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30. Januar 2009

Die Lage spitzt sich zu

30. Januar 2009|Editorial, Wirtschaftspolitik, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Die Lage spitzt sich zu

– nur die Systempolitiker kapieren es immer noch nicht –

BMW und VW setzen auf Kurzarbeit, Hypo Real Estate ersucht um den nächsten Nachschlag (diesmal 12 Mrd €), die Commerzbank, finanziell in höchster Not,  holt sich den Staat als Miteigentümer ins Boot – um die Dresdner Bank kaufen (!) – und dabei wird für 25% (plus eine Aktie) das Sechsfache des derzeitigen Börsenwertes für die gesamte Bank bezahlt, ein wahrhaft tolles Geschäft. Dafür soll die Commerzbank dann 9% Zinsen zahlen – womit, bitteschön, soll dieser Zinsdienst erwirtschaftet werden? Später soll dieser Staatsanteil dann wieder verkauft werden – mit Gewinn, versichern Glos (früher Müllermeister, heute Wirtschaftsminister) und Kollege Steinmeier, angeblich Finanzexperte. Hatten die beiden keinen Matheunterricht?

Mit einer Verschrottungsprämie soll der Automarkt angeregt werden, und der Kinderzuschlag soll wohl der Windelindustrie und den Brei-Fabrikanten über den wirtschaftlichen Winter helfen.

An allen Ecken und Enden franst das System aus – in Deutschland, europa- und weltweit. Alle Länder der Welt verzeichnen für das vierte Quartal 2008 ein “Minuswachstum” (was für ein Wort!) von zwischen 0,4 bis 1,8%, und für 2009 ist man sich einig: Die Bruttoinlandsprodukte gehen zwischen 1,2 und 6% nach Süden.

Mit gigantischen Summen (2009 wohl mehr als 2,7 Billionen €) wird verzweifelt versucht, das alte System zu retten – ohne Rücksicht auf künftige Generationen. Der nicht ausrottbare Glaubenssatz ‘nur Wachstum garantiert Wohlstand, Arbeitsplätze und soziale Stabilität‘ wird als Rechtfertigung eines Wahnsinns gepredigt, der in Wahrheit nur die Angst verschleiert, daß die bestehenden Machtstrukturen gefährdet sind, der drohende Kollaps zu nicht mehr kontrollierbaren Verschiebungen – national wie international – führen wird und mutmaßlich alle so mühsam zusammengebastelten Interdependenzen platzen und sich auflösen könnten.

Dabei hat die Wirtschaftskrise gerade erst begonnen; allein die noch in den Büchern deutscher Banken schlummernden „Leichen“, die Saat eines völlig haltlosen, von schierer Gier und Größenwahn getriebenen Kasinokapitalismus, addieren sich wohl auf etwa 600 bis 800 Milliarden €, weltweit auf etwa 18 bis 20 Billionen, und noch überhaupt nicht erahnbar ist das Ausmaß der Defizite in den angelsächsischen Pensionsfonds einerseits sowie der bereits heute bestehenden Verpflichtungen der gesetzlichen Renten- und öffentlich-(un)rechtlichen Versorgungswerke der europäischen Staaten.

Insbesondere die Großstaaten – China, Rußland, Indien, Brasilien, USA und Indonesien –, aber auch die staatlichen Kunstprodukte unserer Zeit – EU und GUS – stehen vor Zerreißproben, die mutmaßlich zu ihrer Auflösung führen könnten – mit dramatischen sozial-, wirtschafts- und finanzpolitischen Auswirkungen. Die (bis heute verfassungslose) EU steht mit den wirtschaftspolitisch fragilen „PIGSIs“ – Portugal, Italien, Griechenland, Spanien und Irland – bereits in einem nahezu praekomatösen Zustand; nur deshalb kann sich der US-$ ggü. dem Euro einigermaßen halten.

Dabei zeichnet sich weltweit, speziell aber in den westeuropäischen Ländern zunehmend ab, daß diejenigen Unternehmen und Branchen gestützt und mit Krediten, Bürgschaften und Staatsgarantien versorgt werden, die entweder bereits (halb)staatlich geführt werden oder hohe Belegschaften halten oder zu den Kernbranchen der jeweiligen Volkswirtschaft zählen. Verständlich – es geht um die Sicherung des Systems, und welche Regierung legt sich schon mit Großkonzernen und deren Belegschaften an – aber volkswirtschaftlich höchst kurzsichtig und gefährlich; der Mittelstand, die Hunderttausenden von Kleinbetrieben und freiberuflich Selbständigen bilden das Rückgrad jeder Volkswirtschaft; sie stellen das Gros der Arbeitsplätze, sie reagieren flexibler, produktiver und effektiver auf den Bedarfswandel in sich verändernden Zeiten, als dies Großkonzerne jemals können; sie stellen das Gros der Ausbildungsplätze und 95% aller Patente. Aber hinter ihnen stehen eben keine mächtigen Betriebsräte und Gewerkschaften (mit entsprechenden Juristenstäben);  sie haben keine Lobby. Sie kämpfen ums nackte Überleben und haben überproportional  mit staatlicher Willkür, Bürokratie- und Behördenwahnsinn zu kämpfen. Die Großindustrie wird mit staatlichen Programmen gestützt und mit Krediten aus öffentlich-(un)rechtlich veruntreuten Steuergeldern versorgt; um den Mittelstand kümmern sich weder Banken noch die Politik. Unternehmen sind (ab einer gewisser Größe) fürs System wichtig, Unternehmer sollen sich gefälligst selbst retten. Genau hierin unterscheiden sich überbezahlte Angestellte und verantwortliche Unternehmer!

Da werden Autokonzerne in den USA mit Hunderten von Milliarden gefüttert, die seit mehr als 10 Jahren nur mithilfe ihrer Finanzgeschäfte überhaupt noch Gewinne verzeichneten. In Deutschland fällt es ausgerechnet jetzt der großen Koalition ein, sich um verwahrloste Schulgebäude und infrastrukturelle Notfälle zu kümmern; seit Jahrzehnten klaffende Baustellen sozialpolitischer Inkompetenz werden nun mit hektischem Aktionismus angegangen und uns pathetisch als „reformatorische“ Glanztaten verkauft. In Wahrheit zittert ein völlig hilfloser Haufen überforderter Politiker, deren Angst vor einem Machtverlust noch größer ist als ihre gegenseitige Abscheu, dem Ende ihrer koalitionären Haßliebe entgegen – ohne die mindeste Ahnung davon, wie dem, was da auf sie/uns wartet, begegnet werden könnte.
Der nun in zunehmendem Tempo auf uns zukommenden Wirtschaftskrise, noch mehr aber der daraus erwachsenden Sozialkrise kann und darf nicht in der jahrzehntelang gepflegten systemischen Üblichkeit begegnet werden, denn wir haben es mit einer Systemkrise zu tun, deren finanz- und sozialpolitischen Dimensionen alles in den Schatten stellen wird, was wir in den letzten hundert Jahren erlebt haben. Nur haben dies unsere fachlich völlig überforderten, ausschließlich parteipolitisch konditionierten und trainierten Systempolitiker noch nicht im mindesten begriffen.

Verabsäumt wurde – quer durch alle Parteien –, in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten und angesichts niedriger Zinsen vormals aufgenommene Schulden zu tilgen und wirkliche Reformen im Bildungs-, Gesundheits-, Steuer-, Sozial– und Finanzwesen zu entwickeln – statt immer nur blumig und selbstverliebt zu schwadronieren. Völlige Ahnungslosigkeit, partei- und wähleropportune Gefälligkeitspolitik und eine ausschließlich auf Machterhalt ausgerichtete Realitätsferne zwingen unsere Pseudoeliten nun zu einer immer abenteuerlicheren und absehbar unseriösen Fiskalpolitik, deren Auswirkungen nachgerade unverantwortlich sind.

Intelligent wäre es, das gesamte Steuersystem auf eine gestaffelte Konsumsteuer (siehe: ‘Grundzüge eines neuen Steuer-, Wirtschafts- und Sozialkonzeptes’ des PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.) einzudampfen, den Bürokratie-Dschungel radikal zu lichten, alle Protektionismen und Wettbewerbshindernisse abzubauen und nicht künstlich am Leben zu erhalten, was sich schlicht überlebt hat. Unter den nun anlaufenden Programmen wird nur noch mehr als ohnehin bereits bisher Eigeninitiative unterdrückt und die Übernahme von Eigenverantwortung unterbunden. Dies gilt im privaten und beruflichen Bereich ebenso wie im kommunalen. Auf staatlicher Ebene kann es per se keine Demokratie geben, sehr wohl jedoch auf kommunaler (siehe: ‘Alternatives Demokratiekonzept’ des PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.).

Aber für wirkliche Reformen und dafür, den nun auf uns zukommenden Problemen mit Klugheit, Mut, fachlicher Kompetenz und verantwortungsbereiter Kraft zu begegnen, fehlt unseren Systemheloten jegliche Voraussetzung.

Dementsprechend müssen wir gewärtigen, daß links- und rechtsradikal orientierte ideologische Spinner und Demagogen ihre Sprüche absondern und zunehmend an Einfluß und Zulauf gewinnen – mit der Folge, daß die Schäubles und Bushes weltweit immer mehr Kontrolle, Polizeistaat und Eingrenzung der persönlichen Freiheit fordern….

H.-W. Graf
14. Januar 2009

Zeitenwechsel – Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

14. Januar 2009|Editorial, Gesellschaft, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Zeitenwechsel – Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

 

– Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

 

Den Begriff des ‚Paradigmenwechsels’ kenne ich schon aus meiner Schulzeit in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts; ‚the age of aquarius’ – (das aufkommende ‚Zeitalter des Wassermann’) – denken Sie an das Musical ‚Hair’ – die ‚Flowerpower’-Bewegung, Haight Ashbury in San Francisko und unzählige Folksongs mit ihren Protagonisten Janis Joplin, Bob Dylan, Simon & Garfunkel o.v.a. sind mir noch in guter Erinnerung.
Und wo die einen hoffnungsvolle Sehnsüchte lebten – zumeist wesentlich leiser, als wir dies heute erleben, traten gleichzeitig die Warner und Rufer in der Wüste auf, die mit geradezu apokalyptischen Szenarien vor dem Untergang der Zivilisation warnten; die einen führten als deren Auslöser die Zerstörung der Umwelt ins Feld, andere sahen den dritten, die gesamte Menschheit gefährdenden Weltkrieg, mit Atomwaffen geführt und von der Ausrottung weiter Teile der Bevölkerung (vor allem Europas) begleitet, auf uns zukommen.
In den 80er Jahren grassierte die AIDS-Phobie, und in den 90er Jahren ging`s um BSE und die ersten Fälle von Vogelgrippe, SARS und pharmakologisch nicht mehr bekämpfbare, weil längst immune Virenstämme aller Art.
Stets aktiv und kämpferisch: Die Gegner der Atomkraft und die Verfechter alternativer Energiegewinnung, Tier- und Umweltschützer, jede Menge an (oftmals „friedlicher“, aber auch sehr aggressiver) Sekten und religiös-fundamentalistischer Ideologien, die insbesondere nach dem Zusammenbruch des Sozialismus eine klaffende Leere zu füllen suchten; der Warschauer Pakt brach mit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion (und damit seiner Führungsmacht) innerhalb von Monaten völlig zusammen.
Aber auch im Wirtschafts- und Finanzbereich mehrten sich seit Mitte der 70er Jahre die Stimmen, die vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft warnten; das immer hemmungsloser ausufernde Geldmengenwachstum, die immer wilder wuchernden Finanzmärkte und die sich zunehmend öffnende Schere zwischen Arm und Reich riefen Apokalyptiker auf den Plan, die vor sozialen Unruhen und Bürgerkriegen, Hungersnöten und der Verelendung von Abermillionen Menschen und mehr als der Hälfte aller Staaten, nachgerade in Afrika, warnten.
Spätestens seit Beginn der 70er Jahre gerieten die Sozialsysteme Europas in eine bedrohliche Klemme: Enorme medizinische Fortschritte hatten die Lebenserwartung in stärkerem Maße wachsen lassen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit; gleichzeitig sank jedoch die Reproduktionsrate gerade in den Industriestaaten zunehmend. Beides führte in Kombination zu immer höheren Soziallasten, wobei den Politikern speziell in Westeuropa nichts Vernünftigeres einfiel, als sukzessive die Steuerquoten zu erhöhen, die Leistungen aus den „Füllhörnern“ sozialstaatlicher „Großzügigkeit“ einzuschränken, die Steuerquoten und -sozialabgaben ebenso zu erhöhen wie die Lebensarbeitszeiten und mit einem ausschließlich politisch motivierten Flickenteppich an „Reförmchen“ zu versuchen, ein System zu retten, das längst im Koma lag.
Kaum ein Politiker – und dies gilt beileibe nicht nur für Deutschland – hatte nämlich begriffen, daß mit dem Zerfall der Sowjetunion die wirtschaftliche Globalisierung erst richtig begonnen und damit die wirtschafts- und finanzpolitischen Ströme zur Auflösung einzelner (nationaler) Entitäten begonnen hatte, während die Politiker noch verzweifelt versuchten, ihre nationalen Sozialstaats-Phantasien zu wahren.
In dem Maße, in dem sich vor allem Großkonzerne, aber auch Mittelständler nach günstigen Produktions- und Dienstleistungsstandorten quer über den Globus umsehen konnten und auch die Finanzmärkte sich international orientierten, ging den national verhafteten Politikern die Basis verloren.

Unter diesen Aspekten gewinnt die derzeitige ‚Finanzkrise’ völlig neue Aspekte und erweist sich bei näherem Hinsehen beileibe nicht als Ursache für die dramatischen Veränderungen, vor denen wir stehen, sondern als der Auslöser eines längst in vollem Gange befindlichen ‚Paradigmenwechsels’, den immer noch viel zu wenige Menschen zu erkennen vermögen.
Und noch immer versuchen uneinsichtige Verfechter eines längst in Agonie liegenden Systems, mithilfe neuer Regeln, Gesetze und Verordnungen sowie dem Einsatz künstlich geschaffener Billionen an US-Dollars, Euros, Yens, britischem Pfund und Schweizer Franken das System zu retten – koste es, was es wolle.

Paradigmenwechsel, also der Austausch grundlegender Basiswerte und die Neuordnung von Inhalten und Werten im Zusammenleben von Individuen, Völkern und Nationen haben eine „gefährliche“ Eigenart: Sie zeigen sich nicht in spontanen, bruchartigen Mustern – für Jeden identifizier- und nachvollziehbar –, vielmehr entwickeln sie sich schleichend, allmählich und nahezu heimlich-unbemerkt. Insofern stellen markante Geschehnisse im Verlauf der Menschheitsgeschichte – selbst der Untergang von Weltreichen, Währungsreformen, Kriege, Erfindungen aller Art und das Aufkommen oder Verschwinden von Religionen und anderen Ideologien – beileibe keine Paradigmenwechsel dar, vielmehr sind sie die offensichtlichen und markanten Einschnitte, quasi die „Begleitmusik“, eines lautlos, im Untergrund entstehenden, von den meisten Menschen überhaupt nicht wahrnehmbaren ‚Paradigmenwechsels’.

Weltliche und sakrale Systeme sind in ihren kulturellen und sozialpolitischen, wirtschafts-, bildungs- und finanztechnischen Ausprägungen immer nur Werkzeuge der von eben dieser Systemik am vorteilhaftesten profitierenden, herrschenden Minderheit. Daß diese Minderheiten die sich daraus für sie ergebenden Vorteile solange wie nur irgend möglich zu nutzen bemüht sind, erscheint uns logisch und verständlich. Aber auch dieser Schein trügt, denn in Wirklichkeit beruht das dahinter stehende Denken, was sich in Machtgier und einer völlig jenseits aller Vernunft und Notwendigkeit ausgelebten Streben nach wirtschaftlicher Macht äußert, als gigantischer Irrtum und nachgerade völlig wider-natürliches Fehldenken.
Mit anderen Worten: Jenseits aller Notwendigkeit, danach zu streben, möglichst viel an Geld und Macht anzuhäufen, und dies dann auch noch als „Beweis“ eigenen Wertes und persönlicher Qualität anzusehen, verrät sich darin im Grunde genommen nur ein erschreckendes Maß an Unsicherheit und Mangel an Selbstbewußtheit.

Sehr profan ausgedrückt: Keinem Tier käme es in den Sinn, sich selbst – zulasten seiner Umwelt und der übrigen Mitglieder seines Rudels – über das Maß hinaus zu bereichern, das es benötigt, um sich selbst ausreichend zu versorgen und gesund zu erhalten. Einzig der Mensch bemißt seinen Eigenwert und die Qualität seines Lebens danach, was er – jenseits aller wirklichen Bedürfnisse – an materiellem Reichtum und Macht über Andere anzusammeln vermag.

Ultimative Formen menschlicher Psychopathologie finden wir im Ansammeln von Milliarden – für mich der lebende Beweis dafür, daß dieser Mensch chronische Selbstwertdefizite aufweist und den Blick, das Bewußtsein und die Verantwortung dafür, wofür man Geld in vernünftiger Weise verwenden sollte, verloren hat – und dem Führen von Kriegen, mit Hilfe derer man die eigene Sicht der Dinge dem Nachbarn aufzuzwingen versucht, den eigenen Herrschaftsbereich zu vergrößern trachtet und sich ins ’Buch der Geschichte’ einzuschreiben versucht. Von diesem Größenwahn waren all die Helden, die wir heute als „Superreiche“ und Prominente feiern oder deren krankhafte Herrschsucht – von Darius I bis Bush II – wir uns im Geschichtsunterricht einprägen müssen.
An dieser Glorifizierung menschlichen Wahnsinns hat sich von der Antike bis heute nicht das Mindeste geändert – ein mehr als bedenklich stimmendes, trauriges Resümee menschlicher „Entwicklung“, ehrlicher konstatiert: Dummheit.

[Wen provoziert, daß ich den (klassisch bereits als reich geltenden) ‚’Millionär’ ausschließe, der möge bedenken, daß viel mehr Menschen Millionäre sind, als dies gemeinhin vermutet wird. Zu all den Spargroschen auf der Bank, Bauspar- und Lebensversicherungsverträgen, ihren Haushaltsgegenständen und dem Inventar ihrer Behausung, Ringen, Briefmarken und Münzen gehören nämlich auch ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Schon ein Beamter, der mit durchschnittlich 57 Jahren in
den Ruhestand geht und 2.500 EUR an Ruhestandsgehalt bezieht, verfügt damit, finanzmathematisch betrachtet, über ein „Guthaben“, was bei einer angerechneten Lebenserwartung von 78 Jahren dem Gegenwert von etwa 600.000 EUR entspricht. Das Problem dabei ist nur, daß er – im Gegensatz zu einem Selbständigen, der für seine Zukunft auch selbst zu sorgen hat – darüber nicht als Kapital verfügen kann, weil der Staat in seiner Allmachtsphantasie ihn (wie jeden nichtselbständigen Bürger) für zu dumm hält, selbst für sein Alter vorzusorgen.

Einen bedeutsamen Unterschied macht es auch, ob man als klein-/mittelständischer Unternehmer einen Betrieb unterhalten, für dessen Finanzierbarkeit zu sorgen hat – wenn irgend möglich: ohne Schulden! – und ein Bewußtsein von Verantwortung für seine Mitarbeiter, bzw. deren Arbeitsplätze und Einkommen Verantwortung empfindet. Hierbei ist eine oder auch mehrere Million(en) schnell beisammen.]

Betrachten wir jedoch einmal unter diesem Aspekt und aus diesem Blickwinkel die Geschehnisse der bisherigen etwa 10.000 Jahre des homo sapiens sapiens, die Historie entstehender und zerfallender Weltreiche, die jüngere Geschichte des letzten Jahrhunderts und die jüngsten Ereignisse im noch jungen 21. Jahrhundert – vom 11. September 2001 bis zur gerade geplatzten Eiterbeule im Finanzwesen – ,so drängt sich die Vermutung auf, daß wir erst dann (und in dem Maße) in der Lage sein werden, uns selbst wie auch gegenseitig in friedlicher Weise zu begegnen (statt uns selbst wie auch unserer Umwelt und diesem Globus insgesamt das Leben zur Hölle zu machen). Erst dann wird nicht mehr die Minderheit der Mächtigen und Reichen unser aller Leben bestimmen, sondern die jeweils tatsächlich Qualifiziertesten werden die Führung übernehmen.

Die derzeitigen weltweiten Probleme der Menschen – der persönlichen wie auch der jeweiligen Kommunen, Völker und Nationen – sind nichts anderes als Manifestationen starren Festhaltens an falschen Denkmustern, die dann zu einem falschen (i.e. wider-natürlichen) DenkFühlHandeln führen.

Auch mit Hunderten von Billionen künstlich geschaffener US-Dollar, Euros, Yens etc. wird der Zusammenbruch dieser kranken Systeme nicht verhindert werden können.
Die Frage ist nur, wie lange wir krampfhaft an völlig falschen „Idealen“ glauben, festhalten zu müssen und den Katalog völlig falscher Werte und Lebensinhalte aufrechterhalten und verteidigen zu können.
35.000 täglich an Hunger und Unterernährung sterbende Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren, Tausende tagtägliche Opfer sozialpolitischer Unruhen, Kriege und Bürgerkriege, Heere von wirtschaftlich in Abhängigkeit lebende oder um ihre schiere Existenz kämpfende Menschen, bedenkenlose Verbrechen an Natur und Umwelt und das bedenkenlose Plündern der natürlichen Ressourcen dieser Welt – all dies sind Auswüchse und Belege der Unfähigkeit des Menschen, das großartige Geschenk der Natur – ich spreche von dem höchst-entwickelten Organ, dem menschlichen Gehirn – verantwortungsbewußt und sinnvoll zu benutzen.
Dabei versündigen sich diejenigen, die nach größtmöglichem, materiellem Reichtum (zu Lasten ihrer Mitmenschen) oder nach ultimativer Macht über ihre Mitmenschen streben, genauso gegen ihre Verantwortlichkeit, wie diejenigen, die entweder resignieren und ihre schiere Lebensführung in die Hände scheinbar dafür geeigneter Personen und Institutionen (Politiker, Staat und Religionen) geben, aber auch diejenigen, die sich von allen Widernissen abwenden und sich – problem-abstinent und konfliktscheu – in jedwede Nischen verkrümeln.

Ich bin der festen Überzeugung, daß wir binnen kurzem tatsächlich einen völligen Zusammenbruch unseres Wirtschafts-, Finanz- und Sozialsystems erleben werden. Dieser Zusammenbruch wird leider enorme Schmerzen und sehr viel Leid über Hunderte von Millionen Menschen bringen und zahllose Opfer kosten.
Ich nehme andererseits aber eine starke Zunahme an Menschen wahr, deren DenkFühlen – teils bewußt, teils unbewußt – gerade eine Katharsis erfährt, die mich hoffen läßt, daß wir insgesamt – jenseits nationaler Grenzen und staatlicher wie religiöser Zugehörigkeit – tatsächlich in ein neues Zeitalter, eine Ära völlig anderer Denkmuster und Verhaltensweisen hineinwachsen.

Die heutigen Probleme der internationalen Finanzmärkte, der nationalen, politischen Systeme, der in ihrer Rigidität verbohrten Religionen, der hybriden Medienwelt, der in Inflexibilität erstarrten Bildungssysteme, der jenseits jeder Ethik agierenden Werbewirtschaft und des dumm-dreisten Agierens unserer weltlichen wie auch der sakralen „Elite“ sind pathologische Auswüchse der Gattung Mensch, die immer noch nach der „Gebrauchsanweisung“ für die sinnvolle, natürliche und (realiter) menschliche Nutzung ihrer geistigen und emotionalen Fähigkeiten sucht.

Erst wenn wir dem natürlichen Empfinden und der natürlichen Ethik wieder den gebührenden Platz einräumen und dies mit der effizienten Nutzung unseres Verstandes kombinieren, werden wir der Rolle gerecht werden, die uns die Natur zugewiesen und geschenkt hat.

Noch immer betrachtet der homo sapiens sapiens Soziologie, Ökonomie, Ökologie, Wirtschafts- und Finanzwirtschaft, Philosophie und Psychologie als singuläre Wissenschaften. Kein Wunder, daß sich deren Verzahnung, die sich gegenseitig bedingenden Interdependenzen von den allermeisten Menschen weder erkannt noch berücksichtigt werden.

Nur so ist z.B. zu erklären, wieso noch immer ein weltweiter „Glaubenskrieg“ zwischen „Sozialismus“ und „Kapitalismus“ geführt wird. Was für ein Unsinn, handelt es sich beim Sozialismus doch um ein Gesellschaftsmodell, wohingegen der Kapitalismus ein Wirtschaftsmodell ist.
Als ob eines das andere per se ausschlösse.

 

2009 – mutmaßlich ein Katastrophenjahr

Wer glaubt, daß wir mit dem Ende des Jahres 2008 das Schlimmste bereits hinter uns haben, könnte sich bald sehr böse getäuscht sehen.
Zwar handeln die Regierungen aller Länder insofern „vernünftig“, als sie zunehmend (und in noch nie dagewesener Weise) die Notenpressen anwerfen, weil sie wissen, daß ansonsten ein Zusammenbruch des gesamten, weltweiten Finanz- und Wirtschaftssystems drohte, aber realistisch betrachtet verschiebt dies nur die heutigen Probleme in die Zukunft. Auf der Strecke bleiben werden binnen kurzem vor allem Klein- und mittelständische Unternehmen, die über zuwenig Eigenkapital und zu hohe Schulden stolpern werden. dies gilt in gleichem Maße für Privatpersonen, die zuwenig Reserven aufgebaut, dafür aber um so kräftiger konsumiert und auf Pump gelebt haben.
Bei der Frage, welche Konzerne mittels Krediten, Bürgschaften oder frischem Kapital gerettet werden sollten, werden sich die „Eliten“ nur daran orientieren, wie viele Arbeitsplätze jeweils gefährdet sind, da sich kein Staat, keine regierende Partei erlauben kann, Millionenheere an Arbeitslosen aufzubauen, die dann einerseits der Sozialfürsorge anheim fallen, andererseits einen gefährlichen sozialen Sprengstoff bilden, dem dann mit noch so viel Polizei (oder sogar mit „Notstandsgesetzen“ und dem Einsatz von Militär) begegnet
werden kann.

Dabei werden nun wahre Horrorszenarien entwickelt: Bereits die heute fest zugesagten weltweiten zusätzlichen Finanzmittel von über 10 Billionen USD – fast ein Drittel des Welt-Bruttosozialproduktes (!) – werden nicht annähernd ausreichen, um die bisherigen, noch viel mehr aber die noch gar nicht aufgedeckten Verluste und notwendigen Abschreibung und drohenden Verlustposten zu kompensieren. So wird das Volumen der weltweit ausgegebenen Derivate und Zertifikate auf bis zu 600 Billionen USD geschätzt. Faillieren davon nur 10 %, entspräche dies der aber-witzigen Summe von 60 Billionen USD – rund dem Doppelten des Welt-Bruttosozialproduktes.
Noch überhaupt nicht abzuschätzen sind die Verluste der weltweiten Pensionsfonds, die vor allem in den anglikanischen Ländern die Rolle der staatlichen Sozialversicherungssysteme Westeuropas inne halten. Viele dieser Pensionsfonds werden erst in den kommenden Monaten und Jahren ihre Bilanzen vorlegen und dann um (staatliche) Hilfe rufen.

Interessant ist hierbei, daß die kommende Weltwirtschaftskrise auf unterschiedliche Wirtschaftsideologien keinerlei Rücksicht nehmen wird; weltweit brechen die Märkte ein; weltweit igeln sich Unternehmen – je größer, desto mehr – ein, bauen Arbeitsplätze ab
und reduzieren ihre Tätigkeits- und Produktionsfelder auf das sogenannte „Kerngeschäft“. Und ebenso weltweit zeigen sich die Regierungen machtlos und überfordert. Dabei macht auch Barak Obama, die neue Lichtgestalt am politischen Himmel der (militärischen) Führungsnation, keine Ausnahme – von unseren europäischen Narren und Simpeln auf dem politischen „Olymp“ ganz zu schweigen.

In ihrer Not und Hilflosigkeit sammeln nun Banken Tages- und Festgelder – mit Zinsversprechen, die sie auf den Kapitalmärkten überhaupt nicht in der Lage sind, zu erzielen. Sie tun dies in der Hoffnung, damit die eigenen Unternehmenszahlen zu schönen, um sich im internationalen Kampf ums Überleben zu stärken.
Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller fallen darauf aber in einer Mischung aus Gier und Dummheit prompt herein; alternativ decken sie sich mit Staatsanleihen und Schuldverschreibungen ein, die gerade noch mit 2,5 bis 3,5 % (je nach Laufzeit) „rentieren“; subtrahiert man hiervon nämlich Steuern und die (ohnehin geschönten) Inflationsraten, erweisen sich diese vermeintlich sicheren „Häfen“ als reines Verlustgeschäft.

Wir sind – so unangenehm, weil endgültig, dies klingen mag – an einem Wendepunkt der Geschichte angelangt, und alle Versuche, den Zeitpunkt der ultimativen ’Zeitenwende’ hinauszuzögern, verschärft das aufziehende Krisenszenario nur umsomehr.

 

Welche Alternativen gibt es denn überhaupt noch?

Notwendig wäre ein völliges Umdenken. Der bislang gefeierte Fortschrittsglaube und ein hemmungsloser Konsum um jeden Preis ist endgültig zu Ende. An die Stelle des eigenen Besitzes als Maßstab eigenen Wertes muß künftig die Einsicht rücken, daß nicht nur unsere Lebenszeit sehr beschränkt (und endlich) ist, sondern daß jedes Mehr an Eigentum und Macht dann schädlich ist, wenn es zu einem Weniger für andere führt. Dies gilt (in unterschiedlichen Maßstäben) weltweit und schließt auch den Mißbrauch und die hemmungslose Ausbeutung von Rohstoffen sowie den Mißbrauch von Natur und Umwelt ein.
Ebenso wichtig wäre jedoch auch eine völlig neue Betrachtungsweise der Funktion des Geldes (egal, welcher Währung). Geld ist kein Wert für sich, und insofern entspricht dessen Ansammlung entweder zum schieren Aufbau von Sicherheit weder dem Sinn einer Währung, noch kann es als Beweis eines höheren Eigenwertes, eigener Mehrleistung – jeweils im Vergleich mit Anderen – dienlich sein.

Natürlich haben unterschiedliche Aktivitäten der Menschen unterschiedliche Wertigkeiten, nur lassen sich diese Unterschiede nur sehr unzureichend mit unterschiedlichen Einkommen und Verdiensten darstellen.
Die vornehmliche Aufgabe von Geld ist es, als Tauschmittel zu dienen, da – im Gegensatz zu früheren Epochen der Menschheit – im Rahmen der Arbeitsteilung die Menschen unterschiedlichen Berufen nachgehen.
Zum Zwecke des Aufbaues eigener „Sicherheit“ Geld zu horten, heißt, dessen Funktion als schieres Tauschmittel zu unterbinden. Insofern würde es durchaus Sinn machen, gehortete Gelder mit einem Negativzins zu versehen, um einerseits dessen Funktion nicht zu behindern und andererseits, um auch Sicherheit mit einem volkswirtschaftlichen Leistungskoeffizienten zu versehen, der dessen Wert widerspiegelt.
Mit anderen Worten: Wer Geld hortet und damit seiner Funktionalität beraubt, muß dafür einen entsprechenden Preis bezahlen – den Negativzins.

Nun ist der Gedanke des Negativzinses nichts radikal Neues. Bislang wurde er jedoch zumeist als „Strafzins“ verstanden, mit Hilfe dessen eine Art ’sozialer Ausgleich’ zwischen arm und reich realisiert und ideologisch unterfüttert werden sollte.
Hiervon spreche ich aber nicht. Vielmehr geht es darum die Funktion des Geldes als Tauschmittel neu zu definieren: Wird Geld als funktionales Leistungsinstrument eingesetzt – für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen oder als Risikokapital zur Errichtung neuer Arbeitsplätze und zum Aufbau von Firmen, bzw. im Bereich von Forschung und Entwicklung – , so erfüllt es seinen originären Nutzen, Sinn und Zweck. Wer hingegen Geld als Sicherheitsvehikel hortet (i.e. zweckentfremdet), soll für diese Sicherungsverwahrung eine Leistungsprämie entrichten – in Form des Negativzinses.

 

Negativzins – der Rückbau des „(Finanz)Turms zu Babel“

Sie alle kennen die Analogie: Hätte man im Jahre 0 unserer Zeitrechnung einen EURO-Cent zu einem stetigen Zins von 5 % angelegt, so besäße man – Währungsreformen und pleite gehende Banken ausgeschlossen – heute einen Goldklumpen vom 50-fachen Gewicht der Erde. Dies veranschaulicht in drastischer Weise die exponentielle Funktion des Zinses.

Wer nun Geld besitzt hat vier Möglichkeiten:

  • er vernichtet es – dafür wird man heute in Sicherheitsverwahrung genommen und in eine geschlossene Anstalt eingeliefert;
  • er konsumiert es – kauft alles, was er entweder wirklich braucht oder sich von der korruptiven Werbemaschinerie anpreisen läßt (ohne es zumeist wirklich zu benötigen und/oder zu nutzen);
  • er investiert es (direkt oder indirekt) in die Wirtschaft, beteiligt sich also am Sinn, Zweck und Risiko (!) des Aufbaus von Produktionsstätten, Dienstleistungsunternehmen, in Forschung und Entwicklung bzw. zu kulturellen Zwecken;
  • er hortet es – zum Zwecke des Aufbaus von (vermeintlicher) Sicherheit.

Entsprechen der zweite und dritte Weg der Verwendung von Geld dessen eigentlichem Zweck, wird für den vierten Verwendungszweck des Geldes von der Bank, zu der man sein Geld bringt, ein „Belohnungszins“ erwartet und verlangt – je höher, desto lukrativer. Dabei dient diese Bank eigentlich nur als Aufbewahrungsort für das ihr anvertraute Geld, und dafür sollte der sicherheitsbewußte Zeitgenosse eigentlich eine Aufbewahrungsgebühr (eben den Negativzins) bezahlen, denn ansonsten müßte er seine Gelder zu Hause (unter der berühmten Matratze) selbst aufbewahren, was angesichts des Diebstahls- und Vernichtungsrisikos (Brand etc.) ab einer gewissen Höhe reichlich unsinnig ist.

Kostete nun die Aufbewahrung der finanziellen Sicherheit seinen Preis, den Negativzins, so hätte dies drei Effekte:

  • Banken könnten Kredite, die sie an Dritte vergeben, weitaus günstiger anbieten, als dies bislang der Fall ist; immerhin müssen sie ja bislang für die ihnen anvertrauten Gelder auch noch eine Prämie, den Guthabenszins, entrichten;
  • Der immense Schuldenturm (denken Sie an o.g. Analogie) könnte nach und nach abgebaut werden. Hierzu wäre allerdings zusätzlich noch notwendig, daß Banken nicht mehr bis zum Zehnfachen der Guthaben, über die sie verfügen, Kredite ausleihen dürfen. Berücksichtigt man zusätzlich noch die Wirkung der ’Hebelgeschäfte’, bei denen (im ’Optionshandel’) nur eine Prämie von 10% des eigentlichen
    Ordervolumens als „Optionsprämie“ hinterlegt werden muß, dann ergibt dies eine weitere Verzehnfachung der in den Geldkreislauf gepumpten Geldmenge, also (etwas verkürzt dargestellt) das Hundertfache der jeweils tatsächlich eingelegten Guthaben;
  • Der dritte Effekt der Einführung eines Negativzinses wäre, daß freie, also derzeit nicht benötigte Gelder, tatsächlich wieder in dem originären Sinne des Geldes entsprechender Weise investiert und damit der zweckdienlichen Funktion des Geldes im Wirtschaftskreislauf zugeführt würden.

Dies würde sicherstellen, daß Geld seine Funktion innerhalb des wirtschaftlichen und sozialen Gefüges einer Gemeinschaft zurückerhält.

Dementsprechend würde Geld seine vornehmliche Funktion als Tauschmittel zurückgewinnen und im Umlauf gehalten, statt – wie bisher – mithilfe von ’Guthabenszinsen’ einen leistungslosen Mehrertrag aufzubauen. Diese Zweckentfremdung des Geldes führte uns nämlich genau in die Schuldenspirale, die wir in Form des exponentiell gesteigerten Geldvolumens heute weltweit als eigentliche Ursache der Finanz-, Wirtschafts- und (in naher Zukunft) als Sozialkrise erleben.

Nun wäre es mit einem philosophisch und psychologisch neuen Bewußtsein bezüglich unseres DenkFühlHandelns und einer „Neudefinition“ des Tauschmittels Geld nicht getan.

Vielmehr bedarf es auch einer völligen Neuorientierung in Bezug auf das Zusammenwirken und Ineinandergreifen sozialer, wirtschaftlicher, steuerlicher und finanzpolitischer Aspekte im Rahmen dessen, was wir als Volkswirtschaft bezeichnen.

Hierzu liegt seit immerhin 32 Jahren ein Gesamtkonzept (www.d-perspektive.de/konzepte/steuer-wirtschafts-und-sozialkonzept/) vor, das allerdings einen fundamentalen „Nachteil“ hat: es würde bei konsequenter Anwendung die bislang gültigen systemischen Machtverhältnisse der politischen Parteien und aller weltlicher wie auch sakraler „Eliten“ gründlich durcheinanderwirbeln bzw. auf den Kopf stellen.
Daß daran die derzeit herrschenden Macht“eliten“ nicht das geringste Interesse haben, ist unschwer nachzuvollziehen.
Ich bin jedoch davon überzeugt, daß wir – und damit sind wir bei der Überschrift dieser Ausarbeitung – vor einer elementaren Zäsur unseres gesamten Wirtschafts- , Finanz- und Sozialwesens stehen, der die heute herrschenden „Eliten“ auch unter Einsatz noch so vieler Milliarden und Billionen an USD, EUR, Yen oder CHF nicht mehr zu entwischen vermögen.
Die Frage ist nur, wie lange wir uns von den weltlichen und sakralen „Eliten“ noch an der Nase herumführen lassen.

H.-W. Graf
2. Juni 2008

Der zeitreport geht online!

2. Juni 2008|Editorial|0 Comments

Der zeitreport geht online!

 

Liebe zeitreport-online-Leser,

manches dauert eben etwas länger, aber nun ist es soweit:

Der PERSPEKTIVE ohne Grenzen gem. e.V. und sein Magazin, der zeitreport, sind nun endlich in neuem Gewande online.

Gleich vorab: Viele Arbeiten – die Einrichtung der Foren, die Einstellung von vielen hundert Artikeln (und deren Sortierung nach Fachbereichen), die Gründung von PERSPEKTIVE-Gesprächskreisen sowie die Einrichtung der Diskussions- und Kommentierungsforen – werden noch etwas Zeit (und auch finanziellen Aufwand) erfordern.

Der wichtigste Schritt ist hingegen vollzogen: Die PERSPEKTIVE ist nunmehr als gemeinnützige politische Bewegung im Internet-Zeitalter angekommen.

Im Land der Vereine und Verbände – und hier ist Deutschland mit etwa 380.000 eingetragenen und nicht-eingetragenen Vereinen weltweit führend – Aufmerksamkeit zu erregen und Beachtung zu gewinnen, ist kein leichtes Unterfangen, und man könnte fragen: „Warum ist denn ein neuer Verein überhaupt nötig?“

Nun, wir gingen von folgenden Überlegungen aus:

Fast alle Vereine und Verbände in Deutschland fokussieren auf jeweils ein Thema. Einen gesamtheitlichen Ansatz gibt es lediglich bei den Parteien. Diese sind aber wiederum ideologisch geprägt – also schon insofern weder unabhängig, noch freiheitlich in ihrer Grundausrichtung. Zudem stehen sie unter dem Diktat politisch-ökonomischer Zwänge; sie gieren nach Mehrheiten, um bei Wahlen auf den verschiedenen Ebenen unseres politischen Systems an die Macht zu kommen, ihnen geht es also um Stimmen und Wähler.

Schon insofern müssen sie sich – ständig und hellwach, aber eben immer re-aktiv – danach richten, was ihr Klientel wünscht, erwartet und verlangt.

Daß sie dabei ihre eigenen Gedanken, Ideen und Überzeugungen permanent ‚nach dem Wind’ richten, sich unter Umständen sogar verleugnen und verbiegen müssen, ergibt sich zwangsläufig. Insofern verwundern lügende Politiker und gebrochene Wahlversprechen nur sehr naive Zeitgenossen. Politiker dürfen allenfalls hinter vorgehaltener Hand und im vertrautesten Kreise ihre wirkliche Meinung kundtun; sie sind zu Desinformationen und Halbwahrheiten regelrecht „gezwungen“ und wandeln tagtäglich auf einem geradezu schizophrenen Grat zwischen eigenem DenkFühlen und parteilich vorgegebenem Handeln.

Unsere Alternative:

Der PERSPEKTIVE geht es zum einen um einen gesamtheitlichen Ansatz – wobei es natürlich thematisch unterschiedliche Prioritäten gibt –, zum anderen wollen wir weder der Mehrheit nach dem Munde reden, noch um Wählerstimmen buhlen; wir dürfen völlig frei und ebenso unabhängig, ungezwungen-kreativ und ausschließlich unserem Gewissen verpflichtet denkfühlhandeln.

Anders ausgedrückt: Wo bei Vereinen und Verbänden die thematische Enge Sprache und Inhalt jegliches Handeln vorschreiben, bzw. bei Parteien Ideologie und Partei“moral“ das gesamte Denken und Handeln bestimmen, steht in der gesamten Arbeit der PERSPEKTIVE das freiheitlich gelebte Ethos im Mittelpunkt.

Kurz: Statt ideologischer Systemik wie bei Verbänden und Parteien (übrigens auch Religionen) leisten wir uns ein philosophisch-freies, schematisches DenkFühlHandeln.

Dieser Unterschied ist enorm wichtig, weil sich darin das Grundmotiv all dessen verkörpert, was der PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. mithilfe seiner Mitglieder zu verwirklichen trachtet:

  1. Ein Höchstmaß an Freiheitlichkeit;
  2. Information statt Desinformation;
  3. realisierbare Alternativen in allen politisch wichtigen Belangen;
  4. ein zukunftsgerichtetes Gesellschaftsmodell, in dessen Mittelpunkt der mündige, eigenverantwortliche Bürger steht.

Wovon also Parteien und Politiker ahnungsarm, aber ideologisch stringent versystematisiert lautstark schwadronieren, das möchten wir tatsächlich realisieren.

Insofern bauen die Gründer der PERSPEKTIVE und der „Grundstamm“ seiner Mitglieder auf die Kompetenz und das Engagement jedes Einzelnen.

Es kann uns nicht darum gehen, möglichst jede(n) Bürger(in) dieses Landes zu erreichen, zu informieren und über Zusammenhänge aufzuklären – dazu ist das absolute Gros der Bevölkerung weder offen und bereit, noch fühlt sich „die Masse“ dazu aufgerufen. Es kann und darf uns also nur darum gehen, die drei bis fünf Prozent der Menschen als Partner zu suchen, die ein eigenbestimmtes Leben (in all seinen Facetten und Teilaspekten) der Bequemlichkeit eines alles bestimmenden Staates vorziehen.

Dies ist beileibe keine Disqualifizierung des überwiegenden Teils der Bevölkerung, sondern eine unter Soziologen bekannte Tatsache – und nebenbei der Fluch des Sozialismus.

Zur o.g. ‚Freiheit’ muß nämlich toleranterweise auch gehören, daß man jedem Menschen die Entscheidung darüber zugesteht, ob er in geistiger, emotionaler, ökonomischer und beruflicher Abhängigkeit verbleibt und sein Leben von Pseudo-Eliten und selbsternannten ‚Verantwortlichen’ bestimmen und gestalten läßt.

Bedenklich wird es nur, wenn dieses Gros sich dann andererseits das Recht anmaßt, auch diejenigen – unter dem Mäntelchen der Demokratie – in das gleiche etatistische „Kuschelbett“ zu zwingen, in dem sie es sich bequem gemacht haben.

Mir ist sehr wohl bewußt, wie provokant die hier geäußerten Gedanken sind, und ich höre schon die mahnenden Rufe von systemischen Bedenkenträgern, die uns als ‚Gefährder der staatlichen Ordnung’ sehen oder in die Nähe von Logen und Sekten zu stellen versuchen.

Doch nichts liegt uns ferner als das eine oder andere; wozu wir aufrufen und was wir anzubieten versuchen, ist vielmehr, eine Alternative zu einer an allen Ecken und Enden kranken Parteiendiktatur, die diesem Lande weder eine Chance für die Zukunft bietet, noch auch nur das geringste Interesse daran hat, zum Wohle der Gemeinschaft Alternativen auch nur anzudenken (geschweige denn zuzulassen), die das von den Parteien beherrschte Machtgefüge beschneiden könnten.

Liebe Freunde, ich weiß, daß neues Denken, revolutionäre Ideen und jede ‚Andersartigkeit’ bei den meisten Menschen auf Ungläubigkeit, Desinteresse und Ablehnung stößt – auch das ist eine Tatsache, die bereits den griechischen Philosophen bekannt war.[1] Und tatsächlich verschwinden die meisten dieser revolutionären Gedanken und Ideen sehr schnell wieder von der Bildfläche; ihre Protagonisten resignieren. Gewinnt eine Idee an Mitgliedern und soziologisch an Breite, wehrt sich das System vehement; es versucht mit allen Mitteln, ein andersartiges Denken, das ihm, dem System, gefährlich werden könnte, zu diffamieren und auszugrenzen. Insofern erklärt sich, warum es mit Ausnahme der ‚Grünen’ in der Bundesrepublik Deutschland keine Bewegung politisch nennenswert zu einem Erfolg gebracht hat. Und auch die Grünen mußten sich zu einer systemkonformen Partei wandeln (und dabei so gut wie alle ihre Ideale opfern), um dann im systemischen Chor der Parteien „mitsingen“ zu dürfen.

Dies war ja auch der Grund, warum die PERSPEKTIVE von ihrer anfänglichen Idee, als Partei für Veränderungen in diesem Lande zu kämpfen, Abstand genommen hat und zu einer politischen Bewegung umgewidmet wurde.

Diese Ausführungen sollen erläutern, warum wir weder unter Zeitdruck (z.B. für Wahlen), noch unter inhaltlichen Zwängen stehen. Ganz im Gegenteil; die Zeit arbeitet in hohem Maße für uns, denn die heute in der Bundesrepublik herrschende Parteienkleptokratie ist auf dem besten Wege, sich selbst zu zerstören; es krankt an allen Ecken und Enden:

  • die leistungsfähige und –bereite Mittelschicht, die diesen Start finanziell und wirtschaftlich am Leben erhält, wird immer dünner;
  • aus keinem Land in der OECD fliehen so viele gut Ausgebildete und Akademiker ins Ausland wie aus der Bundesrepublik;
  • nicht mehr nur Milliardäre und Multimillionäre, sondern zunehmend auch Wohlhabende kehren diesem Land den Rücken;
  • kein Industrieland hat mehr öffentlich-(un)rechtlich Bedienstete als Deutschland
  • gleichzeitig hat kein Industrieland eine geringere Selbständigen-Quote (vergessen wir ganz schnell die sog. ‚Ich-AGs’);
  • in seiner Not, das morsche System unserer Parteiendemokratur retten zu wollen, zieht sich der Staat immer mehr auf immer restriktivere Methoden der Verunfreiung seiner BürgerInnen zurück; buchstäblich alles muß gesetzlichen Regelungen und Bestimmungen unterworfen werden. Der Gesetzes- und Ordnungswahn bundesdeutscher Prägung ist mit einer ‚freiheitlich- demokratischen Grundordnung’ (lt. Grundgesetz) längst nicht mehr vereinbar,
  • und weltweit „führend“ ist die Bundesrepublik bezüglich der Kompliziertheit seines Steuersystems – mit der Folge, daß Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Steuerflucht oftmals beinahe „Notwehr“-Charakter gewinnen.

Der Staat, respektive seine selbsternannten „Eliten“ haben ganz offensichtlich Angst, daß ihnen ihr selbstgezimmertes „Königreich“ irgendwann um die Ohren fliegt; der Unmut der immer mehr entmündigten Bürger wächst ebenso, wie die Wahlbeteiligung sinkt; das Ansehen der Politiker und das Vertrauen der Bürger in die Staatskaste sind längst auf einem Rekordtief angelangt. Politikern glaubt eigentlich kein Mensch mehr!

Nicht Kompetenz und Qualifikation bestimmen, wer in diesem Lande zur politischen ‚Elite’ gehört, sondern deren Bereitschaft, sich im Parteienklüngel systemkonform nach oben zu dienen. Da wird ein Müllermeister Wirtschaftsminister, ein Fliesenleger Arbeitsminister und ein Handwerker Finanzminister oder gar Ministerpräsident. Stromlinienförmige Anpassungsfähigkeit und Selbstverleugnung sind die Voraussetzungen dafür, um in dieser Parteiendiktatur an die Futtertröge zu gelangen, um dann bestens versorgt zu sein und prestigeträchtige Privilegien zu genießen. Mit diesen „Fähigkeiten“ kann man sogar Kanzler(in) werden.

Die Zeit ist mehr als reif dafür, Verantwortungsbewußtsein und menschliche wie fachliche Kompetenz wieder Raum gewinnen zu lassen. Und genau dafür wollen wir uns einsetzen.

Der PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. möchte das Engagement und die Kreativität, aber auch die fachlichen und menschlichen Kompetenzen aller Mitglieder in die Verwirklichung seiner Ziele mit einbinden. Der zeitreport online wiederum soll dafür – mit einer immerhin 35jährigen journalistischen Historie im Rücken – die kommunikative Brücke bauen.

Zu diesem Zweck finden Sie die PERSPEKTIVE-Website „zweigeteilt“; als ‚Basis’-Mitglied können Sie auf jeweils aktuelle Artikel, Informationen und News zugreifen und diese kommentieren und bewerten. Als ‚Premium’-Mitglied steht Ihnen der zeitreport online zur Verfügung.

Dieses Online-Magazin enthält wesentlich weitergehende, spezifischere Artikel aus zur Zeit 20 verschiedenen Themengebieten, die die wichtigsten Bereiche des menschlichen Lebens abdecken; zusätzlich gibt die zeitreport-Redaktion Empfehlungen zu neuesten Büchern, Filmen und Videos. Desweiteren besteht die Möglichkeit, im umfangreichen Zeit-Archiv des zeitreports der vergangenen Jahre stöbern.

Klingt all dies für Sie spannend und interessant, dann darf ich Ihnen den PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. als „Werkstatt für eine wirklich humane Zukunft“ anempfehlen. Machen Sie die PERSPEKTIVE zu Ihrem neuen Hobby. Helfen Sie mit dabei, die Zukunft dieses Landes und Ihre eigene sowie die Ihrer Kinder aktiv mitzugestalten, statt dies Menschen/Politikern und Organisationen/Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, etc. zu überlassen; alle diese Organisationen behaupten zwar, es ginge ihnen um „die Menschen“, in Wahrheit jedoch geht es ihnen vor allem um sich selbst.

Der Anfang jeder neuen Idee ist immer das schwierigste; auch ein Zug benötigt die größte Kraft dafür, den Rollwiderstand zu überwinden – einmal in Fahrt gekommen, benötigt er nur einen Bruchteil dieser Energie, um hunderte von Kilometern zurückzulegen …

Ein herzliches Willkommen allen Mitstreitern in der PERSPEKTIVE ohne Grenzen, unserer „Werkstatt für die Zukunft“!

Hans-Wolff Graf
(Vorstand)

[1] „Alles Neue erschreckt, sogar das Gute, Schöne und Richtige“ (Herakleitos v. Ephesos).

25. Oktober 2007

Europa wird zur Übermutter

25. Oktober 2007|Editorial|0 Comments

Europa wird zur Übermutter

 

Was hat uns der Sexist Zeus da bloß angetan, als er die abessinische Prinzessin nach Westen verschleppte!

Aus einem Fleckenteppich von fast 20.000 Graf- und Freiherrenschaften, edlen Gemarken, Fürsten- und (Erz)bischofstümern, Baronaten und Herzogtümern, König- und Kaiserreichen schälten sich innerhalb von 2 Jahrtausenden ein Dutzend Weltreiche heraus, die dann zu 56 Staaten mutierten, in denen 42 Sprachen und über 500 Dialekte gesprochen wurden. Hunderte von Bürgerkriegen und internationalen Waffengängen – zumeist religiös-ideologisch geschürt und unterfüttert –, Pandemien, die bis zu 50 % der europäischen Bevölkerung dahinrafften und letztlich zwei Weltkriege – all das hat der kleinste der sieben Kontinente (nicht immer problemlos, aber) überstanden.

Sieht man von den frühen Hochkulturen Asiens und Lateinamerikas ab, könnte man statieren, daß das Gros des heutigen weltweiten Lebensstandards i.S. geistigen und technischen Fortschritts aus der Vielvölkerschaft Europas erwuchs – nachgerade das, was wir als „Aufklärung“ noch heute feiern, obwohl eben diese Aufklärung seinen Weg über die Ozeane größtenteils noch nicht gefunden hat – sie fehlte wohl im Gepäck der Auswanderer!

Historisch betrachtet war die Idee eines paneuropäischen Reiches – erstmals am Hofe Karls des Großen so bezeichnet – und der Weg bis hin zu den ‚Römischen Verträgen’ in der Mitte des letzten Jahrhunderts geradezu logisch (und auch sinnstiftend). Doch was vor allem dem Warenaustausch, transnationaler Forschung und Bildung sowie einer gemeinsamen Währung dereinst dienen sollte, erweist sich mehr und mehr als eine „Büchse der Pandora“, mithilfe derer ein Super-Beamtenstaat errichtet wurde, der die individuellen Etatismen der 53 Einzelstaaten nun zusammenzufassen und allen Europäern – gleich welcher Historie, Kultur und Tradition – als eine Art ‚kontinentale Identität’ überzustülpen versucht.

Nach und nach soll (und wird wohl) das gesamte Leben, die Arbeits- und Berufswelt, Freizeit und Tourismus, just der gesamte Lebenskanon, vereinheitlicht, europäisch umrahmt und als „höherer Wert“ gesetzlich verankert.

Perfiderweise „denunziert“ man dieses Kunstgeflecht transnationaler und -kultureller Einheitsidentität dann auch noch als ‚demokratisch’. Damit mutieren die künftig „regionalen“ Einzelstaaten mehr und mehr zu Vasallen einer „Übermutter Vereintes Europa“; nationale Regierungschefs werden zu Lehensherren (oder -frauen), die dann – jenseits jeglicher ursprünglicher Sinnhaftigkeit – untereinander auskungeln, welches Volk, welche Nation, welcher Ursprungsstaat mit welcher Prozentualität für die politische Gestaltung dieses Molochs zuständig sein darf.

Dies kommt den nationalen Regierungen auch prächtig entgegen, denn was immer an Innovationen, Ideen und neuem Gedankengut aus dem Rest der mitdenkenden Zeitgenossen erwächst, kann umso leichter – wenn es nicht ins etatistische Strickmuster pseudosozialer Gemeinschaftlichkeit paßt – unter Hinweis darauf, daß es „europa-untauglich“ sei, abgeschmettert werden.

Die BürgerInnen Europas würgt zwar manche Verordnung aus Brüssel oder Luxemburg ein wenig im Hals, aber das generelle Problem, daß Europa seine Bürger immer mehr zu stereotypen Nummern transformiert, auf dem Altar der leeren Worthülse „Vereintes Europa“ dem Einzelnen immer mehr Rechte genommen und die Menschen in ihren Freiheiten zunehmend minimiert werden, haben die meisten „Europäer“ überhaupt noch nicht begriffen.

In dem Maße, in dem sich die EU immer mehr zur alles beherrschenden und regulierenden juristisch verbrämten Kunstfigur stilisiert, werden eben die Kräfte, die diesen Kontinent in 2.800 Jahren auf nahezu allen Ebenen der Geistes- und Naturwissenschaften, Technik und Forschung, Kultur und Lebensvielfalt sich entfalten ließen, zu Grabe getragen.

Die diktatorisch reglementierte EU ist auf dem besten Wege, unter dem hehren Mäntelchen sozialen und ökonomischen „Ausgleichs“ zu einem sozialistischen Zwangskorsett für seine 350 Millionen BürgerInnen zu werden.

Wer wissen will, wie es in Europa in wenigen Jahrzehnten aussehen wird, mag sich in den Staaten umsehen, die der Sozialismus in Osteuropa/-deutschland in wenigen Jahrzehnten emotional und sozial verwüstet hat.

Unsere Politiker, soweit darf man gehen, sind in ihrer eitlen Machtgier zu tumb, um dies zu realisieren (einige auch ideologisch zu blind, um diese Gefahr erkennen zu können). Es läge an den BürgerInnen, den überbezahlten EU-Bürokratie-Fanatikern in die Parade zu fahren, ihnen in aller Deutlichkeit die Kehrseite oder die rote Karte zu zeigen und den euro-kleptokratischen Irrsinn zu verhindern, solange dies überhaupt noch möglich ist.

H.-W. Graf

29. August 2007

Klapperstorch und Demokratie

29. August 2007|Editorial|0 Comments

Klapperstorch und Demokratie

 

Was stellte ich als Dreikäsehoch nicht alles an, um den Weihnachtsmann persönlich zu treffen, von dem uns im Kindergarten so wundersam erzählt wurde. Als ich dann, gerade mal vierjährig, dahinter kam, daß sich hinter der Polyestermatratze unser freundlicher Hausmeister verbarg, brach für mich eine Welt zusammen. Gleichzeitig fiel mir auf, daß es diesen Kerl gleich in mehreren Varianten, mit unterschiedlicher Stimme, mal kleiner/größer, mal schlank oder rundlich, gab – immer jedoch unter der gleichen Bezeichnung; ich fühlte mich grenzenlos getäuscht.

Daß das mit dem Klapperstorch und dem Osterhasen doch etwas anders lief, hatte mir meine Mutter in pädagogisch kluger Weitsicht schon in frühesten Kindertagen beigebracht.

Katastrophal endete dann jedoch mein Bemühen, die anderen, noch selig an diese Figuren glaubenden Kinder aufzuklären. Keiner dieser Spatzen war bereit, mir zu glauben, und eine der Kindergärtnerinnen drohte mir gar mit dem Rohrstock, wenn ich derartige Lügen weiterhin verbreitete.

Nicht anders ergeht es mir seit 35 Jahren – solange versuche ich mittels unseres ‘zeitreport’, mit den ‘Märchen für Erwachsene’ aufzuräumen.

Aber wer den wohl immer noch in kindlicher Naivität verfangenen, zumeist nur körperlich Erwachsenen, wenngleich gemäß BGB mündigen Bürgerinnen klarzumachen versucht, daß unsere Parteien weder ‘christlich’, noch ‘sozial’ oder ‘freiheitlich’ orientiert sind, erntet bestenfalls Desinteresse, mitunter resigniertes Kopfnicken, oftmals treten gar aggressive Ablehnung und Spott zutage. Immerhin

Rüttelt man damit ja am grundgesetzlich verbrieften Recht auf „Freiheit“ – im Sinne persönlicher Denkfaulheit und körperlicher Bequemlichkeit.

Völlig konsterniert reagieren Lieschen und Franz Bravdeutsch auf den logischen Beweis*, daß das Ammenmärchen von der (parlamentarischen) ‘Demokratie’ schlicht und ergreifend ein intellektueller "Nasenring" ist, an dem uns seit fast 60 Jahren die Vertreter des Politadels durchs Land zerren und für dumm verkaufen. Bisweilen halten sich – wir kennen das aus frühen Kindertagen – selbst Freunde und gute Bekannte einfach die Ohren zu; allzu schmerzhaft wäre es für sie wohl, der Realität ins Auge zu sehen und zu akzeptieren, daß sämtliche Politiker der auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene agierenden Politiker entweder vorsätzlich das Volk belügen – und damit gegen das Grundgesetz verstoßen, bzw. wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung (zum Zwecke der persönlichen Bereicherung, zum Schaden ihrer Wähler/des Volkes, das sie zu vertreten vorgeben) auf die Anklagebank gehören -, oder derart dumm sind, daß sie ganz sicher nicht dazu befähigt sind, öffentlich-(un)rechtliche Ämter zu bekleiden und dafür auch noch fürstlich (sic) entlohnt zu werden. Eine dritte Alternative gibt es tatsächlich nicht.

Frägt man dann einen jenseits der Mündigkeitsgrenze befindlichen Wahlbürger, ob er sich auch nur einer einzigen ‘demokratisch beschlossenen Entscheidung’ erinnere, weiten sich beim Einen adrenalingesteuert die Augen, beim Nächsten erkennt man mimisch den Anflug eines Nachdenkens, der Dritte entgegnet, daß dafür ja die per Wahl zu Entscheidern berufenen Politiker zuständig seien.

Dem widerspricht aber

  1. die Tatsache, daß mehr als die Hälfte aller Abgeordneten gar nicht direkt, i.e. vom Volk gewählt, sondern von den Parteien intern ausgekungelt werden;
  2. die Zusammensetzung der Parlamente in Bund und Ländern [ca 70% aller "Vertreter des Volkes" stammen aus dem öffentlich-(un)rechtlichen Dienst!];
  3. spätestens seit der Ära Kohl die ‘Fraktionsdisziplin’ über dem Wählervotum steht, was einen klarer Verstoß gegen Artikel 38 des Grundgesetzes darstellt;
  4. Parlamentarier regelmäßig über Gesetzesvorlagen beschließen, deren Inhalte ihnen zumeist fachlich-thematisch überhaupt nicht bekannt sind.

Auch die Ergebnisse der Forsa-Umfrage** ist nicht nur ein beschämendes Abbild von "Demokratie", besser:
Demokratur, sondern insofern sogar ein gefährliches Signal, als irgendwann – und so wenig vorhersehbar, allenfalls zu erahnen, wie der

9. November 1989 oder andere signifikante Einschnitte in der Geschichte unseres Landes (1618, 1713, 1848, 1933 u a.) – die Saat der Veruntreuung, der Lüge und des fortgesetzten Betrugs aufgehen wird.

Machen Sie selbst die Probe aufs Exempel:

Wurde auch nur bei einer zentralen Frage – Rechtschreib“reform“, Einführung des EURO, Gesundheits“reform(en“), Rentenversicherungs“reform(en“), EU-Verfassung, etc – des Volkes Wille auch nur im Ansatz berücksichtigt?!?

Nein, nicht ein einziges Mal. Herr Müntefering erachtet es vielmehr sogar als Frechheit, daß die Politiker vom Volk an ihre Wahlversprechen erinnert und daran gemessen werden.

Unverschämter und arroganter, Herr Müntefering, geht’s wirklich nicht mehr!

Es ist schon bemerkenswert, wie lange sich 52 Millionen Wahlbürger von einer Horde selbsternannter elitärer Lügner und Veruntreuer des gesamtheitlich erarbeiteten Volksvermögens derart rücksichts- und bedenkenlos belügen und wie die Weihnachtsgänse ausnehmen lassen.

Aber vielleicht entsprechen meine Gedanken über den Klapperstorch (gehen Sie als ledige Mutter mit dieser Story mal zum Versorgungsamt!) und den Osterhasen, den Weihnachtsmann, die Demokratie und "sozialchristlichsozialliberale" Politiker nur wilden Verschwörungstheorien. Wer weiß?!?

H.-W. Graf

 

* Demokratie setzt sinnlogisch und originär zweierlei voraus: 1) daß der/die Beschließende weiß, worüber eigentlich abzustimmen ist (also reales Wissen um die zur Rede stehendenen Inhalte) und 2) die persönliche (wirtschaftliche und faktische) Betroffenheit der Stimmberechtigten vom Ergebnis der anstehenden demokratischen Abstimmung.

Aus beiden Grundparametern ergibt sich aber zwingend logisch, daß Demokratie (und dementsprechend auch eine demokratische Abstimmung) immer nur auf kommunaler Ebene stattfinden kann. Siehe hierzu unser ‘alternatives Justiz- und Demokratiekonzept’ (www.d-perspektive.de/rechtskonzept).

** Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des STERN glauben 82% der Deutschen, „daß das Volk politisch nichts zu sagen hat“ und 84% „bezweifeln, daß Wahlen etwas ändern“. 82% aller Deutschen und sogar 90% der Ostdeutschen sind davon überzeugt, daß „auf die Interesse des Volkes keine Rücksicht genommen wird“.

Nur noch 5 Prozent vertreten die Meinung, daß man mit Wahlen „in starkem Maße“ die Politik mitbestimmen könne.

6. Juni 2007

Utopia democratiae

6. Juni 2007|Editorial|0 Comments

Editorial

Utopia democratiae

 

Nein, Utopie beschreibt nicht etwas Illusorisches im Sinne einer Unmöglichkeit, sondern etwas real (noch) nicht Existentes, aber (von einigen Menschen) durchaus Vorstellbares. Die Überschrift soll dreierlei ausdrücken:

  1. Entgegen der ständig wiedergekäuten Behauptung von Politikern und eilfertigen Medien gibt es keine einzige demokratische Nation auf diesem Planeten, da Demokratie per se nur eine kommunale Veranstaltung sein kann; *)

  2. Demokratie wäre möglich, wenn dies die politischen Machthaber wirklich wollten und zuließen. Das wäre aber mit einer Revolution des bisherigen Parteiensystems (!) verbunden;

  3. solange die BürgerInnen wirkliche Demokratie nicht realiter einfordern und es Politikern, Parteien und Medien überlassen, davon zu faseln, bleibt die Demokratie u-topisch, d.h. außerhalb des real Existenten.

Wie kommt es aber, daß wir Menschen so gerne an Nicht-Realem hängen, Illusionen als real Existentes bewahren möchten, uns von Märchentanten und -onkeln für dumm verkaufen lassen und sie dafür auch noch feiern und – „Beweis“ demokratischer Staatlichkeit – wählen?

Erstaunlich: So erpicht der homo sapiens sapiens generell auf Beweisführung ist, wenn es um matierielle und physische Belange, Nahrungsmittel, die vertraglichen Regelungen des Alltags- und Berufslebens oder technische und wissenschaftliche Zusammenhänge geht, so geradezu infantil erduldet er die abstrusesten Behauptungen, sofern abstrakte, emotionale, metaphysische oder seelische Bereiche berührt sind.

Freiheit, Demokratie, Selbstverwirklichung und Bildung sind die Weihnachtsmänner, Osterhasen und Klapperstörche für Erwachsene. Wir lassen im Abstrakt-Utopischen, was uns zu mühsam, ja schier unmöglich zu realisieren erscheint, obwohl wir täglich davon schwärmen. Als Philosophen verklären wir die Protagonisten einer Denkweise, die uns realiter verschlossen bleibt, weil wir selbst uns ihr verschließen. Dabei verkennen wir – fixiert auf unsere lächerlich kurze Lebensdauer – den Auftrag, den uns Philosophie und Natur in die Wiege gelegt haben: die sinnvolle Nutzung menschlichen Geistes. Bauch und Bankkonten zu füllen, Spaß zu haben und den eigenen Wert materiell zu mehren, ist den meisten schon Lebenssinn genug.

Als gebildet gilt, wer eine Handvoll Menschen kennt, die bereits vor 2.500 Jahren menschlicher Existenz höhere Sinnhaftigkeit zuzuschreiben wußten. Im Hier und Jetzt zählen Umsatz, Gewinn und körperliche Fitness. Darauf sind die Inhalte elterlicher Hege und Pflege, universitärer Ausbildung und medialer Berichterstattung beschränkt. Und genau deshalb bleiben Demokratie, Freiheit und Selbstverwirklichung – jenseits allen technischen Fortschritts – im Raum des U-topischen, des zwar theoretisch Möglichen, aber real Nicht-Existenten. Und genau deshalb lassen wir uns regieren und ausnehmen wie die Weihnächtsgänse von Menschen und Organisationen, die als Märchenerzähler von all dem schwafeln, was realiter selbst zu verwirklichen und zu gestalten wir zu feige und ängstlich, zu faul und bequem, zu wenig selbstbewußt und ungläubig sind.

Wir verharren in passivem Mitläufertum, und wer uns zu aktiver Übernahme von Selbstverantwortlichkeit auffordert, der stört.

H.-W. Graf

*) Beweis: siehe http://www.d-perspektive.de/konzepte/demokratie-und-rechtskonzept/

9. Mai 2007

„Laßt die BürgerInnen endlich in Ruhe!” – Ein offener Brief an die politische „Elite”

9. Mai 2007|Editorial|0 Comments

„Laßt die BürgerInnen endlich in Ruhe!“

– Ein offener Brief an die politische „Elite“ –

 

Einverstanden, meine Damen und Herren, Sie bleiben bei der Behauptung, Ihnen ginge es nur um den Bürger; für ihn fühlten Sie sich verantwortlich – und das natürlich Tag und Nacht. Auch wenn ich Ihnen kein Wort glaube und Ihnen nach wie vor unterstelle, daß Sie diesen Beruf ergriffen haben, um Ihre eigenen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren und die graue Bedeutungslosigkeit Ihres Seins auf diesem Wege zu kolorieren; sich auf diesem Wege in die Clique der Prominenten schmuggeln wollten, weil es zum Popstar, Künstler oder kompetenten Vertreter in einem normalen Beruf nicht gereicht hätte; Sie auf diesem Wege ein bißchen vom Kuchen der Macht naschen möchten. Lassen Sie endlich den redlich seinen Lebensunterhalt verdienenden Bürger zufrieden!

Ich gestatte Ihnen gerne, sich mit den Ihnen von Ihrer jeweiligen Partei leihweise zur Verfügung gestellten Schäufelchen und Eimerchen auf dem Spielplatz der Politik zu tummeln, sich gegenseitig mit Sand zu bewerfen und dabei wild zu gestikulieren oder die jeweilige Parteimeinung mehr oder weniger sprachlich geschickt abzusondern. Doch gestatten Sie uns, den Bürgern, Ihnen jegliches Vertrauen zu entziehen, Sie schlichtweg nicht (mehr) ernstzunehmen und Ihnen buchstäblich jeden Schwachsinn zu unterstellen, auch wenn Sie damit Ihre politische Daseinsberechtigung tagtäglich unter Beweis zu stellen versuchen.

Aber beschränken Sie doch Ihr Tun und Treiben bitte auf den jeweiligen Sitzungssaal und die Kneipen, die Sie nach Ihrem wortreichen und sinnleeren Getöse frequentieren. Lassen Sie doch den Sie finanzierenden Normalbürger endlich in Ruhe. Bundes- und Landtage entpuppen sich immer mehr als Gremien frecher Hirn- und Hilflosigkeit, arroganter Anmaßung und bedenkenloser Verschwendung – blind für die Realität, die notwendigen Bedürfnisse des Volkes, also derer, die Ihnen noch immer in irrer Naivität glauben, trauen zu dürfen. Ihre parlamentarischen Lügenmärchen kann man zumeist nur als verbale, pseudo-intellektuelle Umweltverschmutzung bezeichnen, aber davon haben wir längst die Nase voll. Natürlich meinen Sie es mit Ihren Gesetzen und Verordnungen nur gut – hauptsächlich sich selbst und Ihren Karrieren. Aber hören Sie damit auf, uns vom ersten Schrei bis zum letzten mit Ihrer „christlichen“, „sozial(istisch)en“ oder „liberalen“ Benevolenz zuzuschütten. Sie gehen uns mit Ihrem Gesetzes- und Ordnungswahn allmählich auf die Nerven; treiben Sie es nicht auf die Spitze! Nur ein Idiot glaubt Ihnen doch heute noch das Märchen von der parlamentarischenDemokratie“. Wie lange – pro Tag/Jahr und bis in welches Alter – wir arbeiten, mit wem wir welche Verträge welchen Inhalts abschließen, welchen Gästen ein Wirt sein Lokal als Nichtraucher, Vegetarier oder Anti-Alkoholiker öffnet; all das geht Sie einen feuchten Kehricht an. Wir halten Sie und Ihre Privilegien sattsam aus und vor, unterstehen Sie sich jedoch, unser Geld auch noch für völlig Sinnwidriges oder dem Grundgesetz entgegenstehende Allüren zu verschwenden. Sie kennen die Zahlen ganz genau: Eindeutige Mehrheiten waren gegen die Einführung des Euro, die Rechtschreibreform, die Erweiterung der EU und jüngst gegen die Tornadoeinsätze. Dann bekennen Sie doch öffentlich, daß Ihnen die Meinung des Volkes, der demos, völlig egal ist. Reduzieren Sie Ihre öffentlich-(un)rechtlichen Betriebsamkeiten, das Heer Ihrer Heloten und Vasallen! Ziehen Sie sich aus allem zurück, was Ihre Kompetenz schlicht übersteigt und wo Sie außer Kosten eigentlich per se nur Unsinn anstellen können! Geben Sie dem Bürger endlich die Mündigkeit und Freiheit zurück, von der Sie bislang nur hilflos stammeln oder großsprecherisch schwadronieren.

Seien Sie froh, daß Sie sich dem üblichen Konkurrenzkampf im Berufs- und Arbeitsleben nicht zu stellen brauchen! Bleiben Sie in Ihrem exotischen Spielplatz, in dem Sie – per Bannmeile abgeschirmt und in putziger Überheblichkeit – Ihrer Selbstherrlichkeit frönen können, aber lassen Sie die Menschen in Ruhe, bevor es denen zu bunt wird und sie Sie zum Teufel jagen. Ein Mindestlohngesetz kann keine Mindestqualifikation ersetzen, und es gibt nur eine Berufsgruppe, die ohne Mindestqualifikation auskommt – die der Politiker.

Sie haben den letzten Rest an Glaubwürdigkeit längst verloren. Also hören Sie auf, uns, den BürgerInnen, die Ihre Spielburg finanzieren, das Leben schwer zu machen und uns täglich mit neuen Auswüchsen Ihrer Pathologie unliebsam zu überraschen. Bleiben Sie unter sich, lassen Sie uns in Ruhe und behalten Sie gut im Hinterkopf: Sie brauchen uns, wir Sie hingegen in keiner Weise!

H.-W. Graf

15. Januar 2007

Korruption der Scheinheiligen

15. Januar 2007|Editorial|0 Comments

Editorial

Korruption der Scheinheiligen

 

Was schlugen die Wellen medialen Entsetzens hoch, als bekannt wurde, daß drei Siemens-Mitarbeiter mittels Korruption – noch dazu aus extra dafür angelegten (!) ‚Schwarzgeld’-Kassen – Aufträge in Milliardenhöhe erschlichen und dabei nicht nur „Provisionen“ in dreistelliger Millionenhöhe vergaben, sondern auch für den eigenen Verbrauch abgezweigt haben sollen. Inzwischen sitzen gar sechs Angestellte des Konzerns in U-Haft, und sogar Mitglieder des Vorstands seinen informiert und involviert gewesen. Reflexartig empören sich politische Gutmenschen ob dieses schändlichen Treibens.

Aber halt, was war da mit Herrn Hartz, dem Namensstifter des „Meisterstücks“ der Renten-„Jahrhundertreform“, und was war mit VW? Gab`s da nicht diese Vorwürfe gegen Vodafone und Mannesmann bzw. den Deutsche Bank-Chef Ackermann und Konsorten? War da nicht auch sogar irgend so ein Gewerkschaftsboß involviert?

Und just im geeigneten Moment gibt Transparency International seine neueste Hitliste der korruptivsten Länder heraus, auf der sich Deutschland inzwischen nicht mehr unter den zehn „saubersten“ Ländern wiederfindet, sondern auf Platz 14 abgerutscht ist.

Lassen Sie sich durch diese scheinheilige Empörung bitte nicht noch weiter verunsichern – zur gängigen Geschäftspraxis gehört(e schon immer) Bestechung dazu. Dem Westen gewogene Potentaten aus Dutzenden Ländern in Lateinamerika und Afrika verdanken ihre Milliardenvermögen den internationalen Konzernen, die in deren Ländern alles an Bodenschätzen fördern und vermarkten, was sie nur ergattern können. Dabei arbeiten Industrie und Politik bestens Hand in Hand. So kam es dem Westen gerade recht, wenn die Söhne der Staatschefs jener Länder, die für den Westen strategische Bedeutung hatten, in Paris, London oder New York studierten, um dann möglichst zuverlässig die Politik ihrer vom Westen abhängigen Väter in den geostrategisch und an Bodenschätzen reichen Ländern der Welt fortsetzten. Gefährlich wurde es allenfalls dann, wenn einer dieser Sprößlinge sich mit dem Vater überwarf, sein Herz für das gequälte Volk zu Hause entdeckte und sich dem bösen Ostblock zuwandte. Mitunter wechselte aber auch Papi die Seiten – es ist eben alles eine Frage des Preises. In diese Korruption waren westliche Konzerne (je globaler und größer, desto intensiver auch ihr Engagement) genauso verwickelt wie die jeweils herrschenden Parteien und Politiker. Und auch das Militär profitierte von den Deals der Konzerne und Politiker wie auch der Waffenlobby in hohem Maße. Wer hierzu, in besonderer Form verdichtet, nähere Informationen wünscht:
www.anthropos-ev.de/Bilder/kongobericht.pdf

Regelmäßig empören sich dann die gerade nicht an der Macht befindlichen Politiker über den geradezu unglaublichen Machtmißbrauch der jeweils regierenden Partei – verständlich, wenn man, vom „Buffet“ der Korruption ausgesperrt, zugucken muß, wie sich Andere laben. Deshalb war es schon immer wichtig für die Schmierer und Geschmierten, sensibel auszuloten, wem man die ölige ‚Hand zum Bunde’ reichte; notfalls wurden alle beteiligten Parteien gleichermaßen bedient und pflegedienlich geschmiert.

Als ich bei einem Besuch in Gabun zufällig einen Topmanager von Elf Aquitaine traf, erklärte mir dieser (gegen das Versprechen, seinen Namen nicht zu nennen) frank und frei: „In allen Konzernen der Welt existieren umfassende Dateien zu jedem Land, aus denen die politischen Verquickungen genauestens zu ersehen sind. Jedes Land hat dabei seinen spezifischen ‚Korruptionsfaktor’. Ausgetauscht werden jeweils fallweise die politischen Parvenues, die es zu bestechen gilt, sowie deren Verbindungsleute – zumeist Verwandte der jeweiligen Regierungschefs.“ Auf meine Frage, von welchen Bestechungsquoten innerhalb der Gesamt-Erschließungs- und Akquisitionskosten wir hier sprächen, lächelte er: „Zwischen 25 und 40 % des gesamten Budgets!“

Erschreckend ist eigentlich nur das Ausmaß, mit dem beileibe nicht nur die Konzerne, sondern auch (und insbesondere) die politischen Machthaber – egal, ob Ost oder West – die Bevölkerung hinters Licht führen, also geistig und emotional korrumpieren. Ich erinnere noch sehr gut, als der zeitreport als erste deutschsprachige Zeitung über die Geheimgesellschaft Gladio, den streng geheimen US-Nachrichtendienst NSA (National Security Agency) und das Abhör-System Echelon berichtete. Auf Anfragen verneinten offizielle Behörden in (damals noch) Bonn die schiere Existenz dieser Organisationen – gegen besseres Wissen, aber mit voller Absicht. Als ich Jahre später anläßlich eines Treffens des Weltwirtschaftsforums in München einen ehemaligen Staatssekretär des Innenministeriums just darauf ansprach, entgegnete er mit hochtrabender Geste und süffisant grinsend: „Wir können eben nicht immer sagen, was wir wissen – schon zum Schutz der uns anvertrauten Bevölkerung.“

Soeben gab der Sonderausschuß des Europa-Parlaments bekannt, daß laut eben abgeschlossener Recherchen Deutschland und mindestens zehn weitere EU-Länder von den CIA-Praktiken geheimer Auslandsgefängnisse (auch in Europa!) genauestens Bescheid wußten. Erinnern Sie sich noch an das aufgeregte Flügelschlagen der Medien und die Empörung der Politiker – allen voran des smarten Bundeskanzlers Schröder? Kein Mensch wollte von nichts irgendwas gar nichts gewußt haben.

Korruption, verehrte LeserInnen, beginnt beileibe nicht bei halb- oder illegalen finanziellen Transferleistungen. Korruption findet seine Basis darin, den Verstand und das Gefühl von Menschen nachhaltig irrezuführen und mit falschen Informationen die Menschen zu verunsichern, deren Wohlverhalten – ob als Wähler oder Konsumenten – es zu gewinnen und zu konservieren gilt. Korruption beginnt also auf der geistig-emotionalen Ebene und findet in Bestechungsgeldern nur seine physische Ausdrucksform.

Korrumpiert werden wir tagtäglich und laufend – ob von Wissenschaftlern und Bildungspolitikern, öffentlich-(un)rechtlich besoldeten Wirtschaftsinstituten oder systemkonform klappernden Politikern, ob in der Werbung oder in den Medien, durch Gewerkschaften oder Religionen.

Dabei bedient sich der Korrupteur – als Einzelner oder als Institution – ganz stilsicher des menschlichen Bedürfnisses nach Ruhe und Bequemlichkeit. Menschen gehen (wie alle Lebewesen) Schwierigkeiten und Problemen am liebsten aus dem Weg. Da kommt es ihnen gerade recht, wenn sie – denken Sie an die drei Affen, die nichts sehen, hören oder sprechen wollen – von unliebsamen Zusammenhängen nichts wissen, ihnen leicht faßbare Informationen denkbequem übermittelt werden und sie ansonsten von Schwierigkeiten verschont bleiben. Aktive und passive Korruption bereichert immer nur wenige, aber regelmäßig zulasten der denkfaul-tumben Mehrheit. Korruption hat nicht nur lenkende Funktion für die jeweils davon profitierenden Minderheiten, vielmehr schränkt sie in immer größerem Maße die Freiheitsrechte der Mehrheit ein.

Schon im antiken Troja mußte Cassandra ihren Mut, als Warnerin vor den Griechen teuer bezahlen; das Volk, des zehnjährigen Krieges müde, wollte weder hören, noch verstehen, was ihnen die kluge Frau vermitteln wollte. Sie wurde geächtet und sogar vom eigenen Vater gefemt.

Nicht anders ergeht es denjenigen, die heute als ‚Mahner in der Wüste’ auftreten; sie werden als Störer und Querulanten, Schwarzmaler und Pessimisten bezeichnet und als Verschwörungstheoretiker verlächerlicht und abgestempelt.

Daß Freiheit kein grundgesetzlich garantiertes Recht sein kann – schon die stoisch vorgetragene Formel der Politiker ist schiere Verblödung der Massen und korruptiv –, sondern die eigene Freiheit ein permanentes Mitdenken und Mithandeln verlangt, wird uns zumeist weder im Elternhaus, noch in der Schule vermittelt. Stattdessen fordern wir von den marktschreierischen Apologeten der Parteien und Gewerkschaften, daß sie für diese unsere Freiheit doch, bitteschön, zu sorgen hätten.

Wie naiv muß derjenige sein, der Wölfe zu Hütern seiner Herde macht?

 

Wer sich mit diesen Zusammenhängen doch etwas weitergehend beschäftigen möchte: Es gibt ein Buch, das sich mit den wahren Hintergründen der Korruption, vor allem aber auch mit Wegen, diese zu vermeiden, intensiv befaßt:

„Korruption – Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens – zu bestellen bei der Zentrale des DBSFS. Der Erlös (€ 15,-) geht an den Anthropos e.V. – für die Kinder dieser Welt“.

H.-W. Graf
19. Oktober 2006

Politische Schaumschläger

19. Oktober 2006|Editorial|0 Comments

Politische Schaumschläger

 

Führen’ definiert sich allgemein und wertneutral als ‚vorbildhaft, berechenbar und konsequent die Richtung vorgebend’. Erst aus dieser inneren Haltung des/r Führenden erwächst das Vertrauen der dieser Führungsfigur folgenden, geführten Gemeinschaft – des Rudels, der Herde oder einer Mannschaft im Sport. ‚Führung’ wird umso nötiger, je unwegsamer das Gelände, je unbekannter das Terrain, je schwieriger die Situation ist, und in gleichem Maße bedingt eine problematische Lage ein umso größeres Vertrauen der dieser Führung Folgenden.

Dabei ist durchaus nicht erforderlich, daß der Führende in allen Belangen der Beste und Hüter allen Wissens ist. Am besten führt, wer sich die jeweils Besten als Ratgeber an die Seite holt.

All dies vorausgesetzt: Betrachten wir uns die Phalanx derer, die uns politisch zu führen vorgaukeln, so bleibt die Wahl zwischen hysterischem Lachkrampf oder unendlicher Trauer; da stemmt sich eine Laune der Natur wie eine hilflos mit den Fäustchen drohende Preisboxerin gegen die Einsicht, daß Taktieren zwar in der ex-DDR zur politischen Disziplin gehörte, dies aber mit Führen nichts zu tun hat. Und wer sekundiert diesem Schreckgespenst von einer Kanzlerette? Ein blasiert-schleimiger Ex-Maat Laurenz Meyer, ein an hilfloser Blaßheit nur noch von seiner Chefin übertroffener Ronald Pofalla und ein sich wütend entrüstender Jürgen Rüttgers, der so gern im Aufsichtsrat von Siemens säße. Im bulligen Genick der mitleidheischenden Angela hockt der Geier Müntefering, der wohl wirklich nur in der SPD nicht längst zum Sozialfall verkommen konnte, mit den Erben eines längst verkümmernden Feierabend-Sozialismus’ wie der politischen Attentäterin Ulla Schmidt, die Deutschland zuliebe besser bei Mutti in Aachen hätte bleiben und ihrem Erstberuf nachgehen sollen, statt die Dauer-Reformschwangere zu spielen. Ums Gehöft schleichen die politischen Erbschleicher und Kulissenschieber einer wenig Hoffnung suggerierenden Zukunft vom Schlage der Provinzfürsten Beck und Gabriel, der larmoyante Phrasendrescher Party-Wowi und der in jeder Hinsicht schüttere Stoiber, den außerhalb Bayerns niemand noch für voll nimmt. Jede mißglückte Reform ist ihnen ein Plaisir, auch wenn die Kommunikation zwischen Realität und Fiktion, Partei und Volk, Angela und dem Rest der Sozialgemeinschaft Deutschland nur noch per Brieftauben erfolgt.

Da muß sich Bärbeiß Struck nur geduldig an seinem Pfeifchen festhalten und abwarten; die Wulffs, Oettingers, Müllers und Steinbrücks bringen das waidwunde Wild schon zur Strecke, das ungeliebte, androgyne Wesen, was in mitleiderregender Unfähigkeit als Kanzlereuse durch die politische Schlangengrube tappst – naiv wie Alice im Wunderland und allen Gram der Welt in den Mundwinkeln versammelt.

Die jeder Meuchelei fähige, aber absolut perspektivelose SPD flirtet derweil mit den Ruinenwächtern des ehemaligen grünen Koalitionspartners ebenso wie mit dem Möchtegern-Führer der pseudoliberalen FDP – Wowi und Westi als homophiles Traumpaar für die Zeit nach Merkel! Rückenwind könnte dieses Faschingsprinzenpaar – wieder mal – aus Österreich erhalten; felix Austria hat in Gusenbauer nun auch seinen Schröder gefunden.

Mein Engelchen Merkel, mit Taktierspielchen à la SED ist dieses Land nicht zu führen, und Dein nächstes Buch – laß` da besser einen Ghostwriter ran; „Mein Weg“ ist beinahe so schlecht wie die ‚Satanischen Verse’oder ‚Mein Kampf’ – könnte den Titel tragen: „Himmel war ich naiv – aber zumindest die Rente ist gesichert“.

Was hier unter ‚politischer Führung’ läuft, ist eine Trauerveranstaltung ersten Ranges hinter hochgezogenen Zugbrücken. Die Schloßherrin erinnert an Marie Antoinette, die auf den Hinweis ihrer Höflinge, das Volk verhungere, weil es kein Brot habe, erstaunt erwiderte: „Warum essen die Leute dann keinen Kuchen?“

Die bundesdeutsche Parteiendiktatur duldet keine wirkliche Führung; spätestens seit dem Politkriminellen Kohl steht die Parteidoktrin über allem, vor allem über jeglicher politischer Verantwortung – beileibe nicht nur in Deutschland, aber nirgendwo so deutsch-perfektioniert. Spätestens auf Bürgermeister-Ebene ist Schluß mit ‚Führen’ im oben skizzierten Sinne. Parteiliche Geschmeidigkeit und hochmütig-dreiste Frechheit, intrigantes Geschick und populistisches Gesabbere mit einem sicheren Gespür für extravagante Zeitströmungen sind die Garantien einer parteipolitischen Karriere. Das ist das ‚Material’, aus dem politischer „Führungs“-Nachwuchs rekrutiert und gebastelt wird – ein bißchen schwul, die größten Muskeln rund ums Maul, mediengeil und telegen, vor allem aber omnipräsent.

Wundert es da wirklich, wenn die Wahlbeteiligung permanent abnimmt und das Vertrauen der Menschen in die Politik(erInnen) – Basis jeglicher erfolgreicher Führung – inzwischen hinter das zu Versicherungsvertretern und Autohändlern gerutscht ist? Die Folge: Politische Abstinenz oder die Hinwendung zu extremen Links- oder Rechtsparteien.

Die sechs politischen Systemparteien dieses Landes erfüllen allsamt die strafrechtliche Definition von kriminellen Vereinigungen, vorsätzlichem Betrug, fortgesetzter Untreue und des Verrats der Bedürfnisse ihrer Wähler, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und mit bewußten Lügen an die Urnen gelockt werden.

Nur selten – vor 20 Jahren die DC in Italien, Ende der 80er die KPDSU, heute die sozialistische Partei Ungarns – fliegen die Potemkin`schen Dörfer unserer politischen Schranzen in die Luft. Aber Vorsicht, Ihr Schäubles aller Parteien: Tempora mutantur! Die jungen Menschen sind wacher als früher, und die Zeiten werden sich ändern.

Dieses Land ist von Kohl und seiner Clique ver-„führt“ worden und in der Ära Schröder zum parteipolitischen Rummelplatz verkommen, auf dem sich unfähige Scharlatane und Gaukler tummeln.

Wenn mit diesem parteipolitischen Mumpitz nicht schleunigst aufgeräumt und Deutschland nicht den parteipolitischen Kraken entrissen wird, verlieren wir sozial- wie auch wirtschaftspolitisch zunehmend und mutmaßlich auf Jahrzehnte den Anschluß an die Zukunft. Dabei ist nicht damit gedient, wenn Ex-Minister (-Präsiden-ten) wie Herr Clement als Politrentner plötzlich ehrlich werden; unfähige und vor keinem Ruch zurückschreckende PolitikerInnen dürfen erst gar nicht an die Hebel der Macht gelangen. Der Staat muß den Parteien entrissen werden – das wußten bereits Solon und Perikles vor 2.500 Jahren. Nur ausgesprochen dumme Tiere setzen sich Parasiten wie Zecken selbst ins Fell.

Vielleicht gehören Gefängnisse für betrügerische Politiker zu den gewinnversprechendsten Kapitalanlagen der Zukunft – als steuerbegünstigte geschlossene Immobilienfonds.

Hans-Wolff Graf

P.S.:

Wer sich immer noch um Alternativen bemüht, dem sei folgende Website anempfohlen: www.d-perspektive.de

Resignieren heißt aufgeben!

19. Juli 2006

Problempolitiker

19. Juli 2006|Editorial|0 Comments

Problempolitiker

 

Nun ist er tot; Problembär Bruno – offiziell rubrifiziert unter „J.J. I“ – starb durch zwei gezielte Schüsse amtlicherseits rekrutierter Profikiller. Zum Abschuß freigegeben wurde er, weil er – natürlichen Trieben eines etwa 27 Monate alten Bären folgend – noch unstet auf Reviersuche war, seinen (ebenso natürlichen) Jagdtrieb auslebte und den Menschen, die ihn zuvor so überschwenglich willkommen geheißen hatten, zu vertraulich nahe kam. Sein Pech: In diesem zarten Alter und digital etwas ungelenk konnte er die Telefontasten nicht bedienen, um bei der nächstgelegenen Sozialstation den Bedingungskatalog für einen offiziellen Asylantrag zu stellen; mangels eines (in Deutschland unabdingbare Voraussetzung) vorliegenden Bärengesetzes und mit italienischem Migrationshintergrund auch der deutschen Sprache nicht mächtig, hielt sich Bruno einfach nicht an den bundesdeutschen ‚Lebensverwaltungs-Codex’ und die oberste Maxime christlich-abendländischer Überheblichkeits-„Kultur“: „die Erde, mithin die gesamte Flora und Fauna dieses Planeten, hat dem Menschen untertan zu sein!“

Abgesehen von Betrunkenen, sehr alten Menschen und Kindern erweckt allzu natürliche Offenheit grundsätzlich unser Mißtrauen; wir haben uns derart an normierte Verhaltensmuster gewöhnt, daß in unser tagtägliches Erleben nur hineinpaßt, was der Norm genügt, was wir an gleicher Stelle ebenso getan oder unterlassen hätten. Gestattet sich jemand eine „unbotmäßige“ Fröhlichkeit, so wähnen wir ihn entweder unter Drogen oder ‚nicht ganz dicht’. Zur Faust geballte Gesichter, meinungslose Bedenkenträgerschaft, zu keiner eigenen Haltung gerinnende Generalskepsis zeugen von abwägender Intellektualität und von Erfahrung umrankter Weitsicht.

Insoweit ist alles diskutierbar, nichts wahr. Eigene Standpunkte riechen leicht anstößig und sind gefährlich angreifbar.

Hätte der Bär sich an die verwaltungstechnisch vorgegebenen Spielregeln gehalten, sich auf Abfallhalden und Müllbergen bedient, auf Waldverbiß verzichtet, Zuchttiere, Hegefluren und Gartenanlagen verschont und zu Menschen ehrfürchtig Distanz gewahrt, lebte er heute noch.

Nein, ungehindertes Räubern in fremden Revieren, das bedenkenlose Bestehlen, Belügen und Hintergehen, den Vergriff an von Anderen erarbeiteten Fleischtöpfen und Besitztümern gestatten wir nur dazu parteipolitisch auserkorenen Spezien, die für dieses widernatürliche Handeln sogar noch fürstlich bezahlt und täglich medial gefeiert werden – öffentlich-(un)rechtlichen Parasiten der Sozialgemeinschaft, die über fremde Güter und Besitzstände nach freier Willkür verfügen dürfen, ohne jemals für ihr Handeln verantwortlich gemacht oder gar bestraft, notfalls gar zum „Abschuß“ freigegeben zu werden. Sie stehen unter Immunität, und sollten sie es bisweilen gar zu unverfroren treiben, werden sie für einige Jahre unter (ebenfalls wohl dotierten) Verschluß gehalten – z.B. als Vorstand einer parteinahen Stiftung –, bis der Öffentlichkeit Erinnerungsvermögen genügend verblaßt ist.

Ihnen sieht man mangelnde Kompetenz gütig nach. Hauptsache ist, daß sie uns mit lautem Gebrüll, imponierender Freßgier und Eindruck erweckender Durchsetzungsfähigkeit von ihren „Führungs“qualitäten nachhaltig überzeugen.

Sie dürfen wildern und schmarotzen, sich nach Belieben bedienen, schalten und walten, unser aller Lebens- und Arbeitswelt bestimmen.

Bis an die Grenze seniler Debilität – bisweilen weit jenseits des üblichen Zwangs-Rentenalters – gestatten wir ihnen ein höchst widernatürliches Normverhalten, beugen uns ihrer arroganten Hybris und reichen sie als Beweis menschlich genialen Fortschritts in Talkshows und bei Kongressen ehrfürchtig durch die Lande. Wir bestücken Aufsichtsräte mit ihnen und huldigen ihrer selbst angemaßten Glorie.

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die „Krone der Schöpfung“, der homo sapiens sapiens den Unterscheid zwischen normal und natürlich zu begreifen lernt und, wie in vielen anderen Ländern durchaus üblich, in friedlicher Koexistenz mit natürlich lebenden Wildtieren seinen Platz teilt. Wohl erst dann werden wir professionelle, mit Vorsatz handelnde Beutejäger vom Schlage unserer Volksverräter zum „Abschuß“ freigeben. Dazu ein fröhliches ‚Waidmanns Heil’!

H.-W. Graf