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18. September 2014

Rekordtief des Leitzinses

18. September 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Rekordtief des Leitzinses

Nun haben wir also auch hierzulande „japanische Verhältnisse“; die EZB senkte den Leitzins auf 0,05%. Egal, welchen Alters: Das hat in Deutschland noch niemand erlebt, und wer sich noch an die 70er und 80er Jahre mit zweistelligen Hypothekenzinsen erinnern kann, hätte sich das auch wohl nie träumen lassen.

Damals hatten wir aber auch hierzulande noch Steigerungen des Bruttoinlandsprodukts von 4 und 5% sowie Preissteigerungsraten von 7 bis 8%.
Wenn man den Realzins, also den Nominalzins abzüglich der Preissteigerungsrate, als Maßstab und Faustformel nimmt, lagen wir damals auf dem gleichen Niveau wie heute, denn dieser Realzins liegt heute bei etwa 0,7%. Insofern ist des Einen Freud (niedrige Inflationsraten) des Anderen Feind (praktisch keine Rendite für kurzfristig angelegte Festgelder). Und selbst für 10-jährige Bundesanleihen liegt die Rendite inzwischen bei nur noch knapp 0,65%.

Auch wenn den EZB-Granden eine Preissteigerungsrate von 2% als ideal erscheint, so können die Konsumenten mit Preissteigerungsraten nahe der Null-Grenze hervorragend leben. Schwer tun sich nur diejenigen, die bei ihrer Geldanlage absolut jedes Risiko meiden, dennoch aber Renditen erzielen möchten. Daß dies rein logisch praktisch nicht möglich ist, zeigt sich in der Tatsache, daß die Zinsen, Renditen und Erträge des Anlegers von den Kreditnehmern und Konsumenten auf der anderen Seite bestritten werden müssen, so wie von Gewerkschaften durchgeboxte Lohnerhöhungen notwendigerweise zu Preissteigerungen der Anbieter von Waren und Dienstleistungen führen müssen.

Aber all das gehört zu dem immer wieder kolportierten Märchen, ‚nur Wachstum schafft Arbeitsplätze und Wohlstand‘, was insbesondere von Politikern in die Welt posaunt wird, die sich vor Wahlen beliebt machen und sich als ‚sozial‘ und (dennoch) ökonomisch kompetent beweisen wollen.

Die langfristigen Zinsen sind tatsächlich nur den Zinssenkungen der EZB gefolgt, und der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen in Höhe von rund 1% entspricht durchaus dem historischen Mittelwert.
Wir könnten also mit dem derzeitigen Szenario durchaus auch längere Zeit bequem leben – Japan macht es uns seit mehr als 10 Jahren vor.

Irrational ist eigentlich nur der Anleger, der zwar im Supermarkt jedem Schnäppchen hinterher jagt, jedoch Sachwertanlagen [Aktien(fonds), Edelmetalle und andere Sachwerte] erst dann (wieder) kauft, wenn deren Preise schon wieder in luftige Höhen gestiegen sind, anstatt dann zuzugreifen, wenn sie „im Sonderangebot“, nämlich billig, zu haben sind.

Am besten geht es im derzeitigen Szenario denjenigen, die mit Sparplänen, die mit monatlich gleichbleibenden Beträgen bestückt werden, langfristig denken und handeln. Sie erwerben derzeit – ein kluges Management der Vermögensverwalter vorausgesetzt – erheblich mehr Anteile als in Phasen steigender Kurse. Dies wird sich aber gerade dann, wenn sich – und das ist auch historisch absehbar – Aktien- wie Rentenwerte wieder nach oben entwickeln werden, als sinnvoll erweisen. Denn wann die Zinsen wieder steigen, ist sekundär, daß sie es irgendwann tun werden, ist sicher.
Rekordtief des Leitzinses1
Lassen Sie sich nicht vom Geschehen an den Börsen irritieren. Viel beunruhigender ist unserer Meinung nach das (wesentlich) irrationalere Verhalten der Politiker, ob in Syrien und dem Irak, im Gazastreifen und auf den Golanhöhen, in der Türkei und Afghanistan oder im Konflikt zwischen West- und Ost-Ukraine.
Applaudierende Profiteure dieses Szenarios sind nur die Waffenschmieden. Aber auch die bieten amtsmüden oder abgehalfterten Politikern post officium lukrative Jobs!

Wirtschaft und Finanzen, Börsenkurse und Indizes müssen Sie nicht erschrecken, egal ob Sie als Konsument oder Anleger unterwegs sind (s.o.).

H.-W. Graf

12. September 2014

Ukraine – die Krise spitzt sich zu!

12. September 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Ukraine – die Krise spitzt sich zu!

In der ganzen Welt ist jeder Politiker sehr für Revolution, für Vernunft und Niederlegung der Waffen – aber nur beim Feind, ja nicht bei sich selbst.

Hermann Hesse, 1877-1962
(Schriftsteller, Dichter, Maler)

Längst hat die Ukraine-Krise das Format eines üblichen Ost-West-Geplänkels auf der politischen Bühne verlassen; dies haben auch die Märkte bereits vor Wochen antizipiert und spiegeln dies in den entsprechenden Teilmärkten (Agrar, Futtermittel, Waffen, Versorgung und Energie) wider.
Wenn man aber wie wir (durch unsere humanitäre Tätigkeit in Kaliningrad/Königsberg) beide Seiten kennt und berücksichtigt, fällt auf, wie völlig einseitig westliche Medien diese Angelegenheit apostrophieren und ihren Lesern/Zuschauern/Hörern darstellen (oder sollte man sagen: politisch korrekt verkaufen?). Das Rußland Putins büßt heute in vielerlei Hinsicht für die Fehler der Sowjetunion aus den fast 50 Jahren der Herrschaft Moskaus über die „Bruder“staaten des Warschauer Paktes. Dies gilt in besonderem Maße für Polen, das sich historisch und kulturell immer mit dem Westen verbunden sah, politisch aber nach dem 2. Weltkrieg vom Westen aufgegeben und dem Osten überlassen wurde, sowie die drei baltischen Länder, die vorgeblich befürchten, von Moskau annektiert zu werden. Wer jedoch die Situation sowie die wirtschaftlichen und persönlichen Verflechtungen der russisch stämmigen Bevölkerungen in den baltischen Staaten kennt, weiß recht genau, daß ein Angriff Moskaus auf das Baltikum nur politischer Propaganda entspricht, beileibe jedoch nicht der Realität. Da sind die Probleme, die Litauen mit Polen hat, schon wesentlich ernsterer Natur; die werden in den Medien aber lieber ausgeklammert. Polen übernahm durch seine Annäherung an die EU und die Nato vom wiedervereinigten Deutschland die Rolle des östlichen Grenzpostens der westlichen Bündniswelt, und eben diese Rolle möchte Polen nur allzu bereitwillig nun lieber an die Ukraine weitergeben. Dieser nach 1945 rekonstruierte Kunststaat sieht sich aber in einem argen Dilemma: Wirtschaftlich und finanziell völlig am Boden, bevölkerungsmäßig höchst heterogen (im Westen bzw. Osten des ukrainischen Territoriums), energiepolitisch in desolater Abhängigkeit vom östlichen Nachbarn Rußland (die eigene Kohleförderung ist energetisch weniger effizient und zudem teurer als russisches Erdgas, und ohne russisches Know-How sind auch die Kernkraftwerke nicht zu betreiben), stellt die Ukraine eine Art Vielvölkerstaat dar, der nun – ähnlich wie ehedem Jugoslawien – in seine Einzelteile zu zerfallen droht. Bevölkerungsmäßig würden nämlich Teile des Südwestens an Rumänien, des Nordwestens an Polen und des Ostens an Rußland fallen. Aber es geht hier nicht um die Bevölkerung sowie deren Sprache und Kultur, sondern ausschließlich um politisches Imponiergehabe auf beiden Seiten. Dabei sollte man schon die Frage aufwerfen, ob man es für gerechtfertigter hält, daß Moskau die Interessen seiner Landsleute im Osten der Ukraine (etwa 60% in den beiden östlichsten Gebieten) zu schützen versucht, oder ob man für Washington votiert, was seine „Legitimität“ in die Begriffe NATO, Frieden, Freiheit und Europäische Union hüllt, seine militär- und wirtschaftsstrategische Basis immer weiter nach Osten auszudehnen versucht.

Hilfreich hierbei wären vielleicht folgende Fragen: Wie viele russische Militärstützpunkte unterhält Moskau eigentlich in anderen Ländern? Und wie viele, im Vergleich dazu, die USA? Wie viele Länder hat Moskau in den letzten 100 Jahren unter Vortäuschung falscher Tatsachen und gegen jegliches Völkerrecht verstoßend überfallen? Und wie viele die US-Amerikaner?

Das „Spiel“ mit dem Feuer, das Zündeln an der Lunte unter dem Hintern des russischen Bären ist für Washington relativ ungefährlich; weder militärisch noch wirtschaftlich droht hier auch nur der geringste Schaden für die USA (das Leben und die Gesundheit US-amerikanischer Soldaten zählten für die Politiker in Washington noch nie!), wohingegen sich in Europa von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ein zunehmendes Gefahrenpotential mit unkontrollierbaren Auswirkungen auf Millionen Menschen aufzublähen beginnt.

Wie lange wollen wir eigentlich den politischen Hochseilakten egomaner Spinner in Washington, London, Paris, Berlin, Prag, Warschau, Kiew und Moskau noch zusehen? Geht es hier eigentlich nur noch um territoriale Ansprüche, wirtschaftliche Interessen und militärische Sandkastenspiele oder tatsächlich um Menschen und deren Leben, Gesundheit und Zukunft?

Audiatur et altera pars[1] war ein eherner Grundsatz römischen Rechtverständnisses. Unsere Medien aber machen sich zu hirn- und skrupellosen Vasallen von Politikern, die ihrerseits nur Handlanger ausschließlich wirtschaftliche Interessen verfolgender Figuren sind.

Der Wertverlust des Euro gegenüber dem US-Dollar sowie den meisten übrigen wichtigen Währungen, der den Anstieg des DAX in der letzten Woche deutlich relativiert, ist wohl auch von den zunehmend drohenden Gefahren an der europäischen Grenze zwischen ‚Ost‘ und ‚West‘ geprägt. Dies verdeutlicht der Anstieg am Mittwoch um fast 300 Punkte innerhalb von wenigen Minuten, nachdem die (falsche) Meldung erfolgte, Putin und Poroschenko hätten sich auf einen Waffenstillstand geeinigt. Unklar ist auch, was die erneute Leitzinssenkung der EZB auf nunmehr 0,05% bewirken soll, während gleichzeitig die FED darüber spekuliert, ob sie ein Ende des Tapering zum Ende diesen Jahres und eine erste zaghafte Zinserhöhung im Frühling 2015 verkünden oder dies um ein halbes Jahr verschieben soll.

H.-W. Graf
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[1] Auch die andere Seite muß gehört (und respektiert) werden.

11. September 2014

Desinformation stabilisiert das System

11. September 2014|Gesellschaftssystem, Politik|Kommentare deaktiviert für Desinformation stabilisiert das System

Brüssel will – festhalten! – ein Toleranzministerium einführen; mutmaßlich, um erboste EU-Bürger von physischen Übergriffen auf Politiker abzuhalten, weil diese gerade ein Gesetz beraten, den Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten zu verbieten, gleichzeitig aber den Hanfanbau – ausschließlich zur Selbstversorgung mit Haschisch – gestatten wollen.

Widersprüchliche Meldungen und gerüchteweise gestreute Falschinformationen verunsichern die Bevölkerung und verunfähigen die Menschen, klare, eindeutige und zweckdienliche Entscheidungen zu fällen. Derart irritierte Menschen sind dann leichter unter Kontrolle zu halten; sie flüchten sich in die Nischen des ansonsten ungeliebten, bisweilen gar verhaßten Systems, suchen Sicherheit und lehnen sich weniger weit aus dem berühmten „Fenster“.

Das Geheimnis der Freiheit liegt in der Bildung, während das Geheimnis der Tyrannei darin besteht, die Menschen dumm zu halten.

Maximilien de Robespierre
(franz. Politiker und Rechtsanwalt, 1758-1794)

Den eindeutigen Beweis für dieses Verhaltensmuster liefert das Hin und Her der Meldungen zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen, den Nachrichten über die politischen Unruheherde in Südosteuropa, dem Nahen Osten und diversen Krisengebieten in Afrika sowie vielerorts rund um den Globus.
Da ist zum einen von einer Wiederbelebung des Konsums und den ökonomischen Erwartungen der großen Konzerne die Rede, zum anderen steigt die Zahl der Privatinsolvenzen wieder, der PKW-Markt büßt in Europa zweistellige Prozentsätze ein, während die vier großen deutschen Autobauer Rekordgewinne ausweisen, obgleich ihr Absatz in China und Rußland deutlich rückläufig ist. Einerseits befürchten die Börsen- Auguren Schaden für den deutschen Aktienmarkt, wenn die Zinsen – beginnend in den USA, dann übergreifend auf Europa – wieder steigen, andererseits hat der DAX sich von seinem fast 11%igen Rückgang bis heute noch nicht erholt und droht sogar das Tief von Mitte August noch einmal zu unterschreiten. Und auch die Alternative zu seitwärts tendierenden Aktienmärkten – Edelmetalle, allen voran Gold – wollen sich einfach nicht beleben lassen.

Hochkonjunktur haben eigentlich nur die Waffenschmieden, denen im Grunde genommen egal sein kann, wen sie beliefern, denn der heutige Feind kann morgen der Freund sein; umgekehrt gilt das Gleiche. Wen man als Rebell, Terroristen oder (regierungstreuen) Verteidiger bezeichnet, hängt ausnahmslos von der Ideologie des Lagers ab, dem man sich zugehörig fühlt. Dem „guten Freund“ USA ist natürlich jegliche Einmischung in jedem beliebigen Staat verständnisvoll gestattet, wohingegen der personifizierte „Satan“ Putin handeln mag, wie er will; er bleibt der Böse. Liefert er Decken, Versorgungsgüter und Nahrungsmittel in den östlichen Teil der Ukraine, wird dies als Einmischung in fremde Angelegenheiten interpretiert. Gleichzeitig wird er unisono vom Westen aufgefordert, auf die „Separatisten“ doch bitteschön einzuwirken. Die Mitglieder der US-Privatarmee Blackwater „stabilisieren“ das rechtmäßige ukrainische System. Russische Berater in der östlichen Ukraine hingegen gelten als Brandstifter und Provokateure eines dritten Weltkriegs. Obi in Washington verlangt von der EU energische Sanktionen – die USA müssen ja Gegen-Sanktionen aus Moskau in keiner Weise befürchten; Europa hingegen sehr wohl.
Gleichzeitig zerfallen die von den USA nach der Zerstörung der früheren politischen Systeme lädierten Staaten im Vorderen Orient und drohen, in die Hände derjenigen politischen Strukturen und irren Religionsfanatiker zu fallen, die von den USA zuvor als Destabilisatoren der alten Regime aufgebaut, trainiert, ausgestattet und finanziert worden sind. Die Waffen sowie die finanzielle Ausstattung (u.a. die gesamte Logistik) dieser „Konterrevolutionäre“ werden jedoch hauptsächlich von Saudi-Arabien finanziert, dem wiederum ‚besten Freund der USA in der arabischen Welt‘ (Rumsfeld, im August 2012).

Wo kämpfend sich die Menschheit quält, hat’s meist nur an Verstand gefehlt.

Karl-Heinz Söhler
(dt. Unternehmer, Publizist und Lyriker 1923-2005)

Und wo im Gehirn des braven Medienkonsumenten noch ein freier Raum besteht, wird dieser von Zahlen, Daten und Fakten bombardiert für deren Aufbereitung öffentlich-(un)rechtlich bezahlte Wissenschaftler Zeit und Muße haben, üppige Fördergelder abzugreifen. So erfahren wir die durchschnittliche Maikäfer-Befliegung unterschiedlicher Teile der Republik und werden über die unsinnigsten Tatbestände detailliert aufgeklärt. Sinnentstellend und zumeist falsch prononciert aalen wir uns in Anglizismen und sprachlich nur noch als kriminell zu bezeichnenden Wortschöpfungen. Auch dies dient der Desinformation und Verhilflosung breiter Massen.

Einmal mehr: Werden sie sich als mündiger Bürger bitte ehestmöglich der Tatsache bewußt, daß man Sie und mich zuvorderst für zwei Belange benötigt: als Steuerzahler und Konsument. Nachrangig rangieren zwei weitere, sporadisch anfällige Tätigkeiten: als tapfere Verteidiger des hiesigen Systems in kriegerischen Zeiten sowie alle vier, bzw. fünf Jahre als Wähler zur Legitimierung eines undemokratisch ablaufenden Auswahlverfahrens unserer politischen Systemwächter.

Das Informationszeitalter hat längst Einzug gehalten, mit ihm aber auch die beinahe täglich wachsende Gefahr der Desinformationabilität. Die „Spreu“ vom „Weizen“ – veritable Informationen von verwirrendem Informationsmüll – zu trennen wird immer schwieriger, aber auch immer notwendiger, will man emotional und finanziell gesund und zukunftsfähig bleiben.

H.-W. Graf

8. September 2014

Deutsche im Kaufrausch – von wiederkehrenden Meldungen und ihrem Wahrheitsgehalt

8. September 2014|Gesellschaftssystem, Politik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Deutsche im Kaufrausch – von wiederkehrenden Meldungen und ihrem Wahrheitsgehalt

Unter dem Radar der sich fortlaufend zuspitzenden geopolitischen Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten und der Ukraine rücken anderweitige – weniger spektakuläre – Entwicklungen leicht in den Hintergrund. Dennoch sollten auch diese im Auge behalten, oder – noch besser – gelegentlich unter die Lupe genommen werden. Daher geht es heute um die immer wieder aufflackernden Meldungen über den sogenannten ‘Kaufrausch‘ der Deutschen, á la: ‘Deutsche kaufen wie verrückt‘ oder ‘Konsumlaune in Deutschland: kaufen, kaufen, kaufen‘.
Als Grundlage für derartige Meldungen dient zuallermeist der sogenannte Konsumklimaindex, ein Index mit dem nicht die tatsächlich getätigten Konsumausgaben, sondern vielmehr die Stimmung der Verbraucher gemessen wird. Mit Fragen wie beispielsweise: “glauben Sie, daß es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit günstig ist, größere Anschaffungen (Möbel/elektrische und elektronische Geräte usw.) zu tätigen?“ wird dabei Volkes pekuniäre Gemütslage erkundet und gedeutet. Der intensive Blick auf nachstehende Graphik dürfte aber so einiges erklären und relativieren.

Die blaue Linie stellt den jeweils gemessenen Konsumklimaindex dar, die rote Linie bezieht sich auf die realen Einzelhandelsumsätze in den letzten 8 Jahren. Nun ist es zwar so, daß der Einzelhandel nur 32% der privaten Konsumausgaben wiederspiegelt, er dürfte aber die Realität dennoch ganz gut wiedergeben. Auch andere Bereiche wie z.B. die Neuzulassungen von PKW´s zeigen in den letzten Jahren bestenfalls eine ausgeprägte ‘Seitwärtstendenz‘.
Wenn es also in den letzten Jahren eine Konstante gab (bei allen wirtschaftlichen Auf und Abs) dann war es das fast schon langweilige und vor allem stagnierende Konsumverhalten der Deutschen. Es ist offensichtlich weit an der Realität vorbeigepeilt, zu unterstellen, daß aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der damit einhergehenden Unattraktivität von Festgeldern u.ä. mehr Geld ‘verkonsumiert‘ würde. Der reale Geldbeutel und die Stimmung der Verbraucher sind eben doch zwei verschiedene paar Schuhe.
Wie sich das Konsumverhalten entwickeln wird, wenn der Winter naht und möglicherweise ‘Energie‘ wieder einmal in den Krisenmodus rutscht (es wird ja gerade fleißig an der nächsten hausgemachten Energiekrise gearbeitet), bleibt abzuwarten. Gut möglich aber, daß dann auch das ‘Konsumklima‘ erst einmal nennenswert ins Frostige abgleitet. Nach wie vor auf dünnem Eis wandeln die globalen Aktien- und Rentenmärkte, wobei diesmal die ‘grünen‘ Vorzeichen im Wochenverlauf deutlich überwogen.

Obwohl es ja heißt ‘politische Börsen haben kurze Beine‘, dürften die nächsten Wochen weiterhin von stärkeren Schwankungen begleitet sein, denn eine Lösung/Beruhigung der geopolitischen Machtspiele scheint noch in weiter Ferne.

Frank Amann

1. September 2014

Die Globalisierung pervertiert immer mehr

1. September 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Die Globalisierung pervertiert immer mehr

– und dies auf allen Gebieten und Bereichen

Ob es um die Sicherung der Zukunftswege zu Rohstoffen – allen voran Erdöl und -gas, Uran und strategische Metalle –, die Sicherung von Absatzwegen und Lieferketten, billige Produktionsstätten, (militär)strategische Positionierungen, die Sicherung eigener Macht oder neuzeitliche Religionskriege geht, allenthalben wird globalisiert, in Bündnissen und nach internationalen Verträgen gedacht und gehandelt, interveniert und taktiert. „Der ungebremste Freihandel führt“, so der Entwicklungsökonom Dani Rodrik, „nicht zu mehr Wohlstand für alle, sondern zu einem ‚Trilemma der Globalisierung‘: Ein Staat kann nicht mehr gleichzeitig demokratisch, unabhängig und fest in den globalen Welthandel eingebunden sein. Er muß sich für ein oder zwei dieser drei Kriterien entscheiden. Dieses ‚Trilemma der Globalisierung‘ zwingt viele Staaten, ihre Unabhängigkeit aufzugeben und sich – vor allem, was Steuern und Umweltauflagen, Aufrüstung und die humanitäre wie monetäre Verschwendung betrifft – dem Diktat multinationaler Konzerne zu unterwerfen.“
Diese globalen Kolosse sind es auch, die Staaten und Regierungen ihre Handlungsmuster vorschreiben. Politiker werden damit zu willfährigen und hilflosen Marionetten des ‚Global Business‘.
Während aber normalerweise Großkonzerne kaum Interesse an den Millionen Opfern ihrer Gewinnmaximierung, in Kriegen und säkularen wie sakralen Konflikten, Vertriebenen, verwaisten und heimatlosen Flüchtlingen und Opfern dieses globalen Wahnsinns haben, verschränken sich nun zunehmend die monetären, ökonomischen und militärischen Kriegsszenarien auf fünf der sieben Kontinente.
Genau dies führt dazu, daß eine qualitative Wertschöpfung und ein Zuwachs (im Sinne der Mehrung des Wohlstandes und der Lebensqualität) für eine zunehmende Zahl von Bevölkerungen praktisch nicht mehr möglich sind. Der Überfluß in den reichen Ländern geht einher mit einer zunehmenden Verschlechterung der Lebensverhältnisse in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern. Noch nie waren mehr Menschen auf der Flucht (nach Berechnungen der UNESCO etwa 140 Millionen), ohne Lebensunterhalt-sichernde Arbeitsplätze (300 Millionen) oder litten unter den Folgen von weltlichen und religiösen Kriegen (ca. 400 Millionen). In zehn Kriegen* (Nigeria, Syrien, Palästina/Israel, Irak, Pakistan, Ukraine, Sudan, Kongo, Liberia, Afghanistan) zahlen fast 600 Millionen Menschen den Preis für den Größenwahn und Machthunger korrupter Politiker, fanatischer religiöser Extremisten und die Gewinnsucht der Waffen- und Militärlobby.
Gleichzeitig steigt der finanzielle Aufwand zur Beseitigung der Trümmerfelder und zum Wiederaufbau kriegsverwüsteter Städte und Länder in immer erschreckenderem Maße. Wenn uns Deutsche allein der Irak-Krieg durch Militäreinsätze, humanitäre Hilfe und die Unterstützung beim Wiederaufbau sowie zur Abwehr von Terrorbanden bereits jetzt mehr als 25 Milliarden Euro gekostet hat, so entspricht dies nur einem verschwindend geringen Teil dessen, was volkswirtschaftlich der eigenen bundesdeutschen Bevölkerung entzogen und ganz im Sinne der global agierenden Konzerne versaubeutelt wird, statt daß hierzulande in Kitas und Bildung, Infrastruktur und die Sanierung maroder Häuser und ganzer Stadtteile investiert wird.

Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen.

Peter Ustinov (1921-2004)
Schauspieler, Autor, Querdenker

Die Qualität und Quantität der globalen Krisen- und Kriegsgebiete hat seit Beginn dieses Jahrtausends derart massiv zugenommen, daß davon niemand mehr unberührt bleiben kann, denn auch die Verquickungen der einzelnen Nationen und Bevölkerungen sind – nicht allein durch Urlaube, sondern durch private und berufliche weltweite Kontakte – so vernetzt und globalisiert, daß ganze Liefer- und Versorgungsketten uns allen den weltweiten Wahnsinn ins Haus tragen und wir tagtäglich damit konfrontiert werden.

Wenn sich schon unsere Politiker als weder willens zeigen noch in der Lage sehen, den religiösen und ökonomischen Kriegstreibern in den Arm zu fallen, sollten wir BürgerInnen in Wort und Tat aktiv werden – durch unser Konsum-, Spar- und Informationsverhalten, die direkte Ansprache unserer Volksvertreter und die Erweiterung des eigenen Horizonts – und über den Tellerrand dessen, was uns die Medien unterschiedlicher Art an vorgekochtem Informationsbrei und sinnarmem Unterhaltungsmüll kredenzen, hinausschauen.

Daß keine Bevölkerung, keine Volkswirtschaft mit immer geringeren Mitteln, kürzeren Arbeitszeiten, gen Null tendierendem Energieaufwand, zunehmend reduziertem Bildungsstand, immer schneller und billiger, aber bei immer besserer Versorgung für Krankheit, widrigen Umweltbedingungen, höheren Renten und besserer Versorgung in guten wie in schlechten Zeiten wachsen und gedeihen kann, müßte eigentlich jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen einleuchten. Doch genau dies blenden die meisten Vertreter der Gattung homo sapiens sapiens** tunlichst aus; ihnen sind schon mehr als 10 Zeilen und eine Ansammlung von mehr als 50 Worten zu viel, auch wenn sie durchschnittlich 4,7 Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzen, mehr als zwei Stunden für Online-Spiele verwenden und fast 90 Minuten pro Tag wenig sinnstiftend vertelefonieren.

Die Volkswirtschaften Europas mußten in den ersten zwei Quartalen (Ausnahme: die Niederlande) bezüglich ihres Bruttoinlandsproduktes Einbußen hinnehmen; allein das Minus in den drei größten Volkswirtschaften (Deutschland, Frankreich und Italien) belastet das BIP der Eurozone mit einem Rückgang um nahezu 1,1%. Entsprechend verbilligte sich der Euro in der letzten Woche ggü. dem US$ auf unter 1,33 und könnte bis Ende des Jahres sogar auf 1,25 nachgeben. So erfreulich dies als Stimulus für den Export ist, so deutlich wird sich dies als Verteuerung der Importe – insbesondere der Rohstoffe und Energiepreise – auswirken.
Beinahe „traditionell“ leiden darunter die Aktienmärkte, während Staatsanleihen und generell die Rentenmärkte davon profitieren; die absolute Mehrzahl der Wertpapierbesitzer denkt nicht unternehmerisch, sondern ausschließlich kurzfristig gewinnorientiert.
Wer die Situation 2011 noch im Kopf hat, weiß, daß die zu Beginn des dritten Quartals einsetzende Flucht aus den Sachwerten, hinein in Rentenwerte, ihre „Strafe“ ab Ende Oktober fand.

H.-W. Graf

* nach Joshua Goldstein, einem US-Soziologieprofessor: Andauernde Konflikte zwischen zwei oder mehr Interessensgruppen, in denen mindestens 1000 Menschen pro Jahr ihr Leben verlieren
** der wissende weise Mensch

11. August 2014

Sanktionen – Scharade der Hilflosigkeit

11. August 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Sanktionen – Scharade der Hilflosigkeit

Das mediale Propagandagetöse auf dem geopolitischen Schachbrett nimmt ebenso zu wie die Brutalität auf den realen Schlachtfeldern in Israel, dem Gazastreifen, Syrien, der Ukraine, Mali, dem Sudan sowie Dutzenden von weltweiten Kriegsschauplätzen. Da stellt sich einmal mehr die Frage, wohin uns dieser jeglicher Humanität und menschlicher Intelligenz spottende Irrsinn noch führen wird. Offensichtlich ist, daß Besonnenheit, Kooperationswille und ein friedvoll-fairer Umgang miteinander derzeit keine Option für kriegslüsterne Militärs und geisteskranke Politiker ist.
Wer lauthals für Sanktionen gegen Rußland, gemeint ist Vladimir Putin, plädiert – fußend auf dem Vorwurf, Moskau unterstütze die ostukrainischen Separatisten –, der muß sich fragen lassen, mit welchen Sanktionen Washington belegt werden sollte, das sich seit mehr als hundert Jahren in die Politik von weit mehr als 100 Staaten mit Geld, Waffen, strategischen „Beratern“, Ausbildungslagern und privaten Söldner-Armeen maßgeblich einmischt. Allein die (sogar der Kontrolle des US-Kongresses enthobene und aus den Kassen von Geheimdiensten finanzierte) Privatarmee Blackwater hat nach gesicherten Insider-Informationen 200 Elitesoldaten und etwa 50 Berater und Ausbilder in der Westukraine stationiert. Klar, die USA dürfen das, alle anderen gelten als kriegslüsterne Völkerrechtsbrecher!

“Krieg ist ein Zustand, bei dem Menschen aufeinander schießen, die sich nicht kennen – auf Befehl von Menschen, die sich sehr wohl kennen, aber nicht aufeinander schießen.”

George Bernhard Shaw

Aber das scheint den/die Deutschen nicht sonderlich zu berühren, denn 1. ist „man“ Fußball-Weltmeister geworden, und 2., so hat uns die Bundesbank eben wissen lassen, stieg das private Nettovermögen hierzulande (ohne Immobilien) innerhalb des 1. Quartals 2014 von 5,152 Billionen auf 5,206 Billionen €, mithin um 54 Milliarden (knapp 1%). Doch Statistiken sind geduldig: Dieser Nettozuwachs von € 675 pro Einwohner geht an den meisten Bundesbürgern völlig vorbei. So stehen den 26 Mrd. (knapp 50% des statistischen „Zuwachses“), die allein auf „Ansprüche gegenüber Versicherungen“ entfallen, Nettoverluste für ältere Renten- und Lebensversicherungen gegenüber, denn der Gesetzgeber gestattete es den notleidenden Gesellschaften, auch rückwirkend ihre bereits zugesagten Gewinne und Überschußbeteiligungen zu kürzen. Diese legalistischen Enteignungsmaßnahmen sollen die Bewertungsreserven der Versicherer vor dem Ausbluten retten. Daß damit legalisierter Diebstahl an den Inhabern von Millionen Policen begangen wird, berührt Politiker traditionell in keiner Weise.
Doch die Deutschen denken – gemächlich, aber allmählich eben doch – um; so stieg das Sparplan-Aufkommen in Aktien-, Renten- und Mischfonds im 1. Quartal um fast 2% bundesweit. Es scheint sich allmählich herumzusprechen, daß man sich für den Aufbau der eigenen Rentenansprüche und die Sicherung der Zukunft nicht länger auf dem Staat und seine institutionellen Lakaien verlassen darf, sondern besser selbst vorsorgt.
Noch mehr zu begrüßen wäre, wenn dieses Denken auch Einzug in den familiären Bereich und nachgerade in den Bildungskanon an (Berufs-)Schulen fände. Wie lautet (um den thematischen Kreis zu schließen) ein altes russisches Sprichwort: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“!

H.-W. Graf

8. August 2014

Israel/Palästina – Folgen einer „Erbsünde“

8. August 2014|Außenpolitik, Kultur und Geschichte, Politik|Kommentare deaktiviert für Israel/Palästina – Folgen einer „Erbsünde“

Seit nunmehr 68 Jahren schwelt ein Dauerkonflikt unmittelbar vor Europas „Haustür“. Eigentlich begann er bereits 1943; schon während des 2. Weltkriegs bemühte sich Theodor Herzl, ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller, der heute als (einer der) Begründer des modernen politischen Zionismus gilt, in Verhandlungen mit den (damals absehbaren) Siegermächten USA, Großbritannien und Frankreich, für die Juden einen eigenen Staat zu gründen. Zur Wahl standen Argentinien, der Nordosten Ugandas und eben Palästina, das insofern günstig erschien, als es dort einerseits nur eine lose Ansammlung hauptsächlich noch nomadischer Volksstämme gab und die Besiedelung ausgesprochen dünn war. Herzl votierte für das heutige Staatsgebiet Israels unter Hinweis darauf, daß dies das „angestammte Staatsgebiet des Volkes der Juden“ seit 2.400 Jahren sei.
Israel:Palaestina – Folgen einer Erbsuende
Zwar stimmten die Westmächte diesem Plan Theodor Herzls zu, aber die Begründung war insofern völlig falsch, als es niemals ein „Volk“ der Juden (im staatspolitischen und völkerrechtlichen Sinn des Wortes) gab; vielmehr betraf die Vertreibung (‚Diaspora‘) die Religionsgemeinschaft der Juden. Aber dieses Märchen hält sich bis heute und wird speziell von Zionisten und orthodoxen Juden auch weiterhin nach Kräften genährt.

So wie die ehemaligen Kolonialherren Afrikas (unter Mitwirkung der Belgier und Italiener), die zehntausende von seßhaften und nomadisierenden Stämme Afrikas in 51 Länder (heute 55) mit schnurgeraden Grenzen meinten, nach Gutdünken einteilen zu müssen/dürfen – ohne jegliche Rücksicht auf kulturelle Hintergründe und familiäre Zugehörigkeiten –, so selbstherrlich-arrogant wurde auch Palästina, ohne Rücksicht auf dessen unterschiedliche Volksgruppen und Stämme 1948 zum ‚Staat Israel‘ erklärt.
Für die dort lebenden Palästinenser kam auch wenig Unterstützung vonseiten der übrigen arabischen Welt, da die angrenzenden Länder mehrheitlich bereits als Nationen organisierte Staatsgebilde darstellten und ihnen nomadisierende Palästinenser als Nachbarn wenig behagten. Insofern erlitten die Palästinenser ein ähnliches Schicksal wie die Kurden in der Türkei (und fünf weitere Nachbarländer), Sintis/Romas in Europa und die Oromos, der einst größte afrikanische Stamm im Osten Afrikas (Ruanda, Burundi,Kongo/Zaire, Uganda und Kenia).

Heute stehen sich allein im Gazastreifen, der nur wenig größer als der Landkreis München ist, etwa 100.000 militärisch hoch-aufgerüstete Israelis und hunderttausende, teilweise in bitterster Armut lebende palästinensische Flüchtlinge gegenüber.
Und auch in der Westbank, einer Enklave zwischen Jordanien und dem Mittelmeer, herrscht derzeit eine nur trügerische Ruhe, die von ständigen Übergriffen aus und auf Israels arabische Nachbarn begleitet wird.

Daß die Gründung des Staates Israel auf höchst ignoranten, aber opportunistischen Plänen der Westmächte und einem völkerrechtlichen Mythos beruht, kann nicht über die schier ausweglose Lage hinwegtrösten, daß dieses Gebiet sich bis heute in einem latenten Kriegszustand befindet, für den es eigentlich nur eine einzige Chance dauerhafter Befriedung gibt – eine völkerrechtlich und von beiden Seiten anerkannte ‚Zwei-Staaten‘- Lösung. Dem verweigern sich aber die Hardliner beider Seiten und berufen sich dabei – wie könnte es anders sein – auf den jeweiligen göttlichen „Befehl“, die „ungläubige“ Gegenseite ins Meer zu treiben, egal um welchen Preis an Menschenleben.
Die Völkergemeinschaft (unter der euphemistischen Bezeichnung UNO) steht diesem permanenten Brandherd völlig hilflos gegenüber; zu einseitig sind die jeweiligen Interessen. Und deshalb konnte es sich die israelische Regierung seit 1948 auch seelenruhig erlauben, 32 UN-Resolutionen zu ignorieren – um den Preis, daß inzwischen die dritte Generation junger Israelis lernen mußte, in einem lebenslangen Kriegszustand und ständiger Gefahr leben zu müssen.
Da mutet beinahe pervers an, daß bis heute 11 Friedens-Nobelpreise an Vertreter der dort involvierten Kriegsparteien (plus US-Präsidenten) verliehen wurden. Geändert haben sich in diesen 68 Jahren allenfalls die Effizienz der dort eingesetzten Waffen und die Brutalität der Gegner.

Haß, ob religiös oder säkular (z.B. als Rassismus) getarnt, ist die gefährlichste Form der Dummheit!

H.-W. Graf

25. Juli 2014

Willkommen zurück in der Realität

25. Juli 2014|Außenpolitik, Innenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Willkommen zurück in der Realität

Nach vier Wochen der Regentschaft einer Lederkugel, die Milliarden von Menschen in 200 Staaten der Welt in ihren Bann zog, und nach einer Woche des Siegestaumels hierzulande, gewinnt allmählich die Realität wieder Raum. Rente mit 63, die Maut im fortgeschrittenen Embryonalstadium, Juncker als neuer EU-Chef und Martin Schulz als Kommissionspräsident – das Mauscheln um die lukrativen Brüsseler Chefposten ist noch in vollem Gange.

Nun taucht auch wieder die NSA-Ausspähaffaire, der Bürgerkrieg in der östlichen Ukraine, der seit drei Jahren tobende Stellvertreterkrieg Syrien und das erneute Aufflammen des seit 65 Jahren andauernden Kriegs im Nahen Osten (Israel/Palästinenser) auf den vorderen Seiten der Presse sowie als ‚Breaking News‘ in den sendenden Medien auf. Interessant dabei ist vor allem, wie völlig unterschiedlich die „westliche“ Welt ihren BürgerInnen die Zu- und Umstände in den jeweiligen Krisengebieten erläutert. So wird die Wahl in Syrien (mit immerhin 73% Beteiligung) zur „Farce“ erklärt (bei der Wahl zum EU-Parlament im Mai betrug die deutsche Wählbeteiligung weniger als 48%), weil den NATO-Staaten, vor allem den USA, der wiedergewählte syrische Präsident Baschar al-Assad als erklärter Feind dient. Interessant: In Frankreich und Deutschland durften die Auslands-Syrer in den jeweiligen Botschaften nicht wählen, da es sich aus Sicht der Regierungen in Paris und Berlin um ‚keine demokratisch legitimierte Wahl‘ handelte. In der Ukraine hingegen (die Wahlbeteiligung lag bei etwa 43%; viele Wahllokale in überwiegend russisch bewohnten Gegenden blieben geschlossen) wurde der Schokoladen-Oligarch Petro Poroschenko binnen 24 Stunden von den USA und Großbritannien als neu-gewählter Präsident einer ‚wichtigen demokratischen Wahl‘ gefeiert und anerkannt.

Kann sich irgendeiner vorstellen, was geschähe, wenn ein Medium dem US-amerikanischen Präsidenten so unverhohlen die Einmischung in fremde Staatsangelegenheiten, Verstoß gegen Kriegs- und Völkerrecht, Kriegshetze u.ä. vorwürfe, wie dies derzeit gegenüber Vladimir Putin geschieht? Und dazu bestünde jeder Anlaß.
Wäre es nicht hohe Zeit, den USA mit drastischen wirtschaftlichen Konsequenzen zu drohen (wie dies die USA von den Europäern gegenüber Rußland fordern)? Angesichts der Tatsache, daß für Washington der Umgang mit Verbündeten und Freunden nachgerade darin besteht, sie rücksichtslos und flächendeckend zu verdächtigen, auszuspionieren und nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen, sollte Frau M. aus B. mal darüber nachdenken.

Mag die Dame getrost ihren 60. Geburtstag feiern – Onkel Barack schickte ihr gerade ein neues Handy – und mag sich Deutschland unter der Führung seiner GroKo auch auf der Sonnenseite der Welt sehen, die sozialen, finanziellen und wirtschaftlichen Probleme, in denen die Majorität der Länder auf diesem Planeten stecken, wächst allen Hurra-Rufen der westlichen Welt zum Trotze immer weiter.
Wir sagten in unserer Studie „Unsere Welt“ bereits 1992 genau das Szenario voraus, dem sich heute (vor allem) der Süden Europas gegenüber sieht: Millionen chancenloser Afrikaner, die in Europa einfallen – um jeden Preis und in der verzweifelten Hoffnung, hier überleben zu können.

Nein, ohne Fatalist zu sein: unsere Politiker sind weder bereit noch in der Lage, die sich abzeichnende Wirklichkeit auch real zu erfassen. Aber wir BürgerInnen werden uns damit befassen müssen, auch wenn derzeit die Märkte (und sogar das Wetter) nichts zu trüben scheint.

Im Newsletter Nr. 24 (vor der WM) hatten wir Mutmaßungen darüber angestellt, was uns wohl während der medialen Euphorie „heimlich, still und leise“ an Gesetzesentscheidungen politisch untergeschoben würde. Leider kam es schlimmer als befürchtet: Beim Erreichen der Zwischenrunde genehmigte der Bundesrat das Fracking; in der Woche des Sieges gegen Algerien erhielt das angeblich „sanierte“ Griechenland nochmals eine Milliarde Euro überwiesen; und, ganz heftig – bisher waren es nur Planspiele, doch jetzt wird es ernst: Während der Finalrunde hat mit Spanien der erste EU-Staat für alle (!) Bürger eine „Sparersteuer“ durchgesetzt, und zwar sogar rückwirkend zum 01.01.! Damit werden alle Spanier (gesetzlich legitimiert) mit ihren Bankeinlagen einen Beitrag zur Konsolidierung „ihrer“ enormen Staatsschulden leisten.

H.-W. Graf

16. Juli 2014

Bundesdeutsches Bildungsprekariat

16. Juli 2014|Bildungspolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Bundesdeutsches Bildungsprekariat

Ausgerechnet ein ehemaliger Außenminister, Dr. Klaus Kinkel (FDP), muß der GroKo und der Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) Rechts- und Sachhilfe i.p. ‚Kooperationsverbot‘ geben. Dieses Kooperationsverbot verbietet dem Bund, die Förderung der Bildung an sozialen Brennpunkten durch Sozialarbeiter, Sprachlehrer und -kurse sowie hierfür notwendige infrastrukturelle Maßnahmen bereitzustellen oder zu subventionieren, denn Bildung ist nun mal Sache der Länder, mit der Folge, daß wir 16 Ministerien für Unterricht und Kultus in der Bundesrepublik haben, deren Ausrichtung gleichzeitig Gegenstand politischer Konkurrenz und Machtkämpfe sind. Davon abgesehen, daß allein die Tatsache, daß Parteien und Politiker den Bildungshorizont ganzer Generationen glauben, festlegen zu dürfen, darf Bildung noch viel weniger eine Frage ideologischer Auseinandersetzungen sein.

Die nun von Frau Dr. Wanka vorgeschlagene Verfassungsänderung stellt auf eine Unterstützung der Hochschulen der Länder durch den Bund ab, von den Schulen ist dabei jedoch nicht die Rede, obwohl es gerade bei diesen an allen Ecken und Enden fehlt und zudem ein Jugendlicher zwar seine Hochschule, nicht jedoch überall auch seine Schule aussuchen und wählen kann. Nun soll eine parteiübergreifende Kooperative von Bildungsexperten und Politikern per Grundgesetzänderung dieses Kooperationsverbot in Gänze – also für alle Schultypen – beseitigen. Dem stehen jedoch der sture Egoismus und die intellektuelle Kurzsichtigkeit einiger Landesfürsten entgegen, die unbedingt die Deutungs-, Schaffens- und Finanzhoheit für ihre Schulen beibehalten wollen. Immerhin haben die Bundesländer nur noch i.S. Polizei und Bildung überhaupt eine politische Zuständigkeit, alle anderen Belange hat Berlin längst hoheitlich an sich gerissen. Gerade die Kulturhoheit soll den Ländern zwar nun nicht „gestohlen“ werden, andererseits kann, will und wird sich Berlin nicht alleine darauf beschränken, Gelder zur Verfügung zu stellen, ohne auf deren Verwendung auch nur den geringsten Einfluß zu haben. Gerade in der prekären Finanzlage einiger Länder liegt jedoch die Ursache dafür, daß diese an der für jedes Land wichtigsten Ressource spart – der Aus- und Fortbildung seines Nachwuchses. Andererseits ist die Bundesregierung laut Verfassung auch in der Pflicht, die ‚Gleichartigkeit der Lebensverhältnisse‘ über Ländergrenzen hinweg sicherzustellen. Diese ist aber bereits heute an vielen Brennpunkten der Republik höchst gefährdet; von den rund 40.000 Schulen hierzulande gelten etwa 10 bis 15% als sehr gefährdet, weitere 35 bis 40% als problematisch, bzw. mehr oder weniger reparaturbedürftig. So haben nach Untersuchungen in den Brennpunktschulen der Stadtstaaten neun von zehn Schülern große Leseprobleme. Hinzu kommen Hilferufe aus Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Hessen, die dringend (auch fremdsprachige) Lehrer benötigen, da bis zu drei Viertel der Schüler kulturfernen Migrationshintergrund haben und der deutschen Sprache weder in Wort noch in Schrift mächtig sind.

Bundesdeutsches Bildungsprekariat_1Sämtliche bisherigen Versuche, die enormen Unterschiede bei den Schulabschlüssen einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen, schlugen bislang fehl – bei fast zwei Dutzend Schularten gelinde gesagt eine Katastrophe. Auch die angepeilte Lösung eines Zentralabiturs – schrittweise, lediglich für fünf Bundesländer und bis 2016 ! – kann nicht wirklich überzeugen, denn erst die Pisa-Studien seit 2001 haben die Politiker überhaupt für das Thema interessiert; zu viel wird auch in diesem Punkt lieber Brüssel überlassen.

In keinem Bereich ist ein so langer Zeithorizont für die politische Arbeit gefordert, wie im Bereich der Bildung. Andererseits werden die Zeiten für Politiker und der Konkurrenzdruck um die lukrativen Posten im Staats- und Parteienapparat immer größer. Insofern kann nicht überraschen, daß sich Politiker mit dem Thema ‚Bildung‘ auch unter der Frage des Zeithorizonts am allerwenigsten und ganz zuletzt beschäftigen.
Um Politiker zu werden, ist weder ein hohes Maß an Bildung, noch ein entsprechend weiter Horizont nötig. Dies spiegelt sich nachgerade in der Misere unseres Bildungssystems und der schreienden Negligenz wider, mit der dieses Thema seit Jahrzehnten vernebensächlicht wurde und bis heute wird.
Nicht der Geldbeutel bestimmt die Qualität der Bildung – auch wenn dies ideologische Irrlichter und Politpopulisten so gerne implizieren –, sondern das geistig-emotionale Niveau der Eltern und ein weitsichtig-verantwortliches Handeln der Politik!

H.-W. Graf

8. Juli 2014

Lebensversicherungen als Altersvorsorge – die Würfel sind gefallen

8. Juli 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Lebensversicherungen als Altersvorsorge – die Würfel sind gefallen

Jetzt ist die Katze aus dem Sack; in versuchtermaßen beruhigendem Tonfall ließ uns Finanzhäuptling Wolfgang Schäuble wissen, daß der Mindest-Garantiezins bundesdeutscher Lebensversicherer von 1,75% auf 1,25% gesenkt werde.

Lebensversicherungen als Altersvorsorge_1Wohlgemerkt: Dieser Garantiezins bezieht sich nur auf den Teil der Beiträge, die nicht den Risiko- und Verwaltungskosten zuzurechnen sind. Diese betragen – abhängig vom Alter des Versicherungsnehmers und der Laufzeit bzw. der Art der Lebensversicherung – zwischen 12% und 22% des Bruttobeitrags.
Demzufolge beträgt die reale Mindest-Verzinsung künftig knapp unter 1% des Bruttobeitrags. Auch bereits länger laufende Lebensversicherungen müssen mit Einbußen rechnen. Dies betrifft vor allem die Überschußzinsen sowie die Schlußgewinnnteile. Hierbei liegt es in der Hand der Rechenkünstler der einzelnen Versicherungen, darzulegen, inwieweit länger laufende Versicherungen unbotmäßig bereichert würden – zulasten der noch Laufzeit-jüngeren Policen bzw. des Neugeschäfts.
Wovor wir also bereits seit Jahren warnen, darf jetzt als amtlich gelten: Die LV als Instrument privater (oder betrieblicher) Altersversorgung ist tot, und bei der Frage, ‚bestehende Versicherungen weiterlaufen zu lassen‘ oder ‚bereits bestehende LVs beitragsfrei zu stellen‘ oder ‚noch länger laufende Lebensversicherungen schlichtweg zu kündigen‘, kommt es sehr auf den Einzelfall an. Bitte „verdrängen“ Sie diese Problematik nicht – insbesondere gilt dies für Selbständige und Freiberufler, die normaliter keine staatlichen Rentenversicherungsansprüche haben –, sondern unterziehen Sie sich der Mühe, diese Frage von einem unabhängigen Berater prüfen zu lassen. Es kann dabei schnell um etliche tausend Euro in der Kapitalauszahlung oder einige hundert Euro monatliche Rente mehr oder weniger gehen.
Und mindestens ebenso wichtig ist die Frage (bei auslaufenden oder zeitverkürzten Verträgen), ob man auf eine monatliche Rente (entweder zeitlich begrenzt oder lebenslänglich) abstellt oder stattdessen die Kapitalauszahlungs-Variante wählt. Diese Frage ist nicht nur unter steuerlichen Aspekten relevant, sondern auch bezüglich der Flexibilität, die naturgemäß dann höher ist, wenn man nicht auf eine monatliche Rentenauszahlung abstellt.

Lebensversicherungen als Altersvorsorge _2Die Problematik der Lebensversicherung und die willkürlichen Eingriffe des Staates in (zum Teil seit Jahrzehnten) bestehendes Recht ziehen sich wie ein roter Faden auch durch andere Wirtschaftsbereiche. Denken Sie an die hochsubventionierten Windkraft-, Solar- oder Wasserkraftanlagen, mit deren Hilfe Deutschland als weltweit erste Nation komplett unabhängig werden soll von atomarer oder fossiler Energiegewinnung. Neben all den Ungerechtigkeiten, die sich durch die unterschiedliche Behandlung von Firmen unterschiedlicher Größe ergeben, tritt nunmehr – wie bereits des öfteren – das „Phänomen“ auf, daß vormals großzügig gewährte Subventionen nunmehr entweder zurückgenommen oder durch zusätzliche Sonderabgaben quasi bestraft werden; wer sich durch die wohlfeilen Märchen der Politiker, die wieder einmal nur unser Bestes wollten, hat fangen lassen, sieht sich plötzlich in der Steuerfalle, mit zusätzlichen Abgaben belastet oder um ehedem zugesagte Subventionen gebracht, weil diese ins gesamtpolitische Konzept der großen Koalition nicht mehr so recht passen.
Merke: Was der Staat verspricht, muß er nicht unbedingt halten; im Endeffekt zahlen staatliche Wohltaten immer diejenigen, denen diese gewährt werden – die Steuerzahler –, denn der Staat selbst generiert keinerlei Mehrwert oder Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Er verwaltet und verteilt – nach politischen Opportunitäten – selten gerecht und gegen übermäßig teure Gebühren.
Alle schmorenden Krisen weltweit – Ukraine, Irak, Afghanistan, Syrien, … – müssen noch für mindestens zwei Wochen medial in der zweiten Reihe verharren, da die Fußball-WM an Bedeutung alles überstrahlt, was ansonsten so passiert.

H.-W. Graf