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26. Oktober 2004

Die Mär vom ‚lebenslangen Lernen’

26. Oktober 2004|Editorial, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Die Mär vom ‚lebenslangen Lernen’

Darüber gesprochen wird bereits seit gut zehn Jahren, als sich allmählich abzuzeichnen begann, daß ein einmal erlernter Beruf künftig keine Garantie mehr dafür bieten würde, sein Ein- und Auskommen für ein gesamtes Arbeitsleben zu sichern. Hauptargument dafür war damals, daß der Zuwachs an Informationen und neuen Techniken schlicht verboten, fürderhin noch von „Aus“bildung – im Sinne eines finalen Kenntnisstandes – zu sprechen. Heute addiert sich dazu noch die Problematik des immer schnelleren Abbaus von Arbeitskräften zugunsten von Robotern und kompletten Fertigungsstraßen, das damit einhergehende Verschwinden ganzer Berufe sowie das Outsourcen von Produktionen in kostengünstigere Länder.

Dies beinhaltet zum einen, daß eine breite Bildungsbasis viel eher die Chancen darauf eröffnet, aus einem Beruf, der künftig kaum noch eine Chance auf einen Arbeitsplatz bietet, auf einen (mitunter völlig) anderen umzusteigen, um damit drohender Arbeitslosigkeit zu begegnen. Umgekehrt droht denjenigen Gefahr, die – möglichst schnelles Geldverdienen vor Augen – nur einen schmalen Bildungshorizont haben; denen, die allzu spezifisch, aber eben singulär ausgebildet sind; nachgerade aber denjenigen, die verabsäumen, für ständigen Bildungsnachschub zu sorgen. Und gerade hierzu haben neueste Untersuchungen Erschreckendes offenbart: Nur ein knappes Drittel der Bevölkerung im Berufsalter von 19 bis 64 nahm im Jahr 2000 an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teil. Insbesondere bei den älteren Jahrgängen, denen jenseits der 50, interessierten sich gerade einmal 20 % für irgendeine Form der Weiterbildung. Mehr als 60 % der 19- bis 44-Jährigen absolvierten noch niemals eine Weiterbildung, bei den Älteren traf das sogar auf 75 % zu. Während die 18- bis 24-Jährigen im Jahr 2002 wenigstens 1,5 Stunden pro Tag mit Lernen verbrachten, betrug dieser Lernaufwand bei den 25- bis 45-Jährigen nur noch 20 Minuten per diem.

Natürlich wurde auch dafür gleich wieder eine Expertenkommission eingesetzt, die (ebenso „natürlicher“weise) flugs nach einem „Bildungsförderungsgesetz“ rief; durch Erwachsenen-BAFÖG, familiengebundene Zahlungen, Aufstiegsweiterbildungsvorschriften, die möglichst auch noch in Tarifverträgen verankert werden sollten, ein Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz und ein Bildungsspar-Gesetz, zu dem auch die Arbeitgeber beisteuern sollten, glaubt man, in diesen „Experten“kreisen doch tatsächlich, dem Problem zuleibe rücken zu können.

Dabei ist die Bereitschaft, seine Synapsen zu füllen, das Gehirn zu trainieren und sich verändernden Lebens-, Arbeits- und Berufsverhältnissen interessiert und neugierig zu begegnen, niemals gesetzlich zu reglementieren. Nein, die Bereitschaft, sich Neuem zu öffnen, ist eine Frage der Lebenseinstellung, die maßgeblich im Elternhaus und in zweiter Linie in der Schule entwickelt wird. Dominieren in den Elternhäusern jedoch der Fernsehapparat und die Sportzeitung, fehlen gut sortierte Bücherregale oder nehmen deren Platz reichlich gefüllte Videocassetten ein, dann muß sich niemand wundern, daß die Zahl der funktionalen Analphabeten im gleichen Maße steigt, wie das Interesse an geistvoller Auseinandersetzung mit dem Leben schwindet.

Die Verrottung der Zustände an unseren Schulen, die intellektuelle Deformation breitester Bevölkerungsschichten und die damit verbundene Verengung des geistigen Horizontes lassen die Menschen zu willfährigen Bütteln einer verfehlten Bildungspolitik, einer nur noch mit Trauer zu begegnenden Medienpolitik und einer gesamtpolitisch immer seichteren Volksbildung werden.

Bildung, Lernvermögen und pädagogische Fähigkeiten können niemals Bringschuld eines Staates sein. Wer sich dies als Parteipolitiker oder Gewerkschaftler auf die Fahne heftet, reitet einen gefährlich-populistischen Gaul oder weiß, wie so oft, überhaupt nicht, wovon er spricht.

Nachgewiesen, aber aus bestimmten Gründen nicht veröffentlicht: Zur Wahrung des derzeitigen BIP in Deutschland wären nur ca. 26 % der derzeitigen Arbeitnehmer nötig (und nur etwa 15 % der öffentlich-(un)rechtlichen Staats“diener“!).

Erlauben Sie mir, denjenigen, die an dieser Problematik ernsthaftes Interesse haben, einmal mehr das Alternative Bildungskonzept des LFD – Liberales Forum Deutschland (heute PESPEKTIVE ohne Grenzen e.V.) anzuempfehlen (www.d-perspektive.de/konzepte/).

Der Weg zur Authentizität, zu einer selbstbestimmten Lebensführung – über alle wirtschafts-, sozial- und berufspolitische Klippen hinweg –, kann nur geprägt sein von der individuellen Bereitschaft des Einzelnen, sich ständig – lebenslang – weiterzubilden, dazuzulernen und mit neugierigem Interesse offen zu sein für den ständigen Wandel einer immer komplexer werdenden Welt.

H.-W. Graf

Vor Ihnen liegt die Nr. 150 des „zeitreport“, ein kleines Jubiläum, auf das wir stolz sind; seit nunmehr 32 Jahren versuchen wir, unseren Mitgliedern Hintergründe aufzuzeigen, Gedanken näherzubringen und Lösungen anzubieten, wie dies normaliter leider zu selten geschieht. Da wir für Werbung weder das Geld noch Lust haben, sind wir auf Sie angewiesen – als Leser und Empfehlungsgeber für neue Mitglieder. Helfen Sie uns bitte dabei, diese Ideen zu verbreiten.

18. August 2004

Entlarvte Dilettanten!

18. August 2004|Editorial, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Entlarvte Dilettanten!

Die gesamte Diskussion um Arbeitszeiten, Ladenschluß-/öffnungszeiten, Lohnausgleich, Sonderzahlungen, Zuschüsse und steuerfreie Zulagen diente jahrzehntelang den Gewerkschaften als Haupt-Kampfplatz und realitätsfremde „Legitimation“ ihrer schieren Existenz

  • unter dem Mäntelchen obwalteter Sozialwächter-Funktion und nur vergleichbar mit dem Anspruch der System-Parteien, nur sie könnten das soziale Element im brausenden Sturm eines “unmenschlichen Kapitalismus” sichern, bzw. der ideologischen Dogmatik der monotheistischen Religionen, sie alleine garantierten den Passierschein fürs postmortale Seelenheil. Gaudiatur: Just all diesen Märchenonkeln/-tanten geht es nun ans Gefieder. Das macht Mut!

Aber zurück zum o.g. Komplex: Wie geradezu lächerlich die Argumentation der angeblichen Arbeitnehmervertreter ist, verdeutlicht sich, wenn man deren Postulate einmal genauer seziert:

  • „Daß der Standort Deutschland auch unter einem vergifteten gesellschaftlichen Klima leidet, kommt ihnen vor lauter Populismus nicht in den Sinn.“, kräht Gewerkschaftler Deutschland (sic!). Lag der gute Mann denn während der letzten 30 Jahre im Koma?!? Wer hat denn in Zeiten eines prosperierenden Wirtschaftsaufschwungs den Grundstein für die Mauer gelegt, die Selbständige von Arbeitnehmern seither zunehmend trennt? Wer hat denn, in zielsicher desinformatorischer Weise, in bewußter Wort- und Sinnuntreue Unternehmen (nachgerade Konzerne) mit (klein- und mittelständischen) Unternehmern in einen Topf geworfen, um damit irrationale Feindbilder für die „Heere der konsequent ausgebeuteten, wehrlosen Arbeitnehmerschaft“ zu entwickeln, ohne sich dabei im mindesten von elementarsten Grundkenntnissen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften leiten zu lassen. Das orale Volumen selbstherrlicher Protagonisten verworrener Gestrigkeit erhielt bei Gewerkschaftswahlen so konsequent den Vorzug gegenüber klugem Sachverstand, wie dies in den System-Parteien ebenso geschieht. Und nun sind also die Arbeitgeber die „Klimavergifter“ !?!
  • „Wegen der daraus folgenden schlechten Absatzprognosen haben die deutschen Unternehmen keinen Grund, ihre Produktion auszudehnen”, läßt uns Ver.di wissen. Einfach mal mitdenken, Herr Bsirske: Angebot und Nachfrage dürfen auch für Ver.di als Gegenpole einer funktionierenden Wirtschaft gelten. Eins bedingt das Andere: Wird nachgefragt, werden Produktionskapazitäten (mithin auch Arbeitsplätze!) aufgebaut/ ausgeweitet, wobei sich die Preise zum einen nach den reinen Produktionskosten (incl. Lohnzusatzkosten, Produktionsnebenkosten und Steuern), erwarteten Stückzahlen, Logistik und Vertrieb, Reparatur- und Wartungskosten, Folgeaufträgen u.v.m.) richten, zum anderen dementsprechend Produktionsstandorte gesucht werden, die sich wiederum am Preisniveau der Arbeitskräfte und deren Ausbildungsstand, dem sozial-, steuer- und wirtschaftspolitischen Umfeld, der bestehenden Rechtssicherheit orientieren, um konkurrenzfähig wirtschaften zu können. Wird aber durch verfehlte Wirtschafts-/Gewerkschaftspolitik – u.a. durch ideologische Barrieren, das Fehlen jeglichen Sachverstands, der durch umso lauteres Gebrüll kompensiert wird, Behördenwahn, ständig steigende Erhöhungen der Produktionskosten, ein ungebremst wucherndes Verwaltungs- und Gesetzesgestrüpp, immer absurderes Einfordern von Rechten, Arbeitszeitverkürzungen, Lohnforderungen und die Einmischung öffentlich-(un)rechtlicher Buschkrieger – der Markt verzerrt und die (internationale) Konkurrenzfähigkeit abgewürgt, bleibt Unternehmen wie Unternehmern nichts anderes übrig, als
    1. aufzugeben;
    2. zu rationalisieren (Rückzug auf lohnenswerte Geschäftszweige und Abbau von nicht mehr lohnenden Arbeitsfeldern/-plätzen, Maschinen/Computer statt menschlicher Arbeitskräfte);
    3. die Verlagerung von Produktionskapazitäten (und Arbeitsplätzen) ins Ausland – entweder durch Fremdproduktion oder durch den Sitzwechsel des eigenen Unternehmens; oder
    4. Verkauf an oder Zukauf von Konkurrenten (siehe b). Daß ob des ständig steigenden Drucks durch völlig verantwortungslose und von keinerlei unternehmerischer Sachkenntnis belastete Gewerkschaftler und Politiker die Großkonzerne/Unternehmen vornehmlich die Flucht ins Ausland antreten –  sonst treten ihnen ihre Aktionäre (bzw. deren institutionelle Vertreter) ins Gesäß, der Börsenwert schrumpft und sie mutieren zum Übernahmekandidaten –, während die Unternehmer zumeist gezwungen sind, hierorts zu bleiben und ständig schrumpfende Erträge zu ertragen, versteht selbst ein Hilfsschüler, leider aber kaum ein Gewerkschaftler.

Mit Entlassungen, Lohnkürzungen (um das Unternehmen nicht existentiell zu gefährden) und der Verlagerung/dem Abbau von Produktionsstätten gehen nun folgende Phänomene einher – gut aufpassen Bsirske, Sommer, Peters, Putzhammer, Deutschland, Engelen-Kefer, Knauß und Konsorten:

  • das sozialpolitische Klima wird frostiger; das Unverständnis um die Zusammenhänge und
  • die Wut der Arbeitnehmer – resultierend aus dem “Bewußtsein”, belogen, betrogen und verraten worden zu sein –  bilden einen gefährlichen Brandsatz, der irgendwann hochgeht;
  • die Sparquote steigt (“Spare in der Not, da hast Du Zeit dafür“),
  • Kaufkraft und Konsumbereitschaft sinken, die Gewinnmargen ebenfalls und entsprechend auch die Steueraufkommen für Bund, Länder und Gemeinden, während gleichzeitig deren Belastungen (Alo, Sozialhilfe, Wohngeld, etc.) sogar steigen. Die Krankheiten – Spiegel reduzierter Lebens- und Arbeitsfreude, Hygiene und Immunkraft – nehmen zu (ergo auch die Gesundheitskosten – die seit Jan. 2004 beobachtete Abnahme der Krankmeldungen wird sich bald wieder umkehren!);
  • immer mehr Schuldner; die Zahlungsmoral (selbst von staatlichen Auftraggebern) nimmt
  • zunehmend ab; steigende Konkurse von Firmen wie Familien; die Infrastruktur verkommt;
  • Kriminalitätsraten und Armutsquote steigen;
  • wer kann, der flieht (vor allem mit seinem Kapital) ins Ausland;
  • Recht und öffentliche Ordnung sehen sich zunehmend gefährdet – der circulus viciosus dreht sich immer schneller!

Bereits seit 1982 lebt dieses Land nur von seinen im Export erzielten Erlösen, während der inländische Wirtschaftsertrag real abnimmt. Da aber bereits seit 2001 die offiziell als Export deklarierten Anteile des Bruttosozialproduktes zunehmend real im Ausland erbrachte Reimporte darstellen, gerät die bundesdeutsche Gesamtwirtschaft in eine immer gefährlichere Schieflage – was sich den gewerkschaftlichen Traumtänzern und der grünbunten Laienspielerschar immer noch verschließt. Und die Bundesregierung laviert mit völlig verzerrten Arbeitslosenzahlen – bei den offiziell 4,36 Mio. Arbeitslosen werden konsequent in Bildungs-/Umschulungsmaßnahmen Befindliche, Arbeitslose über 58, resignierte „stille Reserven“ und „Frühverrentete“, Altersteilzeitbeschäftigte, Vorruheständler, Kurzarbeiter, Ich-AGler schlicht aussortiert (statistisch unterschlagen). Deutschland hat in Wahrheit rund 8,6 Mio Arbeitslose!

Seit etwa 25 Jahren warnt ein kleiner Kreis – u.a. auch der DBSFS und das LFD – vor all diesen sich klar abzeichnenden Problemen. Das Gros der Bevölkerung überläßt es jedoch in bequemer Hoffnungsfreude den Gewerkschaften und Systemparteien, die Probleme zu lösen und macht damit buchstäblich die Böcke zu Gärtnern, denn ohne die blinde Machtgier und atemberaubende Inkompetenz dieser öffentlich ausgehaltenen Zeitgenossen hätten wir einen gesunden, sich selbst regulierenden Markt. Dem Staat oblägen nur wenige ordnungspolitische Pflichten, die er dann auch realiter wahrnehmen könnte, wenn er sich auf sie beschränkte – mit ungleich geringerem personellen und finanziellen Aufwand.

Dies bedeutet konkret:

  • Über Arbeitszeiten, Löhne und Gehälter haben sich ausnahmslos diejenigen mündigen Bürger/Institutionen zu einigen, die ein Vertragsverhältnis eingehen möchten. Gleiches gilt für Ladenschluß- und -öffnungszeiten;
  • Steuer-, Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik (incl. Gesundheits-, Renten- und Bildungspolitik) können nur aus einem Guß und vornehmlich in privatrechtlicher und privatwirtschaftlicher Weise reformiert werden. Partielle Flickschusterei und schacherischer Populismus helfen nicht nur nicht weiter, sie stellen vielmehr die allseits beschworene ‘Demokratie’ auf den Kopf, gefährden die öffentliche Sicherheit und den Gesamtaerar (mithin auch die Zukunft dieses Landes und seiner Bevölkerung), womit die Drahtzieher dieses Systems gegen Treu und Glauben, ihren Amtseid sowie vielfach (siehe zeitreport, Nr. 148) sogar das Grundgesetz verstoßen, womit der Verdacht der ‘Bildung einer kriminellen Vereinigung’ erhärtet wird;
  • Parteien und Gewerkschaften sowie die öffentlich-(un)rechtlichen Zwangsmonopole (IHKs, HwKs, Kammern, etc) müssen deshalb endlich entmachtet, der Staat ihrer Kuratel wieder entzogen werden.

Wir – die BürgerInnen dieses Landes – sollten endlich aus unserem ‘ Dornröschenschlaf’ erwachen und eigenverantwortlich handeln, denn freiwillig, gar in erkannter Verantwortlichkeit, werden die bestens versorgten Systemheloten nicht handeln!

H.-W. Graf
17. Juni 2004

Weltweiter Wahnsinn

17. Juni 2004|Editorial, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Weltweiter Wahnsinn

Nach dem „Ende“ des zweiten Bus(c)h-Kriegs’ gegen den Irak prognostizierten wir, daß der wirkliche Irak-Krieg erst beginnt. Nun, diese Prophezeiung hat sich leider bewahrheitet und kulminiert nun zu einem (internationalen) Showdown; die Metapher vom ‚Zweiten Vietnam’ für die USA ist mehr als angebracht:

  • nach Spanien, Honduras, Indonesien und Thailand (!) werden auch Polen, El Salvador …. und, natürlich zu allerletzt, auch Australien, Kanada und die Briten ihre Kontingente abziehen – beileibe nicht aus ethischen Gründen oder aus der Einsicht, daß sie sich praktisch des Kriegsverbrechens schuldig gemacht haben, weil sie bereits vor dem Sanktum der UNO ihre Zusage an die USA gaben und den Einsatz ihrer Truppen vorbereitet haben (i.e. ‚Planung eines Angriffskrieges’), sondern weil deren Bevölkerungen aufwachen und ihren Regierungen ins Kreuz treten;
  • sehr bald wird auch den US-Amerikanern ein Licht aufgehen, daß die zynisch-arrogante Haltung ihrer größenwahnsinnigen „Führer“ nicht das mindeste mit einer „Search for World-Peace“-policy zu tun hat, sondern es ausschließlich um die Rohstoffe dieser Welt und einen ‚ewigen Führungsanspruch’ der USA geht, die sehr wohl um die Gefahr wissen, die von einem wachsenden China und Indien für die Verteilung der (wirtschaftlichen) Machtverhältnisse im 21. Jahrhundert ausgehen;
  • hinzu kommt die sich zuspitzende Lage im Nahen Osten; spätestens nach der Ausstrahlung eines BBC-Berichtes auf  Phoenix am 21.04.2004 („Israels geheime Atomwaffen“) muß auch dem letzten Ignoranten klar sein, welch perfides „Spiel“ die israelischen Regierungen (vorgestern Begin, gestern Peres, heute Sharon) mit dem Rest der Welt spielen – in einem offiziell als Demokratie geführten Staat, der sich über internationales Gesetz, Medien- und Pressefreiheit sowie primitivste Rechte eines (Schein-)Angeklagten und sogar die Genfer Konvention hinwegsetzen zu dürfen glaubt. Stattdessen wird mit der „Antisemitismus“-Keule gedroht und jede Kritik an der israelischen Camarilla unterbunden – natürlich vor allem in Deutschland! Dabei sollten (vielleicht gerade) wir (Deutsche) die mutigen Israelis unterstützen, die sich wahrlich heldenhaft für die Rechte Mordechai Vanunus und die Verbreitung der Informationen über Israels ABC-Waffenprogramme einsetzen(!);
  • Saudi-Arabien steht vor der Explosion (noch in diesem Jahr!): Das korruptionsverfilzte, mittelalterlich gehaltene Land mit den größten Ölreserven steht sozialpolitisch wie wirtschaftlich vor dem Bankrott. 95% des saudischen Reichtums liegt in den Händen des saudischen Königsclans (0,03% der Bevölkerung), der in Saus und Braus lebt, seine Gelder weltweit anlegt und sich nur noch mit Hilfe der US-Regierung überhaupt an der Macht halten kann. Seit 17 Jahren verzeichnet Saudi-Arabien ein Haushaltsdefizit; die Bevölkerung wächst mit einer Rate von 3,5% – bei einer Arbeitslosigkeit von 40% und einem seit 1970 um über 70% gesunkenen Pro-Kopf-Einkommen, einer völlig desolaten Infrastruktur und gravierenden Energieversorgungsengpässen.
  • Nun stellen Sie sich vor, daß auch nur eines der folgenden Ereignisse eintritt:  Ermordung von G.W. Bush, Sharon oder des Papstes; eine explosive Drohne auf Dimona (hier liegt die Atomwaffenfabik Israels); ein Anschlag auf die City of London, Jerusalem, den Vatikan, das Weiße Haus oder – egal von wem – auf eines der islamischen Heiligtümer.

Unnötig zu erwähnen, was dies für die sozialpolitische Situation in nahezu jedem Land der Welt bedeuten würde.

Naiv ist wohl vor allem der Umgang der Politiker, insbesondere der Medien und – in Folge –der Öffentlichkeit mit der Tatsache, daß sowohl die US-Regierung als auch die Regierung Israels in klarem Verstoß gegen internationales Recht sich erlauben, in geradezu menschenverachtender Weise ihre eigenen Interessen gegenüber allen Andersdenkenden glauben durchsetzen zu können; die USA in der Überzeugung, als stärkste Militärmacht de facto nicht zu hindern zu sein, aber auch in der Gewißheit, im eigenen Lande nur wenig Protest konfrontieren zu müssen. Kaum über den Rest der Welt auch nur im mindesten in ihrer Schulausbildung informiert sowie von ihren eigenen Medien ständig desinformiert (oder völlig im Unklaren gelassen) überwiegt in der US-Bevölkerung eine geradezu kindlich-naive Sicht der internationalen Zusammenhänge. Das Gesamtbild ist von erschütternder Schlichtheit: die USA als „beste, freieste und einzig von Gott zur Führung der Welt berufene Nation.“ Jeder Zweifel daran ist geradezu Häresie.

Israel leistet sich seit Jahrzehnten staatlich organisierte Kriminalität – selbstherrliches Töten jedwie unliebsamer Zeitgenossen durch den Mossad – und negiert konsequent jede Resolution der UNO, des geradezu lächerlichen, zahnlosen Tigers, dessen „Miauen“ Israel und seinem ‚großen Bruder’ und Financier, den USA, allenfalls ein mitleidiges Lächeln abnötigt.

Jeder westliche Politiker hält sich mit Kritik an beiden Staaten vorsichtig zurück – insbesondere die Deutschen, die ansonsten schnell mit der ‚Holocaust-Keule’ zurückgescheucht werden.

Condi Rice bestreitet als folgsame Stiefelleckerin ihres Herrn und karrieresüchtige Paladina der US-Konzerne und der internationalen Hochfinanz jegliche Beteiligung der US-Regierung an bzw. jegliches Wissen um die Morde an den Palästinenserführern Jassin und Rantisi – worüber jeder halbwegs Interessierte nur müde lächeln kann; seit seiner Gründung ist dieser Kunststaat Israel praktisch pleite (aber der militärisch höchstgerüstete im gesamten Vorderen Orient!) und lebt von Krediten und Zuschüssen der USA, der internationalen Gemeinschaft jüdischer Organisationen sowie weiteren ‚Schuldzahlungen’ Deutschlands. Kein Mensch muß glauben, daß Washington nicht über jeden Akt des Mossad, jeden illegalen, völkerrechtswidrigen Landraub Tel Avivs informiert ist und die israelische Regierung nicht jeweils mit der stummen Duldung der US-Regierung (notfalls einem Veto in der UNO) fest rechnen darf.

Für wie dumm hält Mrs. Rice eigentlich den Rest der Welt?

Wir schließen Augen und Ohren und halten das Maul – ist ja auch wesentlich bequemer. Aber die Quittung werden wir – zunehmend – zu zahlen haben!

Der US-amerikanische globale Wahnsinn muß gestoppt werden – nicht durch unsere „Mickey Mouse“-Regierungen in Berlin, Paris, Rom und London, sondern durch das klare Votum jedes noch nicht durch Raab, Gottschalk und Co., Fußball und Boxkämpfe völlig verblödeten oder durch übermäßigen Biergenuß vernebelten Menschen.

WIR müssen aktiv werden!

H.-W. Graf

15. April 2004

Delegiert in die Katastrophe

15. April 2004|Editorial, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Delegiert in die Katastrophe

Daß der Mensch, sieht man von seinen physischen Charakteristika ab, dominant ein Produkt seiner Umwelt ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dementsprechend unterscheiden wir uns nach Bildung und Stil, Disziplin und Ordnung, Interessen und Vorlieben, Zuverlässigkeit und Vorurteilen, musischer und kulturaler Tiefe, Wortschatz und Verantwortungsbewußtsein teilweise erheblich. Selbst die Intelligenz wird weit weniger durch genetische Disposition als durch deren Entwicklung – pränatal und insbesondere in frühester Kindheit – geprägt. Zu diesen edukativ geprägten Unterscheidungsmerkmalen gehört aber auch die Frage der Herangehensweise, wenn es um die Gestaltung des eigenen Lebens, Mut und Einsatzbereitschaft, die selbstbestimmte Vorsorge für die Fährnisse des Lebens, die Berufswahl und die spätere Berufsauffassung geht. Etwas verkürzt: Hier wird determiniert, ob sich ein Mensch zur Selbständigkeit entschließt oder lieber wohlversorgter Beamter wird; oder brav angepaßt durchs Leben geht oder Neugier, Kreativität und endogenen Impulsen Raum gibt. Selbständigkeit ist keine vornehmlich juristische Lebensdeterminante, sondern eine generelle Lebensmaxime, auf die der Mensch nicht genetisch programmiert oder per definitionem beruflich geeicht wird. Eine selbständige Lebensführung entspringt einer geradezu natürlichen Selbstverständlichkeit – gefördert und ausgeformt durch eine kluge Pädagogik von Eltern und Erziehern.

Nun scheint es ein dem Deutschen charakteristisches Phänomen zu sein – um einen genetischen Fauxpas kann es sich schlicht nicht handeln – daß wir nur allzu gerne einerseits nach Sicherheit und Berechenbarkeit streben, aus Gründen der Bequemlichkeit die Verantwortung für die Aufrechterhaltung unserer Sicherheit auf beinahe Jeden delegieren, der uns – ein entsprechendes Mundwerk vorausgesetzt – dieses verspricht. Wohl darauf ist zurückzuführen, daß sich speziell die Deutschen – kopfschüttelnd von der Welt dabei beobachtet – in faktisch allen Lebensbereichen beinahe lustvoll gängeln, entmündigen und delegativ vertreten lassen. Da wir dies von einer Generation „geerbt“ haben, die heute noch dafür bestraft wird, es 23 Jahre mit einer Diktatur getrieben zu haben, die zum totalen Chaos in Europa führte, sind wir wohl sehr spezifisch darauf dressiert, uns unter dem Mäntelchen der Demokratie 168 Stunden in der Woche vertreten und in allen Lebensbereichen unter Kuratel nehmen zu lassen. Neben der Kirche, den „demokratischen“ Parteien und den Gewerkschaften ist dies das Gestrüpp von 10.000 Gesetzen und 100.000 Verordnungen, die uns, so wähnen wir hoffnungsvoll, schon den richtigen Weg weisen, für unseren Fortschritt und eine das Leben begleitende Sicherheit verantwortlich zeichnen. Dabei fragen wir weder nach der Qualifikation dieser Figuren, noch haben sich diese Zeitgenossen jedweden Controllings zu unterziehen – einfacher: Sie dürfen sich, schwarz/gelb oder rot/grün, jeden Dilettantismus erlauben, für den sie im Normalleben entlassen (oder gar nicht eingestellt) würden. Selbst wenn sie uns – die Liste wäre zu lang – belügen und betrügen, nehmen wir es ihnen nicht sonderlich übel. Eine rechtliche Ahndung derartiger Verfehlungen sieht das Gesetz ohnehin nicht vor; dafür gibt es die Immunität.

Doch die Zeiten scheinen sich zu wandeln; die massenhaften Austritte aus den Gewerkschaften und der SPD, die Abkehr von den sakralen Jenseitspropheten, der Protest gegen die inzüchtige Geldverschwendung in Behörden und Ämtern, die Entlarvung der Sozialkassen als Potemkin`sche Machwerke, deren Tätigkeit sich vor allem in der Versorgung ihrer eigenen Bediensteten erschöpft, der wachsende Protest gegen Kammern und Zwangsverbände und die zunehmende Abkehr von Tarifkartellen machen Mut und geben Hoffnung. Stellen Sie sich nur mal vor, drei Krebsgeschwüre unseres „Sozial“staates verlören weitere 50 % ihrer (allmählich wach werdenden) Mitglieder; die BürgerInnen besönnen sich auf ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten und nähmen die Verantwortung für ihr Leben selbstbewußt in die eigenen Hände, statt sich Scharlatanen und Rattenfängern auszuliefern – aus diesem Staat könnte sehr schnell wieder eine gesunde, starke Sozietas werden.

Wer seine eigene Verantwortung – privat und beruflich – heute immer noch in die Hand von Falschmünzern und Maulhuren legt, darf sich mit Recht um seine Zukunft und das Alter sorgen.

Der „Sozial“Staat bundesdeutscher Prägung ist ein Auslaufmodell. Es liegt an uns, dies möglichst schnell zu realisieren und dann (siehe der Anfang dieses Editorials) unseren Kindern in die Wiege ihres eigenen Lebens ein neues Denken, Fühlen und Handeln zu legen.

H.-W. Graf

10. Februar 2004

Eliten und Prominente

10. Februar 2004|Editorial, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Eliten und Prominente

Während sich The New Caxton mit dem französischen élite und dem Hinweis auf die italienischen Soziologen und Anthropologen Gaitano Mosca (1858 – 1941) und Vilfredo Pareto (1848 – 1923) und deren darwinistisch orientierte Definition sozialer Eliten bezieht, geht der Brockhaus zurück auf das lateinische eligere (‚auswählen’) und definiert Eliten als ‚ausgewählte Minderheit und Führungsschicht’. Ebenda finden wir aber auch die abwertende Definition ‚überheblich’ und die Unterscheidung zwischen ‚Funktions-Eliten, Geburts-, Wert- und Macht-Eliten’ sowie ‚militärischen und sozialen Eliten’.

Praktisch seit dem 2. Weltkrieg beschränkte sich der Begriff im Deutschen auf den militärischen Bereich (‚Elite-Soldaten’), galt ansonsten jedoch als verpönt; zu lebendig war noch die Erinnerung an den nationalsozialistischen Inhalt des rassisch-„überlegenen“ Ariers. Statt dessen hantiert man im Deutschen hauptsächlich mit dem Begriff des ‚Prominenten’, und davon gibt es reichlich und im Übermaß, wobei sich bei genauerem Hinsehen jeweils derjenige zu den Prominenten zählen darf, der – auf welchem Wege auch immer – oft genug ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerät und/oder es in die Schlagzeilen der Presse und in die Talkshows der öffentlich-(un)rechtlichen oder privaten Sender bringt. Hierbei geht es beileibe nicht um Qualität, vielmehr entscheiden Werbeetats, jegliche Ästhetik oder Intelligenz mit Stiefeln tretende Perversion[1] und sogar Straffälligkeit darüber, wer als prominent gelten darf. Ob Politiker oder Künstler, Sportler oder mit gespreizten Fingern in Augenhöhe wedelnde Zeitgenossen (taktisches Zeichen für: „Mein Hirn ist leer, wie sieht`s in Deinem aus?“), was immer Aufmerksamkeit provozieren kann, wird den Rezipienten als prominent – im Sinne der Auserwähltheit – offeriert und aufgedrängt.

Daß Eliten, egal in welchem Sinne, eine Vorbildfunktion wahrnehmen und damit insbesondere jungen Menschen als Zielgrößen für die Gestaltung des eigenen Lebensweges dienen sollten und könnten, gerät dabei immer mehr in den Hintergrund. Kein Wunder, daß kranke Figuren im DenkFühlen der Jugendlichen (und leider auch vieler Erwachsenen) geradezu gefährliche Auswüchse generieren; die Schwarzeneggers und Küblböcks in Politik, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Musik, Film und Fernsehen, Mode und allen Bereichen des öffentlichen Lebens präg(t)en die Lebensinhalte und Denkweisen der letzten beiden Generationen. Nur peripher wird wahrgenommen, daß es auch noch wirkliche Eliten gibt. Sie halten sich zu leise im Hintergrund, verstehen es zumeist nicht, sich entsprechend medienwirksam zu präsentieren, ihr Öffentlichkeitswert ist schlicht zu gering. Stattdessen drängen sich Witzfiguren aus Politik und Sport, egomane Selbstdarsteller und Psychopathen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sie kreier(t)en den Zeitgeist und bestimm(t)en den Wertekatalog als Sinnbilder eines verfremdeten Elitarismus`.

Spätestens seit der gerade für Deutschland so demütigenden PISA-Studie dämmert es manchen Zeitgenossen – nein, Politiker schwätzen nur davon! –, daß unsere Kultur- und Geisteshaltung, das gesamte soziologische Konzept in diesem Lande in seiner Konsistenz verblüffende Ähnlichkeit mit einem Schweizer Käse hat; unter dem Damokles-Schwert einer politisch unkorrekten Nutzung des Begriffes Elite mutiert(e) ein ganzes Volk in seiner grundsätzlichen Geistes- und Wesenshaltung.

Machen Sie die Probe aufs Exempel: Fragen Sie Ihre Kinder und deren Freunde, aber auch ihre Bekannten und Kollegen nach 10 Menschen, die diese zur Elite zählen; Sie werden wahlweise den Kopf schütteln oder erschrecken müssen.

Nur vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, daß 35-Jährige inzwischen ihre Biographien verfassen (lassen), Fußball- und Tennisprofis Persönlichkeitsbildungs-Seminare abhalten und Politiker allen Ernstes behaupten, Verantwortung zu übernehmen. Wer wäre dazu weniger geeignet!

Müssen wir uns da groß wundern, daß durchlöcherte Nasen, Zungen, Lippen, Geschlechtsteile und Hirne, eine zunehmend verballhornte Sprache in Wort und Gesang, eine nur noch auf passive Rezipienz ausgerichtete Kultur und eine von dröger Interesselosigkeit geprägte Jugend den Ton angeben? Geradezu Mitleid und verächtliche Bemerkungen riskiert, wer sich offen zu klassischer Musik bekennt, tiefschürfende Themen zur Diskussion stellt oder zu sozialem Engagement aufruft. Und wer möchte als Jugendlicher schon abseits stehen, belächelt oder gehänselt werden, weil ihm ein gutes Buch sinnstiftender erscheint als ein surrealer Actionthriller?

Zu pessimistisch und defätistisch, meinen Sie? Nun, dann machen Sie oben genannte Probe aufs Exempel.

Nur wenn wir wirklicher Elitarität auch wieder ihren Rang beimessen und uns den Westerkübls, Schrödeggers und Müntebohlens wieder zu entsagen lernen, wir uns darüber klar werden, daß wir den geltenden Wertekatalog als Maßstab für künftige Generationen gestalten dürfen und sollten, werden wir Begriff und Spektrum der Elite wieder zum Maßstab eigenen DenkFühlHandelns entwickeln können. Es mag altmodisch erscheinen, aber für mich bedeutet Elite fachliche Kompetenz, soziale Lauterkeit und verantwortungsbewußtes Handeln, nicht auf eigene Vorteile schielendes Engagement und eine vorbildhafte Lebensführung. Zur Elite gehört für mich auch, wes DenkFühlHandeln nicht auf Applaus und gefeierte Beachtung abzielt, sondern sich im Bewußtsein eigenen authentischen Handelns steht.

H.-W. Graf


[1] Denken Sie an das jüngste RTL-Highlight: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“

8. Dezember 2003

Gedanken zum Neuen Jahr 2004

8. Dezember 2003|Editorial, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Gedanken zum Neuen Jahr 2004

Irak-Krieg, Afghanistan, Indien/Pakistan, Nordkorea, Mini-Atombomben US-amerikanischer Waffenschmieden, Islam versus Judäismus versus Christentum, Dauerbrand im Mittleren Osten, Weltwirtschaftskrieg, weltweite Verschuldung und Zusammenbruch der Sozialsysteme … – allsamt Hypotheken, die wir ins Neue Jahr mitnehmen.

Stellen Sie sich doch einmal vor, wir wären wirklich schon ein paar Schritte weiter. Fangen wir im Kleinen an: Gerhard S. weg – erinnern Sie sich: das schelmisch lächelnde, oftmals so proletenhaft wippende Männchen, das Schwierigkeiten hatte, die Texte abzulesen, die andere für ihn schrieben, die er selber aber gar nicht raffte; Thierse weg – der salbadernde Neo-Moses; Merkel weg – Alice Schwarzers uneheliche Findelnichte, die den Spagat vom personifizierten antifaschistischen Schutzwall zur Heroine der Schrebergarten-Kapitalisten schaffte; Ulla S. weg – ihr Name würde nur noch in einem Atemzug mit Hauff, Andersen und den Gebrüdern Grimm genannt werden; Struck, Laurenz M., Taxi-Fischer und Atomdosen-Trittin – alle in verschiedenfarbigen Flaschencontainern entsorgt.

Die heilsversprechenden Kommissionsauswürfe sorgsam verplombt und unter Tage endgelagert; der Staat und seine öffentlich-(un)rechtlichen Organe reduziert auf ein Zehntel ihrer größten Wucherphase; Kompetenz hat Dilettantismus ersetzt, und Leistungsbereitschaft steht wieder vor pseudosozialer Schröpfkultur; Neid wird durch Vorbild ersetzt, und selbstbestimmte Lebensführung rangiert vor sozialstaatlichem Versorgungsdenken; die BürgerInnen sind politischer, verantwortungsbewußter und autarker geworden; der Zauselclub von 600 Bundestagsfürstchen und 100.000 regionalen und kommunalen Politfürzchen hat sich zu einer demokratisch gewählten Elite von knapp 500 hochkarätigen Führungskräften verdichtet, die – gut bezahlt – nicht korrumpierbar und fernab jeder systemischen Verklumptheit – Verantwortung tragen, statt davon zu sabbeln.

Der Parteienmoloch ist aufgelöst; in Hunderten politischer Clubs wird diskutiert und konzeptioniert; Ältere bieten ihre Erfahrung als politische Pädagogen Jüngeren an, für die Politik ein Lehrfach wie Algebra und Geschichte ist; die wertlose Tara eines wechselweise an Diarrhö oder Blähungen leidenden Parteien-, Funktionärs- und Gewerkschaftsklüngels ist auf Null reduziert; Betriebe und Berufe verwalten sich in Eigenregie, aber auf freiwilliger Basis; Zwangskammern – unselige Nostalgie.

Es macht wieder Spaß, sich nach besten Kräften mit Herz und Verstand um das eigene Leben zu besorgen und aus freien Stücken denen zu helfen, die tatsächlich fremder Hilfe bedürfen; Selbständige Lebensgestaltung wird nicht mehr argwöhnisch belauert, gesetzlich und behördlich stranguliert, sondern zur Lebensmaxime erhoben.

Ein humanistisches, intelligentes Menschenbild braucht keine politische Farbenlehre, keinen in ‚…ismen’ verkleisterten ideologischen Setzbaukasten; Parteien und Gewerkschaften in ihrer heute korrupt verdichteten Funktion haben weder eine Berechtigung noch einen Sinn – im Hinblick auf eine Entwicklung im globalen Sinne; Gleiches gilt für deren sakrales Gegenstück, die Entmündigungsinstitutionen biblischer Provenienz (vulgo: Religionen).

In Staaten – je größer und waffenstarrender, desto weniger überlebensfähig, aber gefährlich – liegt nicht der Entwicklungspfad des homo sapiens. Dem menschlichen Verbund auf kommunaler (bedingt auch regionaler) Ebene mit einem wachen Interesse an einer weltweiten Vernetzung in allen Bereichen des Lebens, der Wirtschaft und der Bildung, gehört die Zukunft.

Verklärtes Vaterlandsdenken, nationalistische Engstirnigkeit und religiöser Fanatismus sollten als urzeitliche Denkmuster einer noch unterentwickelten Spezies im Museum menschlicher Archaik unter Glas gesetzt werden.

So, nun zurück ins beginnende Jahr 2004: Wenn Sie obig Beschriebenes grundsätzlich benicken, gilt es, alles dafür Mögliche und Nötige zu tun. Wir bekommen dies nicht gratis – schon gar nicht freiwillig von den uns heute vergewaltigenden Staatsschmarotzern und Systemheloten. Es liegt an uns, dafür nötige Voraussetzungen zu schaffen.

Abzuwarten, bis Andere den Job erledigen (und ihnen dann benevolent auf die Schulter zu klopfen) ist der bequeme aber falsche Weg.

Und mit „besten Wünschen zum Neuen Jahr“ ist das alleine nicht zu schaffen. Wir müssen aufwachen und loslegen! Die werden den Teufel tun.

Ihnen allen ein sinnvoll und wertvoll gestaltetes 2004!

Ihr

H.-W. Graf