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03.02.10
HSBC – Betrogene Betrüger

Von: H.-W. Graf

Bereits im Sommer 2009 bot Hervé Falciani, ein früherer Mitarbeiter in der Züricher Dependance der britischen HSBC, dem französischen Finanzministerium 130 Datensätze zum Kauf an. Die Franzosen griffen ohne lange Diskussion zu, da sie sich hiervon Millionen an bislang hinterzogenen Steuern versprachen.

Aufgrund energischer Intervention der Schweizer Regierung schickten die Franzosen zwar die Original-Datensätze wieder nach Zürich, nicht ohne sich jedoch vorher Kopien zu ziehen. In der Öffentlichkeit blieb diese Maßnahme weitgehend unbekannt; Falciani, der „aus Ekel vor seinem Job, seinen Kollegen und der HSBC“ die Steuerhinterzieher ans Messer geliefert hatte, lebt heute in Südfrankreich – unter ständigem Polizeischutz.

Nun erschüttert ein weiterer Datendiebstahl die ehedem (steuerlich) „paradiesischen“ Zustände in der Schweiz: Dem deutschen Fiskus wurden Daten von 1.500 Steuerflüchtigen angeboten – für schlappe 2,5 Millionen Euro, und angesichts der daraus vermuteten Einnahmen von 100 Millionen Euro an Steuern, Zinsen und Strafgeldern zögerten Merkel, Schäuble & Co. nicht lange und beschlossen, auf diesen Deal einzugehen.

Und wieder trifft es nach gut informierten Kreisen die HSBC, eine der größten Investmentbanken der Welt, deren Vorstandsvorsitzender uns noch im Dezember in einem Interview so salbungsvoll mit biblischen Sprüchen und ethischen Appellen beglückt hat.

Just diese HSBC ist es jedoch, die Hundertausende von gutgläubigen Anlegern um Milliarden betrogen hat, indem sie die Gelder zweier UCITS III-Fonds [1] [‚Herald (Lux)-US Absolute Return I EUR’ und ‚Thema US Hedged Equity Fund’] dem Milliardenbetrüger Madoff überließ, ohne dies Wirtschaftsprüfern und Bundesaufsichtsämtern, Vermögensverwaltern und Anlegern mitzuteilen. Anstatt jedoch diesen klaren Gesetzesverstoß, den Straftatbestand der Untreue und ihr Versagen als Depotbank offen zuzugeben und die Anleger umgehend zu entschädigen, hüllt sich dieses „ehrenwerte“ Haus seit nunmehr 14 Monaten in Schweigen und läßt Anleger wie auch Vermögensverwalter kommentar- und rücksichtslos im Regen stehen.

So geteilter Meinung man dahingehend sein kann, ob sich der Staat zum Hehler machen darf, um seine steuerlichen Begierden zu befriedigen – daß es hier wiederum die Bank trifft, die von klugen und verantwortungsvollen Vermögensverwaltern aufgrund der oben geschilderten Tatsachen bereits seit Dezember 2008 boykottiert und nicht mehr bedient wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie; mit der HSBC wurde (wenn sich die Gerüchte denn bewahrheiten) – vielleicht im Sinne einer übergeordneten Gerechtigkeit – der Betrüger zum Betrogenen. Der Imageschaden, den diese Bank wohl ohnehin (und hoffentlich) auf Dauer erleiden wird, dürfte (nochmals: hoffentlich) weitaus schwerer wiegen und ihr absehbar mehr an finanziellem Schaden zufügen, als wenn die HSBC nach ehrlichen kaufmännischen Gepflogenheiten und einem Verhalten „nach Treu und Glauben“ den von ihr verursachten finanziellen Schaden entsprechend vergütet hätte.

Man möchte diesem Haus eigentlich wünschen, daß noch mehr seiner Mitarbeiter den Mut aufbringen, ihm den Rücken zu kehren und auszupacken.

Weitere Informationen zu diesem Skandal: www.madoff-betrug.de

H.-W. Graf


[1]Fonds höchster Bonität,die nach europäischem Recht und von staatlichen Stellen überwacht als sichere Fonds für die Vermögensanlage zugelassen werden

 
     
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