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26. Juni 2008

Korruption – Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens –

26. Juni 2008|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen:

Korruption

– Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens –

 

Autor: Hans-Wolff Graf
Verlag: Fouqué, zu beziehen über den PERSPEKTIVE e.V., München
Preis: € 15,00
Umfang: 612 Seiten
ISBN: 3-8267-4544-2
Inhaltsverzeichnis Seite
Legende 11
Vorwort 19
Was ist überhaupt Korruption? 22
Die “geschichtliche Entwicklung” von Korruption 31
Wissen ist Macht 39
Kooperation versus Korruption 44
nE und aE – Wir werden von zwei ICHs gesteuert 55
Die Systematik der Korruption 64
Wer korrumpiert wen und wie? 76
Korruptive Mechanismen 120
Die Ebenen der Korruption 132
Die “Spielwiesen” von Korruption 141
Die korruptive Wirkungskette 273
Werkzeuge der Korruption 468
Testen Sie Ihr Selbstverständnis von Kooperation und Korruption 478
Die Meister und Könige der weltweiten Korruption 493
Die “Atombombe” Korruption – Versuch eines Resumées 510
Die Lösung 536
Literaturverzeichnis 604

Kurzbeschreibung

Korruption beginnt bereits mit der Weise, wie dieser Begriff definiert, gebraucht und fehlinterpretiert wird. Bestechung und Bestechlichkeit sind ‘nur’ einige der zahlreichen Auswirkungen einer Korruption, die in Wahrheit viel früher begonnen hat. Korruption ist vielmehr ein seelisch-geistiger Krebs, der uns permanent begleitet und zu ständigen Opfern und Tätern macht – wenn und solange wir die dahinter stehende Phänomenologie nicht erkennen.

Hans-Wolff Graf weist nach, auf welche Weise die Menschen seit Jahtausenden – oft ohne daß es ihnen bewußt ist – ihr Bewußtsein und ihre Sprache korruptiv mißbrauchen und unseren Globus in immer größere Katastrophen führen. Dieses Buch stellt eine Demaskierung eines universellen Phänomens dar: Erst, wenn man Ablauf und Wirkungskette der Korruption kennt, wird Korruption besiegbar – erst dann werden wir autark und frei.

Hans-Wolff Graf besitzt eine 36-jährige Erfahrung als Wirtschafts-, Finanz- und Unternehmensberater, als Vermögensverwalter, Dozent, Journalist und als Herausgeber einer eigenen Zeitschrift, die auf Werbung verzichtet.

Ein ganz unnormales Buch über die größte Seuche

Die gesamte Menschheit ist in ein korruptives Geflecht eingebunden, das vielschichtig in nahezu allen Lebensbereichen wirkt und das Denken, Fühlen und Handeln Einzelner sowie von Gruppen und sogar Staaten bestimmt. Dies ist verkürzt die Grundbotschaft des Autors. Die Korruption im landläufigen Sinne oder nach Definition des Dudens (Bestechung,Bestechlichkeit, moralischer Verfall), von der wir tagtäglich in den Medien hören und lesen, ist für den Autor bestenfalls das Eingangstor in die tieferen Ursachen und Hintergründe dieses allzeit präsenten Begriffes. Beim Inhalt dieses Buches handelt es sich um nichts weniger als die Entmystifizierung der “Metaphysik” der Korruption.

Nach einer Einführung in verschiedene Begrifflichkeiten, die für das weitere Verständnis des Buches unabdingbar sind, fängt der Autor da an, wo seiner Meinung nach die Korruption ihren Ursprung hat, nämlich zum Zeitpunkt der Entstehung des Bewußtseins des Menschen und der daraus resultierenden “Notwendigkeit”, durch Vorenthaltung von Wissen die Herrschaft der geistigen und weltlichen Führer über ihre Zntertanen zu sichern und zu zementieren.

Bereits nach kurzer Zeit des Lesens wird klar, daß es sich um kein “normales” Buch handelt, sondern um ein in höchstem Maße interdisziplinäres, bei dem es einfacher ist aufzuzählen, welche Themen nicht berührt werden, als diejenigen, die der Autor streift oder punktuell vertieft. Dies verlangt vom Leser ein hohes Maß an Denkflexibilität, obgleich der Autor das Kunststück fertigbringt, sich trotz der teilweise komplexen Sachverhalte verständlich auszudrücken. Überdies wird dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele und den damit verbundenen vielfältigen maliziösen Korruptionsauswirkungen eine hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Der Autor baut ein geistiges, mehrdimensionales Gebäude und kriecht auch noch in den letzten Winkel desselben, um zu belegen, daß (und auf welchen Wegen) die Korruption sich in diesen – ähnlich wie Ungeziefer – buchstäblich überall einnisten kann.

Alsbald erreicht der Leser dann eines der zentralen Herzstücke des Buches, das Schema “Kooperation versus Korruption”, mit Hilfe dessen der Autor zu veranschaulichen versucht, daß Desinformation über die Stufen Pseudowissen, Verwirrung und Hilflosigkeit letztlich zur Selbstaufgabe führt, während das Gegenstück, die Information, über die Stufen Wissen und Bildung schließlich zur Weisheit (Zustand absoluter Nichtkorrumpierbarkeit) gelangen läßt. Während die “Teufelsspirale” der Desinformation ein manipulativer – also gelenkter – Prozeß ist, ist die “Engelsspirale” der sauberen Verarbeitung und Weiterentwicklung von Information ein motivatorischer-kooperativer Prozeß. Die Kooperation ist das Gegenstück zur Korruption.

Nahezu kein Bereich des Lebens bleibt nachfolgend ausgespart, in der nicht in irgendeiner Form Korruption im Spiel sein kann. Auf insgesamt 36 “Spielwiesen”, die von der Erziehung über die Schule, persönlichen Beziehungen, Kollegen, den Sozialstaat, die Demokratie u.v.a.m. reichen, beschreibt der Autor die Entstehung, Funktion und Wirkung korrupter bzw. korruptiver Elemente – nicht ohne jeweils erschreckend plausible Beispiele aus dem täglichen Leben zu finden. Allein die Beschreibung dieser 36 Spielwiesen ist es wert, das Buch zu lesen, denn es ist in der Tat frappierend, in welch hohem Maße auf vielen Feldern zu manipulativen und somit korruptiven Mechanismen gegriffen wird.

Ein Beispiel: Korruption in der Werbung – Da lächelt Ihnen ein freundlicher Herr im Werbefernsehen entgegen – vor sich eine dampfende Tasse Kaffee, apart mit flockigen Bläschen drapiert. Sie können förmlich das anheimelnde Aroma genießen. Was Sie nicht wissen, ist, daß sich in besagter Tasse Sojaöl befindet und die Bläschen aus einem völlig ungenießbaren chemischen Gemisch bestehen. Ihre Tennisgöttin oder der angehimmelte Filmstar stehen vollschaumig unter der Dusche und lächeln Ihnen glückselig entgegen. Dabei weiß jeder Experte, wie schaumverstärkt (übrigens klebrig und unangenehm riechend) für Duschgels und ultraweiße Waschmittel zu werben ist. Mit welchen Tricks und geradezu genialen Techniken in der Werbung gearbeitet wird, hat jüngst – sehr zum Leidwesen seiner Zunft – ein Werbegrafiker enthüllt. Ob Autos oder Kinderbreis, Katzenfutter oder Dessous, Zahnpflegeartikel oder Waschmittel, Schnellgerichte oder Haushaltsgeräte – den Designern und Werbefachleuten ist kein Spruch zu dumm und kein Trick zu abgefeimt, den Zuschauer/-hörer in völlig gewissenloser Weise zu korrumpieren und – pardon – zu verarschen. Der Rezipient hat ein eklatantes Informationsdefizit und keine Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt der ihm überbrachten Botschaft zu überprüfen. Diese Vorgehensweise ist eigentlich straffällig, da die Voraussetzung zum Betrug – Vorsatz – klar gegeben und beweisbar ist.

Letztendlich wird klar, daß die Korruption im vom Autor verstandenen (weiteren) Sinne als die wohl mit Abstand gefährlichste Seuche der Menschheit betrachtet werden muß, gegen die es nur eine Medikation gibt: die Veränderung des Denkens. Er bietet auch hierfür im letzten Viertel des insgesamt über 600 Seiten starken Buches entsprechende Denkhilfen an, die uns helfen sollen, den steinigen Weg der Erkenntnis und der (Wieder-)Gewinnung der eigenen Authentizität zu gehen. Bei diesem Buch dürfte es sich um das umfassendste Gesamtwerk über Korruption handeln, das bisher zu diesem Thema verfaßt wurde, und dennoch kann sein Anspruch wohl kaum darin liegen, sich als Standardwerk zum Thema Korruption zu etablieren (die Worte “Standardwerk” und “etablieren” riechen schon nach Korruption), vielmehr soll es dem Leser durch das Bewußtmachen (häufig) unbewußter Vorgänge helfen, die “Korruption” als solche zu erkennen, um das Denken zu verändern und somit dazu beizutragen, die drohende Korruptions-Apokalypse zu verhindern. Ob ihm das gelingt, hängt vielleicht von der Anzahl der Leser dieses Buches, ihrer Neugier wie auch ihrer Disziplin ab.

Frank Amann

25. Juni 2008

Für Sie gelesen – Die Super-Klasse – Die Welt der internationalen Machtelite

25. Juni 2008|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen

Die Super-Klasse

Die Welt der internationalen Machtelite

 

Autor: David Rothkopf
Verlag: Riemann Verlag, München
Preis: € 21,00
Umfang: 544 Seiten
ISBN: 978-3-570500-76-7

 

“Die Super-Klasse – Die Welt der internationalen Machtelite” ist ein Buch über Macht; über eine auffallend kleine Gruppe von Menschen, deren Einfluß sich über den gesamten Globus erstreckt.
Jenseits aller Verschwörungstheorien beschreibt David Rothkopf diese internationale Superklasse, die über auffallend mehr Macht verfügt, als jede andere Gruppe auf der Welt. Zu ihr gehören Staatsoberhäupter, Medienmogule, GEO’s der weltgrößten Konzerne, Ölpotentaten, Hedgefonds-Manager, Militärbefehlshaber und sogar Terroristenführer.

Doch wie groß ist der Einfluß, den diese Elite aus 6.000 Supermächtigen auf unser Schicksal und das der Welt hat, wirklich?

Als ehemaliges Mitglied der Clinton-Administration hat David Rothkopf Einblick in die faszinierende Welt der Mächtigen, die den meisten seiner Leser wohl für immer verschlossen bleibt. Er zeigt auf, wie Menschen als Mitglieder der “Super-Klasse” rekrutiert werden und wie es dem Witschafts- und Finanzsektor gelungen ist, die gestaltende Politik mehr und mehr aus dem Zentrum der Macht zu verdrängen.

Mit “Die Super-Klasse” gelingt Rothkopf ein detailreiches und glaubwürdiges Bild der Chefetagen des globalen Machtapparats. Doch seine Begegnungen mit den Mächtigen veranlassen ihn auch zu einer eindringlichen Warnung:
“In diesem Buch geht es im Wesentlichen um die eklatante Ungleichverteilung von Macht und Besitz auf der Welt. Meiner Meinung nach ist es gefährlich, daß wir diese Probleme ignorieren – aus pragmatischen, politischen, vor allem jedoch aus moralischen Gründen. Die Menschheit mag im Laufe der Jahrhunderte große Fortschritte gemacht haben, aber solche Ungleichheiten sind ein Armutszeugnis für unsere Zivilisation. Und, davon bin ich überzeugt, sie sind eine Gefahr für ihre Stabilität.”

28. April 2008

Für Sie gelesen – Beten im Oval Office

28. April 2008|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen

Beten im Oval Office

Christlicher Fundamentalismus in den USA und die internationale Politik

 

Autor: Barbara Victor
Verlag: Pendo Verlag, München/Zürich
Preis: € 19,90
Umfang: 350 Seiten
ISBN: 3-86612-061-3

Barbara Victor, US-amerikanische Journalistin und Nahost-Expertin, trägt in jahrelanger Recherchearbeit über die Bewegung der wiedergeborenen Christen in den USA eine Unmenge qualitativer Beobachtungen zusammen, die das Bild einer starken und stetig wachsenden Einflußnahme evangelikaler Werte auf die Politik ihres Landes zeichnen. Victor konnte so feststellen, daß der 11. September 2001 einen Wendepunkt in der Ausrichtung der politischen Zielsetzung der sich berufen Fühlenden darstellt. Seither habe sich die Agenda auf die Außenpolitik gerichtet, während bis dato vor allem innenpolitische Lobbyarbeit gegen Abtreibung, Homosexuellengleichstellung sowie die Evolutionstheorie im Schullehrplan auf dem Programm stand. Im Zuge der Entwicklung seither sei auch erst eine Ausrichtung auf Israel durch bestimmte jüdische Gruppierungen zu beobachten, die zuvor eher links-demokratisch angehaucht waren – also zunächst im Widerspruch zur evangelikalen Politik standen. Die vermeintlich „jüdische Lobby“, wie vielfach beschworen, entpuppt sich also als zunächst vor allem christliche und zudem fundamental-christliche Lobby.

Israel ist dabei Teil eines Plans, der mit der Endzeitvorstellung der – hier etwas pauschal bezeichneten – „Evangelikalen“ zusammenhängt. Juden werden über den Umweg der „Liebe zum auserwählten Volk Gottes“ letztendlich als Mittel zum Zweck degradiert, indem sie als Platzhalter im heiligen Land fungieren – also eine zutiefst antisemitische Vorstellung, die auch von der Vernichtung alles Unchristlichen am Weltenende ausgeht – also auch des Jüdischen vor Ort. Die sich abzeichnende Katastrophe in Nahost wird nicht nur in Kauf genommen, man treibt sie durchaus bewußt voran, um noch schneller die Wiederkunft des Messias zu ermöglichen, denn dafür müsse Israel in jüdischer Hand sein – koste es, was es wolle. Hieraus leitet sich also eine unerbittliche Politik der Stärke ab, die nicht auf Ausgleich, sondern auf Konfrontation ausgerichtet ist.

Aber die Vorstellungen der weit verzweigten und durchaus facettenreichen evangelikalen Bewegung sind nicht so homogen, wie sie in dieser kurzen Zusammenfassung scheinen mögen. Victor ermöglicht einen detaillierten und differenzierten Einblick in Richtungen und Meinungen, die sich teils ergänzen, teils widersprechen – ohne anscheinend wirklichen Widerspruch auszulösen. Eine der kuriosen Blüten, die diese Ideologie hervorbringt, sind etwa Juden mit einer Wiedergeburtserfahrung – also einer „persönlichen Beziehung zu Jesus“.

Das Mitmachen jüdischer Organisationen unter Akzeptanz bzw. Ignorierung des Endzeitszenarios mag dennoch verwundern, ist aber inzwischen fester Bestandteil der Vernetzung zwischen evangelikaler und neo-konservativer Nahostpolitik und den Interessen bestimmter jüdischer Vertreter, die glauben, daß die uneingeschränkte Hilfe für Israel ihnen zum Nutzen gereiche.

Erschreckend ist die Erkenntnis, daß es an keiner Stelle um Aussöhnung mit den Palästinensern geht, um Toleranz und das Anerkennen einer Existenz-berechtigung des Anderen – im Gegenteil: Die armen Verirrten (Muslime) könnten noch gerettet werden, wenn man sie nur schnell genug mit der einzigen wahren Heilsbotschaft konfrontiere, der Jesu Christi; übrigens, indem man die vielen christlichen Palästinenser einfach ignoriert. Vor diesem Hintergrund wird auch der Einmarsch im Irak positiv gesehen – als Wegbereiter für die Errettung der dort bedrohten Seelen. Die Road Map ist demnach ein Verrat am höchsten Ziel und darf auf keinen Fall umgesetzt werden, weil sie heiligen Boden einem unheiligen Volk, den Palästinensern, opfern würde. Vielleicht erklärt dies das zögerliche Einfordern des Vorantreibens der Map durch die US-Regierung oder sogar insgesamt die Stagnation im sog. Nahost-Friedensprozeß. An Frieden ist man von evangelikaler Seite eigentlich nicht interessiert – jedenfalls nicht an einem gerechten.

Mißverständlich ist die Verwendung des Begriffs „Einstaatenlösung“ bei Victor in Bezug auf Israel. In Europa und Isreal-Palästina setzen sich nämlich verschiedene Gruppierungen für eine andere Art von „Einstaatenlösung“ ein, und zwar die eines gemeinsamen Staates für Israelis und Palästinenser, Juden, Christen und Muslime. Hier bedeutet der gleiche Begriff aber einen rein „jüdischen Staat“, der erstens keinen palästinensischen neben sich duldet und der zweitens die Palästinenser des Landes verweist. Diese Politik schätzt die Autorin als gefährlich ein, weil sie heftigen Widerstand provoziere und schließlich tatsächlich zur vielfach heraufbeschworenen Vernichtung Israels führen könne.

Wichtig sind die Passagen über eine teils offensichtliche, teils undurchsichtige Durchdringung US-amerikanischer Politik durch diese sog. wiedergeborenen Christen, wozu sich George W. Bush ja selber zählt. Bei genauer Kenntnis der Terminologie und Gedankenstränge könne man aus Reden von Politikern eindeutige Signale in Richtung Reborns ausmachen. Das Buhlen um deren 80 Mio. Wählerstimmen im Land ist dabei nicht erst seit dem Wahlkampf Bushs in vollem Gange. Weil zunehmend religiöse Diskurse öffentliche Debatten prägen, wird mit dem Jargon auch gleichzeitig das ideologische Denken hoffähig und stark. Wie an einigen Beispielen deutlich wird, ist hier auch keine scharfe Trennlinie zwischen Demokraten und Republikanern mehr auszumachen.

Für Victor ist nicht die Religion, jedoch ihre Ideologisierung und die Verwischung der verfassungsmäßigen Trennung zwischen Religion und Staat ein wichtiges Problem und auch darum suspekt, weil ein kohärentes System einer bestimmten Weltinterpretation entstanden ist, das sich auf Gottes direkte Inspiration beruft – freilich ohne zu thematisieren, wer diese denn richtig verstehe. Der Originaltitel des Buches „Der letzte Kreuzzug“ stellt dabei eindringlich das Programm dar, das hinter den Konzeptionen evangelikaler Weltanschauung aufscheint. Die deutsche Titelwahl geht da etwas vorsichtiger mit dem Christentum um, und das wiederum ist gut so, denn es handelt sich eben nicht um einen Kreuzzug der Christen gegen den Islam, obwohl dies inzwischen selbst viele Evangelikale glauben. Auch die Entwicklungslinien in eine antiislamische Richtung kann Victor nachzeichnen und auch das ungünstige Zusammenspiel von ideologischer Weltsicht und Ereignissen wie dem 11. September, die dazu geeignet sind, der bereits eingeschränkten Sichtweise noch einen neuen Impetus zu verleihen.

Während Victor der Geldbeschaffung und Wahlvolkmobilisierung durch die Kirchen viel Platz einräumt und die Strategien und Tricks einzelner Protagonisten darstellt, bleibt das Thema Wahlmanipulation gänzlich ausgespart. Trotz anfänglicher Differenzierung findet letztendlich doch eine verallgemeinernde Wahrnehmung der evangelikalen Bewegung statt. Die vielen Namen und Gruppierungen sind für Außenstehende kaum nachzuvollziehen. Hier wäre zur besseren Übersicht ein Glossar oder auch eine grafische Darstellung hilfreich gewesen. An einigen wenigen Stellen gibt es sprachliche Probleme entweder durch Übersetzung oder Druckfehler – das tut der Qualität des Buches jedoch keinen Abbruch, welches die vielfältigen Recherchen einer aufmerksamen und kritischen Beobachterin gut lesbar präsentiert. Natürlich mag der ein oder andere hier seinen Antiamerikanismus pflegen. Dabei macht das Buch vor allem eines deutlich: Geredet wird viel über die USA, wirklich wissen tun wir äußerst wenig. Das Buch lädt ein, hier genauer hinzusehen und vielleicht auch einmal die Bibel ganz genau zu lesen.

Sabine Schiffer
4. September 2007

Für Sie gelesen – Die Lüge der Klimakatastrophe – Das gigantische Betrugswerk der Neuzeit – Manipulierte Angst als Mittel zur Macht

4. September 2007|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen:

Die Lüge der Klimakatastrophe

Das gigantische Betrugswerk der Neuzeit – Manipulierte Angst als Mittel zur Macht

 

Autor: Hartmut Bachmann
Verlag: Frieling-Verlag, Berlin
Preis: € 17,80
Umfang: 254 Seiten
ISBN: 978-3-8280-2521-9

Die ganze Aufregung um den Klimawandel hat einen ganz simplen Hintergrund: Geld. Das behauptet Hartmut Bachmann in seinem Buch „Die Lüge der Klimakatastrophe“. Er beschreibt in vier Kapiteln ein filmreifes Szenario. Die Darsteller sind Wissenschaftler, Journalisten, Umweltschützer, Politiker und Unternehmer. Sie alle vermitteln das Bild einer Katastrophe, die Meere ansteigen und Städte verschwinden läßt. Rettung verspräche nur ein radikaler Wandel, der natürlich finanziert werden müßte, z.B. durch Varianten von Klimasteuern.

Hartmut Bachmann ist kein „Bilderstürmer“, kein schreibender Antipode. Auf dem Land aufgewachsen, hat er sich stets der Natur verbunden gefühlt. Er studierte Aerodynamik, Meteorologie und Politik, gründete Unternehmen in Deutschland, den USA und der Schweiz. Als Herausgeber der „Brüsseler Spitzen“ engagierte sich Bachmann in der Wirtschaftspulizistik.

Mitte der 80er Jahre war er tätig als „Managing Director“ einer US-Firma, die sich exklusiv mit Klimafragen beschäftigte. So konnte es nicht ausbleiben, daß er als Mitglied in Ausschüssen und Delegationen bei Sitzungen und Tagungen zum Thema „Klima“ Mitwisser und Insider der Beschlüsse der „Großen von Wirtschaft und Politik“ wurde. In seinem Buch beschreibt er nun, wie und wo die Beschlüsse gefaßt wurden, die zur Kommerzialisierung des Themas „Klimakatastrophe“ führten.

Bachmann beginnt mit einem Statement: „Dieses Buch wurde geschrieben, da fehlende Informationen und Unwissenheit nicht nur die Chancen auf Erfolg im Leben vermindern, sondern auch oft Einfluß auf die Gesundheit haben.“ Und er bemüht eine Fülle von Fakten aus Historie und Gegenwart, um zu belegen, daß der Kimawandel ein weitgehend natürlicher Vorgang ist, der zur Katastrophe hochstilisiert wird. Für den Klimawandel werde CO2 verantwortlich gemacht, so Bachmann, doch „6,3 Milliarden Menschen produzieren pro Jahr 4,6 Milliarden Tonnen CO2 allein durch ihre Atemluft“. Der Autor fragt: „Wann wird endlich ein Gesetz verabschiedet, das die Menschen verdonnert, weniger zu atmen?“

Den Medien hält Bachmann vor, sie würden den Klimawandel instrumentalisieren, um mit Horrorszenarien mehr Auflage und Einschaltquoten zu produzieren. Ihre Berichte seien auf unsichere Fakten und selektive Erkenntnisse von Wissenschaftlern gestützt, „die genau das beweisen, was man bewiesen haben will“. Und Politiker und Umweltschützer wären nur aktiv, weil sich mit einem populistischen Thema mehr Wähler und Mitglieder mobilisieren ließen.

Bachmann zititert den ehemaligen Chef der Weltbank, Sir Nocholas Stern: „Wenn jetzt, sofort, gehandelt wird, ist noch einiges zu retten. Kostenpunkt: ca. 5,5 Billionen Euro“; und nennt die Wirtschaftszweige, denen das Geld zugute käme: Energieversorger, Kraftwerksbauer, Auto-, Elektro- und Baustoffindustrie, Eisen und Stahl, Pharma, usw. – und alle, die vom Handel mit Emissionszertifikaten profitieren.

Das Buch von Hartmut Bachmann wirkt wie eine Provokation, der sich sicher einige Öko-Aktivisten stellen werden. Tatsächlich aber ist es ein wertvoller Beitrag zu einer Diskussion, in der manche Fakten in Gefahr sind, übersehen zu werden.

29. Mai 2007

Für Sie gesehen – Keine Kultur des Unternehmerischen

29. Mai 2007|Gesellschaftssystem|0 Comments

Das Interview wurde am 24.05.2007 im Labor für Entrepreneurship” von Professor Faltin mit dem Gründer der PERSPEKTIVE, Hans-Wolff Graf, geführt.
Seit 35 Jahren kämpft Hans-Wolff Graf für mehr Selbständigkeit in Deutschland. Im Interview mit Prof. Faltin erklärt er, warum wir in Deutschland keine „Kultur des Unternehmerischen“ haben. Graf ist Preisträger des Werner-Bonhoeff-Preises wider den §§-Dschungel (2005/2006). Er kritisiert vor allem das Erziehungssystem und zeigt an praktischen Beispielen wie staatliche Rechtsverordnungen unbeabsichtigt genau das Gegenteil von dem erreichen, wofür sie ausgedacht wurden.
Das “Labor für Entrepreneurship” ist eine Methode, systematisch aus einem Rohstoff (Patent, neue Technologie, neue Idee) ein ausgereiftes und in allen notwendigen, auch betriebswirtschaftlichen Aspekten durchdachtes Business Model zu entwickeln. Hierbei kommen erprobte Verfahren des Idea Development und Idea Refinement zum Einsatz. Erst dann beginnt die praktische Umsetzung. Wir veranstalten das „Labor für Entrepreneurship“ auch mit Partnern außerhalb der Universität, z. B. dem InnovationsCampus Wolfsburg.
Website des Labor für Entrepreneurship: http://labor.entrepreneurship.de/index.html

15. Januar 2007

Für Sie gelesen – Abschied von Multikulti – Wege aus der Integrationskrise

15. Januar 2007|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen:

Abschied von Multikulti –

Wege aus der Integrationskrise

 

Autor: Stefan Luft
Verlag: Resch Verlag, Gräfelfing
Preis: € 19,90
Umfang: 480 Seiten
ISBN 10: 3-935197-46-2

In vielen deutschen Städten haben sich seit Beginn der 1970er Jahre „ethnische Kolonien“ gebildet. Entstanden im Zuge der Anwerbung der „Gastarbeiter“, erwiesen sie sich zunehmend nicht als Durchgangsstation, sondern als Sackgasse: Die dort lebenden Zuwanderer blieben weitgehend unter sich. Anlaß, die deutsche Sprache zu erlernen, gab es dort nicht. Schulisches Scheitern stand häufig am Anfang des Weges in Arbeitslosigkeit, Sozialhilfeabhängigkeit und Kriminalität. Die deutsche Ausländerpolitik der 70er und 80er Jahre setzte auf die Bewahrung der „kulturellen Identität“ der Zuwanderer. Damit hat sie die desintegrierenden Auswirkungen der ethnischen Kolonien völlig unterschätzt und eher gefördert. Milliardenschwere Sprach- und Integrationsangebote erzielten nicht die beabsichtigte Wirkung. Das Konzept des Multikulturalismus bestärkte darüber hinaus jene unter den Zuwanderern, die bewußt auf Abgrenzung und Absonderung setzten.

Nach „Ausländerpolitik in Deutschland“ bietet Stefan Luft in seinem neuen Buch einen illusionslosen Blick auf die Wirklichkeit. Er belegt an Hand von Statistiken über die Schulabschlüsse, die Startchancen der jungen Menschen und die Folgen, die sich aus ungenügender Ausbildung und Bildung ergeben. Der Blick zurück ist wichtig, er zeigt, wie es begann, wie aus einigen Gastarbeitern ethnische Kolonien entstanden sind und welche Interessen gerade die Türkei dabei verfolgte. An Hand des konkreten Beispiels Berlin wird die Problematik verdeutlicht. Es entwickelt sich eine Eigendynamik, aus der es für die jungen Menschen ein immer geringeres Entrinnen mit immer weniger Chancen gibt. Die Barrieren für eine Integration werden zunehmend verbaut. Die Idee der multikulturellen Gesellschaft sieht Luft an Hand der Entwicklung und der Ausweglosigkeit, in der sich die nachwachsende Generation befindet, als eindeutig gescheitert an. Deshalb belegt er, wie wichtig der schwierige Abschied aus dem Multikulturalismus ist und zeigt Wege aus der Integrationskrise auf. Das bedeutet u.a. mehr Bildung und das Schaffen der Voraussetzungen dafür; Begrenzung der Zuwanderung; alle, auch die Zuwanderer, in eine größere Verantwortung zu stellen und die Mißstände im Ausländerrecht zu beseitigen.

Luft verzichtet auf jede Polemik und jede ideologische Voreingenommenheit. Er analysiert die Situation sachlich und zieht realistische Schlußfolgerungen. Ein Buch, das notwendiger denn je ist. Wenn jetzt die richtigen Maßnahmen versäumt werden, kann der innere Frieden in Europa gefährdet sein.