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14. April 2014

Das Finanzsystem – der Blutkreislauf des (inter)nationalen Wirtschafts-, Steuer-, Finanz- und Sozialwesens

14. April 2014|Politik, Sozialpolitik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Das Finanzsystem – der Blutkreislauf des (inter)nationalen Wirtschafts-, Steuer-, Finanz- und Sozialwesens

Das Weltfinanzsystem, zu dem neben den staatlichen Notenbanken und den privaten und öffentlichen Bankinstituten auch die gesamte Versicherungswirtschaft gehört, steht vor der gigantischen Herausforderung, teilweise völlig unterschiedliche Strukturen und gewachsene gesetzliche Fundamente aus fast 400 Jahren zu vereinheitlichen und sinnstiftend zu kompatibilisieren.
Hierbei steht im Vordergrund, 35 zum Teil noch recht unterschiedlich gestrickte Gesetzeswerke aufeinander abzustimmen, das romanische mit dem anglikanischen Rechtssystem unter einen Hut zu bringen sowie von Land zu Land teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen davon, was staatlich geregelt und überwacht oder der privatrechtlichen Obliegenheit überlassen bleiben sollte.
Unter dieser Generalüberschrift trafen sich vom 26. bis 28. März 261 Vermögensverwalter aus 21 Nationen in Amsterdam zur 4. Morningstar Investment Conference, wobei die Liste der Referenten und die Panels der Podiumsdiskussionen mindestens ebenso hochkarätig besetzt waren wie das Teilnehmerfeld. Schon bei ihrer Eröffnungsrede verwies die niederländische Königin Maxima, die – im Gegensatz zu den EU-Finanzhäuptlingen, die hierzulande durchs politische Gehölz traben – hohen Sachverstand und trainierte Kompetenz bewies, darauf, in welch hohem Maße das internationale Finanzgeschäft praktisch jeden von uns tagtäglich begleitet und bestimmt – privat und beruflich, kommunal wie (inter)national. Die u.a. in New York, London und Frankfurt ausgebildete Finanzökonomin verwies, ohne sich auch nur im Mindesten zum Büttel einer Lobby machen zu lassen, auf die dringende Notwendigkeit, die unterschiedlichen Finanz“betriebssysteme“ in Einklang zu bringen, da hiervon zum einen die gesamte private wie kommunale/öffentliche Finanzwirtschaft, aber auch alle sozialstaatlichen Verpflichtungen, das Pensions- und Rentenwesen sowie die Infrastruktur unmittelbar abhingen. Wohlweislich ging Queen Maxima – gleiches galt übrigens für den Kreis aller anderen Referenten – weder auf die von westlichen Politikern und Medien völlig theatralisierte Krim-„Krise“ noch auf die Frage ein, ob (und wenn ja, wie lange) der Euro als künstlicher finanzieller Kitt für die historisch völlig unterschiedlichen nationalen Staatskulturen relevant sei. Beide Fragen wurden dafür umso heftiger und je nach dem Grad der Abhängigkeit des jeweiligen Sprechers von privaten oder staatlichen Instituten in sämtlichen Pausengesprächen sowie in den ebenfalls sehr kompetent besetzten Panels diskutiert.
Einig waren sich die meisten Diskutanten dahingehend, daß die Angleichung der unterschiedlichen Finanz- und Wirtschaftssysteme viel zu komplex und wichtig sind, als daß man sie Politikern und deren Ränkespielen und machtpolitischen Opportunismen überlassen dürfte.
Wer Interesse an unserer Rezension der Morningstar-Investment Conference 2014 hat, möge sich bitte bei uns melden; der Versand erfolgt umgehend und für Mandanten der efv-AG kostenfrei.

H.-W. Graf

9. April 2014

100 Tage Schaumschlägerei

9. April 2014|Politik|Kommentare deaktiviert für 100 Tage Schaumschlägerei

Inzwischen sind es schon wieder mehr als 100 Tage seit Beginn der Vernunftehe zwischen Angela I. und dem dicken roten Erzengel Gabriel, und seit ebenso langer Zeit versuchen beide Lager, uns bereits für 2017 darauf einzustimmen, daß spätestens dann ‚richtig regiert‘ wird; bis dahin muß man sich eben, dank Wählers Unverstand, mit dem ideologischen Feind im Kabinett arrangieren. Eigenes Tun wird eifrig beklatscht, der politische Gegner benevolent geduldet.
100 Tage SchaumschlaegereiIn der Tat sind Dutzende von Ereignissen und Geschehnissen zur Zeit interessanter als das inhaltslose Gesäusel der rot-schwarzen „Elite“, die sich nur in einem einig zeigt – dem unbedingten Gehorsam gegenüber Mr. Obama und dessen fassungsloser Empörung darüber, was die ‚bösen Russen‘ so fürchterlich völkerrechtswidrig und antidemokratisch mit der Krim anstellen. Man kann erstaunt zur Kenntnis nehmen oder entsetzt darüber sein, wie verlogen die westliche Reaktion auf die gefährliche Zuspitzung in der Ukraine ausfällt. Da bemüht ausgerechnet die Regierung der Nation, die in den letzten 150 Jahren mehr Kriege vom Zaun gebrochen hat als alle anderen Nationen dieser Erde zusammen, die Genfer Konvention, die Grundprinzipien des Völkerrechts und den originären Geist solonischer Demokratie, um Wladimir Putin ins Abseits zu stellen und ihn wie einen unartigen kleinen Bengel aus dem Kreis der G8 zu verbannen.
Lieber unterstützen Obama und seine Heloten eine höchst faschistoide, rechtsgerichtete Schlägerbande, mit der die martialisch auftrumpfende Julija Timoschenko und der nach vielen hundert Kopftreffern wohl nicht mehr ganz denkfähige Boxer Klitschko koalieren und die Ukraine dem Kranz der westlichen Bündnisse einverleiben wollen – natürlich gegen entsprechende Subventionen vonseiten der EU und territoriale Schutzversprechen der Nato gegenüber dem früher so innig geliebten großen Bruder Rußland.

Im Gewusel der (inter-)nationalen Ereignisse auf allen säkularen und sakralen Bühnen: Franziskus feuert Tebartz, der selbstverliebte Marx mausert sich zum Kurien-Kardinal; der DAX und seine weltweiten Geschwister überraschen mit hohen Volatilitäten ebenso wie die Devisenkurse; gerade das Verhältnis von Euro zu US-$ schlägt mit Unterschieden von bis zu 3,8% innerhalb von 72 Stunden so stark aus wie seit 2008 nicht mehr.
Wir werden wohl auch in der nächsten Woche mit Schäubles Haushaltstricksereien, orakelnden westlichen Politikern und unbeeindruckten russischen Politikern das Gekeife um die Ukraine begleiten und ansonsten lustlos dümpelnde Aktien- und Rentenindizes erleben. Der Neid auf „die Reichen“ – was für die meisten Menschen bereits ab einer Größenordnung von 250.000 € beginnt –, nicht wirklich wichtige politische Themen (die aber umso dramatischer aufgeblasen werden), drohende Seuchen und anthropogene Umweltkatastrophen werden das mediale Futter der nächsten Wochen. Wir werden mit unliebsamen Folgen gewerkschaftlich organisierter Streiks leben müssen und ansonsten auf endlich wieder wärmere Tage hoffen dürfen.

H.-W. Graf

2. April 2014

Rußland – das Rückgrat der Energieversorgung in Europa

2. April 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Rußland – das Rückgrat der Energieversorgung in Europa

Losgelöst vom aktuellen ‚Tauziehen‘ um die Ukraine verdient die wechselseitige
Abhängigkeit Rußlands und großer Teile Europas durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit, als ihr von so manchem Beobachter derzeit beigemessen wird.
Insbesondere Deutschland hat durch seinen ‚Fukushima-bedingten‘ – etwas abrupten – Ausstieg aus der Atomkraft eine ganz besonders exponierte Stellung, wenn es darum geht, zukünftig noch etwas mehr von russischen Energielieferungen abhängig zu sein, als dies ohnehin schon der Fall war.

Rußland - das Rueckgrat der Energieversorgung in Europa_1Quelle: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

Zwischen 2020 und 2025, wenn also das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein wird, soll knapp die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Da Kohle billig, aber dreckig ist, soll vor allem Erdgas eine Schlüsselrolle bei der Energieversorgung einnehmen. Laut einer Studie von ExxonMobil wird Erdgas in knapp 20 Jahren der wichtigste Energieträger zwischen Kiel und Garmisch sein. Das ist politisch gewollt; so wirbt beispielsweise der Baden-Württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann für den zügigen Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland, um die Herausforderungen der Energiewende zu meistern. Für nicht wenige politische Kräfte sind hocheffiziente Erdgaskraftwerke sogar derzeit die einzig akzeptable fossile ‚Brücke‘ zu den erneuerbaren Energien. Bedenkt man weiter die Verflechtungen entlang der gesamten Lieferkette (russische Konzerne, wie z.B. Gazprom, haben in den letzten Jahren wichtige Funktionen, Rechte und auch Assets im europäischen Markt übernommen), ist die wechselseitige Abhängigkeit von Russen und Europäern sehr viel größer, als beide es derzeit zugeben können und wollen. Rußland wird seine arktischen Gasfelder nur erschließen können, wenn konstant große Einnahmen aus den Gaslieferungen fließen. In (West-)Europa würden nach relativ kurzer Zeit definitiv ein paar Wohnungen kalt bleiben, wenn der Gashahn für längere Zeit abgedreht werden würde. In 2012 wurde übrigens jede zweite neugebaute Wohnung in Deutschland mit Erdgasheizung ausgestattet …

Die Angst, daß ‚Rußland sich seinen asiatischen Partnern zuwenden könnte‘, um nur noch diesen die für uns lebensnotwendigen Rohstoffe zu verkaufen, ist an den Haaren herbeigezogen. Bis eine tragfähige Infrastruktur (Pipelines usw.) aufgebaut wäre, wie sie zwischen Rußland und Europa besteht, würden Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen.
Naiv ist auch die Vorstellung, daß sich durch Pipelines fließendes Erdgas durch Flüssiggas (über Tanker) ersetzen ließe. Auch diese Infrastruktur muß/müßte unter immensen Kosten erst noch geschaffen werden, um den heute möglichen russischen Ausfall vielleicht irgendwann einmal ersetzen zu können.

Fazit: Würde die energiepolitische Partnerschaft abrupt oder in großen Teilen ‚aufgekündigt‘, werden, hätte dies tatsächlich katastrophale Auswirkungen und würde eine drastische Reduktion des Lebensstandards für alle Beteiligten in Ost und West nach sich ziehen. Selbst die Sowjetunion hat in den kältesten Tagen des kalten Krieges die Gaslieferungen auf den europäischen Markt nicht gestoppt. Warum sollte Rußland dies also heute tun?
Die in dieser Woche in einem Kommentar auf ‚Spiegel-Online‘ erhobene Forderung „Dreht den Russen den Gashahn zu (auch wenn es uns schadet!)“ ist etwa so (schwach-)sinnig wie die Frage nach einer Abschaltung des Internets in Bezug auf amerikanische Webseiten (Google, Apple, usw.), z.B. als gerechte Strafe für die glorreichen Abhöraktivitäten der Amerikaner. Es ist schon erstaunlich, daß diese bis heute nicht einmal das kleinste Sanktiönchen nach sich gezogen hat – aber das ist ein anderes Thema.

Frank Amann

14. März 2014

Verwirrspiel in der Ukraine

14. März 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Verwirrspiel in der Ukraine

Das Verwirrspiel um die Krim-Republik, die sogar eine eigene Flagge besitzt und 1954 vom damaligen russischen Präsidenten Nikita Chruschtschow im Rahmen der als ‚ewig‘ apostrophierten ‚sozialistischen Brudergemeinschaft‘ den Ukrainern geschenkt wurde, wächst von Tag zu Tag. Nahezu stündlich überraschen uns die Medien mit neuen Enthüllungen über die politischen Hintergründe, von Washington über Luxemburg bis Moskau in die Welt gesetzten Drohungen oder Warnungen. Je nach Intention werden dabei politische oder humanitäre, wirtschaftliche oder militärische Überlegungen ins Feld geführt.

In der Tat lohnt ein näherer Blick auf diesen Konflikt: Die Ukraine ist (ohne die Halbinsel Krim) mit etwas über 600.000 km² rund 1,8 mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, dafür ist Deutschlands Bevölkerung rund 80% größer als die der Ukraine.
Wirtschaftlich ist die Ukraine überwiegend auf den Export von Primärenergieträgern und mineralischen Produkten angewiesen, leidet jedoch praktisch seit dem Zusammenbruch der sozialistischen Brudergemeinschaft unter einem jährlichen Handelsdefizit von durchschnittlich etwa 20%.
Während 78% der Bevölkerung traditionell gleichermaßen Ukrainisch und Russisch sprechen, wird in der Krim-Republik zu fast 80% Russisch und jeweils zu 10% Ukrainisch oder Krimtatarisch gesprochen.
Bildschirmfoto 2014-03-19 um 15.25.14Insofern gewinnt die Intention von Wladimir Putin, die russische Bevölkerung auf der Krim zu schützen, eine etwas andere Bedeutung, als uns dies westliche Medien und die vorlaute US-Außenministerin Clinton weiszumachen versuchen; wie würden sich wohl die US-Amerikaner verhalten, wenn die Kubaner das US-Territorium Guantanamo auf Kuba zu besetzen drohten? Wie verhielten sich die Engländer beim Falkland-„Krieg“? Und würde London eine Annexion Gibraltars durch die Spanier klaglos hinnehmen?

Was die Krise in der Ukraine so verwirrend erscheinen läßt, sind die verschiedenen wirtschafts-, finanz- und ideologie-behafteten realpolitischen Intentionen der unterschiedlichen Interessensgruppen, die sich dort hemmungs- und rücksichtslos engagieren. Wer in wessen Auftrag und mit welchem Ziel auf wen schießt und ihn des Verrats, der Lüge, ideologischer Verblendung und übelster Machenschaft zeiht, kann heute de facto niemand mehr mit Sicherheit konstatieren.
Das ganze Gerede von einem drohenden ‚Dritten Weltkrieg‘ (Egon Bahr) muß niemanden ängstigen. Es schält sich immer mehr heraus – was wir von Anfang an befürwortet haben –, daß man es den Bewohnern der Krim tunlich selbst überläßt, per demokratischem Votum darüber zu entscheiden, ob man sich der Ukraine zugehörig fühlt, oder ob man (neben Kaliningrad, dem früheren Königsberg) zur zweiten Exklave Rußlands werden möchte.

Je bewußter dieser Konflikt allerdings zwischen den Großmächten Moskau, Washington und EU sozial-, wirtschafts- und finanzpolitisch aufgeheizt wird, desto mehr wird die Bevölkerung – und um die geht es ja angeblich unseren politischen Maulhelden – darunter leiden, was wieder einmal mehr die Falschen trifft, denn mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 1.400 € pro Jahr und Einwohner ist die Ukraine ohnehin eines der ärmsten europäischen Entwicklungsländer (zum Vergleich: Deutschland erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt von rund 27.000 € pro Jahr und Einwohner).

So schmerzhaft die binnen-ukrainischen Gewaltattacken auch sind, vor einem Weltkrieg muß u.E. niemand Angst haben. Und auch die nötigen Milliarden, mit denen die Weltbank und der IWF bereits zugesichert haben, die Ukraine vor dem finanzwirtschaftlichen Kollaps zu bewahren, werden weder den US-Dollar noch den Euro nachhaltig treffen.

Insofern: Hoffen wir auf Restbestände von Vernunft und menschlicher Achtung in den Hirnen und Herzen unserer Politiker, und freuen wir uns ansonsten auf den Frühling und eine zunehmend wärmende Sonne.

10. März 2014

Das dicke Ende kommt erst noch.

10. März 2014|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Das dicke Ende kommt erst noch.

Mancher mag sich wundern, warum DAX & Co. nach einem kurzen Aufflackern zu Beginn des Jahres arg ins Straucheln gekommen und in dieser Woche sogar vor die Jahresendstandswerte 2013 zurückgefallen sind. Nun, der Grund dafür ist der gleiche, warum z.B. der DAX in den letzten zwei Jahren mehr als 55% zugelegt hat: Billionen billiger Dollars, Euros, Pfund Sterlings und Yens, die speziell von den Banken dankbar aufgenommen und auf dem Umweg über Schattenbanken, Hedgefonds und Derivate kreativster Art in den Markt gepumpt wurden. Die ebenfalls in billigem Geld schwelgenden Großkonzerne nutzten die Gunst der Stunde, um vermehrt eigene Aktien zurückzukaufen, und selbst private Investoren engagierten sich kreditfinanziert an den Wertpapiermärkten wie nie zuvor. Nun aber schlägt die ‚Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)‘, die Zentralbank der Notenbanken, Alarm, denn die Geldpolitik der westlichen Notenbanken habe (laut einer Studie vom Februar 2014) zu einer gigantischen Verschuldung der Schwellenländer geführt; 9,1 Billionen Dollar, fast das Doppelte des Kreditvolumens vor 2008 (Ausbruch der Finanzkrise), stünden, so die BIZ, auf wackligen Beinen, wobei vor allem die europäischen Banken mit Forderungen gegenüber den Schwellenländern von fast 3,4 Billionen ganz vorne in der Schlange stehen. Addiert man hierzu noch die offenen Bestände der Finanzzentren von Singapur, Hongkong, Panama und anderen exotischen Finanzparadiesen, summieren sich die Forderungen der europäischen Kreditinstitute auf über 4,1 Billionen Dollar.
So großzügig in den vergangenen fünf Jahren die Ströme billigen Geldes flossen, so ängstlich ziehen nun Private wie Institutionelle ihre Gelder aus den Schwellenländern ab, seit die US-Notenbank ein Ende des Tapering signalisiert. So flossen allein in den ersten sechs Wochen 2014 mehr als 20 Milliarden Dollar aus den Aktienmärkten der Schwellenländer ab – 35% mehr als im gesamten Jahr 2013. Brasilien und Rußland sagten Auktionen von Staatsanleihen über insgesamt 42 Milliarden Dollar ab, und nun rätseln die führenden europäischen Geldhäuser, ob sich die Krise eher auf den Anleihen- oder den Aktienmärkten auswirken wird, wobei die Situation besonders für Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei angespannt ist, da diese Länder aufgrund ihrer hohen Leistungsbilanz-Defizite auf verläßliche Zuflüsse von Investoren und Kreditgebern angewiesen sind.
Hinzu kommt für das Bankensystem der Euro-Zone noch die Notlage der Peripherie- Länder – Portugal, Spanien und (immer noch) Griechenland –, wobei insbesondere Portugal und Spanien aufgrund ihrer traditionell starken Kreditengagements in Südamerika mit einem Volumen von fast 500 Milliarden Dollar betroffen sind.

Während die US-Banken die letzten vier Jahre vor allem zum Aufbau ihrer Eigenkapitalquote verwendet haben, engagierten sich Europas Banken mit Verve und Optimismus in den Schwellenländern, nachgerade in (süd-)osteuropäischen Ländern, wohl in der Hoffnung, daß diese möglichst zeitnah in den Schoß der Euro-Zone fallen und deren Kredite damit als gesichert gelten könnten.
Mit insgesamt 66 Billionen US-Dollar ist die kumulierte Bilanzsumme der europäischen Banken fast exakt viermal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Euro-Zone, wobei nur fünf Jahre nach der Finanzkrise die Gier schon wieder größer zu sein scheint, als der Schmerz der Erfahrung.
Noch dramatischer stellt sich die Situation dar, wenn man die Engagements der Schattenbanken hinzurechnet – außerhalb der Bilanzen agierende Bank-Töchter, Beteiligungsfirmen und Hedge-Fonds; dort schlummern weitere 21 Billionen US-Dollar kreditierter Forderungen. Alleine die HSBC, Europas größte Bank, benötigt gemäß einer Studie des unabhängigen Research-Hauses ‚Forensic Asia‘ über 110 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital, weil sie die Vermögenswerte ihrer Engagements in der Bilanz zu hoch angesetzt hat.
Neckisches Aperçu: Vor kurzem beschränkte die HSBC Barabhebungen ihrer Kunden – vorgeblich, um ihre Kunden vor der Verführung durch Finanzbetrüger zu schützen!
Selten so gelacht.

H.-W. Graf

21. Februar 2014

Wieviel Kapital fehlt den europäischen Banken?

21. Februar 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Wieviel Kapital fehlt den europäischen Banken?

Daß es auf diese Frage keine wirklich zufriedenstellende Antwort gibt, kann sogleich an folgendem Beispiel erläutert werden:
Im Auftrag der OECD haben einige Professoren eine Studie erstellt und die 30 größten Banken Europas nach ihrem Eigenkapital bewertet. Dazu gehören in Deutschland die Deutsche Bank, die Commerzbank sowie die Landesbanken von Bayern und Baden-Württemberg. Die Professoren ermittelten einen Kapitalbedarf von insgesamt 84 Mrd. € für diese 30 Institute, eine Summe, die im Rahmen der insgesamt in der Euro-Zone ansonsten aufgerufenen Summen relativ überschaubar daherkommt. Allerdings, und jetzt wird es bereits seltsam, kamen die Professoren zu dem Schluß, daß die HSBC, eine der größten Banken der Welt (die uns ja schon in anderem Zusammenhang recht unangenehm auffiel), überhaupt gar keinen Eigenkapitalbedarf hätte. Nach Einschätzung der allermeisten Analysten aber beträgt das aktuelle Kapitaldefizit (alleine) der HSBC zwischen 45 und 111 Mrd. US $. Wie kann es zu derartigen – geradezu grotesk voneinander abweichenden – Einschätzungen kommen? Nun, obwohl man zwischenzeitlich weiß, daß übergroße, unterkapitalisierte und außer Kontrolle geratene Banken wesentliche Verursacher der Weltfinanz- und Eurozonenkrise waren, ist bis heute noch immer weitgehend unklar, was die in der Bilanz als Vermögenswerte bezeichneten (Assets) tatsächlich wert sind.
Wieviel Kapital fehlt den europaeischen Banken1

Ganz generell ist die Bewertung des ‚Vermögens‘ einer Bank naturgemäß mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, denn niemand kann wissen, wie sich z.B. ein Kredit-Portfolio letztlich wirklich entwickeln wird, denn erst wenn der Kredit zurückgezahlt ist und ggf. unbezahlte Forderungen durch Verwertung der ggf. vorhandenen Sicherheiten abgewickelt wurden, kann abschließend beurteilt werden, ob die Wertansätze realistisch waren oder eben nicht. Schon deshalb läßt sich in eine Bankbilanz alles und nichts hineinbewerten. Es ist also – vereinfacht gesagt – von hoher Relevanz, wer bewertet und welches Ergebnis dabei herauskommen soll …
Die Schaffung einer Europäischen Bankenunion (um die es bisher in diesem Jahr verdächtig ruhig geblieben ist) dient auch dem Zweck, die Deutungshoheit über derartige Bewertungen zu vergemeinschaften und somit besser kontrollieren zu können. Manche Beobachter schreiben davon, daß die Europäische Zentralbank (EZB) als neue, allgewaltige Bankenaufsicht die letzte ‚Patrone‘ wäre, die die Politik im Lauf hätte. Was die Einen als historischen Fortschritt auf dem Weg zu einem Vereinigten Europa empfinden, werten die Anderen daher ganz nüchtern als ein neues schmutziges Manöver, um nationale Altlasten infolge der Krise nach Möglichkeit europäisch zu sozialisieren. Die EZB will z.B. binnen weniger Monate in den Bilanzen von 128 als solche definierten Großbanken Altlasten aufspüren, die nationale Aufseher in Jahrzehnten nicht zutage förderten.

Die Bankenaufsicht der Euroländer

Ab 2014 überwacht eine gemeinsame Aufsicht unter dem Dach der EZB die Banken in der Eurozone.

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Wer allerdings glaubt, im Rahmen der Schaffung einer europäischen Bankenunion bzw. einer gemeinsamen Bankenaufsicht würden die üblichen europäischen Probleme (Topf paßt nicht auf Deckel, Schraube nicht ins Gewinde usw.) nicht erneut auftreten, wird schnell eines Besseren belehrt: Bereits jetzt soll die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) im Falle von Anfragen immer öfter an die EZB verweisen, die bisher aber freundlich mitteilt, daß sie noch nicht zuständig sei, so der Bericht aus Bankenkreisen. Und während die deutsche Aufsicht auf dem Standpunkt steht, bankenaufsichtliche Arbeit sei nur bis zu einem gewissen Grad quantifizierbar und müsse auch qualitative Aspekte umfassen, setzt die EZB bei der Entwicklung ihres eigenen Aufsichtsmodells vermutlich auf einen vorrangig quantitativ orientierten Ansatz. Im Klartext: Zukünftig regiert die Zentrale (EZB); die Filialen vor Ort (BaFin, Bundesbank) haben sich den Erkenntnissen und Anforderungen der übergeordneten Stelle zu fügen, egal wie gut die ‚Filiale‘ vor Ort ihre Pappenheimer zu kennen glaubt.
Mit Einrichtung einer europäischen Bankenunion wird sich im Jahr 6 nach dem Kollaps von Lehmann Brothers der Erfolg der Re-Regulierung im Bankensektor in Europa entscheiden. Es stellt die ‚letzte Chance‘ dar, das Vertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen. Das sagen nicht wir, sondern das ausgeschiedene EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Darauf darf sich jeder selbst seinen Reim machen.

Frank Amann

10. Februar 2014

Die Unsicherheiten nehmen zu.

10. Februar 2014|Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Die Unsicherheiten nehmen zu.

Auch nach mehr als vier Wochen im neuen Jahr spielen die Märkte mit Tendenzen, ohne jedoch bislang eine Richtung anzudeuten oder gefunden zu haben. So hat die brasilianische Börse unter der drastischen Leitzinserhöhung auf 10,5% (und weiterhin exorbitanter Korruption im Lande) zu leiden, aber den übrigen Schwellen- und Entwicklungsländern geht es nicht viel besser; Indien findet aus seiner global-wirtschaftspolitischen Isolation nicht heraus – wer nicht familiär und politisch gut vernetzt und in große Konzernstrukturen eingebunden ist, verläßt, sofern er gut ausgebildet ist, das Land und siedelt sich in Großbritannien, Neuseeland, Kanada oder den USA an. Einige Schwellenländer wissen wohl selbst noch nicht so genau, ob sie mehr zu den Industriestaaten oder zu Ländern der Dritten Welt gerechnet werden wollen – z.B. Rußland und die Türkei, aber auch Indonesien und Malaysia sowie Argentinien, das in seiner Not und wegen des drastischen Verfalls des Peso, ebenfalls seinen Leitzins von 4% auf 10,5% (!) angehoben hat.
Im letzten Quartal 2013 wurden fast 300 Milliarden Euro aus den führenden Schwellenländern (Emerging Markets) abgezogen; nach drei Jahren der Euphorie für diese Märkte hat sich das Geld, scheu wie ein Reh, lieber wieder in andere „Weidegebiete“ verzogen.
In der Euro-Zone wird ängstlich-still darauf gewartet, wann es in Frankreich zum Kollaps kommt; Monsieur Hollande ist viel zu sehr mit seinem Privatleben beschäftigt, und seine Landsleute denken gar nicht daran, mit ihrem sozialistischen Häuptling, der nun meint, den konservativen Reformkurs, den er ‚auf gutem Wege sieht‘, mitzugehen; die Franzosen haben ein ähnliches Vergnügen daran, den Staat und die Steuerbehörden zu betrügen wie die Griechen. Auch Italien denkt nach guter alter Tradition ‚von heute bis morgen‘. Nord- und Süditalien verachten einander, und irgendwie läuft es auch ohne Rom, Brüssel und Luxemburg doch ganz gut.
Die USA haben ihr Tapering um 10 Milliarden $ im Januar recht gut überstanden, und bereits für Februar steht eine weitere Kürzung der monatlichen Neuverschuldung (wiederum 10 Milliarden $) an. Noch hat dies keine Auswirkungen auf die Börse – der DOW wehrt sich tapfer knapp unterhalb der 16.000 Punkte-Marke –, und auch der Dollar hat gegenüber den meisten frei-handelbaren Währungen im Januar zugelegt, während der Euro seinen kurzen Höhenflug beendet hat und inzwischen knapp oberhalb der Marke von 1,35 zum US-$ laviert.
Eine Aufwärtsentwicklung ist hingegen bei den Rohstoffen (insbesondere den agrarischen) und den Edelmetallen zu verzeichnen, wobei Gold nach einem kurzen Ausbruch bis nahe der 1.300 US-$-Grenze (pro Unze) inzwischen wieder bei 1.250 US-$ liegt.

An allen währungs- und fiskalpolitischen Fronten (und demzufolge auch bei den Indizes) dürften wir in 2014 weitaus höhere Volatilitäten gewärtigen als im vergangenen Jahr. Die Kreditzinsen sind hierzulande bereits im Schnitt um ein halbes Prozent geklettert, wohingegen Sparer, die jegliches Risiko scheuen, nichts finden, was nach Steuern und Inflationsraten überhaupt noch ein Plus erbrächte.

Die Unsicherheiten nehmen zuEs scheint, als ob die Europa-Wahlen im Mai – so gering die Wählerbeteiligung an den bisherigen EU-Wahlen auch gewesen sein mag – ihre Schatten bereits heute werfen; immerhin lauern in der Hälfte aller Euro-Zonen-Länder kleine und größere Parteien auf ihre Chance, dem Euro-Wahnsinn und der Zwangsvereinigungsmanie der Politiker der etablierten Parteien ein Schnippchen schlagen zu können. Solange diese Parteien jedoch, wie vielfach der Fall, nur monothematisch aufgestellt sind und – anders als die etablierten, konservativen Parteien – nicht in der Lage sind, ein Zweckbündnis untereinander einzugehen, könnten wir nach dem Mai zwar eine weitere Zersplitterung im Europa-Parlament erleben – die Weimarer Republik läßt grüßen! –, grundsätzlich ändern dürfte sich dann allerdings kaum etwas.

H.-W. Graf

6. Februar 2014

Prof. Wilhelm Hankel, ein Lehrmeister leiser Eindringlichkeit, …

6. Februar 2014|Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Prof. Wilhelm Hankel, ein Lehrmeister leiser Eindringlichkeit, …

Prof. Wilhelm Hankel…. ist am 15. Januar 2014, fünf Tage nach seinem 85. Geburtstag, nach langer Krankheit, von der er nie groß Aufhebens machte, verstorben. Mit seinem Tode verliert dieses Land einen der profiliertesten Wirtschafts-, Währungs-und Finanzexperten, der sich in keinem seiner zahllosen Ämter verbiegen und instrumentalisieren ließ. Bereits seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts trat er als Warner dagegen auf, mit währungspolitischen Ketten kulturelle, arbeitsmarkt- und sozialpolitisch völlig unterschiedliche Staaten in eine künstliche Uniformität zu zwingen und in sozialistischer Gleichmachermanier alles glatt zu polieren, was die Vielfalt Europas ausmacht. Mit seinen Kollegen Nölling, Starbatty und Schachtschneider zog er dreimal vor das Bundesverfassungsgericht, in dem verzweifelten Versuch, den Politikern in ihrer Mischung aus Inkompetenz, Profilierungssucht und Machtgier in den Arm zu fallen. Für ihn war „die Währung eines Staates der individuelle Maßanzug, den man nicht als Massenware konzipieren kann“. Er war – von den Politikern wie den Medien völlig zu Unrecht geziehen – kein Gegner eines ‚Vereinten Europas‘, vielmehr ein Gegner undemokratischer Zwänge und politischer Unverfrorenheit. Mit messerscharfem Verstand reihte er in seinen Vorträgen gelassen und mit ruhiger Stimme Fakten an Fakten – stets dem Grundsatz treu: ‚Audiatur et altera pars‘! (‚Auch die Gegenseite möge gehört werden‘), entlarvte aber (mit ebenso sanftem Humor) politische Lügen und populistische Ammenmärchen als untaugliche Mittel, dem Volk Sand in die Augen zu streuen.
Mit seinem Tode verliere ich einen mutigen Mentor und wertvollen Ratgeber; auf mehreren Kongressen hatte ich immer wieder die Möglichkeit, von diesem klugen Grandseigneur und Philosophen zu lernen, und für viele meiner eigenen Vorträge durfte ich seinen kritischen Verstand und seine Erfahrung nutzen. Sein Tod ist ein Verlust für alle – ob sie ihn persönlich kannten oder nicht.
Vielleicht finden Sie die Zeit, eines seiner letzten Interviews (mit Frank Meyer von n-tv) noch einmal nachzuhören: www.rottmeyer.de/wilhelm-hankel-ist-tot

Deutschland sieht sich währungs- und wirtschaftspolitisch derzeit einem rhetorischen Dauerbeschuß vonseiten des IWFs, der US-amerikanischen FED, aber auch der Euro-Leithammel in Brüssel und Luxemburg ausgesetzt; es möge doch, so der Tenor, seinen
Binnenkonsum ankurbeln, seinen Export drosseln und damit seine Handels-bilanzüberschüsse schmälern. Nur damit, so die Montis und Draghis, Camerons und Bernankes dieser Welt, könne das Ungleichgewicht in Europa und des zwangsvereinten Euro-Raums wiederhergestellt werden.
Welch schreiender Unsinn: Zum einen sind die Exporte der Bundesrepublik in die Euro-Zone seit Einführung des Euro von ehedem 47% auf knapp 39% gesunken, zum anderen gliche dies der Forderung im Sport, der Schnellste im Finale möge bitte Blei um seine Fesseln binden, um seinen Konkurrenten eine Chance zu geben.
In den derzeitigen Ungleichgewichten der europäischen Volkswirtschaften zeigt sich dramatisch, wie unselig unsinnig es war (und bleibt), völlig unterschiedliche Volkswirtschaften über einen Kamm zu scheren und in ein und demselben Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen. Jedoch, und daran halten die führenden Parteien Europas unbeirrbar und völlig uneinsichtig, vor allem jedoch jenseits jeglicher Demokratie unbeirrbar, fest: Es muß gewaltsam vereint werden, was nicht zusammengehört. Dabei sollte, so der Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger, „Europa froh sein, daß unter all den Lahmen noch einer laufen kann“. In der Tat belief sich der Überschuß der deutschen Leistungsbilanz 2013 auf über 200 Milliarden Euro (etwa 7% des Bruttoinlandsprodukts), da jedoch viele dieser Exporte ihre Vorfertigung im Ausland (auch in der Euro-Zone) erfahren, brächen in etlichen Volkswirtschaften Tausende von Betrieben zusammen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen weg, wenn Deutschland (auf Geheiß der EU-Kommission und unter Androhung von Strafen) seine Wirtschaftskraft drosseln und seine Exporte reduzieren würde. Hinzu kommt, daß ohnehin mehr als 30% aller EU-Exporte ‚auf Kredit‘ erfolgen, wobei die Frage, ob diese Kredite gegenüber deutschen Unternehmen jemals zurückbezahlt werden, in den Sternen steht.
Nein, mit sozialistischer Gleichmacherei ist weder eine Volkswirtschaft noch ein Kranz völlig unterschiedlicher nationaler Volkswirtschaften auf Linie zu bringen. Währungen sind der ökonomische Puls ihrer Volkswirtschaften und üben eine unverzichtbare Pufferfunktion im interglobalen Austausch von Waren und Dienstleistungen aus. Aber davon wollen unsere beratungsresistenten und zu jedem Schwachsinn nur allzu bereiten Politiker nichts wissen, womit wir wieder bei wären, der nicht müde wurde, darauf hinzuweisen, daß Volkswirtschaften autoenergetische Systeme sind, die nicht zu einer Batterie von Legehennen umfunktioniert werden können.

H.-W. Graf

23. Januar 2014

Für Sie gelesen: Das Globalisierungs-Paradox

23. Januar 2014|Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Das Globalisierungs-Paradox

Die Demokratie und die Zukunft der Weltwirtschaft

Autor: Dani Rodrik
Verlag: C.H. Beck, München
Preis: € 24,95
Umfang: 416 Seiten
ISBN: 978-3-406-61351-7

Die bislang vorherrschende, neoliberale Globalisierungslehre hilft nicht weiter, sondern hat die jüngsten Krisen sogar mit verursacht. Das zeigt der Ökonom Dani Rodrik anhand von zahlreichen historischen Rückblicken und harten ökonomischen Fakten. Insbesondere macht Rodrik deutlich, dass die Weltökonomie von einem politischen Trilemma bestimmt ist: freier Welthandel und unbegrenzte Mobilität von Kapital und Arbeit sind nicht mit unseren Vorstellungen von Demokratie und Nationalstaat vereinbar. Dani Rodrik öffnet seinen Lesern buchstäblich die Augen: für die faktischen Schattenseiten der Globalisierung, aber auch für die ja nahezu schizophrene Kommunikationskultur der Ökonomen, die im politischen Diskurs nichts auf die Globalisierung kommen lassen wollen, im Innern ihres Elfenbeinturms jedoch ein globalisierungskritisches Forschungsergebnis nach dem anderen zusammentragen. Die Globalisierung ist für Rodrik kein Haßgegner und er wird nicht müde, auch ihre Vorteile hervorzuheben. Dennoch macht er keinen Hehl daraus, daß die Schlußfolgerung für ihn eindeutig ist: in dem besagten Trilemma muß die Globalisierung das Nachsehen haben. Statt sich die „goldene Zwangsjacke“ der Globalisierung überzustreifen, sollte sich jedes Land auf demokratischem Weg für eine eigene Kombination von Marktöffnung, Produkt- und Arbeitsstandards und sozialem Netz entscheiden.

„Wenn Länder am Rande des globalen Systems, wie Thailand oder Indonesien, in eine Krise stürzen, dann werfen wir ihnen ihre Versäumnisse vor und ihr Unvermögen, die strengen Regeln dieses Systems anzuwenden. Wenn Ländern aus der Mitte des Systems das Gleiche passiert, dann geben wir die Schuld dem System und sagen, es sei an der Zeit, Korrekturen daran vorzunehmen.“ (Dani Rodrik)

Dani Rodrik, geboren 1957 in Istanbul, ist Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Harvard University. Sein erstes Buch „Grenzen der Globalisierung“ war laut Business Week eines der besten Ökonomiebücher der 90er Jahre. Rodrik betreibt einen vielbeachteten ökonomischen Blog und schreibt für die New York Times, den Economist und die Financial Times Deutschland.

„Das Globalisierungs-Paradox ist ein provokativer Blick auf die Exzesse der Hyperglobalisierung – es sollte Pflichtlektüre sein für alle, die sich eine Welt ohne Finanzkrisen und unfaire Handelspraktiken wünschen.“

Nouriel Roubini

„Dieses Buch nimmt die wichtigste Frage unserer Zeit ins Visier: Globalisierung.“

Gordon Brown
Britischer Premierminister a.D.
20. Januar 2014

Was treibt die Aktienmärkte an?

20. Januar 2014|Finanzen / Wirtschaft, Gesellschaftssystem|Kommentare deaktiviert für Was treibt die Aktienmärkte an?

Obgleich sich das Wirtschaftsjahr 2014 noch im ‚Stadium nascendi‘ quasi in den „Geburtswehen“ befindet, ist bereits deutlich abzusehen, daß sich der Trend aus 2013 fortsetzt. Aber was treibt die Aktienmärkte eigentlich so vehement an? Nun, zum einen ist es die enorme Liquidität in den Märkten; vor allem die institutionellen Anleger (Banken, Pensionsfonds, Lebensversicherungen, berufsgenossenschaftliche Versorgungswerke, etc.) sitzen auf Abermilliarden, die es zu investieren gilt. Da sie nur in sehr begrenztem Umfange in Immobilien und Edelmetalle investieren können, und der Geldmarkt, Staatsanleihen und andere festverzinsliche Papiere nur wenig hergeben, investieren sie in die Aktienmärkte – und hier natürlich vornehmlich in Standardwerte großer Unternehmen, die ihrerseits über hohe Kassa-Bestände verfügen, wobei die Schwellenländer/Emerging Markets nach den schlechten Erfahrungen im letzten Jahr zunehmend gemieden werden.
Zum anderen ist der Anteil von Aktienkäufen auf Kredit (vor allem im anglikanischen Markt) so hoch wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr; die Bereitschaft zur Spekulation – hierzulande eher selten – geht einher mit der Gier nach „Schnäppchen“.
Hinzu kommt drittens der Umstand, daß noch Mitte 2013 starke Währungen (u.a. Neuseeland-$, die norwegische Krone und der australische Dollar) bis zu 10% an Wert gegenüber dem US-$ und (noch mehr) dem Euro einbüßten.

Die Gelder der Privatanleger beeinflussen die Märkte derzeit wenig, wenngleich die Tendenz zunimmt (selbst hierzulande!), hohe Bargeldbestände (vor allem überladene Girokonten) abzubauen; das Menetekel der ‚Schuld-Steuer‘, das der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – finanzwirtschaftlich das mächtigste Dreigestirn in der gesamten weltweiten Finanzwirtschaft – schon seit Oktober letzten Jahres immer deutlicher einfordern, beginnt Wirkung zu zeigen. Dieses völlig unter Kontrolle der USA stehende ‚Triumvirat‘ steht auch hinter der vehementen Forderung an die Bundesrepublik, endlich den eigenen Exportüberschuß abzubauen, den binnenländischen Konsum zu forcieren und damit seine Dominanz (vor allem innerhalb der Euro-Zone) einzuschränken, andernfalls müßte man über Strafen nachdenken und Konsequenzen ziehen. Diese unverhohlene Drohung bestraft quasi Deutschland für seine (noch) intakte Situation am Arbeitsmarkt.

In welcher von Banken und staatlichen Institutionen dominierten Welt leben wir eigentlich? Glaubt man allen Ernstes, mit einer Schwächung der europäischen „Lokomotive“ die horrenden Arbeitslosenzahlen in der gesamten EU (durchschnittlich 11%; bei der Jugendarbeitslosigkeit ø 32%) abbauen zu können? Selbst ehemalige Musterländer wie Schweden, Dänemark und die Niederlande bieten nur etwa 80% ihrer Jugendlichen einen Weg ins Arbeitsleben.

Der letzte Grund für den derzeitigen Hype an den Aktienmärkten ist sicherlich der typische Herdentrieb, und da sind vielen Anlegern, die ansonsten Risiken vermeiden und auf Sicherheit setzen wollen, Renditen von 3 bis 5% noch zu wenig. Sie verweisen auf den DAX (2013: 25,5%), ohne dabei zu bedenken, daß in diesen Index auch Dividendenerträge einfließen (noch dazu unversteuert).

Generell wird auch das noch junge 2014 äußerst interessant und spannend werden – nicht nur im Sport (WM und Olympia), sondern auch an den Finanz- und Wertpapiermärkten.

H.-W. Graf