in der ‚Zusammenarbeit’ der höchsten Gremien von Staaten und Religionen sowie der von ihnen geschaffenen internationalen Organisationen zu finden ist.

Kleiner Einschub: Zum besseren Verständnis der Perfidie der Zusammenarbeit der staatlichen und religiösen Machtinhaber stellen Sie sich ein Dreieck vor, dessen Basis links mit G (Geist, Verstand), rechts mit S (Seele, Spiritualität, Gefühlsleben) und dessen Spitze mit K (Körper, Funktionalität) gekennzeichnet wird. Nun können Sie sich (und jeden Mitmenschen) privat, beruflich und als Mitglied jedweder Sozialität in all Ihrem Tun und Treiben vollständig diesem Dreieck zuordnen: Für rein funktionale Tätigkeiten ist das K zuständig. Hier liegen neben dem Konsum-/Beauty-/Gesundheitswahn u.a. auch der gesetzliche Wehr-/Ersatzdienst, die Besteuerung, das Finanzwesen und die Abgabenordnung. Auf der KGVerbindungslinie finden wir das Schul-/Universitätswesen, die geltenden Gesetze und Verordnungen, aber auch die hehren „Leuchtreklamen“ der ‚Demokratie’, des ’Sozialstaates’, der ‚Chancengleichheit’ und ähnlicher Verlogenheiten. Auf der KS-Verbindung hingegen regieren die Religionen, deren Werbesprüche von ‚Nächstenliebe’, ‚Brüderlichkeit’ und ‚Gottesdienst’ künden.

Durch die (buchstäbliche) ‚Umschenkelung’ des Lebensdreieckes jedes Mitgliedes der Societas haben nun Staat und Religionen alles ‚fest im Griff’. Daß aber die wirkliche Entfaltung einer Individualität, Freiheit, eine autarke Lebensführung und –gestaltung geradewegs auf der GS-Verbindungslinie liegen, weiß kaum jemand[25]. Und wird er sich dessen bewußt, drängt er gar nach persönlicher Freiheit und Selbstverwirklichung, kollidiert er mit den ‚Schenkelmächten’, die alles brauchen können, nur keine selbständig/eigenverantwortlich denkfühlhandelnden’ BürgerInnen (wenngleich sie so gerne und oft davon fabulieren). Diese Kombattanten ‚genuiner Korruption’ und ihre willfährigen (und deshalb so vielfach privilegierten[26]) Lakaien und Büttel promotieren sich gegenseitig ständig und zu beiderseitigem Vorteil. So gäbe es ohne den freiheitswidrigen Einfluß der Kirchen in Deutschland schon längst keine Sonn– und Feiertagsarbeitsbeschränkungen mehr (vom weltweit einzigartigen Ladenschlußgesetz ganz abgesehen). Auch die Zwangskirchensteuer (sogar zulasten der Konfessions-losen, aber unter Ausschluß aller anderen Religionen), konfessionell gebundene (und deshalb so wenige private) Schulen u.v.m. gehörten der Vergangenheit an. Die Parteien [nebst der von ihnen durchseuchten „öffentlich-(un)rechtlichen“ Suborganisationen (incl. der Medien und rund 35.000 weiterer ‚weltlicher’ kommerzieller Unternehmen)] wiederum stellen ihre Tätigkeiten immer folgsam unter das ‚christliche’ Diktat der beiden großen Kirchen. Das ist in den USA und anderen Ländern zwar grundsätzlich ebenso, doch nirgendwo in derart zugespitztem Maße. Zudem verteilt sich die religiöse Klientel in den USA auf rund 130.000 Religionen, Sekten und himmlische Organisationen. All das, diese omnipräsente Indoktrination wird mit ‚staatlicher Fürsorgepflicht’ oder ‚Tradition’ (Kirchengebimmel, Muezzingeschrei, 5-malig tägliche Gebetspflicht, Fastenriten, religiöse Verklei-dungsvorschriften u.v.m.) sinnstiftend umschrieben, in Wahrheit dient es nur der gezielten Manifestierung der Macht und der allgegenwärtigen Zurschaustellung (und Abgrenzung) gegenüber Andersdenkenden.

Die perfide Machtpolitik der Religionen

Konzentrierten wir uns bislang vornehmlich auf die großen Weltreligionen (und hier besonders die monotheistischen), so wollen wir die (geschätzt) weltweit etwa 200.000 kleineren Religionen, Sekten und animistischen (Natur-) Religionen nicht ganz vergessen. So haben sich in fast allen, noch so kleinen Stämmen und Völkern dogmatische Religionen und spirituelle Ausprägungen entwickelt, die mit dem Abstrakten, Spirituellen, Außersinnlichen hantieren und das nichtweltlich-funktionale Leben und Erleben ihrer Menschen bestimmen. Alleine in den 54 afrikanischen Ländern zählen Ethnologen etwa 35.000 rituelle Entitäten, die uns von der „Aufklärung“ geprägten (nur vermeintlich ‚über den Dingen stehenden’) Europäer oftmals putzig und recht archaisch anmuten. Es dürften aber gerade diese ‚religiösen’ Mechanismen sein, die viele Stämme und Völker Afrikas, Lateinamerikas und weiter Teile Asiens noch in Bann halten, fürchterliche okkulte Riten vollziehen, barbarische Kriege führen und Massaker anrichten lassen. Denken Sie an Beschneidungen unterschiedlichster Art, das Femen menstruierender Frauen, die Tötung mißgebildeter Kinder, das Aussetzen Kranker und Sterbender, heute noch übliche Menschenopfer, die Beschneidung von Mädchen und Frauen (unter zumeist katastrophalen hygienischen Bedingungen), Zwangsheiraten, rituelle Vergewaltigungen und Witwen-verbrennungen (nicht nur in Indien!). Insbesondere dieses Verharren in vorzeitlich-gestrigem DenkFühlHandeln verwehrt vielen Millionen Menschen den Eintritt in die Moderne, eine Entwicklung der Individualität und das, was man Fortschritt nennen könnte. Es hält sie in archaischer Sklaverei und geistiger, emotional-spiritueller und funktional-wirtschaftlicher Abhängigkeit.

Keiner Kolonialmacht, die mit dem arroganten Anspruch der Überlegenheit ‚traditionell’ gepflegte Religiösität abzuschaffen und deren Ausübung unter Strafe zu stellen versuchte, ist die vollständige Ausrottung vieler dieser Riten und Gebräuche gelungen. Auch eine vor kurzem erschienene langjährige Studie schweizer Ethnologen kam zu dem Schluß, daß es oftmals gerade diese religiösen Verstrickungen (Hexenbann, Flüche) und Traditionen sind, die weite Teile Afrikas massiv am sozialen, wirtschaftlichen, politischen und intellektuellen Fortschritt hindern. Das gibt der vielfach geäußerten Meinung Nahrung, der Mensch benötige einfach eine Religion für seine eigene Identifikation, für sein Leben. Und in der Tat haben alle politischen Systeme, die ‚Gott’ zwangsweise abschaffen wollten – wie z.B. der Sozialismus/ Kommunismus oder diverse Diktaturen und Militärregime – regelmäßig Ärger bekommen. Entweder flüchteten sich die Menschen verstärkt in verschiedene Formen von Aberglauben (Rußland ist hierfür wohl das beste Beispiel), entwickelten Heldenbilder und gebaren Mythen und Kulte neuer Art (z.B. Falun Gong in China), oder der Rauschgift- und Alkoholkonsum stieg ins Unermeßliche. Eine ähnliche Tendenz gewärtigen wir in den Ländern, in denen sich die Menschen angewidert von den traditionellen Religionen abwenden und ihr ‚Heil’ in esoterischen[27] Zirkeln, spiritistischen Kongregationen, Satanismus und anderen Kulten suchen. Es scheint, als ob der Mensch auch nach Zehntausenden von Jahren geistiger Entwicklung noch nicht in der Lage ist, die Diskrepanz von rational determinierter Hiesigkeit und metaphysisch-spiritueller Abstraktion seiner Selbst in den Griff zu bekommen. Nun, das ist sicherlich keine Frage der Genetik, sondern zuvorderst eine adaptionistische Behinderung, die wir vor allem den Organisationen – deshalb nenne ich sie in höchstem Maße ‚korrupt’ [28] – zu verdanken haben, die jedes Interesse daran haben, den Menschen spirituell unselbständig, ängstlich und abhängig zu halten – den Religionen!

Religionsinhalte und -werte stellen quasi ‚per definitionem’ auf nichtbeweisbare Inhalte ab. Sie hantieren genau mit den Ängsten, Zweifeln und Unwägbarkeiten, denen sich der Mensch – aller Neugier und Kreativität, philosophischer Erkenntnisfähigkeit und wissenschaftlicher Erforschbarkeit zum Trotz – hilf- und erklärungslos gegenübersieht, seit er über ein hinterfragendes Bewußtsein verfügt. Damit reihen sich die Religionen – Mittel zum Zweck schieren Machterwerbs/-erhaltes – in die Phalanx der Ideologien ein, die – im Gegensatz zu Philosophien – nicht einen ethisch-geistigen Zugewinn, eine humanistisch orientierte Entwicklung beabsichtigen, sondern aus völlig egoistischen Motiven handeln und diese rücksichts- wie bedenkenlos einsetzen. Wo weltliche Ideologien (verpackt in den Spruchweisheiten und Programmen von Volksparteien und Gewerkschaften oder einzelner Volksbeglücker, wie z.B. Karl Marx) als „Heilsbringer“ materieller Sehnsüchte auftreten und auf möglichst primitiver, wenig Fachwissen, Sachverstand und eigenes Nachdenken fordernder Basis als „Rattenfänger“ fungieren[29], besetzen religiöse Ideolog(i)en den metaphysischen, spirituellen, seelischen „Kampfplatz“ der menschlichen Existenz. So sehr es der Mensch als Sieg des Verstandes betrachtet und empfindet, immer mehr über linksdrehende Milchsäuren, den uns umgebenden Kosmos und die intimsten Innereien des menschlichen Genoms zu erfahren, so unerklärlich und damit angsteinflößend ist ihm die Frage nach dem ‚Woher’, ‚Warum’ und ‚Wohin’, also das ganze Spektrum der ‚Kausalität’ der menschlichen, noch spezifischer: seiner eigenen Existenz.

Hierbei geht es nicht um reales, wissenschaftlich überprüfbares Wissen, sondern wissensfeindlichen Glauben. Dies erklärt, weshalb es sämtlichen Religionen seit jeher eifrigst darum zu tun war, störende Frager, neugierige Forscher, Zweifler und wirkliches Wissenschaffen-Wollende unter Kuratel zu stellen. Sie wurden bespitzelt und verfolgt, notfalls in Acht und Bann geschlagen, für ‚vogelfrei’ erklärt oder ermordet. Die ‚Kriminalgeschichte der Kirche’ läßt hier nichts aus und steht dem heutigen Auftreten des Islam und des Hinduismus in ihren jeweils fundamentalistischen Erscheinungsformen in nichts nach. Völker und Nationen galt es, auf den ‚einzig wahren, gottgefälligen Weg’ zu zwingen, zur Kasse zu bitten (um den Klerus, seinen Luxus und seine Raubzüge zu finanzieren). ‚Religiöse Moral’ wurde/wird zur Maxime irdischen Lebens und gottgefälliger Lebensführung mit himmlischem Pensionsanspruch erhoben, um damit von der Wiege bis zur Bahre alles unter Kontrolle zu behalten. Schulen und Universitäten, Lehre und Forschung, die Gestaltung des gesamten Lebens standen (und stehen) unter religiöser Dominanz; kein Wunder, daß es sich auch der Adel (heute Politiker) und sonstige weltliche Potentaten lieber nicht mit den göttlichen Stellvertretern verscherz(t)en, die sich munter in alles einmisch(t)en, was Macht, Prestige und fette Beute versprach/erwarten läßt. Im Namen des ‚Allmächtigen’ wurde schon seit jeher lustig intrigiert. Da wurden Kriege veranstaltet, Throne verschachert und das Volk gnadenlos ausgebeutet. Dazu dient(e) vor allem die ständige Bedrohung der intellektuell wie emotional kontrollierten Bevölkerung mit dem ‚himmlischen Strafgericht’ („Erlösung“) und ein fortwährend geschürtes ‚Sünder’-Bewußtsein. Hiervon zeugt(e) insbesondere eine perfide Sexualfeindlichkeit und ein geradezu perverses Frauenbild. Was die ‚christlich’-abendländischen Nationen heute dem Islam vorwerfen, praktizierten die ‚christlichen’ Kirchen über Jahrhunderte – teilweise auch noch heute – in nicht minder übler Form. Bis heute ist der weibliche Unterleib dem römischen Oberhirten ein arges Greuel. Er brandmarkt Empfängnisverhütung als Gotteslästerung, und selbst im Zuge einer Vergewaltigung gezeugte Kinder sind für ihn ein ‚Gottesgeschenk’. Die Frau hat, so will’s der ‚Herr’, nach wie vor dem Manne untertan zu sein und dementsprechend zu denken und zu leben. In welch archaischem Denken und unter welch katastrophalen, wahrlich menschenunwürdigen Verhältnissen noch heute in vielen afrikanischen, südostasiatischen und lateinamerikanischen Ländern eine nicht ernährbare Zahl von Kindern gezeugt wird, rührt den ‚pontifex’ kein bißchen. Beten hilft immer, mögen die sozialen, hygienischen und wirtschaftlichen Verhältnisse auch noch so himmelschreiend sein.

Auch im Judäismus finden wir ein ähnliches Denken (mit der Einschränkung einer freudvoller gelebten Sexualität), weswegen nicht erstaunt, daß die streng-orthodoxen Juden auf eine durchschnittliche Kinderzahl von 12 stolz sind, wobei bei fundamentalistischen Orthodoxen sogar eine weltliche Arbeit abgelehnt und gar staatliche Steuerzahlung strikt verweigert wird. Nun ja, dafür gibt es Almosen und staatliche Beihilfen, notfalls zapft man andere Nationen – die Deutschen werden hierfür immer gerne genommen – an. Im Gegenzug verleiht man dann Bundeskanzlern und Außenministern höchste jüdische Orden, die deren Eitelkeit bauchpinseln, auch wenn Andere – die korrumpierten BürgerInnen mit ihren Steuern – dafür bezahlen. Man muß nur mit dem ‚Judenstern’ winken (der gar keine Erfindung der Nationalsozialisten war) und die dunklen Zeiten der deutschen Vergangenheit anmahnen, schon rollt der Rubel (zumeist in die falschen Taschen).

Zurück zum ‚Jenseitsmonopol’: Auch die ‚christlichen’ Kirchen versprachen/garantieren Sponsoren, wackeren Gotteskriegern und reuigen Sündern postmortale Logenplätze und ewige Seeligkeit (obgleich, bei vernünftigem Nachdenken, wohl in der „Hölle“ wesentlich mehr los sein dürfte). Auf Beweise wird verzichtet; Glaube macht selig, ersetzt Wissen und unterbindet Fragen!

Angst war und ist es, worauf sämtliche Religionen ihre Reiche errichtet, womit sie ihre Macht gewahrt und diese ruchlos gegen die Menschen mißbraucht haben und es bis heute tun. Zwar gehen „moderne“ Seelenfänger, Patriarchen und Päpste „zeitgemäßer“, subtiler und weniger primitiv zuwerke, am grundsätzlichen Duktus und ihrem pervers-inhumanen Denken und Handeln hat sich nichts geändert. Das beweisen, den obigen Ergebnissen der Befragung zum Trotz, die Massenveranstaltungen zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten, Tauf-, Heirats- und Beerdigungszeremonien, ständige Lärmbelästigungen durch Glocken und Muezzine, ein staatlich geduldeter Drogenhandel (Weihrauch!) und ein klerikal-bestimmter Kalender, dem sich kein Politiker zu entziehen wagt. „Spätestens auf dem Totenbett wird auch der Ketzer fromm“, argwöhnte einst Nietzsche. Zumindest eben die überwältigende Masse.

Nur am Rande sei nochmals erwähnt, daß sich die ‚christlichen’ Religionen ausnahmslos heidnischer Symbole bedienen, es wissen nur die wenigsten ihrer ‚Schäfchen’, und die Bibel dürfte das meistgekaufte, in mehr als 2000 Sprachen übersetzte aber am wenigsten gelesene Buch der Weltliteratur sein. Andererseits: Einzelne Koranverse auswendig zu lernen, macht einen Menschen noch nicht zum Alphabeten, und wer seinen Kopf zu oft gegen eine [Klage(?)-] Mauer schlägt, muß einen ‚Dachschaden’ gewärtigen.

„Die Bibel ist Sprengstoff für unser Leben. So hat ihre Lektüre in allen Jahrhunderten immer wieder das Leben von Menschen verwandelt.“

Kardinal Karl Lehmann
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Unser Kommentar: Das vierte Wort ist wohl das entscheidende. Das haben ideologische Kampfschriften – z.B. auch der Talmud und der Koran, aber auch ‚Das Manifest’, ‚Mein Kampf’ und Maos ‚Rotes Buch’ generell so an sich.

Was ist denn nun aber „GOTT“?

Eine allgemeingültige Antwort muß ich Ihnen hier schuldig bleiben, denn jeder definiert diesen Begriff für sich selbst ganz individuell (wenn er/sie sich überhaupt die Mühe macht, darüber länger nachzudenken).

Den meisten genügt es, von den Religionen ‚in Ruhe gelassen’ zu werden. Sie genießen die kalendarisch verordneten Feiertage, halten sich aber aus dem Rummel ansonsten weitestgehend heraus. Wenn die Steuerlast zu hoch wird, treten sie aus dem Verein aus (außer, sie wohnen auf Dörfern, wo die ‚political correctness’ aufjault, wenn ein ‚Schäfchen’ den Pferch verläßt). Doch zunehmend zeigen auch Kleinstädter Mut (den man in der Anonymität der Großstadt nicht benötigt), oder ihre Kirchenzwangsabgabe wächst exorbitant. Andererseits kann man als Gutverdiener mit den ‚Himmelsexperten’ auch über eine Abweichung vom üblichen Obolus verhandeln. Für Reiche geben die Kirchen, marktwirtschaftlich bestens geschult, auch Rabatt.

Viele sind traditionell, von Kindesbeinen an so nachhaltig ‚gläubig’ erzogen und trainiert, daß sie Obrigkeiten institutioneller Couleur einfach das Recht einräumen, ihr DenkFühlHandeln zu regeln und zu beherrschen. Diese Menschen lieben Religionen und Staat besonders. Sie hinterfragen nicht, erweisen sich als pflegeleicht und gut handhabbar („good guy“) und, wie dereinst Luther forderte, „mit sich, dem Staat und Gott im Reinen“. Dazwischen tummeln sich alle Mischarten von halbherzig Aufbegehrenden (Feiertage werden trotzdem gefeiert), Verängstigten, die dem Thema lieber ausweichen und Kecken, die sich in die jeweils angesagte esoterische oder realphilosophische Üblichkeitsecke kuscheln.

Für mich, falls das jemanden interessiert, ist Gott (und ‚Göttlichkeit’) ein Synonym für die saubere und klare Ausprägung meiner eigenen Authentizität, den Grad meiner Selbstverwirklichung auf der geistig-emotional-spirituellen Verbindungslinie[30] von ‚Geist’ und ‚Seele’, also das Maß, mit dem ich meine eigenen Fähigkeiten einsetze und zu erweitern/verbessern suche, um diese für mich und mein Umfeld dienlich zu nutzen. Je mehr ich also meine genetisch und adaptiv ‚verliehenen’ Stärken ausbaue und verantwortungsbewußt einsetze, desto mehr entspreche ich[31] dem, was ich als ‚Logik der Natur’, als ‚Gott-gemäße’ Lebensführung bezeichne. Regulativ hierbei ist für mich die Ethik, die mir endogen und unbestechlich zu jeder Zeit signalisiert, was richtig – im Sinne von authentisch, sauber und ehrenwert – ist. Man könnte dieses Moral-unabhängige ‚Ethos’ auch schlicht als ‚Gewissen’ bezeichnen. Ich nehme dabei klaglos in Kauf, daß ich bis zum Ende meiner Tage nicht alles wissen und verstehen werde, so z.B. und unter vielem anderen auch, wie und wann dieser Kosmos schlußendlich aufs Reißbrett gezogen wurde und wer/was ihn zu welchem Stichtag letztlich auflösen wird. Ich verzweifele aber auch nicht ob der Tatsache, daß mir der Aufbau von Quarks und deren Masse erhebliche Schwierigkeiten bereitet und ich mich (manchmal bedauerlicherweise) als technisches Rindvieh bezeichnen muß.

Wichtig scheint mir vor allem die Bereitschaft und der Mut, Fragen zu stellen, mich nicht mit Gegebenem sanctum sanctorum zufrieden zu geben und die Gestaltung meines Lebens selbst-verantwortlich zu übernehmen, statt mich unter exogen definierte Parameter zu stellen bzw. stellen zu lassen. Wer aufhört, zu fragen und weiter zu lernen, wird zum perfekten Opfer der staatlichen und religiösen Korruption. Natürlich verzichtet man dafür auf die Ehrungen des Systems (das Bundesverdienstkreuz und die Heiligsprechung), aber damit kann ich gut leben.

In diesem ‚Bild’ ist auch sehr wohl Platz für ‚Engel’. Ich rede dabei nicht von ‚himmlischen Heerscharen’, die unter der Leitung der (christlichen) vier Erzengel ihre jeweiligen Günstlinge küren und ansonsten als eine Art ‚öffentlicher Dienst’ des obersten himmlischen Generalstabs’ fungieren. Meine Engel sind Menschen, die mich gedanklich liebevoll und kritisch begleiten, mir Ratgeber, Mahner und Vorbild sind, mich verstehen lassen und trösten – auch wenn sie teilweise gar nicht mehr leben und ich sie vielleicht gar nur aus Erzählungen und Biographien kenne und verinnerlicht habe.

Der „natürliche“ (in Wahrheit von menschlichem Ungeist gezeugte) Feind der ‚Ethik’ ist hingegen die ‚Moral’, das Komplexum exogen oktroyierter „Pflichten“, vorgegebener Denk- und Handlungsmuster, denen sich der ‚brave’ Bürger – unter Verrat seiner Ethik – zu unterstellen habe, um damit im Sinne des Systems zu handeln.

Dem sich zu verweigern ist oftmals schwierig, unbequem und bisweilen mit erheblichen Nachteilen, Konfrontation, Ablehnung und Vorwurf verbunden, da es nicht dem ‚mainstream’, der ‚social’ und ‚political correctness’ entspricht. Für mich ist das aber eine Frage der Authentizität, individueller Selbstverantwortlichkeit und souveräner Lebensgestaltung. Angemaßte, institutionell vorgegebene Autorität hat dann natürlich keinen Platz mehr, umso mehr aber Treue, Mut und Klarheit. Ich stelle mich damit, ich weiß, außerhalb der konventionellen ‚Moral’, dafür halte ich hingegen sehr viel von ‚Ethik’, dem natürlichen Regulativ in jedem von uns, das uns ganz genau und unüberhörbar signalisiert, was ‚richtig’ und ‚falsch’, ‚sauber’ und ‚ehrlich’ ist. Von exogen verordneter Göttlichkeit, heilsversprechender „Erlösung“ bei einer dem System dienlichen Lebensweise und zugunsten einer Kaste von Psychoterror verbreitenden Korrupteuren – seien sie weltlich oder jenseitig – halte ich weniger als gar nichts[32].

Summa summarum: Ja, ich halte die Religionen für die ältesten, menschenfeindlichsten und inhumansten Korruptionskartelle der menschlichen Geschichte. Jetzt habe ich mich ‚geoutet’!

Die Sklaverei fesselt viele Menschen, doch weitaus mehr Menschen fesseln sich in Selbstversklavung.

Seneca
(4 v. Chr. bis 65 n. Chr.)

Solange es Religionen gibt, wird es keinen Frieden geben.

Spätestens mit dieser These werde ich es mir mit einigen LeserInnen gründlich verderben, aber lassen Sie mich zumindest erläutern, was ich damit meine.

Jede der Religionen – und das gilt nicht nur für die monotheistischen – wähnt sich im Besitz des alleinseligmachenden ‚Grals’, des einzig wahren Glaubens. Diese egozentrische, geradezu obsessive ‚Überzeugung’ äußert sich in einer pathologischen Überhöhung des eigenen Wertekatalogs, einer egomanen Intoleranz jeder anderen Religiösität gegenüber und einer unbeugsamen Versperrtheit, die sich, jedem wirklich ökumenischen Denken zum Hohn, auf keinerlei Kompromisse einläßt. So ruft der ‚Heilige römische Stuhl’ regelmäßig zum ‚Frieden in der Welt’ auf, nicht ohne gleichzeitig den römisch-katholischen als den ‚einzig wahren Glauben’ zu postulieren und einzufordern. Wundert uns da noch, daß dies Islam, Judentum und sämtliche Orthodoxen, aber auch Hindus und Sikhs in gleicher Weise und mit gleicher „Berechtigung“ tun?

Auch ein „eucharistischer Generalkonvent“, auf dem sich alle Religionen (selbst wenn nur die großen) auf ein ‚religiöses Grundkonzept’ einigen sollten, wie dies der von Rom geschaßte orthodoxe Querdenker (eigentlich ein Paradoxon in sich!) Hans Küng fordert, ist zum einen naiver Kinderglaube, zum anderen würde dies das Problem gar nicht lösen, da jede Religion auf die zutiefst korrupte (emotionale und seelische) Vergewaltigung und Manipulation der Menschen angewiesen ist, um überhaupt überleben zu können. Welche Religion wäre dazu bereit, würde sie sich doch damit selbst das Lebenslicht ausblasen!

Mit der katholischen Kirche ist es ähnlich, wie mit deren weltlichem Pendant, den USA; auch die Vereinigten Staaten sehen sich als die Nr. 1 der Welt. Der amerikanische Präsident muß sich nicht um seine Wähler scheren, die sind mit ein paar Eimern Popcorn, hübschen cheerleaders, Paraden und Show-haftem Gepränge bei Laune zu halten – notfalls stimmt man die Nationalhymne an. Aber neben der fest in chasarisch-jüdischer Hand [33] befindlichen Finanzwelt darf er es sich um alles in der Welt nicht mit den christlichen Kirchen, dem Jewish World Council und mit den Mormonen verderben. Jede andere ‚Schweinerei’ wird ihm eher verziehen.

Die Religionen beherrschen in eifersüchtiger, weltlich-hiesiger Weise Schulen und Universitäten, das Finanz- (und damit das Börsen-) Wesen, die schreibenden/sendenden Medien und sie unterhalten sogar ihre eigenen Geheimdienste. Das Kanzelwort, den Spruch des Imam und den gewährten (oder verweigerten) Segen des jeweiligen Religionsführers fürchtet(e noch) jeder weltliche Herrscher. So würde weder hierzulande, noch in den USA, anderen Ländern Europas, Asiens, des Nahen Ostens oder Australiens ein erklärter Atheist zu höheren politischen Ämtern oder Würden gelangen.

Die Religionen mischen – teils offensichtlich, teils subtil und heimlich, aber immer bestens informiert und ohne die geringsten Skrupel – in der nationalen und internationalen Politik mit. An ihrem ‚Placet’ kommt keine weltliche Macht vorbei. Ob es um die Verteidigung eigener Landesgrenzen oder die Annektierung eines fremden Gebietes – mit Blick auf dessen Bodenschätze oder Märkte, strategische Allianzen oder die Ablenkung von innenpolitischen Problemen – geht, ohne Zustimmung der Religionen läuft gar nichts. Hierbei achten die Religionen sehr argwöhnisch darauf, daß über den weltlichen Motiven auch ihre ureigenen Interessen bedient, ihre Vorteile gewahrt werden und lauern, was für sie dabei herausspringt. Von gierigem Machthunger geprägte Interessen sind jedoch Gift für jeden wirklichen Frieden und ein tolerantes Miteinander, nur aus dem heraus ein gegenseitiges Verstehen, von-einander-Lernen und wahrer Humanismus erwachsen können.

Drohungen und Rache, Brutalität und giftiger Neid, arrogante Selbstherrlichkeit und ein gnadenloser(!) Machthunger, unbeugsame Intoleranz und zynische Menschenverachtung sind die fundamentalen ‚Bausteine’ aller existierenden Religionen – mögen sie auch noch so inbrünstig schmachtend von seligmachender Nächstenliebe, Frieden und Freiheit faseln. Erst mit der Befreiung von den Ängsten, auf denen die Macht der Religionen allsamt fußt, wird der Mensch in der Lage sein, sich wirklich zu dem zu entwickeln, was – als Geschenk der Natur – in ihm schlummert. Erst in der friedlichen Koexistenz seiner geistig-rationalen Fähigkeiten einerseits und seiner seelisch-spirituellen, emotionalen Kräfte andererseits – beides gilt es liebevoll, angstfrei und nach den Prinzipien von Neugier, Interesse und Lust zu fördern – sowie aus einer daraus entwickelten Kooperation kann eine wirklich authentische, angstfreie Zukunftsfähigkeit der Spezies ‚Mensch’, der Völker und Nationen und ein verantwortungsvoller Umgang mit der gesamten belebten und unbelebten Natur entstehen. Erst das Ende des ‚Zeitalters der Religionen’ wird uns Menschen zukunftsfähig werden lassen.

Und dafür gibt es deutliche Anzeichen der Hoffnung – sowohl auf weltlicher als auch auf religiöser Basis: Religiös motivierter Fanatismus, Fragen unterbindende Ideologien und profane Gier werden à la longue dem wachsenden Informationsbedürfnis, enger vernetzten Kommunikationsmöglichkeiten und dem damit einhergehenden Wandel des Selbstbildes kommender Generationen Rechnung tragen müssen, wozu sie aber per definitionem nicht in der Lage sind. Der heute diskutierte ‚clash of civilizations’ wird zu einem Überlebenskampf der staatlichen und religiösen Gestrigkeit. Auch die zahlenmäßigen Verschiebungen der Rassen und Völker (Geburtenraten in den nicht-europäischen Ländern und Kontinenten, speziell in den Entwicklungsländern) und eine noch zunehmende Migration aus den armen in die reichen Länder werden Religionen wie weltliche Kartelle vor wachsende Probleme stellen, für die sie allesamt keine Lösungen parat haben.

Die generelle Friedensunwilligkeit und -unfähigkeit sämtlicher heutiger Religionen (und ihrer weltlichen Äquivalente) wird zu einem unweigerlichen Zusammenbruch der derzeit noch so uneinsichtigen Machtstrukturen führen – ähnlich (und so relativ überraschend schnell) wie wir dies bei früheren Weltreichen (und jüngst am Beispiel des ‚real existierenden Sozialismus’ und der DDR) erleben konnten.

Dies wird das längst versprochene Zeitalter des ‚Neuen Denkens’ des ‚Age of Aquarius/Wassermann’ sein und eine Chance zu einem Aufbruch in eine Zukunft bieten, die nur der zu fürchten hat, der heute noch Anderen das Denken und Handeln überläßt, weil er selbst dafür zu feige und zu bequem ist.

Tempora mutantur!

H.-W. Graf

Auch als Broschüre erhältlich gegen eine Übersendung von 5,-€ inkl. Porto an den PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.

Literaturliste:

  • Gary Allen, Die Insider – Wohltäter oder Diktatoren, VAP, Wiesbaden, 1974;
  • Karl-Otto Apel, Hermeneutik und Ideologiekritik, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt, 1971;
  • J.J. Benitetz, Operation Jesus, Scherz-Verlag, 1993;
  • Le Bon, Psychologie der Massen, Kröner-Verlag, Stuttgart, 1911;
  • Dr. Valmar Cramer, Der Ritterorden vom heiligen Grabe – Von den Kreuzzügen bis zur Gegenwart, Verlag J.P. Bachem, Köln, 1952;
  • Prof. Robert Eisenmann/Prof. Michael Wise, Jesus und die Urchristen – Die Qumran-Rollen entschlüsselt, Bertelsmann-Verlag, München, 1993;
  • Norman G. Finkelstein, Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern – Mythos und Realität, Hugendubel Verlag, 2002;
  • John Kenneth Galbraith, Anatomie der Macht, C. Bertelsmann Verlag, München, 1987
  • Hans-Wolff Graf, Die Macht der Information, Deutscher Bundesverband für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik (DBSFS) e.V., Brahmsstr. 24 a, 81677 München;
  • Hans-Wolff Graf, Korruption – Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens, Fouqué Literaturverlag, Egelsbach, 2000;
  • Hans-Wolff Graf, Souveränität als Lebensmaxime, Deutscher Bundesverband für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik (DBSFS) e.V., Brahmsstr. 24 a, 81677 München;
  • Hans-Wolff Graf, The Path Toward Global Survival – A Social and Economic Study of 162 Countries, World Futures/General Evolution Research Group, Gordon and Breach Publishers, 1995;
  • U. Haselstein, Entziffernde Hermeneutik – Zum Begriff der Lektüre in der psychoanalytischen Theorie des Unbewußten (Dissertation), Konstanz, 1988;
  • Horst Herrmann, Die Kirche und unser Geld – Daten, Tatsachen, Hintergründe, Rasch und Röhring Verlag, 1990;
  • Horst Herrmann, Kirchenfürsten – Zwischen Hirtenwort und Schäferstündchen, Rasch und Röhring Verlag, 1992;
  • Peter Hertel, Ich verspreche Euch den Himmel – Geistlicher Anspruch, gesellschaftliche Ziele und kirchliche Bedeutung des OPUS DEI, Patmos Verlag, Düsseldorf, 1991;
  • Peter von der Heydt, Schuldenmacher und Verschwender – Gutes Geld in öffentlichen Händen, Mittler-Verlag, 1995;
  • Julian Jaynes, Der Ursprung des Bewußtseins, rororo Sachbuch, 1990;
  • Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung, Insel-Verlag, 1987;
  • Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, 1781/87;
  • Holger Kersten/Elmar R. Gruber, Das Jesus-Komplott, Langen-Müller Verlag, 1992;
  • Egmont Koch/Oliver Schröm, Das Geheimnis der Ritter vom heiligen Grabe – Die fünfte Kolonne des Vatikans, Verlag Hoffmann und Kampe 1995;
  • Lincoln Baigenent Leigh, Der heilige Gral und seine Erben – Ursprung und Gegenwart eines geheimen Ordens. Sein Wissen und seine Macht, Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, 1982;
  • H. Luepke, Historische Fälschungen als Werkzeug der Politik, Berlin, 1962;
  • Walter Michler, Weisbuch Afrika, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., 1991;
  • Ernst Pöppel, Lust und Schmerz – Über den Ursprung der Welt im Gehirn, Sammlung Siedler, 1991;
  • Horst-Eberhard Richter, Die hohe Kunst der Korruption – Erkenntnisse eines Politikberaters, Hoffmann und Kampe Verlag, Hamburg, 1989;
  • J.M. Robinson/J.B. Cobb, The New Hermeneutic, Zürich, 1965;
  • Hans See, Kapitalverbrechen – Die Verwirtschaftung der Moral, Claasen-Verlag, 1994;
  • Karl Steinbuch, Unsere manipulierte Demokratie, Seewald-Verlag 1990;
  • Gordon Thomas/Max Morgan-Bitts, Der Vatikan – Mechanismen kirchlicher Macht, enthüllt am Schicksal und Wirken von drei Päpsten (Paul VI, Johannes Paul I, Johannes Paul II), Diana-Verlag, Zürich, 1984;
  • Gordon Urquhart, Im Namen des Papstes – die verschwiegenen Truppen des Vatikans, Droemer-Knaur-Verlag, 1995;
  • Pete Vroon, Drei Hirne im Kopf – Warum wir nicht hören können, wie wir wollen, Kreuz-Verlag, Zürich, 1993;
  • B.R. Wachterhauser, Hermeneutics and modern Philosophy, Albany-Verlag, 1986;
  • David A. Yallop, Die Verschwörung der Lügner, Drömer`sche Verlagsanstalt, 1993;
  • David A. Yallop, Im Namen Gottes? – Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I., Tatsachen und Hintergründe, Droemer-Knaur, 1984;
  • Alfred Zänker, Die Krieger Christi – Heimtücke, Korruption, Machtgier, Mafia: Die schwarze Kolonne des Papstes, Artikel aus „Playboy“ (Deutschland), Juni 1995;
  • Gladio – Die Verquickung von Nato, Bundesnachrichtendienst, Vatikan, P2-Loge und Licio Gelli (Artikelsammlung deutschsprachiger Zeitungen zwischen Oktober 1990 und Dezember 1992)

[1] Judäismus, Christentum und Islam

[2] der weise/wissende Mensch

[3] unklug (vulgo: dumm)

[4] Grundlage der klandestinen Vereinbarung der wirklich mächtigen Interessensgruppen dieser Welt, sich den Menschen untertan, lenk- und berechenbar zu machen. Neben den funktionalen Werkzeugen und Schlüsselindustrien (Kommunikations-/Informationswesen, Medien, Bodenschätze, Energie und Nahrungsmittel) spielen hierbei die Religionen eine zentrale Rolle.

[5] religare (alt: relegere ,bzw. lex: das Gesetz): zurück-/auf-/anbinden, dem Gesetz verpflichten, anspannen, in Bedenken halten

[6] der aufrecht gehende Mensch

[7] daher die Bezeichnung ‚mosaische Religionen’ für das Judentum, das Christentum und den Islam

[8] quasi der ‚Leitfaden’ zum Verständnis der göttlichen Doktrin (altes Testament) nach jüdischem Glauben

[9] fascis, (lat.: die Fackel). Ein Faschist ist quasi der ‚Fackelträger (der Wahrheit)’, dem es zu folgen gilt, will man nicht ‚im Dunkeln, alleingelassen’ herumstehen. Als Faschismus ist demnach ein höchst intolerantes

Vertreten einer Denkrichtung zu verstehen. Interessant hierzu: Wie faschistisch ist die Antifa’?

[10] womit klar die Tatbestände der „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ (§129 StGB) und „Verunglimpfung einer fremden Religions-/Glaubensgemeinschaft“ (§166 StGB) erfüllt sind

[11] gemeint ist hier Gottfried von Bouillon, der in fanatischer Weise zum ersten Kreuzzug (1099) aufrief

[12] nur pars pro toto: Irland und zwei Dutzend afrikanischer und nahöstlicher Staaten (incl. Sklavenhandel), die Genozide in beiden amerikanischen Kontinenten, weiten Teilen (Südost-) Asiens, die Verheerung Europas im 17. Jhrt., etc

[13] So gehört etwa die Hälfte des oberen Managements z.B. des Daimler-Chrysler Konzerns in Sindelfingen den Neuapostolikern an. Erwähnt werden sollen hier auch die Freimaurer sowie Bünde und Logen aller Art.

[14] Interessanterweise haben Reiche wissenschaftlich erwiesenermaßen höhere Verlustängste als Ärmere.

[15]Anhänger der orthodoxen Überzeugung, der gesamte Kosmos sei tatsächlich von einem Gott in sieben Tagen (incl. Ruhetag, der dem Bewundern des eigenen Werkes diente) geschaffen worden.

[16] Eigentlich Mißheirat, hier als Zweckheirat/-ehe zu verstehen.

[17] Im genuinen Verständnis geht es bei Korruption regelmäßig um materielle Vorteile (das sagen sogar der Duden und seine internationalen ‚Verwandten’). In Wahrheit sind die Einfallstore zur Korruption aber die ‚Desinformationen’, die uns von Kindesbeinen an geliefert werden (sh.: Literaturverzeichnis: „Korruption – die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“).

[18] Grundgesetze und Verfassungen, aber auch Religionsstatuten wie der Talmud, die Bibel und der Koran.

[19] z.B. die Gottkönige (Pharaonen), das brit. Königshaus (ab dem 17.Jhrt).oder heutige islamische „Republiken“.

[20] Verstöße gegen den Amtseid sind seit Kohl nicht strafbewehrt, da sie laut Bundesverfassungsgericht ‚keine richtigen Eide’ sind. Na ja, hoffentlich hält sich dereinst auch das himmlische Gericht an die Vorgaben des BVerfG.

[21] Interessanterweise geht das Wort etymologisch auf das lateinische ‚famis’ (‚Hunger’) zurück, die Familie ist also viel weiterreichender als ‚Versorgungsgemeinschaft’ zu verstehen.

[22] Konkordat – [lat.: ‚im Herzen (‚cor’) vereint’]; das nur noch in Deutschland gültige Konkordat geht auf einen Vertrag zwischen Papst Pius XI und Adolf Hitler zurück!

[23] Der Leser darf hierbei (und in Deutschland mehr als weltweit anderswo) auch die Gewerkschaften getrost mit einbeziehen.

[24] Sh.: StudieUnsere Welt“, eine sozial- und wirtschaftspolitische Studie über 180 Länder, DBSFS, München undKorruption – die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“, Fouque-Verlag

[25] Hier liegt u.a. auch der Unterschied zwischen Religionen (die moslemischen, der Hinduismus,etc.) und Philosophien/ Weltanschauungen (Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus,etc.).

[26] auch das himmlische Bodenpersonal ist natürlich dem deutschen Beamtenrecht sozial gleichgestellt (teilweise sogar noch besser versorgt)!

[27] Wobei die meisten Esoteriker den ursprünglichen Sinn dieses Begriffes weder kennen noch verstehen.

[28] Korruption – die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“, Fouque-Verlag,

[29] Maßgebend für den ‚Erfolg’ ist dann nur noch, den ‚ Nerv der Zeit’ genau im richtigen Moment zu treffen.

[30]Das Lebensdreieck“, bestehend aus „Körper“, „Geistund „Seele (die beiden letzteren bilden seine Basis), aus dem Seminarprogramm der ‚pAS – private Akademie für die Selbständigkeit’, München

[31] Das hat nur marginal mit Kantskategorischem Imperativ’ zu tun, der im übrigen nicht sonderlich originell war; Heraklit, Sokrates und Perikles formulierten dieses Erfordernis menschlicher Qualitätsreifung schon zwei Jahrtausende vor Kant. Nur sprach Kant eben kein Altgriechisch.

[32] Für weitere Fragen zu meiner Lebensphilosophie stehe ich gerne persönlich zur Verfügung

[33] der ältere Name für die Ashkenasi, die im Gegensatz zu den wirklich semitischen sephardischen Juden gar nicht semitischen Ursprungs sind, sondern als Turkvolk auf ihrem Zug nach Westen in Osteuropa landeten.