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8. Juli 2014

SPD-Chef Gabriel will mehr Muslime in öffentlichen Ämtern

8. Juli 2014|Politik, Sozialpolitik|Kommentare deaktiviert für SPD-Chef Gabriel will mehr Muslime in öffentlichen Ämtern

Man frägt sich unwillkürlich, ob dieser pfiffige Hirntote bei seinem Parteikollegen Hartmann am Chrystal Meth-Döschen genascht hat. Hätte er jemals den Koran aufgeschlagen, wüßte er, daß

  • alles Staatliche hinter dem originären Sendungsbefehl Allahs zurückzustehen hat;
  • es gemäß Koran nichts Verwerfliches ist, Un- und Andersgläubige zu täuschen/betrügen/belügen oder gar zu töten und selbst ein Amtseid – der im übrigen seit Kohl dem Fürchterlichen ohnehin nichts mehr zählt – der “Botschaft” des Koran nicht im Wege stehen darf.

Man überlege sich die logische Konsequenz:

  1. Entgegen der strikten Trennung von Staat und Religion (bis vor kurzem betraf dies nur die christlichen Kirchen) müßten gerechterweise (‘Gleichheitsgrundsatz’, lt. GG) auch orthodoxen Juden, Endzeitchristen, Zionisten, Buddhisten, Zeugen Jehovas u.v.a. öffentliche Ämter angeboten werden.
  2. Die muslimische Welt ist mindestens so vielfältig zersplittert wie die christliche. Im Gegensatz zu Katholiken und Evangelikalen – die haben ihre Grundsatzkontroverse vor knapp 400 Jahren im ‘Dreißigjährigen Krieg’ mit Hundertausenden Toten ausgetragen – stehen sich die drei Hauptrichtungen des Koran (und Dutzender Untergruppierungen) in tödlicher Feindschaft gegenüber.
  3. Wie soll ein unter dem Gebot der Scharia stehender Richter einen nach dem dt. Recht strafbaren Tatbestand ahnden?
  4. Muß die/der BürgerIn bereits seit Jahrzehnten wehrlos hinnehmen, daß auf Bundes- und Länderebene (neuerdings auch Europa) selbst völlig talent- und kompetenzlose Figuren (und –innen) selbst politische Spitzenämter okkupieren und voluminös (dank persönlicher Bereicherung) ausfüllen, drohte bei Realisierung Gabriel’scher intellektueller Flatulenzen die Verlagerung des religiösen Weltkriegs auf politisch höchste Ebene.
  5. Um allen religiösen Gruppierungen paritätische Mitsprache zu garantieren, müßte die Zahl höherer und höchster Staatsämter drastisch ausgeweitet werden; mit einem halben Dutzend Vizepräsidenten des deutschen Bundestags wäre es dann natürlich nicht mehr getan.

Natürlich ist dieser S. Gabriel mit derartigen Überlegungen heillos überfordert. Zu hoffen bleibt aber, daß dem Gros der BürgerInnen irgendwann die Hutschnur reißt und sie derartige cerebral hochgradig gestörte Zeitgenossen dahin schickt, wohin sie gehören – in die Grenzlinien der religiös-fanatischen Krisengebiete rund um das Maghreb oder den Nahen Osten. Ich wüßte auch schon, wer ihn dabei begleiten sollte ……

Bei nahezu allen weltlichen Krisen-und Kriegsgebieten stehen religiöse Gruppierungen Pate; wenigstens aus den nationalen Politiken sollten wir Religionen und ihre fanatischen Verfechter tunlichst heraushalten.

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu:
www.derwesten.de | Veröffentlicht: 02.07.2014
SPD-Chef Gabriel will mehr Muslime in öffentlichen Ämtern
www.derwesten.de/politik/spd-chef-gabriel-will-mehr-muslime-in-oeffentlichen-aemtern-id9549909.html

30. Juni 2014

Mammutprojekt Europäische Bankenunion

30. Juni 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Mammutprojekt Europäische Bankenunion

Während in Sachen Infrastruktur die Tieferlegung des Bahnhofs in Stuttgart (‚Stuttgart 21‘) die derzeit größte Baustelle innerhalb der EU sein dürfte, könnte man das wirtschaftspolitische Pendant einer ‚Großbaustelle‘ in der nun angelaufenen Europäischen Bankenunion sehen. Beiden Projekten ist jedenfalls gemein, daß sie über einen langen Zeitraum andauern werden und daß aus heutiger Sicht noch ziemlich unklar ist, welcher Nutzen daraus erwachsen wird.

Mammutprojekt Europaeische Bankenunion1Seit Beginn der Krise in 2008 wurden insgesamt 28 neue Vorschriften für eine bessere Regulierung, Überwachung und Steuerung des Finanzsektors vorgeschlagen, um auszuschließen, daß die Steuerzahler in Zukunft erneut zur Kasse gebeten werden, wenn Banken Fehler begehen. Viele dieser Bestimmungen sind mittlerweile in Kraft getreten oder werden in Kürze verabschiedet. Um den Teufelskreis zwischen Banken und öffentlichen Finanzen aber ‚endgültig‘ zu durchbrechen, haben die Staats- und Regierungschefs im Juni 2012 außerdem beschlossen, die Wirtschafts- und Währungsunion durch eine Bankenunion zu ergänzen. Damit sollen EU-weit geltende Bankenvorschriften im Euro-Raum (und in nicht zum Euro-Raum gehörenden teilnahmebereiten Mitgliedstaaten) auf zentraler Ebene angewandt werden können. Es ist nun amtlich, daß die Europäische Zentralbank (EZB) ab November 2014 die Aufsicht über alle 6.000 Banken des Euro-Raums übernimmt. Dem einheitlichen Regelwerk und der einheitlichen Aufsicht wird/wurde nun noch ein einheitlicher Abwicklungsmechanismus an die Seite gestellt. Das Motto ‚europäisch leben, national sterben‘ soll für Banken nicht mehr gelten, da nun jede Insolvenz im Rahmen eines ‚echten‘ europäischen Mechanismus verwaltet wird.
Die wohl wichtigsten Neuerungen in diesem Zusammenhang sind die Regelungen zur Gläubigerbeteiligung (‚Bail-in‘). Diese soll dafür sorgen, daß Eigentümer der Bank und ungesicherte Gläubiger für Verluste und Kosten der Stabilisierung einer Bank aufkommen müssen – im Gegensatz zum bisher überwiegend praktizierten ‚Bail-out‘, d.h. dem Herauspauken der Gläubiger durch externe Finanzhilfen (Steuergelder). Als Beispiel für ein bereits vollzogenes Bail-in kann die Bankenrettung in Zypern betrachtet werden, wobei bekanntermaßen bei der Bankenrettung in anderen Euroländern die Beteiligung von Aktionären und Gläubigern à la Zypern bisher weitgehend vermieden wurde. Aus ‚Zypern‘ wurden aber auch die Lehren gezogen, daß ein willkürliches Abrasieren von Einlagen über 100.000 Euro vielleicht doch keine ganz so gute Idee sein würde, zu groß ist das Risiko des vollständigen Vertrauensverlustes der gutgläubigen Untertanen.
Und so haben die ‚drei Musketiere‘, die EU-Kommission, der Europäische Rat und das Europäische Parlament (die im Detail durchaus unterschiedliche Vorstellungen hatten) nun verabschiedet, wie die Reihenfolge der Inanspruchnahme (sogenannte ‚Haftungskaskade‘) am Ende des Tages aussehen soll. Ausgenommen von einem Bail-in sollen auf jeden Fall Schuldverschreibungen, wie Pfandbriefe und bestimmte Verbindlich-keiten mit kurzer Laufzeit, sein. Einlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro (von natürlichen Personen) sind EU-weit ‚garantiert‘. Einlagen von natürlichen Personen und KMUs* oberhalb von 100.000 Euro sollen überdies ‚bevorzugt behandelt‘ werden (was immer dies auch heißen soll). Umstritten ist derzeit noch, wann Einlagen, die nicht der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen, herangezogen werden und ob anstelle der geschützten Einlagen die zugehörigen nationalen Einlagensicherungssysteme einen Beitrag zu leisten haben.
Die Bail-in Regeln sollen bereits ab 2015/2016 greifen. Interessant ist hierbei: Damit die Bail-in-Instrumente überhaupt greifen können, müssen Institute natürlich genügend Bail-in-fähige Verbindlichkeiten vorhalten (sonst müßte am Schluß doch aufs ‚Garantierte‘ zugegriffen werden, oder aber der Steuerzahler müßte wieder ran). Dies soll durch eine noch vorzuschreibende Mindestquote erreicht werden (Mindestverlustabsorptionskapazität heißt das im EU-Bankenchinesisch).

Mammutprojekt Europaeische Bankenunion2Es deutet also vieles darauf hin, daß die Sanierung des nach wie vor angeschlagenen europäischen Bankensystems zunächst einmal nicht durch den einen harten Schnitt (à la Zypern) erfolgen wird, sondern die ‚Altlasten‘ im Zusammenspiel mit der EZB ohne großen ‚Knall‘ auf die nächsten Jahre ‚gestreckt‘ werden sollen. Gleichzeitig soll das Regelwerk zukünftig schon so vorrausschauend sein, daß für neu entstehende Lasten von Anfang an klar ist, wer am Ende den ‚schwarzen Peter‘ in der Hand hält. Ob das funktionieren wird, oder ob nicht überraschende Ereignisse dann doch wieder einiges, wenn nicht alles über den Haufen werfen, kann natürlich genauso wenig prognostiziert werden wie die Frage, wann ‚Stuttgart 21‘ fertig sein und wieviel es gekostet haben wird.

Frank Amann

13. Juni 2014

Blasenwerfer und Schaumschläger

13. Juni 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Blasenwerfer und Schaumschläger

Das Ergebnis der „Schicksalswahl“ vom 22. bis 25. Mai kann durchaus als Paukenschlag bezeichnet werden. Zum einen lag die Wahlbeteiligung durchschnittlich deutlich höher als beim letzten Mal, andererseits immer noch unter 50%.
Blasenwerfer und Schaumschlaeger_1Die höhere Bereitschaft, bei diesem pseudodemokratischen Polit-Zirkus mitzumachen, ist sicherlich auf die alternativen Parteien zurückzuführen – die Stammwähler der saturierten Alphatiere im konservativen und „sozial“istischen Lager zeigten sich so desinteressiert wie vor fünf Jahren. Läßt dies schon (ein wenig) hoffen, so macht umso mehr Mut, daß der Anteil kritischer Bürger, die sich auch vom Feme-Geheul der etablierten Parteien sowie der lakaienhaften Medien nicht irritieren ließen, erfreulich gewachsen ist und damit erstmals vernehmlich gegen die hemmungs- und rücksichtslose Usurpation eines ganzen Kontinents durch die etablierten Parteien protestierte. In Brüssel, Luxemburg und Straßburg hat sich nämlich ein Sammelbecken von ebenso machthungrigen wie (zumeist) inkompetenten Blasenwerfern und Schaumschlägern etabliert, die – unter dem benevolent anmutenden, mit rosa Wölkchen umrahmten Aushängeschild ‚Vereintes Europa‘ – einfach frech ausprobieren, inwieweit sich Hunderte von Millionen Menschen einseifen, in ihren Lebens- und Arbeitsgewohnheiten beschränken und kasernieren, mit Vorschriften überfrachten und uniformieren lassen.
Doch dabei haben diese selbsternannten Europa-Parlamentarier die Leidensfähigkeit und Duldungsbereitschaft ihrer in immer größere Abhängigkeit geratenden Steuerzahler gründlich überschätzt und allzu hemmungslos malträtiert. Dafür gab`s nun (und beileibe nicht nur in den jungen „Demokratien“ Osteuropas und den bevölkerungsmäßig kleinen Ländern der EU) erfreulich derbe Prügel für das Establishment der europaweiten Parteiend(a)emokratur, vor allem in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und – man höre und staune – in der Bundesrepublik. Die Bevölkerung verweigerte den vollmundigen Versprechen der politischen Platzhirsche das ohnehin längst arg lädierte Vertrauen und entlarvte ihre jahrelangen Sprüche als das, was sie realiter sind: Seifenblasen und inhaltsloser verbaler Schaum. In Frankreich, England und Dänemark waren die jeweils alternativen Parteien sogar deutliche Wahlsieger!
Blasenwerfer und Schaumschlaeger_2Zwar ist der Kelch eines Martin Schulz als EU-Präsident (dank des Ergebnisses der SPE-Fraktion) noch einmal an uns vorbeigegangen, aber mit Jean-Claude Juncker – sofern Mutti Merkel doch noch huldvoll nickt – haben wir zwar einen fachlich deutlich kompetenteren, aber vor allem dem wirtschaftlichen Establishment (VEP) verpflichteten und in seiner Verläßlichkeit höchst „biegsamen“ Kandidaten für diesen Posten.
Gefahr für den Schaumschläger-Club droht jedoch von ganz anderer Seite; der ‚Front National‘ (FN), die ‚United Kingdom Independence Party‘ (UKIP) sowie die alternativen Parteien Nordeuropas, der BRD (AfD) und Österreichs, der Niederlande, Belgiens und Südosteuropas werden zwar in Brüssel selbst keine nennenswert mächtige Opposition bilden und gemeinsam agieren können, sehr wohl aber in ihren eigenen Ländern nachhaltig für Unruhe sorgen und damit die Gesamtgemengelage dessen erschüttern und gefährden, was die Draghis, Barrosos, Schäubles und Merkels, Camerons und Hollandes längst als fait accompli (zu Deutsch: ‚gemähte Wiese‘) betrachtet hatten.
Das „Spielfeld“ ‚Vereintes Europa‘ mit 500 Millionen braver Konsumenten, Steuerzahlern und Wählern ist längst nicht so sicher umzäunt und hermetisch abgeriegelt, wie das die politischen Monopolisten glauben zu dürfen meinten; die Karten werden neu gemischt, und die Völker melden sich mit eigenen Bedürfnissen, Ängsten und Gedanken vehementer zu Wort, als ihnen dies ihre politischen Leithammel (und -hammelinnen ☺) zugetraut haben.
Langsam macht sich die Erkenntnis breit, daß echte Demokratie per se nur eine regionale Veranstaltung sein kann. Ein zwangsvereintes Europa als wirtschafts-, sozial-, steuer-, kultur-, finanz- und bildungspolitisches Einheitskorsett braucht und will niemand.

H.-W. Graf

5. Juni 2014

Für Sie gelesen: Der Crash ist die Lösung

5. Juni 2014|Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Der Crash ist die Lösung

– Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten –

Autoren: Matthias Weik und Marc Friedrich
Verlag: Eichborn Verlag, Köln
Preis: € 19,99
Umfang: 378 Seiten
ISBN: 978-3-8479-0554-7

Die Bestsellerautoren Matthias Weik und Marc Friedrich („Der größte Raubzug der Geschichte“) entlarven abermals die Finanzindustrie und zeigen Möglichkeiten zur persönlichen Vermögenssicherung sowie alternative Wirtschaftssysteme auf.

Es stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob der Crash kommen wird, sondern lediglich wann. Denn alle Maßnahmen zur Banken-, Länder- und Euro-Rettung laufen auf volkswirtschaftliche Schadensmaximierung und den Staatsbankrott Deutschlands hinaus. Die Enteignung der Bürger für diesen Fall wird längst vorbereitet. Staatsanleihen, Renten- und Lebensversicherungen, Konten – das sind die großen Verlierer im Falle eines Crashs, der lieber früher als später kommen soll, denn nur dann sind Politik und Wirtschaft bereit, radikal etwas zu verändern. Wie man sein Geld rechtzeitig in Sachwerte umschichtet, um sein Erspartes nicht zu verlieren, erklären die Finanzstrategen für jeden verständlich. Jedoch kann aus einem Crash auch etwas Positives und Bereinigendes hervorgehen.

Die Kernaussagen aus „Der Crash ist die Lösung“:

  • Die Finanzbranche hat nichts gelernt – die Krisenverursacher sind die Krisengewinner!
  • Unser Finanzsystem ist zum Scheitern verurteilt und wird nur künstlich am Leben erhalten.
  • Politik und Finanzsektor betreiben volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Bürger, um Zeit zu gewinnen.
  • Es werden am laufenden Band Gesetze gebrochen von oberster Stelle, um ein gescheitertes, politisches Währungsexperiment künstlich am Leben zu erhalten.
  • Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich, aber auch die Niederlande und die USA sind de facto bankrott.
  • Eine ganze Generation in Europa wird verbrannt – Rekordarbeitslosenzahlen in Südeuropa.
  • Der Euro eint nicht Europa, der Euro zerstört Europa.
  • Der Euro ist bereits gescheitert! Geld, das man retten muß, ist kein Geld.
  • Eine falsche Politik schafft einen brandgefährlichen Nährboden für Extremisten, Populisten, Separatisten und Gewalt. Die europäische Idee ist in Gefahr!
  • Vielen Ländern geht es mit dem Euro wesentlich schlechter als ohne Euro.
  • Die Mehrheit der Deutschen profitiert nicht vom Euro und ihr geht es seit Einführung des Euros sogar wirtschaftlich schlechter als zuvor!
  • Der Exportweltmeister Deutschland ist zum Niedriglohnland verkommen.
  • Der Exportweltmeister wurde teuer erkauft auf Kosten der Menschen.
  • Das Finanzsystem wird crashen, daher: raus aus Papierwerten – rein in Sachwerte.
  • Die Zeit der Rendite ist vorbei – es geht um Vermögenserhalt. Die Enteignungen in Zypern waren erst der Anfang.
  • Der Kapitalismus wurde abgeschafft.

Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, Finanzexperten, Redner und Bestsellerautoren. Ihr erstes Buch „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“, das im Mai 2012 erschienen ist, steht seit über 20 Monaten auf der Bestsellerliste. Im ‚Manager Magazin‘ belegte es sechsmal Rang eins und beim ‚Spiegel‘ elfmal zwei. Was Weik und Friedrich über die komplexen Probleme in der Finanzwelt schreiben, ist pointiert, faktenbasiert und erstaunlich unterhaltsam. Den Autoren gelingt es, mit ihrer klaren und verständlichen Sprache ein breites Publikum zu erreichen, vom 16-jährigen Schüler bis zur Oma mit 80.
Mittlerweile ist das Buch auch in Korea, Taiwan und China erschienen. Im April 2014 erschien „Der größte Raubzug der Geschichte“ bei Bastei Lübbe als Taschenbuch.

30. Mai 2014

Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel

30. Mai 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel

Wie ein Mantra beten die Politiker – teils aus völliger Unkenntnis der Zusammenhänge, teils in bewußter Täuschungsabsicht – den Evergreen ‚Inflation ist besser als Deflation‘!
Perverserweise führen sie hierbei auch noch den mit Inflation zumeist einhergehenden Zuwachs an den jeweiligen Leitindizes der Börsen als „Beweis“ an; da der DAX in den letzten Wochen hierzu nicht wirklich taugte, mußte für diese perfide Argumentation der Nikkei herhalten. Interessanterweise ist aber gerade der Letztgenannte ein Beispiel dafür, daß eine Deflation weder die Bürger in den Wahnsinn oder in erhöhtes Suizid-Verhalten treibt, noch die absolute Schuldenquote dadurch steigt. Im Gegenteil, durch die Abwertung des Yen, der seit 2011 fast 30% seines Wertes verloren hat, hat sich der absolute Schuldenstand der privaten wie auch der öffentlichen Haushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sogar leicht reduziert. Erst kürzlich (und aus völlig anderen Gründen) steigt die Staatsverschuldung Japans wieder. Einerseits werden natürlich zwar Japans Exporte billiger (sofern die Handelswährung nicht auf US-$ oder Euro lautet), andererseits verteuern sich (regelmäßig in anderen Währungen laufende) Importe, was sich speziell bei Rohstoffen – daran mangelt es Japan – besonders negativ auswirkt.
Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel1Ein ähnliches Beispiel liefert Indien, bzw. – genau umgekehrt – Brasilien; der asiatische Subkontinent verzeichnet real ein leicht steigendes Bruttoinlandsprodukt. Durch seine stark schwächelnde Rupie steigen nun einerseits (wenngleich in überschaubarem Maße) die Exporte, gleichzeitig schwächen sich aber die Importe ab, während in Brasilien der fallende Wert des Real nur dank der steigenden Rohstofferlöse (die traditionell fast ausschließlich in US-$ abgerechnet werden) abgefedert wird und damit die bereits aufflammenden sozialen Unruhen noch einigermaßen auf bestimmte soziale Brennpunkte des größten Landes Südamerikas beschränkt werden können.

Zurück in die Euro-Zone: Letztlich vertrauen die Politiker bei ihren Märchen darauf, daß die meisten Bürger von wirtschafts- und währungspolitischen Zusammenhängen nicht die geringste Ahnung haben (zumeist ist dies bei den Politikern nicht anders) und bauen darauf, daß das „Fernziel“ der EZB – O-Ton Barroso:Mit einer Inflation von knapp 2% könnte die Euro-Zone bequem leben“ – schon irgendwie zu schaffen sein müßte, was zur Folge hätte, daß einerseits die Steuereinnahmen (allen voran die Mehrwertsteuer) steigen, andererseits die Schulden relativ geschmälert würden und sich zudem Raum für steigende Einkommen ergäbe, was dann als Erfolg der Gewerkschaftspolitik umgedeutet werden könnte. Außerdem verringerte sich auf diese Weise die europaweit gehaßte wirtschaftliche Dominanz der Deutschen, was den politischen EU-Granden besonders trefflich zupaß käme.
Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel2Daß die kalte Progression und eine gegenüber dem April 2013 rund 1,4%ige Verteuerung des Durchschnitts-Warenkorbs keine Lösung für die immensen Schuldenberge in praktisch allen Ländern der EU(ro-Zone) sein können, müßte eigentlich jedem halbwegs Mitdenkenden klar sein.
Natürlich ist es dann eine Frage des Charakters, dies den Wählern und Konsumenten auch ehrlich zu sagen. Aber gerade Charakter ist eine nicht sonderlich hilfreiche Qualität für Politiker.

H.-W. Graf

16. Mai 2014

Ukraine – die unendliche Geschichte

16. Mai 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Ukraine – die unendliche Geschichte

Auch in dieser Woche war die Ukraine das beherrschende Thema nicht nur in nahezu allen Medien, sondern natürlich auch in Talkshows, auf Konferenzen und in Debatten unter Bankern, Investmentmanagern und Vermögensverwaltern. Erschreckend, wenngleich wenig verwunderlich, ist eigentlich nur, wie unendlich kleinkalibrig die argumentative Munition ist, die auf diesen Versammlungen, in Artikeln und Medienberichten zu diesem Thema „verschossen“ wird. Ein kurzer Blick in die Historie: Seit 1990, dem Zusammenbruch des von Moskau gesteuerten ‚Ostblocks‘, haben sich die NATO – wem, außer den Waffenproduzenten, deren Lobbyisten und pathologischen Eroberungsphantasten nützt dieser „Verein“ eigentlich noch?!? – und (seit 2001) die EU um 13 Staaten nach Osten an Rußland herangepirscht.
Ukraine - die unendliche Geschichte_1Die Vorgänger Wladimir Putins, Michail Gorbatschow und Boris Jelzin, ließen sich – bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere – vom Westen einlullen und mit falschen Versprechungen füttern (Gorbatschow) bzw. hofieren in ihrer Mischung aus Eitelkeit und Dummheit (Boris Jelzin); beide waren aus diesem Grunde zu einer Gegenwehr ebenso wenig bereit und fähig, wie zu eigentlich angeratenem Mißtrauen.

Was allen vernünftigen und friedliebenden Menschen eigentlich als Menetekel hätte gelten sollen und können, war der Zusammenbruch des jugoslawischen Kunststaates, in dem ein Dutzend Völker, drei Dutzend Ethnien und Dutzende unterschiedlicher Sprachen, Dialekte und Kulturalitäten zu einem politischen Konstrukt zwangsvereint wurden. Dieses brach nach dem Wegfall der politischen Klammer unter fürchterlichen Opfern für die Zivilbevölkerung binnen weniger Monate zusammen; die Folge war ein jahrelanger Selbstzerfleischungsprozeß, der von außen bestenfalls tatenlos beobachtet, schlimmstenfalls mit Waffen unterstützt und kriegerisch begleitet wurde.
Ukraine - die unendliche Geschichte_3Nun droht der Ukraine, die nach dem 2. Weltkrieg ebenfalls kunstvoll zu einem Partner der ‚Union der sozialistischen Sowjetrepubliken‘ zusammengestrickt wurde, das gleiche Schicksal. Dabei war sowohl die Abhängigkeit von Moskau als auch die Dominanz der Russen in der Bevölkerung – hauptsächlich im Osten und Süden der Ukraine, aber auch im Westen – von vornherein auffällig, politisch dienstbar und nach Lage der Dinge auch unvermeidbar; immerhin sind das Asowsche Meer und das Schwarze Meer mit seinen russischen Häfen (nicht nur die vier wichtigen Häfen auf der Krim) für Rußland von hohem strategischem Wert, und zu deren Schutz unterhält Rußland dort seit Ende des 2. Weltkriegs Kasernen mit einer Truppenstärke von bis zu 15 Bataillonen.
Aber auch kulturell und historisch sind große Teile der Ukraine – wiederum vor allem im Osten (durch seine Nähe zu Rußland) sowie auf der Krim – seit mehr als 1.000 Jahren nicht nur größtenteils russisch, sondern geradezu die Wiege des heute flächenmäßig größten Landes der Welt. Immerhin war es die Gegend um Kiew, in der die Waräger die Keimzelle des Volkes der Rus begründeten – mit Kiew als erster Hauptstadt! Aber die wenigsten (auch Ukrainer und Russen) wissen heute noch, daß Kiew länger Hauptstadt Rußlands war als Moskau und St. Petersburg zusammen.
Nunmehr zerfällt also, was nach dem 2. Weltkrieg künstlich zwangsvereint wurde – ein Lehrbeispiel für das, was letztlich auch dem Europäischen „Konzentrationslager“ drohen wird! Leidtragende sind – wie immer bei politischen Konflikten – natürlich nicht die Zündler und Luntenleger unter den Politikern und die dahinterstehenden Strippenzieher der Macht und des politischen Einflusses, sondern die Bevölkerung in ihrer hoffnungslosen Wehrlosigkeit und lethargischen Apathie.
Ukraine - die unendliche Geschichte_2Nur schade, daß sich denkfaule und wirklicher Informationabilität verweigernde Bürger Westeuropas nicht bereit finden, den politischen Kriegstreibern vehement und entschieden in den Arm zu fallen; stattdessen wird mit einer Mischung aus tumber Sensationsgier und verständnislosem Kopfschütteln verfolgt, was sich dort im Südosten Europas, keine Raketenflugstunde von Deutschland entfernt, abspielt.
Den Kriegstreibern in Washington, London, Paris und Berlin ist das nur recht, lenkt es doch von den realen sozialen und ökonomischen Problemen der EU so bequem und konvenient ab.

Den Märkten ist das politische Schmierentheater in und um die Ukraine mehr oder weniger egal; die Indizes schwanken um die Marken, die sie seit Wochen jeweils nach oben und unten testen. Gleiches gilt für den Dow Jones, den S&P, ja sogar die asiatischen Märkte sowie die Edelmetall- und Rohstoffbörsen – mit nur marginalen Unterschieden.

Lassen Sie sich vom Waffengeklirr der politischen Psychopathen und ihrer medialen Speichellecker nicht ins Bockshorn jagen!

H.-W. Graf

14. Mai 2014

FTS – die „Zeche“ zahlt der Sparer

14. Mai 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für FTS – die „Zeche“ zahlt der Sparer

Nun soll sie also kommen, die Finanztransaktionssteuer (FTS); so hat zumindest der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Mittwoch entschieden. Demnach sollen nahezu alle Börsengeschäfte mit einer Steuer von 0,1% belegt werden, Termingeschäfte sollten einem harmonisierten Mindeststeuersatz von 0,01% unterliegen. Dagegen hatten Großbritannien und Schweden geklagt – aus unterschiedlichen Gründen: Schweden hat bereits vor fast 30 Jahren mit einer Börsenumsatzsteuer katastrophale Erfahrungen gemacht, da deren Eintreibung einen enormen logistischen Aufwand erforderte, gar nicht lückenlos zu bewerkstelligen war und eigentlich nur die Sparer traf. Großbritannien hat andere Motive, sich gegen eine FTS zu wehren: Außer Geldgeschäften – genauer gesagt: Handel mit Rohstoffen, Edelmetallen, Währungen, Anleihen und Aktien – hat dieses Land eigentlich wenig Möglichkeiten, am internationalen Handel teilzunehmen. Wann hatten Sie das letzte Mal ein Produkt ‚made in Great Britain‘ in der Hand?

Da diese FTS aber nur von 11 Ländern eingeführt werden soll, diese sich aber noch keineswegs einig darüber sind, welches Finanzprodukt mit welcher Steuer belegt werden soll, und außerdem die technische Durchführbarkeit, gerade was den Hochgeschwindigkeitshandel (‚High-Frequency-Trading‘) anbelangt, noch völlig im Unklaren schwebt, wird mit der realen Einführung dieser FTS (wenn überhaupt) wohl frühestens 2016 oder `17 zu rechnen sein.
Aber auch dann fehlt uns die Phantasie, wie speziell im Hochgeschwindigkeitshandel, der immerhin heute bereits mehr als 35% aller Börsengeschäfte ausmacht, die rechtmäßige Abführung dieser Steuer gewährleistet und vor allem überprüft werden soll.
Letztlich zahlt diese Steuer natürlich nicht die Finanzindustrie, sondern diejenigen, die von sämtlichen Parteien und Politikern ständig darauf hingewiesen werden, doch gefälligst selbst für ihr Alter mit vorzusorgen und dies nicht einzig dem Staat, der gesetzlichen Sozialversicherung und den Betrieben zu überlassen – die Sparer.

Die Deutschen reich wie nie
Heißa, welch freudige Nachricht: Soeben wurde bekannt, daß die Deutschen ein Geldvermögen von 5,15 Billionen besitzen; dies setzt sich zusammen aus Wertpapieren, Lebensversicherungen sowie Ansprüchen aus betrieblichen Altersversorgungen. FTS – die Zeche zahlt der Sparer_1
Demnach verfügt jede(r) Bundesbürger(in) statistisch über ca. 63.580 €. Davon abgesehen, daß derartige Statistiken keinerlei realen Nährwert haben, besteht das Problem darin, daß zwar das Gesamtvermögen gegenüber dem Vorjahr um 1,6% gestiegen ist (was rund 79 Milliarden Euro ausmacht), der größte Teil dieser rechnerischen Werte aber für die Bundesbürger gar nicht flexibel verfügbar ist, weil es sich dabei um ratierlich ausgezahlte Renten handelt, die nicht kapitalisiert werden können. Da geschätzt etwa 30% dieser Wertzuwächse von der Steuer aufgefressen werden und es sich zu rund 85% um Geldwerte handelt, die auch noch von der Inflation angeknabbert werden, darf nüchtern – und das dämpft die Freude über diesen wachsenden „Reichtum“ doch enorm – konstatiert werden: Die meisten Bundesbürger haben kaufkraftmäßig ein weiteres Minusjahr hinter sich.
Herrn Schäuble und Bundesmutti Merkel stört dies nicht im Geringsten. Süffisant ließ der Bundesschuldenminister angesichts neuer Rekord-Steuereinnahmen verlauten, daß er „der Letzte“ sei, „der sich gegen den Abbau der kalten Progression* ausspräche“. Die Merkels und Schäubles können eigentlich nur froh sein, daß der Durchschnittsbürger sich für nahezu alles mehr interessiert als für politische Inhalte; dies überläßt man Parteien und Politikern, obwohl die meisten spüren und einige konkret wissen, wie gnadenlos sie über den Löffel balbiert, als Wähler, Konsumenten und Steuerzahler mißbraucht und ausgehalten werden.

Hierzu paßt dann hervorragend die nächste Folge der Seifenoper ‚Spielen wir Demokratie‘, die Europa-Wahl am 25. Mai, und hierzu dürfen wir Ihnen – falls Sie diese Folge gesehen haben, schadet es nicht, sie ein zweites Mal anzusehen – die jüngste Ausgabe (29.04.2014) der Sendung „Die Anstalt“ dringend (!) anempfehlen. Klarer und deutlicher kann man die Zusammenhänge, vor allem aber die politisch dahinterstehende Intention und den frivolen Zynismus der PolitikerInnen nicht mehr verdeutlichen:
ZDF – Die Anstalt – vom 29.04.2014 – www.youtube.com

* Dies bezeichnet den Umstand, daß eine Brutto-Gehaltserhöhung zu keinem Netto-Lohnzuwachs führt, da die Summe der Steuerabzüge durch das Hineinwachsen in eine höhere Tarifgruppe den „Mehrertrag“ mehr als kompensiert.

12. Mai 2014

Die Euro-Zone wird zur Schuldenzone

12. Mai 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Die Euro-Zone wird zur Schuldenzone

In Paris und Rom fliegen Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper als Protest gegen Sparmaßnahmen und Einschränkungen im Sozialhaushalt, den Abbau des Beamtenmolochs und die Kappung von Privilegien öffentlich-(un)rechtlich Bediensteter. Dabei haben der französische Premier Valls und sein italienischer Kollege Renzi damit noch gar nicht angefangen – aus Angst vor der Reaktion ihrer Bevölkerungen. Sie spielen lieber mit einer weiterhin expansiven Geldpolitik der EZB.
In der Tat ist die Situation beider Länder wenig erheiternd, zwar liegt in beiden Ländern die Inflation knapp unter 1%, aber das Haushaltsdefizit Frankreichs beträgt 4,2% (Italien: knapp 3,1%), und das Wachstum Frankreichs wird auch in diesem Jahr kaum über 0,7% hinausgehen (Italien: ca. 0,8%) – all dies bei historisch niedrigen Zinsen. Beide Länder büßen für uralte Sünden. So kommen in Frankreich auf 1.000 Einwohner mehr als 90 Beamte; mit einem Renteneintrittsalter von 62 haben sich die letzten vier Premiers zwar günstig Stimmen eingekauft, ihren Budgets jedoch schlimmen Ärger beschert. So liegen die Staatsausgaben in der “Grande Nation” bei 57% des Bruttoinlandsproduktes, und wegen der hohen Lohnstückkosten ist Frankreichs Wirtschaft international schon längst nicht mehr wettbewerbsfähig.

„Zu viel Leiden, zu wenig Hoffnung – das ist die Lage Frankreichs.“
Manuel Valls, Premierminister Frankreichs

Auch in Italien wird der öffentliche Sektor weit über Gebühr bedient; wer Steuern zahlt (oder sein Gewerbe bzw. seine Freiberuflichkeit überhaupt angemeldet hat), ist selber schuld. Ein kleiner Beitrag zum Lebensunterhalt an den örtlichen Bürgermeister schafft Steuerprobleme oft viel schneller aus dem Weg. Der Plan der EZB (nachgerade angesichts der Situation in beiden o.g. Ländern, aber auch angesichts der anhaltend schwierigen Situation in Spanien, Griechenland und Portugal) besteht darin, durch weiterhin niedrige Zinsen einen moderaten Abbau der nationalen Schuldentürme zu erreichen. Das jedoch dürfte – gerade für die südeuropäischen Staaten – einer zusätzlichen Ladung Drogen für Junkies entsprechen, denn das Konzept ‚Wachstum und Ruhe im Wählervolk durch noch mehr Schulden‘ dürfte die Unbedenklichkeit, neue Schulden zu machen, noch zusätzlich steigern. Darüber dürfen auch die lauthals gefeierten Handelsbilanzüberschüsse in Spanien und Portugal, die ersten seit 2009, nicht hinwegtäuschen, denn in beiden Ländern (wie auch in Griechenland) hat sich einfach das Verhältnis von Importen zu Exporten verändert; wenn weniger Waren importiert werden, verbessert sich automatisch die Handelsbilanz, auch wenn der Export nicht steigt. Er muß nur weniger sinken als die Summe der Importe.

„Der Aufschwung geht weiter, er ist moderat.“
Mario Draghi, Präsident der IZB, über die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone

Im Falle Griechenlands sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2009 um 25%, die Schuldenquote liegt inzwischen bei 175% des BIP. Da jedoch die Importe inzwischen um 21% (ggü. 2009) gefallen sind, wird erstmals von einer „Verbesserung des Haushaltsüberschusses“ – wohlgemerkt: ohne den Schuldendienst überhaupt zu berücksichtigen! – fabuliert. Ebenso stolz wird verkündet, daß der jüngste Tender von 3 Milliarden an griechischen Anleihen reißenden Absatz fand und siebenfach überzeichnet war. Nun ja, zum einen bürgt die EZB für die ausgeschriebenen 4% Rendite, zum anderen: Was sind 3 Milliarden im Verhältnis zu 321 Milliarden an Staatsschulden, von denen 25 Milliarden noch in diesem Jahr getilgt werden müssen?!

Die Euro-Zone wird zur Schuldenzone_1 Die Euro-Zone wird zur Schuldenzone_2Nein, die billionenschwere Liquiditätsspritze der EZB haben (vor allem) die (südlichen) Banken zum Kauf heimischer Staatsanleihen mißbraucht, statt an Betriebe und Konsumenten Kredite zu vergeben. Obwohl die Zinsen seit 2011 (1%) um 75% sanken (heute 0,25%), stiegen die Schulden Italiens von 30 Milliarden auf heute 217 Milliarden, in Spanien sogar von 40 auf 338 Milliarden. Die Ausfallrisiken haben sich – mit Ausnahme der Kernländer Deutschland, Niederlande, Finnland und Österreich – weiterhin deutlich verschlechtert. Aber die Politiker lügen sich selbst in die Taschen und dem Wähler dreist ins Gesicht. Umso aufgeregter wird politisch und medial die neue „Sau“ durchs Dorf – genauer gesagt: durch Europa – getrieben; sie ist blau-gelb lackiert und hört auf den schönen Namen Ukraine!

H.-W. Graf

30. April 2014

Bericht von der 4. Morningstar Investment Conference vom 27. – 28. März 2014 in Amsterdam

30. April 2014|Finanzen / Wirtschaft|Kommentare deaktiviert für Bericht von der 4. Morningstar Investment Conference vom 27. – 28. März 2014 in Amsterdam

Sie zählt zweifellos zu den wichtigsten Daten des Jahres für Fondsmanager und Vermögensverwalter: die Europa-Konferenz von Morningstar, die in diesem Jahr in Amsterdam stattfand, und die 261 Teilnehmer aus 21 Ländern wurden nicht enttäuscht.

In ihrer Key-Note beleuchtete Maxima, Königin der Niederlande, Ehrengast und erste Sprecherin, in bemerkenswerter Weise die Bedeutung des Finanzmarktes für praktisch alle interpersonellen Belange weltweit, egal ob es um die private Vorsorge oder Geldanlage, öffentliche oder private Finanzierung, Entwicklung, Forschung und Lehre, die Infrastruktur eines Landes oder einer Gemeinde, die Errichtung neuer Arbeitsplätze oder die Sicherung bestehender Betriebe geht.
Queen Maxima weiß fürwahr, wovon sie spricht, denn abgesehen von ihrer hochrangigen Ausbildung auf drei Kontinenten war und ist die gebürtige Argentinierin sowohl von der UNO als auch im Rahmen der G20 Global Partnership for Financial Inclusion sowie als UN-Patin für den Aufbau von Mikrokredit-Institutionen in Ländern der Dritten Welt, für das Communité für Ethnische Minderheitsrechte von Frauen sowie viele weitere ehrenamtliche Tätigkeiten im Einsatz. In ihrer Rede betonte sie insbesondere die Verantwortung der globalen Finanzmärkte, nachgerade das ins Werk zu setzen, wovon die Politiker zumeist nur reden. Ihre ohne Pathos aber mit Leidenschaft und ehrlicher Anteilnahme vorgetragene Botschaft diente als Appell an alle Teilnehmer, sich über ethnische und ideologische Grenzen hinweg der Verantwortung bewußt zu werden, die der zentrale Inhalt unseres Berufsstandes sein sollte, egal, ob es sich hierbei um die Konstruktion zukunftssicherer Finanzprodukte, die fachliche Durchdringung der Märkte oder die Beratung der Kunden und Mandanten als Bezieher und Nutzer im Finanzmarkt drehe.

Die anschließende Podiumsdiskussion unter dem Motto „Die Entwicklung des Finanzmarktes in 2014 und darüberhinaus“ war vor allem von der Frage getragen, wie das Vertrauen der Investoren in den Finanzmarkt zurückzugewinnen sei und wie man mit den Verantwortlichkeiten in diesem Markt vertrauenerweckend umgehen sollte, wie Risiken und Verantwortung aktiv zu bewältigen sei, und zwar auf lange Sicht und nachhaltig.

Unter Leitung des Global CIO von Morningstar Investment, Daniel Needham, diskutierten Arnab Das, Chef von Das Capital, David Zahn, Head of European Fixed Income und Sr. Vice President von Franklin Templeton, sowie Asoka Wöhrmann, CIO der Deutsche Asset and Wealth Management. Die Leitung übernahm Laura Pavlenko Lutton, die Direktorin des Fund of Funds Research-Teams von Morningstar Incorporated.
Bereits bei diesem Panel wurde deutlich, vor welch gigantischen Herausforderungen das Weltfinanzsystem, zu dem neben den staatlichen Notenbanken und den privaten und öffentlichen Bankinstituten auch die gesamte Versicherungswirtschaft gehört, steht, wenn es darum geht, teilweise völlig unterschiedliche Strukturen und gewachsene gesetzliche Fundamente aus fast 400 Jahren zu vereinheitlichen und sinnstiftend zu kompatibilisieren. Ungeachtet der politischen Fallstricke, die auf Wählerstimmen bedachte, fachlich zumeist völlig unbelastete Politiker in wechselnder Folge – je nach Wahlzyklus – auslegen, und jenseits ideologischer Gräben und Überzeugungen, die z.B. die europäische von der amerikanischen Finanzwelt trennen, richten sich die Inhalte kluger, vorausschauender und verantwortungsvoller Finanzpolitik natürlich auch nach den jeweiligen strukturellen Unterschieden der einzelnen Volkswirtschaften in den hoch entwickelten Industrieländern sowie den Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie alle haben völlig unterschiedliche Probleme zu bewältigen, Maßnahmen ins Werk und Schwerpunkte zu setzen. Während erstere mit demographischen Problemen und vielfach gefährdeten Sozialsystemen kämpfen, gilt es in Schwellen- und Entwicklungsländern, Basisstrukturen, Infrastruktur und Logistik aufzubauen.

Je nachdem, ob in den einzelnen Ländern mehr privatwirtschaftlich oder mehr staatswirtschaftlich gedacht, gearbeitet und politisch gelenkt wird, unterscheiden sich auch die Wege der Finanzwirtschaft, deren jeweils angebotene und geförderte Inhalte sowie die Vertriebswege, auf denen Finanzprodukte auf den Markt und an den Verbraucher herangetragen werden. Hinzu kommt das Problem, daß 35 zum Teil noch völlig unterschiedlich gestrickte Gesetzeswerke dringend und ehestmöglich aufeinander abzustimmen sind. So gilt es auch, das romanische mit dem anglikanischen Rechtssystem unter einen Hut zu bringen und von Land zu Land teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen davon, was staatlich geregelt und überwacht oder der privatrechtlichen Obliegenheit überlassen bleiben sollte. Nicht genug damit, ringt jedes Land noch mit unterschiedlichen Steuersystemen mit jeweils anderen Schwerpunkten.

Dieses erste Panel nahm den von Queen Maxima gesponnenen Faden fachkundig auf, und alle Teilnehmer waren sich zumindest dahingehend einig, daß zwar leider fachlich wenig vorbelastete Politiker mit ihren opportunistischen Beweggründen und partei- ideologisch behindert oftmals im Weg stehen, daß man sich jedoch nicht zum Büttel einer politischen Lobby machen lassen darf, egal ob es um die gesamte private und kommunale/ öffentliche Finanzwirtschaft, sämtliche sozialstaatlichen Verpflichtungen, das Pensions- und Rentenwesen oder die Infrastruktur unmittelbar gehe.

Vor diesem Hintergrund – dies galt im übrigen für beide Tage und sämtliche Redner – spielten weder die Krim-Krise noch die Frage, ob und wie lange der Euro überleben würde, eine wirklich bedeutsame Rolle. Beide Fragen wurden dafür umso heftiger (und je nach dem Grad der Abhängigkeit des jeweiligen Sprechers von privaten oder staatlichen Instituten) in sämtlichen Pausengesprächen sowie in weiteren, ebenfalls sehr kompetent besetzten Panels diskutiert. Einig waren sich die Diskutanten sämtlicher Gesprächsrunden dahingehend, daß die Angleichung der unterschiedlichen Finanz- und Wirtschaftssysteme viel zu komplex und wichtig sind, als daß man sie Politikern und deren Ränkespielen und machtpolitischen Opportunismen überlassen dürfe.

Teilweise sehr kontrovers wurden die bestehenden sowie die politisch angedachten Haftungskaskaden im (inter)nationalen Anleihenmarkt diskutiert. Wie weit kann/darf/muß die Sicherung finanziellen Engagements gehen?

Auch die Redebeiträge von Arnab Das (“Developed Market Crisis Management and Emerging Market Spillovers: Macro and Market Impact”) und David Zahn („Draghiland: An Anchor for European Fixed Income? Will the Eurozone grow again? Is inflation dead?“) sowie die Darstellung des ‚Norwegischen Modells‘ (Staatsfonds) durch Elroy Dimson und die interessanten Erläuterungen von Philip Straehl („No Portfolio is an Island: A Total Wealth Approach to Asset Allocation“) und Peng Chen („Research Presentation: Dimensions of higher expected return“) bestachen durch klare Daten und Fakten.
Einen gelungenen Ausklang des ersten Tages bot Tomas Sedlacek mit viel Humor und Esprit in seiner Key-Note („Economics of Good and Evil“), mit der er das Plenum auf die Verleihung der Morningstar Fund Awards am Abend einstimmte. Diese fand in beschaulicher Umgebung in einer ehemaligen Kirche (Koepelkerk) statt, und die drei Auszeichnungen wurden in höchst angenehmer, beinahe bescheidener Atmosphäre in drei Kategorien verliehen: Fund Manager of the Year wurden in der Kategorie ‚European Equity‘, Nicolas Walewski, der den Alken European Opportunities hauptverantwortlich managt; J. Kristoffer C. Stensrud und sein Team, die den Skagen Kon-Tiki managen, gewannen Gold in der Kategorie ‚Gobal Equity‘, und Michael Krautzberger, Manager des BGF Euro Bond erhielt den Pokal in der Kategorie ‚European Fixed-Income‘.

Am nächsten Morgen zeigte Angelien Kemna, CIO der APG Groep N.V. in ihrem Vortrag („Pension Fund Investing in Action“) in eindrucksvoller Weise auf, mit welchen Problemen in Zukunft beim Thema „Versorgung im Alter“ (auf privater wie auf staatlicher oder betrieblicher Ebene) zu rechnen sei. Dem folgte eine interessante Roundtable-Diskussion zwischen Jean-Marc Goy von der CSSF, Michael Heise, dem Chef-Ökonomisten der Allianz SE, Angelien Kemna sowie Roderick Munsters, dem CEO der Robeco Group. Hierbei ging es vor allem um die Vereinheitlichung der unterschiedlichen Gesetzesmechanismen in den europäischen Ländern sowie den internationalen Finanzmärkten. Wie unterschiedlich die Vorstellungen und Inhalte sind, mag ein Beispiel erhellen: Während die Europäer unter (mehr theoretischer) Leitung von Luxemburg und Brüssel noch über die adäquate Umsetzung der Richtlinien zu UCITS IV diskutieren, sind die Engländer und US-Amerikaner (teilweise auch die Skandinavier) längst bei UCITS VI und planen bereits für UCITS VII. Generell sehen sich sowohl die Anbieter im Finanzmarkt und deren Umsetzer als auch die Berater auf den unterschiedlichen Ebenen – als Verkäufer in (Struktur-)Vertrieben oder als wirkliche Berater – vor der mühevollen Aufgabe, einerseits regulatorischen Vorschriften zu genügen, andererseits aber die notwendige Transparenz und Qualität in ihre Beratung einzubringen, die den Mandanten, Kunden und Nutzern im Finanzmarkt ein wenig von der Angst und der Scheu nimmt, sich überhaupt mit Finanzfragen zu beschäftigen, statt alles nur (wahlweise) entweder staatlichen Institutionen, den großen Anbietern von Finanzprodukten (Banken, Versicherungen, etc.) bzw. ihren Arbeitgebern (im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung) zu überlassen. Einig waren sich auch bei diesem Panel alle Teilnehmer, daß es vor allem um das Verantwortungsbewußtsein und die Sauberkeit der Marktteilnehmer geht, wenn die Zukunft der Finanzwirtschaft eine bessere als ihre Vergangenheit sein (bzw. werden) solle. Die Zeiten räuberischer Strukturvertriebe müssen ebenso vorbei sein wie hemmungslose Gier unter Bankern und Investmentfondsmanagern, Brokern und Spekulanten.

Diese Zusammenhänge griff nach der zweiten Roundtable-Diskussion, bei der es um Nachhaltigkeit sowohl der Inhalte als auch der Qualität der Beratung ging (Teilnehmer waren Vertreter sehr unterschiedlicher Firmen und Institutionen), auch Daniel Needham auf, der Global CIO von Morningstar, als er auf den besonderen Aspekt der Verantwortung/Verantwortlichkeit wirklicher Beratung – unabhängig davon, ob auf Provisionsbasis oder gegen Honorar – sehr eindringlich verwies.

Bei vielen Teilnehmern dieser zwei Tage, für die man den Organisatoren gleichermaßen gratulieren und danken darf, war ein hohes Maß an Betroffenheit und Bedächtigkeit zu erkennen; vielen scheint allmählich klar zu werden, wie hoch der Schaden durch Ängste, Vorbehalte und das Mißtrauen der Öffentlichkeit gegenüber den Finanzinstituten ist und wie tief diese in der Bevölkerung verwurzelt sind, weil es den meisten Akteuren in der Finanzwirtschaft – beinahe egal, auf welcher Ebene – nur um Umsatz, Erfolge und Gewinne fürs eigene Haus (und Portemonnaie) gegangen war, statt um denjenigen, der fachlich überfordert, aber in hohem Maße auf die Qualität der Beratung angewiesen ist. Das verlorengegangene Vertrauen wieder zu gewinnen, sich der Verantwortung als Berater im Finanzmarkt (oder auch als Verkäufer von Finanzprodukten) bewußt zu werden und dementsprechend nicht nur offiziell, sondern realiter den notwendigen Überwachungsvorschriften Genüge zu leisten, all das könnte als zentrale Botschaft dieser zwei Tage angesehen werden.

Zu wünschen wäre, daß die bei der Morningstar Investment Conference gezeigte Grundstimmung ihren Niederschlag quer durch diesen Kontinent und die gesamte weltweite Finanzindustrie fände.

Ein großes Kompliment an den Veranstalter und sein ausgezeichnetes Team.

Danke für diese beiden Tage.

Hans-Wolff Graf

efv-AG

23. April 2014

Politische Spiegelfechterei

23. April 2014|Gesellschaft, Politik, Sozialpolitik|Kommentare deaktiviert für Politische Spiegelfechterei

Als Reichskanzler Otto von Bismarck 1889 die ‚allgemeine Arbeiter-Rentenversicherung‘ aus der Taufe und zum Gesetz erhob, – übrigens, um damit den „Sozial“demokraten zuvorzukommen – betraf dies nur etwa 20% der Arbeitnehmer, nämlich diejenigen, die‚ schwere körperliche Arbeit zu verrichten‘ hatten. Eine Rente erhielt, wer sein Arbeitsleben gesund* beendete und das 70. Lebensjahr überschritten hatte, wovon nur die wenigsten überhaupt etwas hatten, da nur jeder 10. dieses Alter erreichte; die durchschnittliche Lebenserwartung (ab Geburtsregistrierung nach 48 Stunden) betrug damals knapp 40 Jahre, lag also unter dem heutigen Lebenserwartungs-Standard auf dem afrikanischen Kontinent. Die staatliche Rente wurde damals eigentlich nur als Notgroschen für diejenigen angesehen und eingerichtet, die nicht von Kindern und in ihrer Familie versorgt wurden, sofern sie dieses für damalige Verhältnisse „biblische“ Alter überhaupt erlebten. Folgt man dieser Logik, müßte die gesetzliche Altersrente heute bei deutlich über 100 Jahren liegen, insbesondere vor dem Hintergrund, daß derart harte körperliche Arbeit wie im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts heute so gut wie überhaupt nicht mehr verrichtet wird. Andererseits spielen in unserer Zeit ganz andere Faktoren dafür eine Rolle, daß Menschen selbst das heutige gesetzliche Rentenalter nur mit Mühe (oder gar nicht) in ihrem angestammten Beruf erleben; die psychische Belastung ist bereits seit Jahrzehnten bedeutend höher einzustufen als die physische.
Dennoch wird vor diesem historischen Hintergrund ein Teil der Absurdität erkennbar, die sich um den Begriff der ‚staatlich garantierten Rentenzahlung‘ rankt, denn diese staatliche Zwangsversicherung beließ es beileibe nicht dabei, für die Ärmsten und wirtschaftlich Schwächsten vorzusorgen, vielmehr überboten sich die „christlichen“ und „sozialen“ Politiker dabei, immer mehr Berufe und Bevölkerungsschichten ins staatliche Rentenkorsett hineinzuzwingen – ungeachtet der Frage, ob sich das Gros der Menschen nicht privat, alleine, persönlicher und preiswerter fürs Alter ver- und absichern könnte. Dabei geriet dieses staatliche Renten-Zwangssystem in ein selbst-verursachtes Dilemma: Immer mehr unterschiedliche Berufe mit völlig unterschiedlichen Ausbildungszeiten und Qualifikationsvoraussetzungen mußten vereinheitlicht und unter gemeinsame Regulatorien subsummiert werden. Hinzu kam, daß viele Berufstätigkeiten und sogar ganze Karrieren nur jeweils kurze Lebensdauern hatten; nur noch weniger als 30% aller Menschen üben heute einen Beruf lebenslang aus – zumeist nicht einmal in dem Beruf, für den sie ein(e) Ausbildung/Studium durchlaufen haben.

Ohne nun allzu tief in die Gesamtproblematik der staatlichen Rentenversicherung einzusteigen, wird aber immerhin klar, wie zwielichtig das politische Gerangel um die Deutungshoheit der politischen Parteien dahingehend ist, wofür der Staat eigentlich aufzukommen hat, was „sozial“ und/oder „gerecht“ ist, wobei Parteien kraft ihres selbst angemaßten Urteilsvermögens, völlig zu Unrecht unterstellter Kompetenz und jenseits dessen, was demokratisch sein könnte, den Bürgern schlicht das Recht verweigern, sich als mündige Verwalter ihres eigenen Lebens zu sehen und zu verstehen.
Politische Spiegelfechterei_1Und ganz besonders haarig wird es, wenn von einem geregelten und eine fachliche Ausbildung verlangenden Arbeitsleben völlig entfremdete Politiker darüber meinen, befinden zu müssen/dürfen, wie Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller im Alter zu versorgen seien, wie lange sie (mindestens) arbeiten und in welchem Beruf sie wieviel mindestens verdienen müßten. Doch diese geradezu atemberaubende Überheblichkeit der Politiker wird heute von kaum einem Wähler überhaupt noch hinterfragt, geschweige denn brüsk abgelehnt. Das Gefühl, für das eigene Leben auch eigenverantwortlich gerade zu stehen und zu sorgen, ist den meisten Menschen bereits im Elternhaus völlig abhanden gekommen, und dies politisch einzufordern, käme beinahe einem Hochverrat an der „sozialen“ Marktwirtschaft gleich.

Vor diesem Hintergrund gerinnt die derzeitige Debatte um das Renten-Mindestalter zu einer Art Burlesque, an der sich unsere ach so sozialen MinisterInnen und deren Stäbe öffentlichkeitswirksam abarbeiten und ‚inhaltlich schwierige Verhandlungen‘ (so die besonders kompetente Frau Nahles – das ist die Claudia Roth der Sozis) vortäuschen. Nur schade, daß bei dieser lächerlichen Farce auch unsere Medien mitspielen, obgleich jeder mit den Grundregeln der Mathematik vertraute Mensch nachrechnen kann, daß die (o.g.) „Geburtsfehler“ der Rentenversicherung bereits hauptsächlich dafür verantwortlich sind, daß die Rentenversicherung nicht zukunftsfähig sein kann. Die heutigen migrationsbedingten Probleme und die das gesamte System ebenfalls konterkarierende demographische Entwicklung verschärfen diese Misere der Rentenversicherung nur noch zusätzlich.
In diesem Zusammenhang: Wer die Diskussion zum Thema ‚Lebensversicherungen‘ in einfacher, nachvollziehbarer und prägnanter Weise nicht gesehen hat, hier der Link zur Videothek http://www.phoenix.de/content/828770. Äußerst aufschlußreiche 45 Minuten, die untermauern, wovor wir seit Jahren warnen!

H.-W. Graf

*Die gesetzliche Unfallversicherung (unter Einschluß einiger weniger Berufskrankheiten) wurde bereits 8 Jahre vorher verabschiedet.