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4. Juni 2013

Rücksetzer oder beginnender Absturz?

4. Juni 2013|Gesellschaft, Politik|Kommentare deaktiviert für Rücksetzer oder beginnender Absturz?

Wer in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai (als Nacht-Eule, wie ich eine bin) die Märkte in Asien verfolgt hat, könnte erschrecken: – 7,3% beim Nikkei, – 2% in Sidney, und auch die übrigen asiatischen Börsen schwächelten.
Prompt reagierten dann auch erst die europäischen, dann die Börsen in Nord- und (eingeschränkt) in Südamerika mit respektablen Rückschlägen.
Nun, wir halten dies für einen (wenngleich etwas überzogenen) Rücksetzer, nicht jedoch für einen beginnenden Trend nach „Süden“. Auch im Weiteren rechnen wir mit einem zunehmenden Spread zwischen der realwirtschaftlichen und der politischen Welt; letztere wird getrieben von Politikern, die auf Gedeih und Verderb „ihr“ EURO-Projekt erzwingen wollen, und von Notenbanken befeuert, deren Druckmaschinen längst heißlaufen – etwa 6 Billionen US-Dollar im internen Bankenkreislauf schielen weltweit nach Anlagemöglichkeiten.
Fernab der sozial- und fiskal-politischen Realität geht es den Politikern ausschließlich um die Durchsetzung ihrer eigenen Ziele, und dazu ist ihnen – ohne Rücksicht auf ihre Bevölkerung – wirklich jedes Mittel recht; mögen die Arbeitslosenzahlen im gleichen Maße steigen (EU-weit: 12,7%), wie die Großindustrie Arbeitsplätze abbaut und ins billigere Ausland verlagert; was kümmert Ben Bernanke, daß mittlerweile jeder vierte Haushalt in den USA Essensmarken bezieht. Am Mittwoch verlautbarte er vollmundig: „Premature tightening would endanger the recovery.“ („Ein vorzeitiges Zurückfahren der Geldmenge würde die wirtschaftliche Erholung gefährden“.)

Völlig anders die realpolitische Welt: In sämtlichen Ländern der EU (also beileibe nicht nur in den „Peripherie“staaten) ist jegliches Vertrauen in die Politiker auf dem Tiefpunkt angekommen; mutmaßlich würde bei demokratischen Volksabstimmungen kaum ein Land in der EU verbleiben. Wer kann, zieht ohnehin geplante Käufe einem Sparen vor (selbst die „sparwütigen“ Deutschen weisen die niedrigste Sparquote seit neun Jahren auf), investiert in Immobilien, den Ausbau/Umbau seiner Immobilie, eine neue Küche oder Möbel sowie (ganz Mutige) in Gold und Silber, die derzeit zwischen 12 und 20% ihrer Höchststände eingebüßt haben.
Die Menschen bangen um ihre Jobs und Arbeitsplätze, versuchen aber, sich mit der gegebenen Situation zu arrangieren – je nach Lebenseinstellung und Temperament.

Daß Anlagen in Geldwerte – Festgelder, Lebens- und Rentenversicherungen, Sparbücher, Anleihen und Obligationen – realiter (nach Steuern und abzüglich der Inflationsrate) ein klares Verlustgeschäft sind, spricht sich immer mehr herum, aber noch ist bei vielen Menschen die Angst größer als das Wissen um Zusammenhänge.
Alles spricht für Sachwerte. Immerhin hat Bill Gross, Manager des größten Rentenfonds der Welt, die 30-jährige (!) Renten-Hausse am 29. April für beendet erklärt. Und die langfristigen Zinsen sprechen eine deutliche Sprache: So erzielen 10-jährige Staatsanleihen nur noch zwischen 0,6% (Schweiz) über 1,47% (Deutschland) bis zu 2,01% (USA). Und selbst die Staatsanleihen der Südländer (Spanien: 4,16%, Italien: 3,9%, Portugal: 5,17% und Griechenland: 7,95%) rentieren – dank der überbordenden Versorgung mit EZB-Mitteln – inzwischen wieder nur noch einstellig.
Die derzeitige „Hängepartie“ zwischen Realwirtschaft und politischer Fiktion wird uns wohl noch bis zum 22. September 2013 begleiten. Spätestens dann jedoch, wenn die Würfel gefallen sein werden, dürften politisch längst ausgearbeitete Pläne aus den Schubladen gezogen werden.
Wie wir aus gut unterrichteten Quellen erfahren haben, geben inzwischen Parlamentarier ihren Verwandten und Freunden bereits den Tip, ihre derzeit noch bei Banken befindlichen Guthaben und Festgelder „zu überprüfen“; ein recht deutlicher Hinweis darauf, daß wir nach der Wahl Überraschungen gewärtigen dürfen.

Sicherlich am besten und zukunftssichersten fährt, wer nicht nur in Sachwerte investiert, sondern darüber hinaus darauf achtet, daß seine Anlagen vor dem Zugriff Dritter (staatliche Eingriffe, Emittenten-Risiken und singuläre Risiken) bestmöglich geschützt sind. Die Verwahrung in Sondervermögen (also Crash-gesichert), das (rechtsgesicherte) Depotbankenprinzip, eine tägliche Verfügbarkeit (die Schwachstelle von Immobilien; auf Grundbücher und immobile Vermögen hat der Staat jederzeit Zugriff) sowie eine breite Streuung sind sicherlich die (relativ) beste Absicherung gegen Vermögensverfall, staatliche Eingriffe und politische Überraschungen. Genau diese vier zentralen Schutzmechanismen bieten Investmentfonds. Aber der brave Deutsche vertraut traditionell immer noch (staatlichen) Geldwerten mehr als Sachwerten – jenseits aller Erfahrungen in der Vergangenheit.

H.-W. Graf

14. Mai 2013

GEMERKELT – dieser Journalist beweist Mut

14. Mai 2013|Gesellschaft, Politik|Kommentare deaktiviert für GEMERKELT – dieser Journalist beweist Mut

Donnerwetter! Chapeau, Herr Kollege Ueberbach!

Ein mutiger Journalist, der wider den Stachel löckt, obgleich er öff.-(un)rechtl. Bediensteter ist!


Diesen offenen Brief sendete ARD-Korrespondent Stephan Ueberbach an die Bundeskanzlerin. Grund war Merkels Aussage bzgl. der Sparpolitik der Bundesregierung:

“Wir haben jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt”


Von Stephan Ueberbach, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Liebe Bundesregierung, sehr geehrte Frau Merkel,
wen meinen Sie eigentlich, wenn Sie sagen, wir hätten jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt? Ich jedenfalls habe das nämlich ganz sicher nicht getan. Ich gebe nur das Geld aus, das ich habe.

Ich zahle Steuern, bin gesetzlich krankenversichert und sorge privat für das Alter vor. Ich habe mich durch Ihre Abwrackprämie nicht dazu verlocken lassen, einen überflüssigen Neuwagen zu kaufen, ich bin kein Hotelier und kein Milchbauer. Und “Freibier für alle” habe ich auch noch nie verlangt.

Wer war wirklich maßlos?

Meinen Sie vielleicht die Arbeitslosen und Hartz IV-Bezieher, bei denen jetzt gekürzt werden soll? Meinen Sie die Zeit- und Leiharbeiter, die nicht wissen, wie lange sie ihren Job noch haben? Oder meinen Sie die Normalverdiener, denen immer weniger netto vom brutto übrig bleibt? Haben die etwa alle “über ihre Verhältnisse” gelebt?

Nein, maßlos waren und sind ganz andere: Zum Beispiel die Banken, die erst mit hochriskanten Geschäften Kasse machen, dann Milliarden in den Sand setzen, sich vom Steuerzahler retten lassen und nun einfach weiterzocken, als ob nichts gewesen wäre.

Mehr Beispiele gefällig?

Zum Beispiel ein beleidigter Bundespräsident, der es sich leisten kann, Knall auf Fall seinen Posten einfach hinzuwerfen – sein Gehalt läuft ja bis zum Lebensende weiter, Dienstwagen, Büro und Sekretärin inklusive.

Zum Beispiel die Politik, die unfassbare Schuldenberge aufhäuft und dann in Sonntagsreden über “Generationengerechtigkeit” schwadroniert. Die von millionen-teuren Stadtschlössern träumt und zulässt, dass es in Schulen und Kindergärten reinregnet. Die in guten Zeiten Geld verpulvert und in der Krise dann den Gürtel plötzlich enger schnallen will, aber immer nur bei den anderen und nie bei sich selbst.

Liebe Frau Bundeskanzlerin, nicht die Menschen, sondern der Staat hat dank Ihrer tätigen Mithilfe möglicherweise über seine Verhältnisse gelebt. Ganz sicher aber wird er unter seinen Möglichkeiten regiert.

Mit – verhältnismäßig – freundlichen Grüßen,

Ihr Stephan Ueberbach


Zu Stephan Ueberbach:

Diesen Journalisten gibt es wirklich!

Stephan Ueberbach
Südwestrundfunk

Fachgebiet
CDU/CSU, Die Linkspartei, Bundespräsidialamt, Bundeskanzleramt, Äußeres, Verteidigung, Umwelt/Naturschutz/Reaktorsicherheit, Infratest

Beruflicher Abschluss
Magister Artium, Mediävistik, neuere Germanistik, Geschichte

Berufliche Stationen von Stephan Ueberbach

  • Redakteur bei Lokalradios in Nordrhein-Westfalen
  • Nachrichtenredakteur und stellvertretender Nachrichtenchef bei “Hit Radio FFH” in Frankfurt am Main
  • Redakteur, Moderator und Chef vom Dienst bei SWR 4 und SWR 1 in Rheinland-Pfalz seit Dezember 2004 im ARD-Hauptstadtstudio, seit Mai 2012 Leiter des SWR-Hörfunkstudios im ARD-Hauptstadtstudio
16. April 2013

Die Machtlosigkeit der Untätigen

16. April 2013|Gesellschaft, Kultur und Geschichte, Politik|Kommentare deaktiviert für Die Machtlosigkeit der Untätigen

– Wer Europa wirklich liebt, sollte es nicht vergewaltigen –

Der Traum von einem ‚vereinten Europa‘ ist so alt wie die Geschichte des ‚homo sapiens europaensis‘. Griechen und Römer haben sich ebenso daran versucht wie Engländer und Franzosen, Deutsche, Österreicher und Russen. Unzählige Geschlechter und Herrscherhäuser unterschiedlicher Provenience versuchten sich daran; manche wollen die Idee Karl dem Großen unterjubeln, andere Napoleon, Peter dem Großen oder Maria Theresia.

Die Konstrukteure des jüngsten Versuchs der Schaffung eines ‚Vereinigten Europas‘ berufen sich auf die „Römischen Verträge“ (1957 – EWG, Montanunion, Euratom). Hierbei stand erstmals nicht die Machtphantasie eines testosteronüberladenen Größenwahnsinnigen im Vordergrund, sondern vielmehr der Wunsch und innige Traum der Befriedung eines Kontinents, der seit fast 2.000 Jahren nahezu ununterbrochen von Kriegen weltlicher und religiöser Herrscherhäuser gepeinigt worden war – es ging darum, das Fundament für ein ‚Europa in Frieden‘ zu gießen.

So verständlich und aller Ehren wert dieser Gedanke tatsächlich ist und war, so sehr droht dieses Vorhaben aber nunmehr aufgrund der Prinzipienstarre politischer Seiltänzer wiederum zu einem Gewaltmonopol ganz anderer Art zu werden; statt den über fast 2.000 Jahre gewachsenen kulturalen Unterschieden Raum zu geben und für bislang Trennendes gleichzeitig verbindliche, einigende Angebote bereitzustellen, wird nunmehr von den Protagonisten möglichst alles vereinigt, vereinnahmt und vereinheitlicht, was diese natürliche Buntheit und Unterschiedlichkeit dereinst kennzeichnete. Buchstäblich alles soll über einen Kamm geschoren, denaturalisiert und gleichgeschaltet werden, was heute noch sehr liebenswert an Unterschieden existiert. Alles, was nach Unterschiedlichkeiten „riecht“, muß ausgemerzt und europäisch „genormt“ werden – gleiche Lebensbedingungen und -inhalte vom Nordkap bis nach Sizilien (oder gleich noch inkl. der Maghreb-Staaten sowie der frankophonen Länder Afrikas) und von der Algarve bis zum Ural – bzw.: Wo endet eigentlich Europa im Osten?
[Immerhin reicht Rußland, was ja beim Eurovision Song Contest und den Europameisterschaften zu Europa zählt, bis ans Chinesische Meer, und 92% der Türkei, die ebenfalls Europa zugerechnet wird, liegen östlich des Bosporus und mithin in Asien.]
Ist Europa im Osten überhaupt von Asien abgrenzbar? Gehören Israel und der Nahe Osten noch zu Europa oder sollen sich die arabischen/muslimischen Staaten wahlweise zu Europa, Afrika oder Asien gehörig entscheiden? Und was ist mit den 14 Gebieten in der Karibik und im Pazifik, die heute noch zu Spanien, Frankreich, Holland und zum United Kingdom gehören?

Egal, darüber denken die „Architekten“ des ‚Vereinten Europas‘ ohnehin nicht nach; je mehr Ländern und Nationen man die „Idee“ eines vereinten Europas schmackhaft machen kann, desto besser – Quantität kennt kein Pardon und Näheres brüten die Eurokraten in Brüssel, Straßburg und Luxemburg schon als Gesetze aus. Ob und inwieweit damit die kulturelle Vielfalt und das natürlich gewachsene Empfinden der (ohne jegliches demokratisches Mitspracherecht) „unterworfenen“ Menschen damit verletzt und ausgehebelt werden, interessiert die EU-trunkenen PolitikerInnen nicht im mindesten.

Alle Inhalte individueller Lebensgestaltung, Familie und Beruf, sämtliche Inhalte der Bildung und Kultur – alles wird genormt und vereinheitlicht. Traditionelle Arbeits- und Lebensgewohnheiten – vom Speiseplan bis zur (klima-)bedingten Siesta –, Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Lohn- und Gehaltsstrukturen; Brüssel, Luxemburg und Straßburg bestimmen, wie die Menschen im „Vereinheitlichten“ Norm-Europa zu leben und zu denken, zu arbeiten und zu handeln haben.
Öffentliche Aufträge müssen selbstredend europaweit ausgeschrieben werden – allen sprachlichen und kulturellen Eigenheiten zum Trotz und mit einem immensen Kostenaufwand, der automatisch die regionalen Strukturen der klein- und mittelständischen Betriebe und deren Konkurrenzfähigkeit zunehmend ausschließt.
Da muß ein Münchener Gymnasium einen portugiesischen Deutschlehrer einstellen, während eine Hamburger Deutschlehrerin nach ihrer Heirat mit einem Bayern nicht in München als Lehrerin an einem Gymnasium zugelassen wird, weil ihre Hamburger Qualifikation nicht dem Normenkatalog des bayerischen Kultusministeriums entspricht. Der sozialistische Einheitswahn macht natürlich auch vor dem unterschiedlichen Verhältnis der Menschen zu übergeordneten staatlichen Strukturen nicht Halt. So ist z.B. der Deutsche bedeutend staatsgläubiger und obrigkeits-höriger als der durchschnittlich geprägte Spanier, Grieche oder Italiener. Macht nichts, dann müssen sich letztere eben umorientieren und umerzogen werden.
Das generelle Problem – mutmaßlich das einzige Element, das bereits heute als europaweit gleichermaßen ausgeprägt betrachtet werden kann – ist die Tatsache, daß Politiker – traditionell unter dem Diktat der sie nährenden und tragenden Parteien – nicht nur fachlich zumeist völlig überfordert sind, ihnen fehlt es auch zu allermeist an jedem psychologischen und philosophischen Grundwissen, um zu ermessen, was sie in ihrem Systemwahn anrichten und wie sich die Verzwängung von mittlerweile 420 Millionen Menschen auf deren natürliche und evolutionistisch bedeutsame Konkurrenzbereitschaft und Lebensfreude auswirkt.

Politiker und die ihnen willfährig zuarbeitende Beamtenschaft denken (und handeln) ausschließlich in Funktionalitäten, nach vorgegebenen Mustern und Ordnungsstrukturen; da wird in Individualität und jedem emotionalen und intellektuellen Freiraum mehr eine Gefahr als eine Chance gesehen. Menschen müssen für Beamte und öffentlich- (un)rechtlich Bedienstete sowie die ihnen vorgesetzten Politiker, die ihrerseits ins hierarchische Konzept der Parteien eingebunden sind, vor allem jederzeit berechenbar und lenkbar sein. Die eigentliche Aufgabe des Staates – die Sicherstellung der Abwehr von Gefahren (von innen und außen) sowie die Gestaltung der öffentlichen Ordnung – sind inzwischen einer grotesken Allmachts-Phantasie gewichen, der sukzessive alles und Jeder untergeordnet wird. Damit verlieren die Menschen genau das, was ihnen für ein selbstbestimmtes und individuell gestaltbares Leben vorschwebt – ihre individuelle Freiheit.

Als besonders perfide darf in diesem Kontext bezeichnet werden, was die politischen Führer ab dem Ende des 18. Jahrhunderts (und ff. im 19.) aus dem Erbe der Urväter der Demokratie im antiken Griechenland (Heraklaitos, Demokrit, Solon und Perikles) zurechtzimmerten und was heute in praktisch allen Ländern der freien Welt unter das Diktat der Parteien gestellt wurde: Nicht die ‚demos‘ (urspr. ionisch: das Dorf, die regionale Gemeinschaft) regiert, vielmehr bedienen sich Politstrategen und Parteien jeweils dann pathetisch des Prinzips Demokratie – völlig falsch verstanden als das ‚Bestimmungsrecht der Mehrheit über die Minderheit‘, wenn es ihnen öffentlichkeitswirksam in den Kram paßt. In Wahrheit werden der Mehrheit intern und klandestin beschlossene Gesetze und Verordnungen übergestülpt, ohne daß hierzu die Mehrheit der davon betroffenen Menschen befragt oder zur Abstimmung gebeten wird. Es geht um (partei)politische Interessen, Machterhalt und den Ausbau der Kontrolle einer sich als politische Elite empfindenden Minderheit über die Masse der Bevölkerung.

Demokratie setzt grundsätzlich zwei Dinge voraus: zum einen die Kenntnis um Zusammenhänge, um die es bei der jeweiligen Abstimmung geht; zum anderen muß der über einen zur Abstimmung anstehenden Sachverhalt Aufgerufene von den Folgen der Abstimmung unmittelbar betroffen sein. Dies bedingt denklogisch, daß echte Demokratie immer nur eine regionale
Veranstaltung sein kann. Anders ausgedrückt: Überregionale, nationale oder gar europa- (oder welt-)weite Demokratie kann es per se überhaupt nicht geben. Wer auf diesbezügliche Forderungen oder Versprechungen von Politikern hereinfällt und pathetischen Worthülsen (auch der Medien) Glauben schenkt, sollte entweder seinen Verstand benutzen oder einen Neurologen aufsuchen.

Auch diesbezüglich ist das Vorgehen der EUrokraten in Straßburg, Brüssel und Luxemburg ein trauriges Beispiel für die völlige Verwahrlosung der politischen Sitten. Auf ein ‚demokratisches Selbstverständnis‘ berufen sich Politiker allenfalls in Sonntagsreden und bei öffentlichen Auftritten; in Wahrheit stört die politischen Ränkeschmiede nur eines: die Bevölkerung.

Demokratie, wie sie heute von Parteien und Politikern praktiziert wird, ist die
angemaßte, fremdgesteuerte Herrschaft der entmutigten, resignierten, ignoranten
und desinteressierten Mehrheit über die Minderheit der restlichen Bevölkerung
.“
(J.-L. Earl, dt. Querdenker)

Führten in früheren Zeiten die jeweils stärksten und erfahrensten Tiere ein Rudel, so erweist sich das zerebral höchst entwickelte „Rudeltier“, der Mensch, immer mehr als eine evolutionäre Fehlentwicklung. Hoffnung gibt, daß sich die parteipolitisch kujonierte Gesellschaft – und hier steht Europa sicherlich an vorderster Stelle – immer mehr in ihrer eigenen formalistischen und bürokratischen Verzwängung auf die systemische Katastrophe zubewegt. Der sich gerade im Zuge der „Vereinheitlichung“ Europas abzeichnende höchst widernatürliche Wahnsinn ist auf Dauer weder wirtschaftlich, finanziell und bürokratisch, noch energetisch, emotional und intellektuell überlebensfähig.

Wir treiben in immer groteskerer Form auf einen gesellschaftlichen Super-Gau zu, bei dem sich die Unmenschlichkeit dessen, was Bürokratien und parteipolitische Machtübergriffe bereits bis heute angerichtet haben, als nicht mehr überlebensfähig entlarven wird; mutmaßlich ist dies der von Fridjof Capra und Karl Popper in den 50er Jahren vorhergesagte ‚evolutionäre Zeitensprung‘.

Zurück zum Hier und Heute: Wer die Menschen in ihrer Genialität und individuellen Lebensfreude wirklich liebt und ihnen die Chance der Entfaltung universeller Schaffenskraft und Lebensfreude bieten möchte, muß eo ipso auf alle ideologischen Verzwängungen – seien diese sakraler oder säkularer Art – verzichten, was weder mit Anarchie und völliger Kontrolllosigkeit noch mit Bedingungslosigkeit und egomaner Gleichgültigkeit zu verwechseln ist. Aber genau dem stehen die festgefahrenen Strukturen egozentrischer Machtpolitik und das völlige Fehlen eines humanogenen Selbstverständnisses unserer Politiker entgegen.

Wer darauf baut, daß es irgendwann der Mehrheit der Bevölkerung zu viel wird, sich 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr gängeln, am Halsband von Vorschriften durchs Leben führen zu lassen, überschätzt das Potential der Masse, sich selbst zu behaupten und eigene Freiheiten einzufordern. Es sind die Basis-Normierungen, denen ein Kind schon in der pränatalen Phase und, weitergehend, bis zum Alter von etwa vier Jahren – hier beginnt der kleine Mensch, erstmals seine eigene Individualität zu entdecken und seine eigenen Bedürfnisse auch einzufordern – ausgesetzt ist, in denen wir schon derart stark ins strukturelle Geflecht sowohl unserer Familie (Primärumfeld) als auch unserer näheren Umwelt (Sekundärumfeld) eingebunden werden. Aus diesen Primär- und Sekundär-Normierungen finden die meisten Menschen ihr Leben lang nicht heraus – außer zu kurzen Stipvisiten (Urlaube, Sport, Hobbys), um dann aber wieder in ihr ‚Alltags(er)leben‘ einzutauchen.
[Interessant hierbei: Beschäftigt man sich mit den Biographien berühmter Forscher, Erfinder und Entdecker, Unternehmer (und leider auch brutaler Diktatoren), so zeigt sich, daß es zumeist erhebliche Brüche in der Kindheit und Jugend waren, die für die „Andersartigkeit“ dieser Menschen und deren außergewöhnliche Lebensgestaltung den Keim gelegt und den Anstoß gegeben haben.]
Doch dies entspricht nicht der Entwicklung und Lebensführung des Gros der Bevölkerung – egal in welchem Land und in welchem kulturalen Umfeld.
Darauf zu hoffen, daß das Heer der normierten und im Zuge ihrer Überlebensstrategie höchst angepaßten Masse eine Veränderung der heutigen Fehlentwicklungen der Gattung Mensch bewirken dürfte, könnte oder müßte, ist also ein trügerischer Fehlschluß. Nein, das System selbst muß (und wird) sich als nicht mehr regierbar und finanzierbar selbst zerstören.
So absurd es klingt: Nicht die reale Machtlosigkeit der eingeschüchterten und normierten Masse ist der Grund für die hemmungslos ausgelebte Machtpolitik der Parteien und der von ihnen errichteten, sie am Leben haltenden Strukturen, sondern die Unfähigkeit der Masse, sich ihrer eigentlichen Potenziale und Macht bewußt zu werden, mittels derer sie ihre Lebensumstände verändern und den anmaßenden Machtstrukturen, von denen sie sich beherrschen läßt, das Ruder aus der Hand zu nehmen.

Was die politischen „Eliten“ am Ruder hält, ihnen gestattet, ihre größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien auszuleben und sich auf dem Rücken und der Arbeitsleistung der Bevölkerung unbotmäßig zu bereichern, ist die Angst der Masse vor Veränderungen. Die desinformierte, emotional und intellektuell manipulierte und korrumpierte Masse läßt sich einschüchtern und unter Kuratel halten, mit leeren Versprechungen abspeisen und glaubt nur allzu gerne, was ihnen die politischen Rattenfänger vorpfeifen. Sie gleichen Wellensittichen, die selbst bei offenen Käfigtüren lieber auf ihrer Stange hocken bleiben – den Maiskolben und den Wassernapf vor Augen –, statt die angebotene Freiheit zu nutzen und – lieber als Adler, denn als Wellensittich – den Himmel zu erobern.
Politiker haben auf ihrem Weg durch die Instanzen der Parteien gelernt, den Menschen genau das zu sagen, was diese hören wollen, ohne dabei rot zu werden und vor Scham im Boden zu versinken. Und die Masse bekommt genau zu hören, was sie hören möchte – jenseits jeder Realität und Wahrheit. Erst spätere Generationen fragen dann verblüfft:
Und das haben unsere (Groß)Eltern tatsächlich geglaubt?

Inzwischen weiß jeder Europäer, daß in der Eurozone heute 10 Millionen mehr Arbeitslose existieren als vor 5 Jahren; jeder fünfte arbeitsfähige Europäer hat keinen Job, lebt also von Subventionen unterschiedlicher Art. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei durchschnittlich 30%, in einigen Ländern gar über 50%.
Nun, wer heute noch einen Job hat, möchte diesen keinesfalls gefährdet sehen; also hält er das System durch Nicht-Handeln erst einmal am Leben – in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Solange die Politiker immer noch auf Regionen und Länder verweisen können, in denen die Verhältnisse schlechter sind als in ihrem Beritt, können sie diese barbarische Scharade noch unter Kontrolle und am Leben erhalten.
Dabei weiß im Grunde genommen jeder, daß sich die Verhältnisse zunehmend verschlechtern. Der Mensch wird immer vernachlässigbarer und ist zunehmend billig zu ersetzen durch Roboter, Maschinen und eine immer ausgereiftere Technik. Aber Veränderungen geschehen nur allmählich – vergleichbar dem allmählichen Verfall unserer körperlichen Funktionalität; auch hier werden wir erst alarmiert, wenn Unfälle oder schwere Krankheiten spontan und akut auftreten. Ansonsten gibt sich der Mensch als Opfer der Gewöhnung lieber seinem Schicksal hin, als daß er aktiv nach Veränderung und Verbesserung sucht, die eben mit persönlichem Einsatz, eigenem Bemühen und vielleicht mit einem gewissen Quantum Risiko verbunden sein könnte.

Die wachsende Abhängigkeit immer größerer Teile der Bevölkerung (in praktisch allen Ländern) von staatlichen Subventionen („Sozial“leistungen, „Tafeln“, „Food-Stamps“, „Hartz IV“, „Aufstockung von Mindergehältern“, „Ein-Euro-Jobs“, etc.) und ganzer Länder von den internationalen Finanzzentren (EZB, IWF, BIZ, IMF) kommt den Globalisten gerade recht: Abhängigkeit reduziert Freiheit!
Und auch die soziologische „Verdichtung“ der Menschheit nimmt immer mehr zu. So werden im Jahr 2050 mehr als 70% der Menschen in Städten leben, von denen etwa 100 mehr als 10 Millionen Einwohner beherbergen werden, 15 Städte sogar zwischen 35 Millionen (Tokio, Addis Abeba) und 90 Millionen (Delhi).

Wer das derzeit aufgeführte Schauspiel „Vereintes Europa“ zu Ende denkt und gleichzeitig einen scheuen Blick in andere Zonen dieser Welt [Lateinamerika, Japan, die 54 afrikanischen Staaten und den Gürtel der südlich des russischen Reiches gelegenen Länder (als ehemaligen Satelliten der Sowjetunion und heutigen GUS)] wirft, entlarvt die wahren Hintergründe sowie den absehbaren künftigen Verlauf sehr schnell: Es geht den Mächtigen der Welt – und das sind beileibe nicht die Politiker, die eigentlich nur billige Marionetten darstellen, die man aber gezielt in dem Glauben läßt, sie seien wichtig und bedeutend – um die künftige Verteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Macht, der Märkte und Rohstoffe, und dabei stören unliebsame Faktoren, wie z.B. unterschiedliche Gesetze und Verordnungen, national-kulturell geprägte Eigenheiten, Lebensweisen und Rechtsvorschriften zur Arbeit- und Berufswelt, unterschiedliche Bildungskanons usw. recht erheblich.

Also gilt es, diese Unterschiede zu nivellieren, auszumerzen, und deshalb muß gleichgeschaltet und egalisiert werden, was heute an Unterschiedlichkeiten noch im Wege steht.
Die Masse, all dessen nicht gewahr, wird mit Hilfe der politischen Heloten und Satrapen nach den Wünschen und Zielen der großen Konzerne und ihrer Mehrheitseigner (Familien) modelliert und geformt.
Und dabei geht es um viel – vor allem um Ressourcen/Rohstoffe aller Art, Energie und Effizienz, Macht und Märkte. So werfen die vier wichtigsten globalen Momente der Veränderung unserer Zukunft schon heute ihre Schatten voraus – die Demographie (2050 werden mehr als 9 Milliarden Menschen auf dieser Welt leben), die Globalisierung (die informationelle Vernetzung, die Abhängigkeit der einzelnen Länder/Volkswirtschaften untereinander nimmt rasant zu), der Klimawandel [die Erwärmung der Erde bis 2050 um mindestens 1,5° C – lassen Sie sich vom Geschwätz der Politiker und der Al Gores dieser Welt nicht irritieren – wird die Permafrostböden in Sibirien, Alaska, Kanada und der Antarktis auftauen und zu fruchtbarem Ackerland werden lassen; gewinnen wird der Norden, Verlierer werden weite Teile der (Sub-)Tropen, die Sahel-Zone, Indien, Pakistan und Bangladesch sein] und die Ressourcen-Verknappung (wüchse der Konsum- und Energieverbrauch der Menschen bis 2050 weltweit auf das heutige Niveau der Amerikaner und Europäer, entspräche dies einem Ressourcen-Verbrauch auf heutigem Niveau von etwa 100 Milliarden Menschen).
Für diese relativ gesicherten Vorhersagen bedarf es einer entsprechenden Vorausschau und Vorbereitung. Hierfür unterhalten die weltweiten Globalkonzerne bereits heute Entwicklungszentren und (universitäre, aber staatlich unabhängige) Forschungseinrichtungen, die beileibe nicht in nationalen sondern interglobalen und supranationalen Dimensionen denken und planen. Die „Drecksarbeit“ überlassen sie einem Berufsstand, den es im Jahr 2050 wohl kaum noch geben wird, weil er schlicht bedeutungslos wird – den Politikern.
Alles deutet darauf hin, daß wir völlig andere Formen der Regierung(en) und Ordnungssysteme(n) erleben werden, die dann unser aller Leben bestimmen werden. Arbeit wird zu einem höchst luxuriösen Lebensinhalt und vielleicht ausschließlich denjenigen vorbehalten sein, die über einen extrem breiten Wissens- und Informationshorizont verfügen. Die intellektuell eher „bescheidenen“ Menschen werden sich mit relativ billiger Lohnarbeit (und mehreren Jobs) begnügen müssen. Die Zahl der Super-Spezialisten in einzelnen Teilbereichen wird angesichts der zunehmenden technischen Operabilitäten (Supercomputer und Roboter-Fertigungsstraßen) immer geringer. Zunehmen wird der Bedarf an sozio-empathischen Arbeitsplätzen (Betreuung, Pflege, Psychotherapie und Psychologie), der überwiegende Teil der Menschheit wird jedoch aus finanziell subventionierten Konsumenten bestehen, denen allerdings – nicht zuletzt um sie ruhig zu halten – ein reichhaltiges „Freizeitangebot“ zur Verfügung gestellt wird.

Man darf mithin davon ausgehen, daß – noch weit mehr als heute – die Menschen der Zukunft in einer Art Drei-Klassen-Gesellschaft leben werden: 1. die Konsumenten, 2. die Gestalter und 3. die Machtelite – deren Lebensführung und sinnvolle (oder -arme) Lebensführung höchst unterschiedlich sein dürfte.
Der Vergangenheit angehören werden jedoch Begriffe wie ‚Nationalität‘, ‚Souveränität‘ und ‚Kulturalität‘; die damit heute noch verbundenen Unterschiede und vielfältigen Ausprägungen werden nach und nach verschwinden, nivelliert und angeglichen.
Und genau für dieses Szenario dient die „Vereinigung“ Europas als Blaupause, wobei den exekutierenden Organen (Parteien und Politiker) die Medien als publizitärer Konvoi zur Seite gestellt sind und in stringenter Abhängigkeit stehende öffentlich(un)-rechtlich Bedienstete und Wissenschaftler die jeweiligen Begründungen und Rechtfertigungen zu liefern haben.
Von all diesen Zusammenhängen schwant dem Gros der Bevölkerung nicht das mindeste; die meisten Menschen verfolgen aus einer Mischung aus Verwunderung, Angst und innerer Spannung den sich gerade abzeichnenden dramatischen Wechsel nahezu aller Lebensumstände und -verhältnisse. Sie starren gebannt auf die riesigen „Leinwände“ – eine Art ‚soziologisches public viewing‘ –, wie sich die Welt und alle ihr Leben bestimmenden Paraforanden und Metaforanden verändern, auflösen und neu sortieren. Die meisten werden (und bleiben) bei diesem Vorgang zu Statisten und Rezipienten; nur die wenigsten werden wach und aufmerksam genug sein, all diese Zusammenhänge zu begreifen, emotional und mental zu verarbeiten und damit (mehr oder weniger kreativ) umzugehen lernen.

Die völlige Fehlentwicklung dessen, was sich unter dem Begriff ‚Vereintes Europa‘ heutzutage exemplarisch zeigt, könnte in späteren Jahr(hundert)en als „logischer“ Anfang vom Ende der Neuzeit erkannt und beschrieben werden.
Wer den Menschen, Europa, diese Welt und das Leben liebt, wertschätzt und achtet, muß der Vitalität individueller Lebensgestaltung auf regionaler Basis wieder mehr Raum geben, statt in ideologischer Verbohrtheit systemische Zwänge zu institutionalisieren – um jeden Preis und unmenschlich rücksichtslos.

Wir gehen einer Zeit unglaublich interessanten und nachhaltigen soziologischen Wandels entgegen, der ein ebenso neues DenkFühlHandeln mit völlig andersartigen sozialpsychologischen Parametern (Stichwort: familiäre Eingebundenheit) hervorbringen wird. Mehr denn je wird gelten: Wer sich vorbereitet, ist im Vorteil!

Jedoch muß niemandem Angst und Bange vor dem Finale, dem Zusammenbruch des pseudo-demokratischen Systems sein (wiewohl es dabei zu erheblichen und herben sozialen Verwerfungen und wirtschaftlichen Verlusten kommen wird). Wirkliche alternative Konzepte für die Zeit danach gibt es längst (teilweise seit vielen Jahrzehnten).

Sofern es Ihnen die Zeit wert ist, sich damit zu beschäftigen:

Die alternativen Konzepte des PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.:
http://www.d-perspektive.de/konzepte/

Die Lösung der Euro-Krise (Beitrag zum Wolfson Economics Prize 2012):
http://www.d-perspektive.de/zeitreport-online/politik/wirtschaftspolitik/wolfson-economics-prize-2012/

Die Macht der Information
http://www.d-perspektive.de/zeitreport-online/die-macht-der-information/

Souveränität als Lebensmaxime
http://www.d-perspektive.de/zeitreport-online/souveraenitaet-als-lebensmaxime/

Niemand ist den sakralen und sekularen Windbeuteln und Schmarotzern hilflos ausgeliefert, es sei denn, er/sie fügt sich in das eigene Ausgeliefertsein freiwillig, angepaßt und resigniert.

H.-W. Graf

19. März 2013

Kirche fördert Islamisierung

19. März 2013|Gesellschaft, Kultur und Geschichte|Kommentare deaktiviert für Kirche fördert Islamisierung

Offener Brief unseres Querdenkers Dr. Hans Penner.

In der Tat ist der Islam die derzeit gefährlichste (weil intoleranteste brutalste und uneinsichtig rückwärtsgewandteste) religiöse Strömung weltweit, wobei er nicht nur gegen alle anderen Religionen rücksichtslos und absolut inhuman vorgeht, sondern auch innerhalb der rund zwei Dutzend islamistischer Bewegungen eine unnachgiebige (Tod-)Feindschaft besteht, die vor nichts Halt macht.
Das hat Methode: Alle Religionen arbeiten mit (Todes-)Drohung, Strafe und Einschüchterung, gleichzeitig aber auch mit dem Versprechen “einzigartiger” Erlösung, Heilsversprechen und postmortaler Belohnung – solange man ihren Vorgaben folgt – und verbreitet damit Schrecken und Angst, schüchtert massiv ein und kontrolliert damit die in Abhängigkeit stehenden “Gläubigen”.

Da nützt “christliche” Anbiederung – maskiert als Toleranz, Verständnis und “Friedens”offerten – nicht das geringste.

Religiösität ist Selbstaufgabe – man delegiert eigene Lebensverantwortlichkeit auf eine “höhere” Instanz, statt sich ihr selbst zu stellen!

Muslim wird man – ohne großartige Taufzeremonie – automatisch, qua Geburt in einem islamischen Umfeld (Familie). Daß das Gros der Muslime ihre Glaubenszugehörigkeit/Religion nicht aktiv – strikt korantreu – ausleben, ist zu begrüßen, aber auch trügerisch und gefährlich. In der Tat tun sich fanatische Islamisten umso schwerer damit, ihre Glaubensbrüder und -schwestern aufzuwiegeln und zu radikalisieren, je intelligenter, gebildeter und aufgeklärter diese sind (das ist bzgl des Christentums und des Hinduismus nicht anders).
Gleichwohl stehen weltweit Hunderte Millionen Muslime, die intellektuell, materiell und emotional minderprivilegiert leben, in der latenten Gefahr, manipuliert, korrumpiert, mißbraucht zu werden und sich instrumentalisieren zu lassen. Das ist es, was den Islam – wie ehedem das Christentum! – so gefährlich macht.

Es wird wohl noch viel Irrsinn ausgelebt und Blut fließen, bis der “ho(r)mo sapiens sapiens” – frei von jeglicher religiöser Korruption, Ideologie und Manipulation – lernt, eigenverantwortlich, natürlich-ethisch und friedlich-tolerant zu leben. Alle Religionen (‘religere/relegare‘ heißt nicht nur ‘Rückbindung‘, sondern auch ‘festzurren, anbinden, fesseln‘) sind ‘per se ac definitionem‘ intolerant, introvertiert, ideologisch und damit manipulativ und korrupt.

H.-W. Graf

25. Februar 2013

Korruption in Staat und Gesellschaft

25. Februar 2013|Gesellschaft, Politik|Kommentare deaktiviert für Korruption in Staat und Gesellschaft

Unter dem Motto “Systemmängel in Demokratie und Marktwirtschaft” fand am 28. und 29 Oktober 2010 die 12. Speyerer Demokratietagung unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Hans Herbert von Arnim statt. Sie widmete sich dieses mal systemischen Defiziten, die zu einem Absinken des Vertrauens in Demokratie und Marktwirtschaft führen.

Als Referenten der Tagung waren – neben dem renommierten Publizisten und Zeithistoriker Prof. Dr. jur. Arnulf Baring und der Bundestagsabgeordeten und stellvertretenden Vorsitzenden der Partei DIE LINKE Sahra Wagenknecht – der Vorstand des PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V., Hans-Wolff Graf, mit seinem Vortrag zum Thema “Korruption in Staat und Gesellschaft” eingeladen.

Es war eine sehr interessante und kontroverse Veranstaltung.

Auf vielfachen Wunsch veröffentlichen wir hier den Vortrag nebst Folien.

“Korruption in Staat und Gesellschaft”

Folien zu “Korruption in Staat und Gesellschaft”

25. Februar 2013

Die Zukunft einer gegenwärtigen Vergangenheit

25. Februar 2013|Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Die Zukunft einer gegenwärtigen Vergangenheit

Der kleine Bub zum Vater spricht: “Wann hast Du Zeit für mich?
Ich möchte spielen, raufen, laufen und dazu brauch’ ich Dich!
Laß doch die Arbeit Arbeit sein, die ist doch nicht so wichtig.
Schenk mir die Zeit und spiel mit mir, erst dann nutzt Du sie richtig.”
Die Welt, das Geld – was kümmert ihn die Politik, der Staat,
Afghanistan und der Iran, solang er Papi hat.

Der Sohn zu seinem Vater spricht: “Was ist das – Politik?
Warum schießt der denn gegen den – was ist denn ein Konflikt?
Warum sind Schwarze nicht viel wert und Juden eine Plage?
Warum ist dort ein Bürgerkrieg und was heißt Ost-West-Frage?
Warum ist in der dritten Welt denn ständig Hungersnot?
Warum wirft man denn tonnenweise Obst und Kartoffeln fort?
Warum muß der, der spart, bezahlen? Was sind denn schwarz’ und rote Zahlen?
Was sind denn Grüne, Schwarze, Rote? Warum gibt’s dort so viele Tote?
Was ist denn besser: Moslem – Christ? Warum frißt uns der Kommunist?
Du nanntest dies ein Krisenjahr. Ist Tag nicht Tag und Jahr nicht Jahr?”
Zu Weihnachten und im Advent schmilzt Fröhlichkeit die Herzen:
“Papi – hat jetzt auf dieser Welt kein Mensch mehr Leid und Schmerzen?”

Der Mann zu seinem Vater spricht: “Wie konnte das geschehen?
Hast Du und Deine Generation das Unheil nicht gesehen?
Schau in den Fluß, schau in die Welt – nur Dreck und Schmutz und Krieg,
Angst, Not und Hunger, Korruption, Intrige, welch ein Sieg
des eitlen Homo sapiens – der ganzen Erde Segen –
wie sollen wir auf diesem Schrott, den ihr gesät, noch leben?”

Der Mann ergründet seine Zeit, lebt, zahlt und strebt nach mehr,
nach vielen Jahren kehrt er heim, den Kopf von Träumen leer.

Der Greis am Grab zum Vater spricht: “Heut’ kann ich Dich verstehen.
Als Bub und Sohn hab’ ich den Wald vor Bäumen nicht gesehen.
Du warst ein Mensch – ich bin es auch – wir alle sind dies nur,
nicht mehr, doch auch nicht weniger – ein Rädchen der Natur.
Wir sind die Zwerge, deren Macht viel größer als ihr Geist.
Dies wissen, heißt zu ahnen nur, was Weisheit wirklich heißt.”

Wie lange wird es dauern, bis es Menschen gibt, die leben.
Und nicht sich selbst in Zwänge legen, um g’rad’ zu über-leben.

Hans-Wolff Graf

für Christian-Wolff
zum 1. Geburtstag, 1982

24. Januar 2013

Wollen wir dem ‚Neu-Adel‘ stillschweigend unsere Zukunft überlassen?

24. Januar 2013|Gesellschaft, Politik|Kommentare deaktiviert für Wollen wir dem ‚Neu-Adel‘ stillschweigend unsere Zukunft überlassen?

In früheren Jahrhunderten fehlte den Menschen der Zugang zu und die Möglichkeit des Austausches von Informationen – die wenigsten konnten lesen und schreiben; erst Johannes Gutenberg schenkte uns im 15. Jhrdt. die beweglichen Lettern. In früheren Jahrhunderten waren die Menschen vor allem damit beschäftigt, mit körperlich zumeist harter Arbeit vielköpfige Familien zu ernähren, gegen die Unbilden der Natur zu kämpfen und ihre 30/40/50 Jahre halbwegs gesund über die Runden zu bringen. Leicht nachvollziehbar, daß sie kaum eine Chance sahen (und hatten), sich gegen die Feudalherren aufzulehnen, die von ihrer Arbeit und ihnen abgepreßten Steuern und Zöllen ein pompöses Leben führten und – bei Streitigkeiten mit dem Nachbarfürsten – ihre Untertanen in den Krieg schickten.

Unser Leben im 21. Jahrhundert böte uns, bar der Schwierigkeiten und Probleme früherer Zeiten, durchaus die Möglichkeit, eigenverantwortlich, selbständig und aktiv seine Lebensumstände zu bestimmen. Doch wir beschränken uns auf hedonistische Vergnüglichkeit, lassen uns ausnehmen wie die berühmte Weihnachtsgans, mit schwachsinnigsten “kulturellen” und medialen Inhalten fremdunterhalten, steuern, regulieren, stimulieren und verblöden – wofür wir auch noch deftig löhnen –, und gestatten widerspruchslos unserem ‘Neo-Adel’, ganz im Stile früherer Feudalherrscher, nahezu alle Inhalte unseres privaten und beruflichen Lebens zu bestimmen. Diese Möchtegern-„Führer“ unserer Parteiend(a)emokratur wissen – dem Himmel sei Dank! – ganz genau (und wesentlich besser als wir selbst), was wir zu tun und zu lassen haben. Sie regeln unseren Alltag von 0°° bis 24°° Uhr, unsere Versorgung für/gegen die Fährnisse des Lebens; wann wir in Rente gehen dürfmüssen; wie unsere Gesundheits-/Krankheits- und Altersversorgung sichergestellt wird; wie unsere Kinder versorgt, erzogen und mit welchen Bildungsinhalten gefüttert zu werden haben; wann unsere Autos winterlich zu bereifen sind; die Stärke und Form unserer Glühbirnen (demnächst auch die Breite unserer Betten, den Wasserdurchfluß unserer Duschen, die Höhe der Schuhabsätze und den Kaudruck bei der Nahrungsaufnahme). Der Staat und seine Lakaien wollen genau wissen, wann wir mit wem chatten, simsen, twittern, googeln oder schlicht telefonieren.
Um ihre schiere Existenz zu rechtfertigen (und vor allem zu sichern!), liefern sie sich lustige Schaukämpfe und rhetorisch minderwertige Redeschlachten in Land- und Bundestagen, versprechen vor Wahlen, was sie danach nicht im Traum zu halten gedenken und verabschieden in jeder Legislaturperiode tausende Gesetze, deren Inhalt sie weder kennen, noch verstehen – selbstverständlich ausschließlich zum Wohl der ihrer Allmacht und Weisheit unterstellten, ohne ihr huldvolles Wirken eigentlich lebensunfähigen BürgerInnen, die es zu schützen, lenken, leiten (und, pardon, zu verarschen) gilt.
Ob dabei das Grundgesetz und der Amtseid gebeugt, verbogen, verletzt oder gebrochen wird, ist den politischen Drahtziehern völlig egal.

Kluge BürgerInnen (und smarte Berater) finden dann sehr schnell einen Weg, diese neuen Gesetze zweckdienlich zu verwenden oder (notfalls) eine Gesetzeslücke, an die inkompetente Politiker in ihrer Beschränktheit und mangelnder realer Lebensnähe nie gedacht haben, legal auszunutzen (was dann natürlich regelmäßig zu Nachbesserungen und Reformen vonseiten der Politik führt – wenn sie nicht selbst davon profitiert).
Kleine Wichtigtuer in Ämtern und Behörden, die sich zu profilieren und für höhere Ämter empfehlen möchten, stoßen immer wieder auf „dringenden“ Nachbesserungsbedarf bei bestehenden Verordnungen oder gebären Ideen, mithilfe derer man neue Gesetze konzipieren (und sich selbst ein Denkmal setzen) kann; die damit verbundenen Kosten und die Frage, ob diese sich dann als kolossale Flops erweisen (wie z.B. unser ‚Dosenpfand‘) oder irgendeinen Sinn ergeben, ist völlig irrelevant. Immerhin schafft man damit neue öffentlich-(un)rechtliche Stellen und gebiert Beförderungspotential, denn der öffentlich-(un)rechtliche Dienst ist wie ein Strukturvertrieb im Versicherungs-, Zeitschriften- oder Pharmamarkt organisiert. Hier wie dort schadet reale Kompetenz mehr als sie nützt – Linientreue und „Stallgeruch“ sichern Posten und Karrieren.

Wichtig ist dem ‚Neo-Adel‘ dabei aber nachgerade, sich mit dem Großkapital (Banken, Industriekartellen) und den Medien zweckdienlich zu verzahnen. Zum einen dreht sich das Machtkarussell nur mit deren Unterstützung, zum anderen winken satte Zusatzeinkommen [Deutschland hat bis heute (als einziges „zivilisiertes“ Land!) das von der UN verabschiedete ‚Antikorruptionsabkommen‘ nicht unterzeichnet!] – Aufsichtsratspöstchen, Vortrags- und Verlagshonorare sowie lukrative Verträge nach dem Ende der politischen Karriere. Es gilt, das Bettchen gut zu polstern, in das man später fallen möchte.

Was dieser öffentliche Wahnsinn, diese Veitstänze inkompetenter Politnasen an Kosten (insbesondere Folgekosten – Pensionen, Zusatzversorgungen, Privilegien aller Art) für den Steuerzahler mit sich bringen, stört den Politadel aller parteilicher Couleur nicht im mindesten – die „Zeche“ zahlt der Bürger, der, intellektuell wie emotional zielsicher korrumpiert, längst desillusioniert resigniert hat.

Was müßte eigentlich passieren, damit die tumbe Masse diesem schändlichen Treiben der Systemparteien ein radikales Ende setzt, ihre Politiker (nahezu ausnahmslos) in die Wüste (oder ein riesiges ‚Dschungelcamp‘) schickt und sich seiner Eigenverantwortlichkeit bewußt wird?
Noch heute ergehen sich Heerscharen von Soziologen, Psychologen und Philosophen in zumeist hilflosen Erklärungsversuchen zum Aufstieg/Erfolg von Diktatoren und ihrer Schreckensherrschaften während der letzten 2.000 Jahre sowie deren Entstehungsgeschichte. Die Ausrede unserer (Groß)Eltern, sie hätten ‚davon nichts gewußt‘, werden wir unseren Kindern und Enkeln nicht anbieten können, wenn sie uns entgeistert mit der Frage konfrontieren, wie wir diese Entwicklung geschehen lassen konnten.

Hans-Wolff Graf

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel der MMnews: Das große Schweigen

9. Januar 2013

Über die Freiheit.

9. Januar 2013|Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Über die Freiheit.

Von Freiheit schwärmt der Dichter. Freiheit und deren Verteidigung versprechen uns Politiker und Parteien in Programmen und Reden, verabschieden hierfür Verfassungen und Gesetze, prangern deren Mängel beim politischen Gegner an. Ausländischen Regimen, gar Diktaturen werden Verstöße gegen die Freiheit ihrer Bevölkerungen ebenso vorgeworfen, wie Einschränkungen spezifischer Freiheiten im Geld-, Waren- und Handelsverkehr. Wir sprechen von Rede-, Denk– und Handlungsfreiheit, bejahen diese grundsätzlich, jedoch nicht ohne gleichzeitig deren Grenzen als allgemein verbindlich festzuschreiben und deren Überschreiten mit Strafe zu bewehren.
Seit Herakleitos von Ephesos und, akademisierter, dank Immanuel Kants ‘kathegorischem Imperativ’ tragen wir das Mantra von den ‘Grenzen der Freiheit‘ dort, wo ‘des Anderen Freiheit begrenzt oder verletzt‘ wird, durch unsere Zivilisation. Und wo wir diese Grenzen tatsächlich verletzen, berufen wir uns auf Gesetze und Religionen, Schutz oder Notwehr als legitimierende Ausnahmen und nennen dies dann Recht, Gerechtigkeit, Strafe oder schlicht gerecht(fertigt)en Krieg.

Versuchen wir uns an einer Definition des Begriffs ‘Freiheit‘, so beziehen wir uns vernünftigerweise auf die menschliche – der geläufige Begriff eines ‘Tieres in Freiheit’, der eigentlich nur beschreibt, daß dieses in seiner natürlichen Umgebung lebt, sei hier vernachlässigt. Und wenn Freiheit in transpersonaler Hinsicht -– also für Gruppen von Menschen, Gemeinschaften jeglicher Art, Völker, Ethnien oder Religionen – diskutiert wird, summieren sich singuläre Freiheit in nächsthöherer Weise. Gehen wir als zweck- und sinnvoll vom Individuum als primärem Subjekt und seinem subjektiven und objektiven ‘Recht auf Freiheit‘ aus.

Die Freiheit des Einzelnen wird im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als Grundrecht bezeichnet (Art. 2) – à priori und ohne, daß dies als Verdienst oder privilegiertes Recht für Angehörige eines Standes oder einer sonstigen Gemeinschaftszugehörigkeit verstanden wird, denn nach Art. 3 herrscht ‘Gleichheit aller vor dem Gesetz’. Die Freiheit des Individuums ist demnach weder alters- noch geschlechts- oder berufsspezifisch definiert oder bedingt, “entsteht” also qua Geburt und endet mit dem Tod. Soweit zur Theorie. Daß dies beileibe nicht zu allen Zeiten galt, dürfte allgemein bekannt sein und bedarf keines intensiven Studiums der Geschichte, und auch die Tatsache, daß noch heute in vielen Staaten, Nationen, Völkern und (nicht zuletzt) Religionen kein unterschiedsloses Grundrecht auf individuelle Freiheit besteht, darf als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden. Nicht nur der Hinduismus unterscheidet Menschen (und deren Freiheitsrechte/-grade) nach der jeweiligen Zugehörigkeit zu einer Kaste; vielmehr sind in vielen Kulturen (und sogar in den Köpfen vieler angeblich aufgeklärter Menschen) immer noch Mädchen/Frauen per se minderwertiger und rechtsärmer als Knaben/Männer – vom durchweg frauenfeindlichen Duktus der mosaischen Religionen (Talmud/Thora, Bibel und Koran nebst aller Abarten und Varianten) ganz zu schweigen. Schon hierbei klaffen rhetorischer Anspruch und Realität deutlich auseinander. Und bei genauerem Hinsehen offenbaren sich höchst unterschiedliche Freiheitsgrade und -rechte in Staat und Gesellschaft, die nach Geschlecht, Alter und Beruf sortiert sind und sich unter dem Oberbegriff der ‘öffentlichen Moral‘ sowie nach Privilegien verschiedener Berufsgruppen ausrichten und auch realiter eingefordert werden. Wer jeweils welche Rechte beanspruchen darf, Privilegien genießt und sogar besonderen Schutz seiner Rechte fordern kann, bestimmen Gesetze und Vorschriften, die dem Individuum von höherer Instanz vorgegeben werden und (oftmals sogar strafbewehrt) durchgesetzt werden. Kaum jemand hinterfragt jedoch die Geschichte der Entstehung dieser Unterschiedlichkeit der Wertung individueller Freiheitsrechte. Wir lernen qua Sozialisation und Erziehung, mit diesen Wertunterschieden zu leben, akzeptieren sie als gesellschaftlich vorgegeben. Situationsbedingt verstoßen wir im Laufe unseres Lebens – beileibe nicht nur in der Jugend – in unterschiedlichster Weise gegen diesen Katalog ‘politischer Korrektheit‘, was graduell abgestuft dann als Unhöflichkeit, schlechtes Benehmen oder mangelhafte Erziehung bzw. Bildungsdefizit tituliert, in massiverer Form als Rechtsverstoß oder Verbrechen bezeichnet und womöglich bestraft wird.

Aber was macht denn nun unsere Freiheit aus? Wer schenkt sie uns, und wer schränkt sie ein – wodurch, warum und mit welchem Ziel?
Grundsätzlich liegt der Kern unserer Freiheit in unserem natürlichen Urtrieb, unsere Umwelt, das Leben und seine Inhalte neugierig und interessiert zu erforschen, zu erleben, auszuprobieren und kennenzulernen. Diesen natürlichen Drang versuchen wir bereits als Kleinkind auszuleben, und je breiter der geistige und emotionale Horizont unserer Eltern (womöglich auch älterer Geschwister) ist, desto umfassender eröffnet sich uns das Leben. Es kommt also beileibe nicht auf den materiellen Hintergrund des primärsoziologischen Umfeldes an, in das wir hineingeboren werden und in dem wir unsere ersten Schritte ins Leben machen, sondern darauf, wie reichhaltig wir seelisch/emotional, geistig/intellektuell, sprachlich/kommunikativ und physisch (Hygiene, Motorik, Ernährung) gefüttert, angeregt und versorgt werden. Die Qualität dieser primären Lebensinhalte verschränkt sich dann zu unserer Grundhaltung dem Leben gegenüber. Sie bestimmen das Maß an Vertrauen, was wir uns selbst und dem Leben gegenüber aufbauen und fortentwickeln. Umgekehrt: Wer bereits in dieser Frühphase emotionale und intellektuelle Defizite erlebt, geistig, körperlich und seelisch wenig Anregung, Ermunterung, Zuwendung und “Nahrung” erhält, dessen natürlicher Drang, Freiheitsgrade aufzubauen, wird eingeschränkt, mithin bereits reduziert, bevor er sich überhaupt zu entwickeln vermag. Denn der Durchsetzung eigener Ansprüche an das Leben sind speziell in dieser Frühphase noch natürliche Grenzen gesetzt. Es bedarf also exogener Einflüsse, um endogenes Interesse und Neugier, Vorstellungen und den Drang, auszuprobieren, zu entwickeln und zu fördern. Noch einmal: Dies ist keine Frage materiellen Wohlstands des Elternhauses, vielmehr eine Frage der Lebenseinstellung, der Haltung und des Horizontes derer, die den kleinen Menschen ins Leben hineinbegleiten.
Freiheit und deren Entwicklung hat in hohem Maße mit Vertrauen zu tun – zu sich selbst, in das eigene Umfeld und zum Leben insgesamt. Und eben dieses Vertrauen muß das Kind erfahren dürfen, es muß ihm vorgelebt werden, damit es dieses zu gewinnen und fortzuentwickeln lernt; den Glauben und das Vertrauen in die eigene Körperlichkeit, das Raster seiner sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit, seine Emotionalität (Gefühlswelt) und seine intellektuellen Fähigkeiten.
Das Problem hierbei liegt jedoch darin, daß diese pädagogische Entwicklungsarbeit Eltern obliegt, die dies nie gelernt haben, sondern zumeist wenig reflektierte eigene Erfahrungen einfach weitergeben. Erschwerend hierbei wirkt sich aus, daß sich diese primäre Lehr- und Vorbildfunktion auf bestenfalls zwei Personen – Vater und Mutter – beschränkt, immer häufiger jedoch auf nur eine, zumeist die Mutter, da die Tendenz zur ‘singulären Lebensführung und -gestaltung‘ immer mehr zunimmt; die Dauer ehelicher Zweisamkeit reduziert sich zunehmend. Wo in früheren Zeiten (und in einigen Kulturen noch heute) Kinder in größeren (Stammes-)Gemeinschaften und Großfamilien aufwuchsen, also von vielen Erwachsenen unterschiedslos und zusammen mit vielen anderen Kindern betreut wurden und sich dementsprechend vielfältig orientieren konnten, reduzierte sich die Erlebnis- und Erfahrungswelt kleiner Kinder im Laufe der letzten etwa 100 Jahre immer mehr auf die Kleinfamilie. Diese Entwicklung trug – vor allem in den hochentwickelten Ländern – dazu bei, daß die natürliche Vielfalt fördernder Einflüsse auf nur noch (bestenfalls) zwei Personen reduziert wurde. Damit nicht genug, obliegt es diesen Eltern (oder Alleinerziehern) auch noch, den Lebensunterhalt (Miete, Nahrung und Haushalt) zu bestreiten, was selbst ohne Kinder vielen schon schwer genug fällt, da zunehmend teure Arbeitsplätze (die gute Einkommen generieren) von billigeren Maschinen, Robotern und Technikprogrammen ersetzt werden. Übrig bleiben Billiglohnjobs, deren Substitution durch die Technik sich (noch) nicht lohnt. Dementsprechend stehen geringverdienende Eltern vor der Wahl, entweder auf Kinder zu verzichten, oder sich in die Abhängigkeit des Staates zu begeben und sich (und ihre Kinder) alimentieren zu lassen – ein gravierender Verzicht auf eigene Freiheit!
Den Preis für die Individualisierung und Singularisierung in der “modernen” Gesellschaft zahlen also die Kinder, und dies gleich mehrfach: weniger Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren können; singularisierte Eltern, die ihrerseits nie gelernt haben, psychologisch, philosophisch und pädagogisch ihrer Aufgabe nachzukommen; eine bereits mehr oder weniger reduzierte Freiheit der Eltern, die notgedrungen auf Alimentierung durch Staat und Gesellschaft angewiesen sind.
Mehr denn je ist es also schiere “Glückssache”, in welche Familie ein Kind hineingeboren wird, woraus es dann seine Primärimpulse zur Entwicklung einer eigenen Lebenshaltung und eigener Freiheitlichkeit für sein künftiges DenkFühlHandeln bezieht. Da sich heutzutage – mehr als je zuvor – die berufliche “Qualität” an der Höhe des Einkommens und der funktionalen Bedeutung der Tätigkeit bemißt, ist der zunehmende Verzicht auf Kinder nur allzu verständlich, geht er doch oftmals einher mit materiellem Verzicht und Einbußen an Freiheit und (vermeintlich) an Lebensqualität.

Leider sehen oftmals insbesonders eigentlich qualifizierte Eltern, die es sich auch finanziell leisten könnten, wenig Sinn darin, Kinder in die Welt zu setzen, da sie mit dem Wettbewerb um Arbeitsplätze vollauf beschäftigt sind, beruflichen Erfolg mit gesellschaftlichem Status gleichzusetzen (Stichwort: ‘Selbstverwirklichung‘) und einen drohenden Verlust persönlicher Freiheit befürchten. Mindestens ebenso bedenklich ist aber, wenn materiell ohnehin schwache (und damit in ihrer Freiheit reduzierte) Erwachsene dann auch noch in verantwortungslosem “Gottvertrauen” Kinder in die Welt setzen – in der naiven, durch die politischen Märchenonkel und -tanten genährten Erwartung, daß dafür Staat und Gesellschaft schon aufkommen werden. Ihre Abhängigkeit von Dritten (also der Grad ihrer Unfreiheit) steigt damit weiter; sie werden zu “perfekten Opfern” von Politikern und Parteien, fatalerweise ihre Kinder aber ebenfalls. Welches “Erbe” sie damit ihren Kindern gleich in die Wiege legen, ist den meisten dieser Eltern gar nicht bewußt; für Freiheit, so wähnen sie, hat der Staat zu sorgen.
Und eben diese Einstellung fördern Politiker und Parteien ganz zielgerichtet; sie nennen es heroisch ‘Kampf gegen Bevölkerungsschwund‘ und bieten bereitwillig “Sozial”programme für einkommensschwache Eltern an – quasi als Ersatz für im Elternhaus herrschende (im)materielle Defizite.

Dabei ist dies nur das Einfallstor der fortschreitenden Verunfreiung der Bürger durch Parteien und Politiker, Staat und Religion – im Verbund mit Hundertschaften von Behörden und Ämtern, gestützt auf Zehntausende von Gesetzen und Vorschriften.
Buchstäblich alles, was ein Leben beinhaltet und ausmachen kann, unterliegt – auch hierin ist Deutschland Weltspitze – öffentlich-(un)rechtlichem Zugriff; vom Geburtenregister bis zur Sterbeurkunde; der komplette Bildungskanon und alle Berufsordnungen; Bau- und Wohnungswesen; die Ausgestaltung der Berufsausübung nebst dafür erforderlicher Qualifikationsnachweise; das Fortbildungswesen und die geradezu epidemisch wachsende Überwachungsfunktion (euphemistisch “QM“-Nachweispflicht genannt); Ladenöffnungs- und -schlußzeiten; Mindestlöhne und Frauenquote; Regelarbeitszeiten, Feiertags- und Ruhestandsvorschriften (außer für Politiker); Gesundheitswesen, Geld-, Versicherungs- und Steuerwesen; Vorsorge für die Fährnisse des Lebens und das Alter – alles steht unter ständiger (und inzwischen nahezu lückenloser) Aufsicht und Kuratel des Staates und seiner Subsysteme, in denen etwa 10% aller Erwerbstätigen arbeiten – mehr als Selbständige und Freiberufler (auch das ein Weltrekord!). Wer wann und wie lange welche Tätigkeit in welcher Form ausüben darf – alles ist per Gesetz geregelt und verordnet.

Natürlich geschieht all dies ausschließlich zum Schutz, Wohl und Wehe der BürgerInnen, die dazu per se nicht in der Lage sind, also wie geistig und körperlich Behinderte durch das ach so gefährliche Leben geschoben, geführt, notfalls geschubst werden müssen. Dem dienen dann die Etiketten “sozial“, “christlich“, “liberal” und “demokratisch“. Wer sich diesem “fürsorglichen Schutz” des Staates, der fatal an die Schutzgelderpressung der Mafia erinnert, zu entziehen versucht, dem drohen Bußgelder und Strafen, öffentliche Ächtung und Ausgrenzung, notfalls Freiheitsentzug oder die Unterbringung in psychiatrischen Anstalten. Nach der Qualifikation derer, die über Recht und Ordnung, die Verabschiedung von Vorschriften und Gesetzen befinden, wird ebenso wenig gefragt, wie nach der wirklichen Bedürftigkeit dieser staatlichen “Schutz”funktion. Wichtig ist der herrschenden Obrigkeit, die sich allen Ernstes als Elite versteht und moderne Adelskaste geriert, die naht- und lückenlose Kontrolle über alle Lebensbelange in ihrem Herrschaftsbereich, denn das sichert ihre Posten, Pfründe und Pensionen. Über die dazu notwendigen Kosten und die Tatsache, daß viele dieser Zwangs”versorgten” sehr wohl selbst für sich sorgen könnten, wenn man sie denn ließe – was einerseits enorme Einsparungen möglich machte und wodurch die wirklich Bedürftigen dann effizienter versorgt werden könnten – macht sich die Machtclique keinerlei Gedanken. Sie bedient sich bedenkenlos aus dem staatlichen Aerar. Im Gegenteil: Immer mehr Kontroll- und Überwachungsorgane sichern öffentlich-(un)rechtliche Arbeitsplätze und vor allem – die Macht! Staatlichen Institutionen, und Ämtern, Behörden und (Berufs-)Kammern geht es nicht um die Freiheit seiner Bürger; sie dienen ausschließlich ihrer eigenen Existenzsicherung, vor allem aber den Parteien und der politischen Kaste. Insofern unterscheiden sich frühere Fürstenhöfe, heutige Diktaturen und Pseudo-Demokratien, die, wie hierzulande, eigentlich ‘Parteiend(a)emokraturen’ heißen müßten, de facto so gut wie gar nicht. Die Bürger dienen dem politischen Neu-Adel ausschließlich als Konsumenten, Steuerzahler, Claqueure und (gelegentlich auch als) Soldaten, wenn es gegen andere Schurken und Diktatoren “für Freiheit und Gerechtigkeit” in den Krieg zu ziehen gilt

Und die Bürger? Sie haben zuallermeist längst innerlich kapituliert, ihre Restposten an Freiheit an den Pforten der Ämter und Behörden abgegeben. Es ist bequemer, sich von Politikern und Religionsfürsten die Hucke volllügen zu lassen und die eigene Freiheit zwischen Fernsehsessel und Kühlschrank, an Stammtischen und auf Barhockern, im Schrebergarten oder auf Mallorca auszuleben. Feier- und Urlaubstage sowie säkulare und sakrale Festtage gibt’s genug; für Lohnerhöhungen sorgt die Gewerkschaft, Fortbildungen hat gefälligst der Arbeitgeber zu bezahlen und alle vier Jahre erfüllt man – es kommt aufs Wetter an – seine ‘demokratische Wählerpflicht’. Warum soll man sich das Leben schwerer machen als unbedingt nötig?

Moment! Es ging doch um Freiheit! Glaubt denn irgend jemand allen Ernstes, diejenigen, die uns immer mehr an Freiheit zu nehmen trachten, seien auch nur im mindesten bereit, uns auch nur winzigste Teilchen ihrer “Diebesbeute” zurückzugeben?
Nein, so abhängig wir in unserer Kindheit von der Qualität der Freiheitlichkeit unserer Eltern auch sein mögen, für die Quantität und Qualität unserer Freiheit im weiteren Leben sind wir schon selbst verantwortlich, und wer sich bis ins hohe Alter körperlich, geistig und seelisch gesund erhalten möchte, hat dafür im Rahmen des ihm Möglichen (nicht des Bequemen) auch, bitte schön, selbst zu sorgen.

Freiheit, dies als Fazit, ist weder ein Geburtsrecht, noch ein benevolent gewährtes Lebensrecht, sondern ein persönlicher Verdienst, um den es zu ringen gilt, die Richtschnur und der Maßstab eigener Lebensleistung – nicht mehr und nicht weniger. Und in dem Maße, wie wir das ‘Geschenk des Lebens’ als Chance begreifen, freiheitlich ausgestalten und leben, können wir es an unsere Kinder ebenso weitergeben wie an unsere Umwelt.

H.-W. Graf
4. April 2012

Macht und Menschlichkeit!

4. April 2012|Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Macht und Menschlichkeit!

Ist es typisch für Menschen, ihnen verliehene Macht zynisch zu missbrauchen? An der polnisch-russischen Grenze (zum Gebiet Kaliningrad) leider durchaus. Da bläht sich der polnische Grenzkommandant wie ein tollwütiger Frosch auf und glaubt, jeden menschlichen Respekt und Anstand vergessen zu müssen.

Nun ja, sein Land wurde ja reichlich mit Spenden und Subventionen der EU, vor allem aus Deutschland, versorgt. Dass es den “armen Schweinen” in der russischen Exklave Kaliningrad, insbesondere den Kindern, gänzlich anders geht, sie auch vom russischen Kernland kaum Hilfe bekommen, weiss dieser stupende Staatsdiener nur zu gut. Aber sein stumpfsinniger Hass auf alles Russische lässt ihn so reagieren, wie dies wirklich nur ein staatlich besoldeter Lakai kann – hoheitlich-arrogant!

Leider weiss er sich dabei geschützt von ‘höherer Stelle’, denn viele Polen teilen diese antirussische Gesinnung – bis zu einem gewissen Maße verständlich aus der Historie – vehement und verschließen sich dem Wandel der Zeit und jeder menschlichen Regung, und welcher deutsche Parlamentarier hätte den Hintern in der Hose, unseren “polnischen Freunden” (BuPrä Gauck) ob derartigen Verhaltens mal die Meinung zu sagen?

Aber es passt ins Bild; wir durften uns zuvor an der Grenze schon anschnauzen lassen: “Wir können die Sachen, die Ihr da rüber bringt, auch gut gebrauchen!

Schon Schiller wusste: Macht kennt kein Erbarmen! Aber von dem hat dieser erbärmliche Grenz“wächter” ganz sicher noch nie gehört.

Aber lesen Sie selbst, wie es uns neuerdings bei unseren Nato-“Verbündeten” ergeht:

 

H.-W. Graf

 

„Das haben wir nicht verdient!“

Seit nunmehr 20 Jahren betreut der gemeinnützige Verein ‚Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt’ in Kaliningrad, der russischen Exklave zwischen Polen und Litauen, die früher Königsberg hieß, Kinderhäuser, Internate, Kinderheime, mehrere Jugendheime und andere
Sozialeinrichtungen, und seit 20 Jahren fahre ich alle 14 Tage mit unserm VW-Bus von Berlin nach Kaliningrad. Nach dem Wegfall der deutsch-polnischen Grenze schaffe ich diese 600 km durchschnittlich in etwa 10 bis 12 Stunden. Dabei hilft uns an der polnisch-russischen Grenze natürlich unser humanitäres Visum, mithilfe dessen ich mir stundenlanges Warten ersparen kann. Bislang lief dies auch problemlos. Aber am 25. Februar war alles plötzlich ganz anders:

Wir fuhren mit drei Personen und humanitären Hilfsgütern bei Grzechotki an die Grenze und – wie stets – auf der leeren Überholspur, um mithilfe unseres international anerkannten humanitären Visums die Grenze zu passieren. Aber am Schlagbaum wurden wir sehr barsch mit den Worten abgewiesen, dass ich ein russisches humanitäres Visum habe, ich hier aber auf polnischem Territorium sei. Wir sollten uns – humanitäres Visum hin oder her – hinten in der Schlange einreihen und müssten genauso (stundenlang) warten wie jeder, der (egal aus welchem Grunde) nach Russland fahre. Mein Hinweis auf internationale Gepflogenheiten bei dieser Art von Visa und 20 Jahre unserer Arbeit in Russland halfen nicht. Ich wollte einen Vorgesetzten zur Lösung des Problems sprechen. Dieser traf am Kontrollpunkt – sehr eindrucksvoll mit Blaulicht – ein, baute sich breitbeinig in martialischer Pose vor mir auf und ließ ein wahres Gewitter von Demütigungen und Drohungen über unsere Besatzung hereinbrechen. Eine derart ignorante Behandlung hatte ich noch nie zuvor erlebt. Alles Bitten um Verständnis und Unterstützung half nichts, im Gegenteil: Ich sollte sofort eine Strafe bezahlen, und als ich mich mit dem Hinweis auf keinerlei Verletzung rechtlicher Regeln weigerte, wurde mir mit sofortiger Festnahme für 48 Stunden gedroht. Um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, zahlte ich schweren Herzens die Strafe.
Es ist bedauerlich, dass die Beamten des EU-Mitgliedsstaates Polen, denen die billige „Rache“ an Russland wichtiger zu sein scheint als die „Freundschaft“ (so Bundespräsident Gauck) zu Deutschland, bei diesem Zwischenfall weder allgemeingültige internationale Abmachungen beachten, noch der Verbesserung der internationalen Beziehung Rechnung tragen. Eine derartige Behandlung haben wir wirklich nicht verdient, da wir seit Jahren auch in Polen in trilateralen grenzüberschreitenden Hilfsprojekten, insbesondere für Kinder und Jugendliche, tätig sind. Polen kann sich ausreichender Hilfe von EU und Deutschland erfreuen, Kaliningrad, die russische Exklave, seine Bevölkerung und speziell die Kinder eben nicht!

 

Jürgen Leiste
Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt

7. November 2011

Für Sie gelesen: Anmerkung zur generellen Abschaffung der politischen Parteien

7. November 2011|Gesellschaft, Innenpolitik, Sozialpolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Anmerkung zur generellen Abschaffung der politischen Parteien

Autor: Simone Weil

Verlag: Diaphanes Verlag, Zürich-Berlin
Preis: € 10,00
Umfang: 48 Seiten
ISBN: 978-3-03734-059-2

Wer jemals so naiv war, zu glauben, mit dem Beitritt und der Aktivität in einer politischen Partei sich selbst und Anderen etwas Gutes zu tun, wird bedauern, daß ihm das nur wenige Seiten umfassende Büchlein von Simone Weil, das sie bereits 1943 (kurz vor ihrem Tod) schrieb, nicht schon früher in die Hände fiel. Denn wohl kaum jemand hat je auf so wenigen Seiten derart klar und verständlich dargelegt, warum das Parteien(un)wesen ‚absolut und bedingungslos von Übel ist’. Um das Fazit der Autorin vorwegzunehmen: „Die Abschaffung der Parteien wäre höchst legitim und scheint in der Praxis nur gute Wirkungen zeitigen zu können.“

Aber der Reihe nach: Weil beschreibt im Wesentlichen die Partei in der Bedeutung, die sie auf dem europäischen Kontinent hatte und hat. Das französische Politikverständnis von 1789 sah den Parteiengedanken im Nachklang der franzöischen Revolution und dem Sturz von Louis XVI und seiner Adelskaste allenfalls als zu duldendes Übel. Der Jakobinerclub – eine Art Vorläufer einer Partei – war zunächst nur ein Ort freier Diskussion, und was ihn dann mutieren ließ, war kein schicksalhafter Mechanismus: Einzig der Druck des Krieges und der Guillotine machten aus ihm eine totalitäre Partei. In den Anmerkungen zum Buch ist zu lesen: „Der Begriff der Partei wurde im früheren Mittelalter aus dem Lateinischen ‚pars’ ins Italienische, Französische und Deutsche übernommen und seit dem 18. Jahrhundert auf politische Gruppierungen und parlamentarische Organe bezogen.“ Zunächst dominierten negative Konnotationen; vor allem die jeweiligen Gegner wurden als Parteien diffamiert, und zunehmend wurden dann große Gruppen jeweils als Parteien bezeichnet. Weil findet drei wesentliche Merkmale einer Partei, die man erkennen sollte, um sie (die Partei) nach den Kriterien der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls einzuschätzen.

  • Eine politische Partei ist eine
    Maschine zur Fabrikation kollektiver Leidenschaft.
  • Eine politische Partei ist eine Organisation, die so
    kontruiert ist, daß sie kollektiven Druck auf das Denken jedes Menschen ausübt,
    der ihr angehört.
  • Der erste und genaugenommen einzige Zweck jeder
    politischen Partei ist ihr eigenes Wachstum, und dies ohne jede Grenze.

Aufgrund dieser drei Merkmale sei jede politische Partei im Keim und Streben per se totalitär. Wenn sie nicht so erschiene, dann nur, weil die anderen Parteien um sie herum es nicht weniger sind als sie. Diese drei Merkmale seien Tatsachenwahrheiten für jeden, der dem Leben der Parteien nähergekommen ist. Könnte dem widersprochen werden?
Sie findet auch schöne Beschreibungen für die einer Partei innewohnenden Widersprüche: „Wenn ein Mensch sehr komplexe Rechenoperationen anstellt und dabei weiß, daß er jedes Mal ausgepeitscht wird, wenn er ein Ergebnis mit geraden Zahlen erhält, ist seine Lage äußerst schwierig. Irgendetwas im leiblichen Teil der Seele wird ihn dazu bringen, bei den Berechnungen ein wenig nachzuhelfen, um stets ein ungerades Ergebnis zu erhalten. Mit dem Willen zu reagieren, findet er womöglich sogar dort eine gerade Zahl, wo keine hingehört. In diesem Schwanken gefangen, ist seine Aufmerksamkeit nicht mehr unbeeinträchtigt. Wenn die Berechnungen so komplex sind, daß sie seine völlige Aufmerksamkeit erfordern, wird er sich unweigerlich sehr oft irren. Es wird nichts nützen, daß er sehr intelligent ist, sehr mutig, sehr um die Wahrheit besorgt. Was soll er tun? Ganz einfach. Kann er diesen Leuten entkommen, die ihm mit der Peitsche drohen, muß er fliehen. Hat er vermeiden können, ihnen in die Hände zu fallen, hat er es vermeiden müssen. Genauso ist es mit den politischen Parteien. Wenn es in einem Land Parteien gibt, entsteht früher oder später eine Sachlage, in der es unmöglich ist, wirksam auf die öffentlichen Angelegenheiten Einfluß zu nehmen, ohne in eine Partei einzutreten und das Spiel mitzuspielen. Die Parteien sind ein fabelhafter Mechanismus, der bewirkt, daß über ein ganzes Land hinweg nicht ein einziger Geist seine Aufmerksamkeit der Anstrengung widmet, in den öffentlichen Angelegenheiten das Gute, die Gerechtigkeit, die Wahrheit zu erkennen. Daraus ergibt sich – von ganz wenigen Zufällen abgesehen – daß nur Maßnahmen beschlossen und durchgeführt werden, die dem Gemeinwohl, der Gerechtigkeit und der Wahrheit entgegenstehen. Vertraute man die Organisation des öffentlichen Lebens dem Teufel an, er könnte nichts Tückischeres ersinnen.”

Anhand des Beispiels ‚Kirche’ beschreibt sie sogleich eine weitere Problematik, die genauso wie beim Beitritt zu einer Partei immanent wird:

„… oder ein Konvertit, der in die Kirche eintritt, oder ein Gläubiger, der nach reiflicher Überlegung beschließt, in ihr zu bleiben – hat im Dogma Wahres und Gutes erblickt. Doch mit dem Überschreiten der Schwelle bekennt er zugleich, daß er alle sogenannten strengen Glaubensartikel durchweg akzeptiert. Er hat diese Artikel nicht studiert. Selbst bei einem hohen Maß an Intelligenz und Bildung würde ein ganzes Leben zu einem solchen Studium nicht ausreichen, da es die Untersuchung der historischen Umstände jeder einzelnen Verurteilung verlangt. Wie soll man Aussagen zustimmen, die man nicht kennt? Man braucht sich nur bedingungslos der Autorität zu unterwerfen, von der sie ausgehen.“

Die Schrift von Simone Weil ist voll von klarsichtigen und intelligenten Einschätzungen und Schlußfolgerungen dieser Art und kann uneingeschränkt jedem empfohlen werden, der sich einmal im Leben mit dem Begriff und dem Konstrukt ‚Partei’ (oder ‚Kirche’!)näher beschäftigen möchte. Hieraus kann schnell die Befreiung erwachsen, daß die weitere Beschäftigung mit der logisch sich ergebenden Frage ‚brauchen wir nicht doch die Parteien’, wirklich reine Zeitverschwendung ist.

Frank Amann